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Was verursacht Blasenkrebs? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Ist der Tumor heilbar? Und wann muss die Blase entfernt werden?  Kann ein metastasierter Blasenkrebs überhaupt geheilt werden?

Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen zum Thema Blasenkrebs finden Sie im folgenden Beitrag.

Basiswissen

Abb. Blasentumor: Der Krebs kann an unterschiedlichen Stellen der Harnblase wachsen. Manchmal sind sogar mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen.

Was ist Blasenkrebs?

Ein Harnblasenkarzinom (Blasenkrebs) ist ein bösartiger Tumor, der sich in der Blase bildet. Er zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen der Harnwege und sollte möglichst frühzeitig behandelt werden. Ansonsten weitet er sich auf das benachbarte Gewebe wie etwa die Prostata oder die Gebärmutter aus und kann auch in andere Organe streuen. Solange sich die Erkrankung noch im Anfangsstadium befindet, lässt sie sich gut behandeln.

Gibt es auch ungefährliche, gutartige Blasentumore?

Ja, die gibt es durchaus. Nicht jede Geschwulst in der Blase muss die Alarmglocken schrillen lassen. Allerdings lässt sich erst nach einer Probeentnahme von Tumorgewebe definitiv sagen, ob es sich um einen Blasenkrebs oder eine gutartige Wucherung handelt, die keine Metastasen erzeugt und nicht lebensbedrohlich ist. Zu diesen harmlosen Befunden zählen zum Beispiel Hämangiome und Neurofibrome, die von Blutgefäßen bzw. Nervenzellen ausgehen können.

Rund um den Blasenkrebs: Entstehung und Häufigkeit

Ist Blasenkrebs und Urothelkarzinom dasselbe?

Meistens schon. Das Harnblasenkarzinom geht fast immer von der oberflächlichen Zellschicht der Blase aus, dem sogenannten Urothel. Es wird somit häufig auch als Urothelkarzinom bezeichnet. Doch auch andere Zellen in der Harnblase können, wenn auch selten, entarten und zu einer Krebserkrankung führen. Hierzu zählen die sogenannten Plattenepithel- und Adenokarzinome, die etwa 5 % bzw. 2 % der Blasentumore ausmachen.

Ist Blasenkrebs häufig?

Ja, das Harnblasenkarzinom kommt öfter vor, als so mancher denken mag; fast 1 % aller Frauen und 3 % der Männer sind im Laufe ihres Lebens von dem Tumorleiden betroffen – Tendenz steigend; die Zahl an Neuerkrankungen hat nämlich in den letzte 15 Jahren um 30 % zugenommen. Auch Geschlecht und Alter spielen eine wichtige Rolle: Männer erkranken etwa dreimal häufiger an Blasenkrebs als Frauen. Das Lebensalter, in dem die Diagnose Blasenkrebs gestellt wird, liegt durchschnittlich bei 73 bis 75 Jahren; vor dem 40. Lebensjahr tritt die Erkrankung kaum auf.

Ursachen

Blasenkrebs: Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Dass jemand am Harnblasenkarzinom erkrankt, kann an unterschiedlichen Faktoren liegen. Auch können mehrere Aspekte gleichzeitig zusammentreffen, die die Krankheit bedingen. Hierzu zählen:

  • Rauchen
  • beruflicher Kontakt mit krebsfördernden Chemikalien (z. B. Arsen, aromatische Amine)
  • Ernährung
  • metabolisches Syndrom (= eine Stoffwechselstörungen mit Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und erhöhten Blutfetten)
  • Aristololchiasäure (enthalten in Kräutern der chinesischen Medizin und in manchem Unkraut, das als Verunreinigung in Getreideprodukten nachweisbar ist)
  • Medikamente (z. B. Chemotherapie mit Cyclophosphamid, das Antidiabetikum Pioglitazon und chinesische Kräuter, die die krebserregende Aristocholchiasäure enthalten)
  • chronische Infektion der Blase (z. B. durch tropische Parasiten (Bilharziose), Blasensteine oder die Versorgung mit einem Blasenkatheter).
  • Veranlagung (etwa durch die Erbkrankheit HNPCC (hereditärer nicht-polypöser Darmkrebs))

Leider lässt sich nicht immer eine eindeutige Ursache für die Krebserkrankung ausfindig machen. Generell besteht ein höheres Risiko für eine Blasenkrebserkrankung bei älteren Personen und Männern im Allgemeinen.

Blasenkrebsentstehung: Berufskrankheit, Vererbung und Co.

Was ist die häufigste Ursache für Blasenkrebs?

Die meisten Harnblasenkarzinome sind nikotinbedingt. In Europa ist etwa jeder zweite Blasenkrebs bei Männern und jeder dritte bei Frauen auf das Rauchen zurückzuführen. Und nicht nur das Krankheitsrisiko steigt durch den Zigarettenkonsum; auch die Rückfallquote nach der Behandlung eines Blasenkrebses im Anfangsstadium nimmt zu: Raucher und Ex-Raucher erkranken nach der Therapie häufiger und schneller erneut an dem Tumor als Nichtraucher.

Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass mit der Menge und Dauer des Nikotinabusus das Risiko für den Harnblasenkrebs steigt. Das heißt, je mehr und je länger Sie rauchen, umso größer ist die Gefahr, an einem Blasentumor zu erkranken.

Welche Berufsgruppen haben ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs?

Einige Personen haben ein besonders hohes Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken. Dies liegt insbesondere am Kontakt zu krebserregenden Chemikalien im Berufsalltag. Hierzu zählen:

  • aromatische Amine
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Arsen

Besonders hohe Konzentrationen der genannten Stoffe sind in Dieselabgasen, Ruß, Azofarbstoffen, Benzidin, Toluidin, Naphthylamin und Aminodiphenyl enthalten.

10 % aller Blasentumore berufsbedingt

Etwa jede zehnte Blasenkrebserkrankung in Europa ist auf den arbeitsbedingten Kontakt zu diesen Giftstoffen zurückzuführen. Betroffene, die besonders gefährdet sind, sind vor allem beschäftigt als:

  • Chemiearbeiter
  • Lackierer
  • Automechaniker
  • Friseur
  • Zahntechniker
  • Arbeiter in der Gummiverarbeitung, Stahl- und Lederindustrie

Anerkennung als Berufskrankheit

Sollte bei Ihnen ein Blasenkarzinom festgestellt worden sein, und sie haben langfristig in einem der genannten Berufe mit Kontakt zu krebserregenden Giftstoffen gearbeitet, können Sie die Anerkennung als Berufskrankheit bei ihrer Berufsgenossenschaft beantragen. Hierfür können Sie sich selbst an die jeweilige Institution wenden oder den Antrag über ihren Betriebsarzt oder Hausarzt stellen lassen. Wird das Harnblasenkarzinom schließlich als berufsbedingt anerkannt und hat die Erkrankung eine körperliche Beeinträchtigung zur Folge (Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 %) steht Ihnen eine Rente zu.

Wird das Risiko für Blasenkrebs vererbt?

Selten, aber es ist möglich. Bis jetzt sind allerdings nur wenige Erbkrankheiten oder genetische Veränderungen bekannt, die nachweislich mit einem erhöhten Krankheitsrisiko einhergehen. Die bedeutendsten hierunter sind:

  • HNPCC (vererbter nicht- polypöser Darmkrebs), auch bekannt als Lynch-Syndrom
  • Genmutationen, die den Abbau von Giftstoffen verzögern und körpereigene Prozesse zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen deaktivieren.

Ernährung und Trinkmenge

Stimmt es, dass Süßstoff, Kaffee und schwarzer Tee Blasenkrebs verursachen?

Nein, ein Zusammenhang zwischen Blasenkrebs und dem Konsum von Süßstoffen, Kaffee und schwarzem Tee konnte nicht nachgewiesen werden. Künstliche Süßungsmittel standen zwar lange Zeit im Verdacht, die Tumorerkrankung zu fördern, jedoch ließ sich diese Vermutung trotz zahlreicher Studien nie bestätigen.

Verursacht eine geringe Flüssigkeitszufuhr Blasenkrebs?

Die ehrliche Antwort ist: Man weiß es nicht. Neben dem Kaffeekonsum zählt die Trinkmenge zu den am häufigsten im Zusammenhang mit der Harnblasenkarzinomentstehung diskutierten Ernährungsfaktoren.

Zahlreiche Studien beschäftigten sich mit dem Thema, ob nun eine reduzierte oder gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme die Blasenkrebserkrankung fördert. Leider sind die Ergebnisse der Forschungsarbeiten uneinheitlich: Manchmal schien die Erkrankung durch eine geringe Trinkmenge, manchmal aber auch durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr gefördert zu werden. Somit ist also eine definitive Einstufung der Gesamtflüssigkeitsaufnahme als Risikofaktor nicht möglich.

Symptome

Was sind Anzeichen für Blasenkrebs?

Das wichtigste Merkmal der Tumorerkrankung ist Blut im Urin, ohne dass weitere Beschwerden beim Wasserlassen vorhanden sind. Auch ein Kommen und Gehen der Blutung ist durchaus häufig. Bei etwa 80 % der Erkrankten wird der Blasenkrebs aufgrund dieser Symptome entdeckt.

Aber nicht immer lässt sich das Blut im Harn mit bloßem Auge sehen. Zum Teil sind nur einzelne Blutzellen im Urin vorhanden, die aber zuverlässig mit einem Urinteststreifen in der Arztpraxis nachweisbar sind.

Zu den weiteren möglichen Anzeichen für die Krebserkrankung gehören:

Blasenkrebs: Späte Symptome und Warnzeichen „Blut im Urin“

Was sind Zeichen des fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms?

Hat sich der Blasenkrebs schon auf die benachbarten Organe ausgedehnt oder hat er sogar schon gestreut, können weitere Beschwerden auftreten. Hierzu zählen:

  • Nierenschmerzen aufgrund von aufgestautem Urin, wenn der Tumor den Harnabfluss blockiert
  • Verhärtung und Vergrößerung des Unterbauches
  • Knochenschmerzen bei Metastasen
  • Gewichtsverlust
  • nächtliches Schwitzen
Blut im Urin: Was kann es außer einem Blasenkrebs noch sein?

Sollte Ihnen Blut beim Wasserlassen auffallen, ohne dass Sie sonstige Beschwerden oder Schmerzen plagen, muss nicht immer ein Blasentumor hinter dem Symptom stecken. Auch andere Erkrankungen kommen als Ursache infrage. Dies sind unter anderem:

Schmerzloser, blutiger Urin: Gehen Sie bald zum Arzt!

Bitte machen Sie nicht den Fehler, dieses Symptom zu ignorieren. Dieses Vorgehen hat noch nie zu etwas Gutem geführt. Denn blutiger Urin kann sowohl ein Zeichen harmloser, als auch ernst zu nehmender Krankheiten sein. Deshalb sollten Sie möglichst bald einen Termin bei einem Urologen vereinbaren, damit der Ursache Ihrer Beschwerden auf den Grund gegangen wird.

Denn, egal woher die Blutung kommt, je früher Sie mit einer Behandlung starten, umso besser für Sie.

Untersuchungen beim Arzt

Wie sieht der Arzt, dass ich einen Blasenkrebs habe?

Wenn Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom besteht, wird Ihr Arzt eine Reihe an Tests und Untersuchungen durchführen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Diese bestehen aus folgenden Schritten:

Diagnostik bei Blasenkrebs

Anamnese: Was fragt der Arzt bei Verdacht auf Blasenkrebs?

In einem ausführlichen Gespräch befragt Sie der Mediziner unter anderem nach Themen wie Ihrem Beruf (einige Tätigkeiten gehen nämlich mit einem erhöhten Krebsrisiko einher) und aktuellen Beschwerden z. B. ob Ihnen blutiger Urin oder Probleme beim Wasserlassen aufgefallen sind. Ebenso wichtig sind Fragen zum Auftreten eines Harnblasenkarzinoms bei nahen Familienmitgliedern und welche anderen Erkrankungen bei Ihnen bekannt sind.

Sieht man einen Blasenkrebs im Ultraschall?

Nur manchmal. Abhängig von der Größe und Lokalisation des Tumors in der Blase lässt sich dieser eventuell bei einer Ultraschalluntersuchung des Unterbauches darstellen. Ebenso wichtig wie eine Bildgebung der Blase ist auch die Untersuchung der Nieren. Hierbei lässt sich zum Teil ein Harnaufstau erkennen, falls der Krebs den Urinabfluss aus der Niere in die Blase blockiert.

Warum wird mein Blut und Urin bei Blasenkrebs getestet?

Weitere essenzielle Untersuchungen sind die Analyse des Urins und des Bluts. Im abgegebenen Urin wird mittels eines Teststreifens das Vorhandensein von Blut getestet, was ein erster Hinweis auf einen Blasentumor sein kann. Auch lässt sich im Labor die sogenannte Urinzytologie durchführen, bei der abgeschilferte Tumorzellen, die bereits sehr entartet sind, nachgewiesen werden können. Wichtig ist hierbei, dass ein normaler Urinbefund keinen Blasenkrebs ausschließt. Denn nicht jedes Harnblasenkarzinom blutet oder ist so weit entartet, dass eine Urinzytologie krankhafte Zellen nachweisen kann.

Bluttest bei Blasenkarzinom

Eine Blutprobe wird meist erst bei starkem Verdacht auf einen Blasentumor entnommen. Insbesondere erhöhte Nieren- und Leberwerte, Blutarmut- und ein Anstieg der alkalischen Phosphatase lassen den Arzt hellhörig werden. Denn diese Blutparameter können auf eine tumorbedingte Nierenstauung, Metastasen und Blutung hinweisen. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe anderer Gründe, weshalb die Blutwerte nicht mehr der Norm entsprechen. Sollten also Auffälligkeiten auftreten, wird Ihr Arzt weitere Untersuchungen einleiten, um der Ursache nachzugehen.

Tumormarker im Urin: Wie zuverlässig ist die Untersuchung?

Vielleicht haben Sie schon einmal von Tumormarkern gehört. Hierbei werden Substanzen nachgewiesen, die bei gesunden Personen nicht oder kaum im Blut oder Harn vorhanden sind und damit der Früherkennung eines Karzinoms dienen sollen. Solche Marker auch für den Blasenkrebs zu identifizieren, wird bereits seit Langem mit mäßigem Erfolg versucht und führte zur Einführung unterschiedlicher Testverfahren. Zu den geläufigsten Tumormarkern zählen NMP 22, BTA stat und ImmunoCyt, bei denen spezielle Proteine im Urin bestimmt werden, die beim Harnblasenkarzinom erhöht sein sollen.

Allerdings sind diese Laboruntersuchungen nicht besonders zuverlässig, denn nicht jeder Krebs wird durch die Urinanalyse entdeckt. Zudem sind auch falsch-positive Ergebnisse möglich; das heißt, die Resultate lassen fälschlicherweise einen Krebs vermuten, obwohl gar keiner vorhanden ist.

Fazit

Der medizinische Standard zur Diagnose von Harnblasentumoren bleibt die Blasenspiegelung in Kombination mit einer Urinzytologie. Auch wenn eine alleinige Tumormarkeranalyse sicherlich angenehmer und weniger aufwendig wäre, ist sie derzeit kein gleichwertiger Ersatz.

Was passiert bei einer Blasenspiegelung (Zystoskopie)?

Sollte die Urinuntersuchung und/oder der Ultraschall verdächtige Befunde liefern, die einen Blasenkrebs vermuten lassen, ist der nächste Schritt die sogenannte Zystoskopie zur Beurteilung der Blase. Unter dieser Untersuchung versteht man eine Blasenspiegelung, die in fast jeder urologischen Arztpraxis oder in Kliniken ambulant durchgeführt werden kann. Dabei wird unter örtlicher Betäubung ein schmaler Schlauch mit einer kleinen Kamera durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Vor Ort kann dann die Blasenwand ausgiebig inspiziert und ein Tumor nachgewiesen werden.

Verdacht auf Krebs in der Blasenspiegelung: Was nun?

Sollte sich nach der Zystoskopie der Verdacht auf einen Blasenkrebs erhärten, muss eine Tumorentnahme mit anschließender mikroskopischer Gewebeuntersuchung erfolgen. Nur so lässt sich die definitive Diagnose Blasenkrebs stellen oder auch ausschließen. Der Eingriff, der einer Blasenspiegelung ähnelt, wird in Kliniken durchgeführt und erfolgt in Narkose, sodass Sie die Tumorentfernung gar nicht merken.

Ziel ist hierbei die Diagnose und Therapie zugleich: Es soll sowohl eine Gewebeprobe zur weiteren Untersuchung gewonnen, als auch der Tumor möglichst im Ganzen entfernt werden. Mehr zu dieser Operation, die als TUR-Blase (transurethrale Resektion der Blase) bezeichnet wird, lesen Sie hier.

Bildgebung bei Blasenkrebs: CT, MRT und Co.

Blasenkrebs: Welche Röntgenuntersuchungen gibt es und was sieht man dort?

Hat sich nach einer Gewebeprobe des Blasentumors die Diagnose Krebs bestätigt, folgt manchmal je nach Tumorstadium eine Röntgenuntersuchung zur weiteren Abklärung. Zur Auswahl stehen die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT). Diese Verfahren geben Hinweise zur Ausdehnung des Harnblasenkrebses und beantworten, ob und wohin der Tumor schon gestreut hat. Auch das sogenannte intravenöse Pyelogramm (IVP) kommt bisweilen zum Einsatz, stellt aber primär nur den Harntrakt dar.

Erstdiagnose Blasenkrebs: Wer braucht ein CT, eine Kernspintomographie und Co.?

Bildgebende Untersuchungen sind nur dann notwendig, wenn der Blasenkrebs bereits in die Muskulatur der Harnblase eingewachsen ist (Stadium ≥ T2). Denn nur dann ist das Risiko für eine Metastasenbildung erhöht. Meistens kann somit in den Stadien Tis, Ta und T1 auf bildgebende Verfahren verzichtet werden; allerdings gibt es einige Ausnahmen: Wächst der Krebs nahe den Harnleitermündungen, sind mehrere Blasentumore vorhanden oder sind die Tumorzellen sehr bösartig, sollte eine Röntgenuntersuchung der Harnwege (CT, MRT und/oder IVP) durchgeführt werden.

Stadieneinteilung

Was ist das Tumorstadium?

Unter dem Tumorstadium versteht man die sogenannte TNM-Tumorklassifikation. Diese sagt aus, wie tief der Krebs bereits in die Blase eingewachsenen ist und ob sich Tumorzellen bereits an anderen Orten im Körper angesiedelt haben. Hierbei wird wiederum zwischen den Lymphknoten, die meist zuerst befallen sind, und anderen Organen wie z. B. der Leber oder den Knochen unterschieden.

Individuelles Tumorstadium: Warum ist es wichtig und wie erfahre ich es?

Warum ist es wichtig, das individuelle Tumorstadium zu kennen?

Die Wachstumstiefe und Ausbreitung des Blasenkrebses spielt eine wichtige Rolle bei der Therapiewahl. Die Entscheidung, welche Behandlungsmaßnahme für Sie die beste ist, kann ohne die Kenntnis des Tumorstadiums nicht gefällt werden.

Woher weiß ich, welches Tumorstadium ich habe?

Alle Daten, die das Stadium des Blasenkrebses bestimmen, können Sie aus dem Entlassungsbrief entnehmen, der Ihnen oder Ihrem behandelnden Arzt nach einer Entfernung des Tumors mittels TUR-B zugeschickt wird. Manchmal müssen noch Röntgenuntersuchungen erfolgen, um das definitive Tumorstadium zu bestimmen. Falls, was leider häufig der Fall ist, das medizinische Schreiben nicht ausreichend verständlich ist, fragen Sie einfach Ihren Urologen nach dem festgestellten Tumorstadium und was das genau bedeutet. Ihr Arzt kann Ihnen die Informationen geben, ohne dass Sie selbst zu tief in den Fachjargon eintauchen müssen.

Befunde beim Blasenkrebs verstehen: Welches Krebsstadium habe ich?

Um dies beantworten zu können, muss die TNM-Klassifikation vorliegen. Dieses System dient der Beurteilung der Tumorausbreitung und wird auf Basis Ihrer Untersuchungsbefunde ermittelt. Hierfür sind die Ergebnisse der Tumorgewebeanalyse und ggf. bildgebender Verfahren (CT oder MRT) ausschlaggebend. Somit kann schließlich eine Aussage über die Tumorgröße (T), den Lymphknotenbefall (N von der englischen Bezeichnung „nodes“ für Lymphknoten) und den Metastasenbefund (M) getroffen werden.

Was heißt TNM?

Zunächst muss man aber verstehen, welche Informationen die TNM-Klassifikation liefert.

  • das „T“ liefert Hinweise zur Tumorgröße
  • das „N“ steht für den Befall der örtlichen Lymphknoten (engl.: nodes)
  • „M“ sagt aus, ob Metastasen vorhanden sind.

Ein Beispiel: Ein Harnblasenkrebs mit dem Befund T1 N1 M0 bedeutet, dass der Tumor schon noch auf die Blase beschränkt ist (T1), dass bereits ein regionaler Lymphknoten befallen ist (N1), dass aber noch keine Metastasen vorliegen (M0).

Stadien: TNM-Klassifikation und Gradeinteilung

Was bedeutet bei einem Blasenkrebs-Befund T1, T2, T3 oder T4?

Um die Ausbreitung eines Tumors zu beurteilen, wird das TNM-System eingesetzt. Das „T“ steht dabei für die Größe des Krebsherdes. Diese besagt, wie tief der Tumor in die Blase eingewachsen ist und wird in Ta, Tis, T1, T2, T3 oder T4 unterteilt:

  • Ta: Ein papillenförmiges Blasenkarzinom, das nicht in die Tiefe eingedrungen ist
  • Tis: der oberflächliche Tumor betrifft die oberste Schicht der Schleimhaut
  • T1: Der Tumor wächst in das unter der Schleimhaut gelegene Bindegewebe ein (Lamina submucosa)
  • T2: Der Tumor befindet sich nicht mehr auf der Blasenoberfläche, sondern hat sich bis in die tiefer liegende Harnblasenmuskulatur ausgebreitet. Ist nur der obere Anteil der Muskelschicht betroffen, wird der Wert T2a vergeben; ist hingegen schon die äußere Hälfte des Muskelgewebes durchwachsen, liegt T2b vor.
  • T3: Der Tumor hat die Blase überschritten und hat sich auf das umgebende Fettgewebe ausgeweitet. Hierbei wird unterschieden, ob sich der Befall nur unter dem Mikroskop zeigt (T3a) oder bereits mit bloßem Auge erkennbar ist (T3b).
  • T4: Der Tumor ist in benachbarte Organe eingewachsen. Ist der Krebs in die Prostata, Gebärmutter oder Vagina eingedrungen, liegt das Stadium T4a vor; sollte sich der Tumor in die Becken- oder Bauchwand ausgeweitet haben, wird dies als Stadium T4b bezeichnet.
Was bedeutet bei einem Blasenkrebs-Befund N0, N1, N2 oder N3?

Das „N“ besagt, ob benachbarte Lymphknoten bereits Tumorabsiedelungen aufweisen. Sind diese tumorfrei, spricht man von N0, enthalten sie Krebszellen, heißt es N1 bis N3.

  • N0: keine Lymphknoten sind von Krebszellen befallen.
  • N1: der Tumor hat sich auf einen der Blase benachbarten LK ausgebreitet.
  • N2: mehrere erkrankte LK sind in der Nähe der Blase nachweisbar.
  • N3: In den LK, die entlang der Blutgefäße im Becken liegen, wurden Tumorabsiedelungen diagnostiziert.

Manchmal steht im Befundbericht auch NX. Das bedeutet, dass der Lymphknotenstatus unklar ist oder Untersuchungen zur Bestimmung noch ausstehen (z. B., wenn noch kein Computertomogramm erfolgt ist).

Was bedeutet im Befundbericht über Blasenkrebs M0, M1a oder M1b?

Mit M0 und M1 wird zum Ausdruck gebracht, ob der Tumor bereits Fernmetastasen gebildet hat. M0 bedeutet, dass noch keine Metastasen nachweisbar sind und ist somit weit günstiger als M1. Innerhalb des M1-Stadiums wird aber nochmals in M1a und M1b differenziert: Ersteres bedeutet, dass der Tumor in weit entfernte Lymphknoten gestreut hat. M1b besagt, dass Absiedelungen in anderen Organen erkennbar sind (z. B. in den Knochen, der Leber etc.)

Was heisst „Grading“ beim Blasenkrebs?

Neben der Ausbreitung des Tumors (TNM-Klassifikation) ist auch die Bestimmung des Entartungsgrades der Krebszellen (Grading) für die Prognose und Therapieplanung wichtig.

Das sogenannte „Grading“ besagt, wie sehr sich die Krebszellen vom normalen Blasengewebe unterscheiden. Je höher dieser Entartungsgrad ist, desto aggressiver wächst der Tumor. Ähnlich wie beim TNM-System ist die Prognose umso besser, je niedriger der Grad ist.

Grading vom geringsten bis höchsten Entartungsgrad:

  • urotheliales Papillom: eine gutartige Wucherung der Blasenschleimhaut, die aber zu einem Blasenkrebs werden kann.
  • PUNLMP (Papilläre Neoplasie mit niedrig malignem Potenzial): Dieser Befund bezeichnet eine Geschwulst, die an der Grenze von gut- und bösartig ist. Ein PUNLMP kann sich zu einem Blasenkrebs entwickeln.
  • low-grade: Die Krebszellen unterscheiden sich mäßig bis deutlicher von gesundem Blasengewebe (= wenig bösartig).
  • high-grade: Die Tumorzellen weisen kaum noch Ähnlichkeiten mit dem normalen Blasengewebe auf (= sehr bösartig).

Bei low-grade Karzinomen ist die Prognose deutlich besser als bei high-grade Tumoren. Letztere wachsen aggressiver und das Risiko für ein schnelles Fortschreiten der Krebserkrankung ist höher.

Alternative: G1, G2 und G3

Vor Einführung dieser Einteilung in low- und high-grade war eine Klassifikation in G1, G2, G3 üblich. Da das ältere System noch immer weit verbreitet ist, werden oft beide in den ärztlichen Befundberichten angegeben:

  • Ein low-grade Tumor entspricht einem G1 oder einem beginnenden G2.
  • Ein high-grade Tumor kommt einem fortgeschrittenen G2 oder einem G3 gleich.

Metastasen: Risiko und Zielorgane

Tumorstadium: Wie hoch ist das Risiko, dass der Krebs gestreut hat?

Je geringer die Tumorausdehnung ist, umso niedriger ist auch die Gefahr einer Streuung des Krebses. Erste Anhaltspunkte, ob sich die Tumorzellen eventuell schon in die benachbarten Lymphknoten ausgebreitet haben, liefert der pathologische T-Wert (= pT-Wert). Dieser wird nach der feingeweblichen Untersuchung des entnommenen Tumors festgelegt und gibt an, ob der Krebs nur oberflächlich wächst oder bereits tiefer in die Blase eingedrungen ist:

  • Bei einem pT0 und pT1 liegt nur in 5 % der Fälle eine Tumorstreuung vor.
  • Wurde das Stadium als pT2 klassifiziert, sind bei knapp einem Viertel der Betroffenen Lymphknotenmetastasen vorhanden.
  • Das Risiko für eine Metastasierung beträgt bei pT3 und pT4 etwas über 40 %.
Wohin metastasiert ein Blasenkrebs?

Je weiter ein Harnblasenkarzinom fortgeschritten ist, umso höher ist das Risiko für Tumorabsiedlungen in andere Organe (Metastasen). Wird etwa bei der TNM-Klassifikation ein Tumorstadium der Klasse T3b nachgewiesen, liegt das Risiko für Fernmetastasen bei 50 %.

Falls ein Blasenkrebs streut, siedeln sich die Krebszellen in einigen Organen besonders häufig an. Hierzu zählen die Knochen, die Leber und die Lunge. Aber auch im Gehirn, der Schilddrüse und den Nebennieren werden vermehrt Tumorabsiedelungen gefunden. Ob sich bereits Metastasen gebildet haben, lässt sich mit einem Computertomogramm oder einer Kernspintomografie (MRT) feststellen. Eine weitere Methode, den Knochenmetastasen auf die Spur zu kommen, ist die sogenannte Knochenszintigrafie.

Therapie

Wie wird ein Blasentumor behandelt?

Zur Behandlung eines Harnblasenkarzinoms stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Die eine Therapie, die für alle Betroffenen gilt, gibt es leider nicht. Welches Behandlungsregime für Sie das richtige ist, hängt maßgeblich von folgenden Faktoren ab:

Je nachdem wie Ihre Befunde lauten, kommen folgende Maßnahmen infrage:

Die TUR-B und Instillationstherapie kommen primär im Anfangsstadium der Tumorerkrankung zum Einsatz. Ist der Krebs bereits tiefer in das Gewebe eingewachsen, sind die Blasenentfernung und alternativ, falls die OP nicht durchführbar ist (z. B. aufgrund weiterer Begleiterkrankungen), die Radiochemotherapie. Sind bereits Absiedelungen des Tumors in andere Organe oder Lymphknoten vorhanden, wird eine Chemotherapie oder Immuntherapie empfohlen.

TUR-B

Was ist eine transurethrale Resektion der Blase (TUR-B)?

Die TUR-B gehört zu den häufigsten Eingriffen beim Blasenkarzinom. Sie dient sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie und besteht aus der operativen Entfernung des kompletten Blasentumors, soweit dies möglich ist. Das entnommene Gewebe wird auf die Eindringtiefe und den Entartungsgrad des Tumors untersucht. Beides ist essenziell für die weitere Therapieplanung. Auch bei sehr fortgeschrittenem Blasenkarzinom wird das Verfahren oft angewandt, um die Tumormasse zu reduzieren.

Ablauf der TUR-B

Die Operation wird in urologischen Kliniken in Narkose durchgeführt und dauert für gewöhnlich weniger als eine Stunde. Ähnlich wie bei der Blasenspiegelung wird ein schmales Gerät, an dem eine Kamera und eine feine Drahtschlinge zur Gewebeentnahme befestigt ist, über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Der Arzt kann so die gesamte Blase ausgiebig untersuchen, auffällige Areale herausschneiden und Proben entnehmen, die dann zur Untersuchung in ein pathologisches Labor geschickt werden. Zudem können kleine Blutungen, die durch die Tumorentfernung entstehen, gestillt werden.

Tumore leuchten im Blaulicht

Etwa eine Stunde vor der Behandlung wird oftmals ein Farbstoff namens Hexaminolevulinat (Hexvix) über einen dünnen Katheter in die Blase eingefüllt. Dieser soll dabei helfen, dass Tumore bei der TUR-B leichter entdeckt werden können, selbst wenn sie für das bloße Auge unsichtbar sind. Die Substanz reichert sich nämlich in den Blasenkrebszellen an und lässt sie, während der TUR-B, unter einem blauen Licht rosa leuchten (photodynamische Diagnostik).Ist die OP beendet, wird ein Blasenkatheter eingelegt, über den für einige Stunden die Blase mit Wasser ausgewaschen wird. Dies soll kleine Blutgerinnsel, die sich nach dem Eingriff in der Blase bilden, ausspülen.

Je nach OP-Verlauf und Untersuchungsbefund kann direkt nach dem Eingriff das Medikament Mitomycin C verabreicht werden, welches das Risiko für einen Rückfall um 40 % reduzieren soll. Der Wirkstoff wird über den Katheter in die Blase gefüllt und verbleibt dort für zwei Stunden. Die Blasenspülung mit Wasser wird derweil pausiert. Nach etwa zwei Tagen wird der Katheter schließlich entfernt. Insgesamt müssen Sie etwa mit einem viertägigen Klinikaufenthalt rechnen.

Was sind die Gefahren bei der TUR-B?

Im allgemeinen sind die Risiken der TUR-B sehr gering; nicht zuletzt, weil es einer der häufigsten Eingriffe in der Urologie ist und die operierenden Ärzte folglich hierin sehr erfahren sind. Dennoch, negative Folgen können, wie bei jedem Eingriff, nicht ganz ausgeschlossen werden:

  • Die am häufigsten auftretende Nebenwirkung ist eine tiefe Verletzung der Blasenwand (Blasenperforation) durch das Herausschneiden des Tumors (tritt bei 2 bis 10 % der TUR-Bs ein). Besonders wenn während des Eingriffs eine Muskelzuckung im Becken ausgelöst wird, ist die Gefahr hierfür durchaus gegeben. Sollte die Blasenwand durchstoßen werden, muss, je nach Größe der Verletzung, der Harnblasenkatheter für ca. vier bis sieben Tage verbleiben, bis die Wunde von allein abgeheilt ist. Nur in seltenen Fällen reicht dieses Vorgehen nicht; dann muss mittels einer OP die Blasenperforation verschlossen werden.
  • Ein weiteres Problem sind Blasenblutungen. Eine leichte Blutung nach der OP ist normal und hört in den nächsten Tagen von allein auf. Allerdings können in seltenen Fällen die operierten Blasenareale stärker nachbluten, sodass die Wunden in einer weiteren TUR-B verödet werden müssen (betrifft etwa 3 von 100 Behandelten)
  • Das Ein- und Ausführen der OP-Instrumente kann die Harnröhre verletzen und somit zu narbigen Verengungen führen. Weitere mögliche Folgen der TUR-B sind Harnwegsinfekte oder eine Schädigung der Harnleitermündungen am Blasenboden (als Folge kann ein Nierenstau auftreten).

Fazit

Die TUR-B ist ein überaus sicheres und effektives Therapieverfahren zur Entfernung des Blasenkrebses. Komplikationen sind zwar möglich, aber relativ selten. Nicht umsonst handelt es sich bei der TUR-B um eine seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzte Methode zur Behandlung von Harnblasentumoren.

Warum muss ich nach einigen Wochen erneut zur TUR-B?

Wurde bei Ihnen ein Blasentumor entfernt, der sich noch im Anfangsstadium befand (= histologischer Befund im Arztbrief Ta, Tis, T1), wird Ihr Arzt mit Ihnen einen Termin zur erneuten Blasen-OP in ca. sechs Wochen vereinbaren. Mit einer Ausnahme: Bei einem einzelnen kleinen Tumor im Stadium Ta und mit kaum entarteten Zellen (Grading-Befund „low-grade“) kann auf die OP verzichtet werden – hier reichen regelmäßige Blasenspiegelungen zur Nachsorge.

Ablauf der Kontroll-TUR-B

Bei dem Zweiteingriff werden Gewebeproben aus dem nun vernarbten Areal gewonnen, an dem sich zuvor der Tumor befand. Diese werden auf Krebszellen untersucht. Sind hier Überbleibsel des Blasenkarzinoms nachweisbar, muss die Therapie dementsprechend angepasst werden.

Mitomycin C und BCG

Was ist die Instillationstherapie?

Nach der TUR-B erfolgt die Stadieneinteilung des Blasenkrebses (TNM-Klassifikation und Grading). Sollte sich hierbei zeigen, dass der Tumor noch nicht tief in die Blase eingewachsen ist, das Risiko für ein Wiederauftreten oder eine Ausbreitung des Krebses aber recht hoch ist, wird Ihnen Ihr Arzt die Instillationstherapie empfehlen. Hierbei wird ein Medikament über einen Katheter eingefüllt und verbleibt in der Blase für eins bis zwei Stunden.

Hiernach wird der Katheter entfernt und der Wirkstoff mit dem Urin ausgeschieden. Die beiden Substanzen, die hierbei zum Einsatz kommen, sind Mitomycin C oder BCG (Bacille-Calmette-Guerin). Der Unterschied zwischen beiden Therapeutika liegt in der Wirksamkeit und ihrem Nebenwirkungsprofil: BCG ist zwar effektiver als Mitomycin C, geht allerdings mit mehr negativen Begleiterscheinungen einher.

Instillationstherapie mit Mitomycin C: Ablauf und Nebenwirkungen

Was ist Mitomycin C?

Mitomycin C wirkt zellschädigend und ist somit ein Zytostatikum. Die Substanz wird im Rahmen der örtlichen Chemotherapie beim oberflächlichen Blasenkarzinom eingesetzt, wenn ein mittelgradiges Rückfall- und Ausbreitungsrisiko besteht.

Wie oft muss ich zur Mitomycin-C-Therapie?

Die Dauer und Häufigkeit der Chemotherapie mit Mitomycin C kann variieren. Ein häufig angewandtes Schema besteht aus der ersten Verabreichung des Zytostatikums im wöchentlichen Abstand über sechs Wochen. Der Wirkstoff wird hierbei über einen dünnen Katheter in die Blase eingefüllt und verbleibt dort für zwei Stunden. Nach diesem Zyklus wird der Behandlungserfolg mithilfe einer Blasenspiegelung (evtl. mit einer Entnahme von Gewebeproben) kontrolliert. Sollte kein Tumor mehr sichtbar sein, folgen monatlich weitere Behandlungen. Somit kann das gesamte Therapieregime etwa ein Jahr dauern. Ist jedoch erneut ein Harnblasenkrebs sichtbar, wird auf die Instillationstherapie mit BCG umgestellt.

Was muss ich bei der Mitomycin-C-Therapie beachten?

Damit die Chemotherapie Zeit hat zu wirken, muss sie für etwa zwei Stunden in der Blase verbleiben. Um diese Zeitspanne einzuhalten und Sie nicht zwischenzeitlich die Blase entleeren müssen, sollten Sie einige Stunden vor und während der Behandlung nichts trinken.

Mitomycin C mag es nicht sauer

Der Wirkstoff Mitomycin C entfaltet seine Wirkung am besten, wenn der Urin basisch ist. Deshalb sollten sie sowohl am Abend vor der Behandlung als auch 30 Minuten vor der Instillationstherapie ein Medikament einnehmen, das den pH-Wert des Urins erhöht (z. B. 1,5 mg Natriumbikarbonat).

Welche Nebenwirkungen können unter Mitomycin C auftreten?

Die örtliche Chemotherapie mit Mitomycin C wird für gewöhnlich ziemlich gut vertragen. Leichte Nebenwirkungen wie eine allergische Hautreaktion, häufiger Harndrang, Blut im Urin und Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen treten höchsten bei jedem zehnten Behandelten auf. Bedeutend seltener sind schwere Begleiteffekte (weniger als 1 von 100 Personen ist betroffen). Hierzu zählt eine schwere Blasenentzündung (nekrotisierende Zystitis), Harnstau in den Nieren aufgrund von Harnleiterengstellen und Minderung des Blasenvolumens (Folge: ein Harndrang tritt bereits bei geringer Blasenfüllung auf).

Wer darf kein Mitomycin C erhalten?

Sollten Sie aktuell unter einem Harnwegsinfekt leiden, der noch nicht behandelt wurde, ist auf eine Instillationstherapie mit Mitomycin C zu verzichten. Dasselbe gilt, wenn eine tiefe Blasenverletzung z. B. nach einer TUR-B noch nicht verheilt ist.

BCG: Tuberkulose-Bakterien gegen Blasenkrebs

Was ist die Instillationstherapie mit BCG und wie wirkt sie?

Bei BCG (Bacille-Calmette-Guerin) handelt es sich um ein abgeschwächtes Tuberkulose-Bakterium. Der Erreger wird zur Therapie beim oberflächlichen Harnblasenkarzinom mit mittlerem bis hohem Rückfall- und Ausbreitungsrisiko eingesetzt.

Wirkung: Entzündung tötet Krebszellen ab

Die BCG-Lösung wird über einen dünnen Katheter in die Blase eingefüllt und verbleibt dort für zwei Stunden. Die enthaltenen Bakterien aktivieren das Immunsystem und führen zu einer Blasenentzündung. Die Folge: Durch die lokale Entzündungsreaktion werden noch vorhandene Tumorzellen in der Harnblase zerstört.

Wie oft muss ich zur BCG-Therapie?

Leider ist es mit einer Sitzung BCG nicht getan. Die Instillationstherapie muss mehrfach erfolgen, um auch wirklich alle Krebszellen zu erreichen. Rechnen Sie also mit sechs Behandlungen im wöchentlichen Abstand. Je nach Verträglichkeit und Risiko der Tumorausbreitung können sich weitere BCG-Gaben alle drei bis sechs Monate anschließen. Somit ist eine Therapiedauer von bis zu drei Jahren möglich.

Was muss ich bei der Therapie beachten?

Die BCG-Lösung sollte für etwa zwei Stunden in der Blase verbleiben. Damit diese Zeitspanne eingehalten werden kann und Sie keinen vorzeitigen Harndrang verspüren, sollten Sie vor der Behandlung die Blase entleeren; auch ist eine Flüssigkeitsaufnahme innerhalb der vier Stunden vor der Instillationstherapie zu vermeiden.

Welche Nebenwirkungen können unter BCG auftreten?

Die starke Entzündung der Blase durch die BCG-Bakterien geht leider recht häufig mit negativen Begleiteffekten einher. Mehr als jeder zehnte Behandelte leidet unter den Folgen der Entzündungsreaktion; hierzu gehören unter anderem häufiger Harndrang, blutiger Urin und Brennen bzw. Schmerzen beim Wasserlassen. Auch eine Entzündung der Prostata, Fieber und grippeartige Symptome wie Schwäche und Krankheitsgefühl sind keine Seltenheit. Weniger oft kommt es zu schweren Nebenwirkungen, die u. a. auf der Ausbreitung der Bakterien im Körper beruhen oder auf der Narbenbildung durch die chronische Entzündungsreaktion (weniger als 1 von 100 Personen ist betroffen). Hierzu zählen:

  • Hodenentzündung
  • Abszesse
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Blutvergiftung
  • Blasenschrumpfung (es kann nicht mehr die ursprüngliche Urinmenge von der Harnblase aufgenommen werden)
  • Nierenstauung durch Verengung der Harnleiter
  • Allergie
Wer darf kein BCG erhalten?

Es gibt Situationen, in denen die Instillationstherapie BCG ausgesetzt werden sollte. Dies gilt vor allem, wenn Sie Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystemes nehmen (z. B. Kortison). Auch wenn die letzte Blasen-OP (TUR-B) weniger als 21 Tage her ist, sollte auf die Therapie verzichtet werden. Dasselbe gilt bei einer aktiven Tuberkulose, Harnwegsinfektion oder unverheilter Blasenverletzung (Blasenperforation z. B. nach TUR-B).

Blasenentfernung (Zystektomie)

Blasenkrebs: Wann ist die Entfernung der Harnblase nötig?

Sollte der Krebs bereits tief in die Blase eingewachsen sein (ab einem Tumorstadium T2), muss die gesamte Blase und angrenzendes Gewebe entfernt werden. Dies ist zwar ein großer Eingriff, kann aber ein Fortschreiten der Krankheit oder die Metastasenbildung verhindern – vorausgesetzt, der Krebs hat noch nicht in ferne Lymphknoten bzw. andere Organe gestreut.

In Sonderfällen kann die Zystektomie auch in einem früheren Stadium erfolgen, wenn das Risiko für eine Ausbreitung des Krebses extrem hoch und die erkrankte Person sehr jung ist; ebenso kann der Eingriff empfohlen werden, wenn bisherige Behandlungsmaßnahmen wie die Instillationstherapie mit BCG oder Mitomycin C nicht erfolgreich waren.

Wenn der Krebs schon gestreut hat: Zystektomie zur Symptomkontrolle

Teilweise erfolgt die Blasenentfernung aber auch beim metastasierten Blasenkrebs. Dies soll tumorbedingte Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder Harnaufstau lindern und die Lebensqualität verbessern.

Zystektomie: Umfang der OP und Dauer bis zum Eingriff

Stimmt es, dass nicht nur die Blase, sondern auch andere Organe entnommen werden?

Ja, bei der OP wird nicht nur die Blase entfernt, ebenso werden die Beckenlymphknoten und benachbarte Organe entnommen: Beim Mann zählen hierzu die Prostata und Samenblasen, bei der Frau, die Gebärmutter, Eierstöcke und ein Teil der Scheide. Aufgrund des Umfanges des Eingriffes ist es nicht verwunderlich, dass die Operation auch radikale Zystektomie genannt wird.

Aber warum muss so weiträumig operiert werden? Der Grund ist, dass wirklich alles erkrankte Gewebe entfernt werden soll. Denn es ist nicht auszuschließen, dass sich der Tumor bereits auf die der Blase angrenzenden Areale ausgedehnt hat. Da das Ziel die Heilung ist, soll möglichst keine Krebszelle im Körper verbleiben.

Wie schnell muss die Blasenentfernung erfolgen?

Steht die Diagnose Blasenkrebs und ist die Zystektomie geplant, sollten Sie nicht länger als drei Monate mit der Operation warten. Denn es hat sich gezeigt, dass mit der Zeit der Tumor fortschreiten kann und sich somit die Prognose mit zunehmender Verzögerung der OP verschlechtert. Auch wenn es sicher keine ganz harmlose OP ist, sollten Sie keine unnötige Zeit verlieren. Denn je früher Sie den Tumor entfernen lassen, umso besser stehen die Chancen für eine Heilung.

Warum kann nicht nur ein Teil der Blase entfernt werden?

Eine teilweise Entfernung der erkrankten Blase ist kein reguläres Verfahren beim Blasenkrebs. Denn es konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass die Prognose nach einer Teilentfernung genauso gut ist, wie wenn das gesamte Organ entnommen wird. Zudem ist eine lebenslange Tumornachsorge unerlässlich und es kann vermehrt zu einem Rückfall kommen. Da ein Blasenkrebs in einem frühen Stadium, in dem er noch nicht gestreut hat, gut zu therapieren ist, sollte deshalb kein Risiko eingegangen werden und die komplette Blase entfernt werden.

Nur in Ausnahmesituationen stellt eine Harnblasenteilentfernung eine mögliche Alternative dar. Dies ist insbesondere bei schlechtem Gesundheitszustand der Fall, wenn es zweifelhaft ist, dass die Zystektomie gut überstanden werden könnte. Auch im Anfangsstadium des sogenannten Urachuskarzinoms, einer sehr seltenen Form des Blasentumors, oder einem Harnblasentumor, der nur am Blasendach wächst, kann eine Teilentfernung erwogen werden.

OP-Ablauf: Was passiert bei der Zystektomie?

Vor der OP: Vorbereitung, Aufklärung und Medikamente

Da die Blasenentfernung als recht anspruchsvoll gilt, wird sie nur von erfahrenen Operateuren durchgeführt. Im Krankenhaus wird Ihnen einer der Ärzte den gesamten Ablauf des Eingriffes ausführlich erklären. Stellen Sie hierbei ruhig alle Fragen, die Ihnen durch den Kopf gehen.

Zudem fällt nun auch die Entscheidung, welche Urinableitung erfolgen soll: Eine Option ist der künstliche Urinausgang am Bauch (Urostoma), über den der Harn dauerhaft in einen Klebebeutel fließt. Auch ein Urinreservoir (Pouch), das Sie regelmäßig selbst mit einem Katheter entleeren müssen, ist eine weitere Möglichkeit. Eine Alternative ist die Neoblase, die aus eigenem Darm gefertigt wird und anstelle des erkrankten Harnorgans eingesetzt wird; hierdurch kann der Urin auf natürlichem Weg ausgeschieden werden.

Voruntersuchungen und OP-Vorbereitung

Um Erkrankungen frühzeitig zu erfassen, die sich negativ auf den Eingriff auswirken könnten (wie z. B. eine Blutungsneigung und Herzprobleme), werden vor der Operation einige Untersuchungen durchgeführt. Hierzu zählen z. B. ein EKG, Blut- und Urinanalyse. Auch muss vor der Blasenentfernung der Darm mithilfe von Abführmitteln gründlich entleert und ein eventuell vorhandener Harnwegsinfekt antibiotisch behandelt werden. Des Weiteren werden Sie ein ausführliches Gespräch mit dem Narkosearzt führen, der Ihnen alles rund um die Betäubung erklären wird. Zudem wird vor dem Eingriff eine Kombination an Antibiotika verabreicht. Dies soll einer Entzündung durch Keime vorbeugen, die bei der Darmeröffnung frei werden. Wird als Harnableitung ein künstlicher Ausgang (Urostoma) geplant, muss dieser vor der Operation auf der Haut angezeichnet werden. So wird sichergestellt, dass das Stoma nicht ungünstig in einer Hautfalte liegt, was das Ankleben des Urinbeutels erschweren würde.

Während der OP: Von Blasenentfernung bis Anlage der neuen Urinableitung

Sind alle vorbereitenden Maßnahmen erfolgt und liegen keine außergewöhnlichen OP-Risiken vor, kann die Blasenentfernung stattfinden. Der Eingriff, der etwa drei bis fünf Stunden dauert, wird in Vollnarkose und in Rückenlage durchgeführt. Damit der operierende Arzt in den Bauchraum gelangt, erfolgt entweder ein größerer Schnitt vom Schambein bis an den Nabel oder alternativ ein Eingriff in Schlüssellochtechnik (über mehrere kleine Hautöffnungen werden Instrumente wie eine Kamera und Greifzangen eingeführt).

Ist das erkrankte Gewebe schließlich entnommen, wird die neue Urinableitung gefertigt. Vor dem Ende des Eingriffes werden noch Drainagen in den Bauchraum eingelegt. Sie leiten über einen dünnen Schlauch anfallendes Wundsekret nach außen in einen Beutel ab und werden nach einigen Tagen gezogen.

Nach der OP: Wundversorgung und Kur

In den nächsten Tagen muss sich Ihr Körper von dem recht langen Eingriff erholen. Zunächst ist etwas Schonung angesagt, damit die Wunden gut verheilen können. Im weiteren Verlauf können die eingelegten Drainagen entfernt werden (meist innerhalb von fünf Tagen nach dem Eingriff). Bis Sie wieder normale Kost vertragen, dauert es einige Tage. Zunächst sollten Sie nur Flüssigkeit zu sich nehmen. Wird diese gut vertragen, erhalten Sie leicht verdauliche Nahrung. Wie schnell der Kostaufbau gelingt, hängt auch von der Verdauung ab; häufig ist der Darm nach der OP etwas träge und braucht einige Zeit, bis er wieder in Schwung kommt. Hierbei helfen Abführmittel und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Naht- oder Klammerentfernung

Die Hautwunden am Bauch werden nach der OP mit einer Naht oder kleinen Metallklammern verschlossen. Diese können, je nachdem, wie gut die Heilung verläuft, nach etwa zehn bis zwölf Tagen entfernt werden; zudem werden alle eins bis zwei Tage die Wunden kontrolliert und neu verbunden.

Planung der Kur

Es wird empfohlen, nach der Blasenentfernung auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB, Kur) zu gehen. Dort können Sie sich noch etwas schonen und erhalten eine maßgeschneiderte Physiotherapie. Welche Kurkliniken zur Auswahl stehen und wann die AHB beginnen soll, können Sie in einem Gespräch mit der zuständigen Fachkraft vom Sozialdienst in der Klinik klären. Sollten Sie sich für eine Anschlussheilbehandlung entscheiden, stellt das medizinische Personal einen AHB-Antrag an Ihre Krankenkasse.

Kontrolle der Urinableitung

Nach der Anlage einer Neoblase oder eines künstlichen Urinausganges muss mit einer Röntgenuntersuchung die Wundheilung kontrolliert werden. Dies geschieht etwa am zehnten Tag nach der OP. Sind laut der Bildgebung alle kritischen Stellen gut verheilt, kann der einliegende Katheter schließlich entfernt werden.

Zystektomie: Dauer des Klinikaufenthaltes und der Krankschreibung

Wie lange muss ich bei der Blasenentfernung im Krankenhaus bleiben?

Sie sollten etwa mit drei Wochen rechnen. Nach der OP ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Sie einige Tage auf der Intensivstation verbringen, bis Sie sich von dem Eingriff etwas erholt haben.

Krankschreibung: Wie lange bin ich nach der Blasenentfernung arbeitsunfähig?

Wie lange Sie nach einer Zystektomie krankgeschrieben werden, hängt vom individuellen Heilungsverlauf, den Begleitumständen und natürlich von Ihrem Beruf ab. Eine allgemeingültige Anzahl von Tagen lässt sich darum nicht festlegen.

Generell sollten Sie aber lieber mit mehreren Wochen, wenn nicht gar Monaten rechnen. Allein der Aufenthalt im Krankenhaus wird ca. drei Wochen beanspruchen. Sollten Sie nach dem Eingriff auf Kur gehen, sind nochmals vier bis sechs Wochen einzurechnen. Aber auch ohne Anschlussheilbehandlung werden Sie einige Zeit benötigen, bis Sie an Ihrem Arbeitsplatz wieder voll einsetzbar sind. Insbesondere, wenn Sie einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgehen, ist nach der Operation auf schweres Heben und Tragen von Lasten für mehrere Wochen zu verzichten.

Letztlich entscheiden Sie zusammen mit Ihrem Arzt, wie lange Sie sich schonen sollten. Er kann Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch jederzeit verlängern, wenn es aufgrund Ihrer Untersuchungsbefunde oder Beschwerden nötig sein sollte.

Komplikationen und Probleme nach der Zystektomie

Blasenentfernung: Welche Komplikationen sind bei der OP möglich?

Die Entnahme der Blase, Nachbarorgane und Lymphknoten ist durchaus eine Belastung für den Körper. Wie gut Sie die Operation vertragen, hängt unter anderem von Ihrem Lebensalter und möglichen Begleiterkrankungen ab (z. B. Übergewicht, Diabetes mellitus oder Herz- und Nierenerkrankungen). Je jünger und gesünder Sie sind, umso besser ist die Prognose.

Im Allgemeinen treten aber bei ca. einem Drittel der Operierten mehr oder weniger schwere Komplikationen auf. Die Gefahr, aufgrund des Eingriffes sogar zu versterben, liegt bei 1 bis 3 %. Auch wenn diese Daten für so manchen besorgniserregend sein könnten, müssen Sie bedenken, dass ohne die OP der Tumor weiterwachsen würde.

Zu den häufigsten Komplikationen bzw. Folgen der Zystektomie zählen:

  • Lungenentzündung
  • Thrombose und Lungenembolie
  • Herzinfarkt und Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
  • Störung der Lungenbelüftung (Atelektase)
  • Darmverschluss
  • undichte Nahtstellen im Bauchraum
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis) und Abszessbildung
  • Enddarmverletzung mit Fisteln
  • Blutverlust (evtl. müssen auch Blutkonserven verabreicht werden)
  • Blutergüsse
  • Wundinfektion
  • sexuelle Funktionsstörungen (Impotenz bei Männern, schmerzhafter Geschlechtsverkehr bei Frauen)
  • gestörter Lymphabfluss aufgrund der Lymphknotenentnahme
  • Komplikationen, die durch die Harnableitung bedingt sind (z. B. entgleister Säure-Basen-Haushalt, Harnwegsinfektion, Schleimbildung in der Blase, welche die Harnentleerung behindert, Nieren- und Blasensteine, Vitaminmangel, Blutarmut, chronischer Durchfall, Kurzdarmsyndrom, reduzierte Knochendichte (Osteomalazie))

Fazit

Trotz der möglichen Komplikationen ist die Blasenentfernung eine gute Therapie für eine Vielzahl von Erkrankten und hilft vielen Betroffenen, den Krebs zu besiegen. Lassen Sie sich bitte nicht allzu sehr von den erwähnten Begleiterscheinungen der OP abschrecken. Denn, wie gesagt, sie können zwar auftreten, sind aber nicht die Regel.

Übrigens, sollte aus gesundheitlichen Gründen für Sie die Blasenentfernung nicht infrage kommen, kann alternativ auf die kombinierte Radiochemotherapie zurückgegriffen werden.

Bin ich nach der OP impotent?

Die Entfernung der Prostata im Rahmen der radikalen Zystektomie geht leider mit dem Verlust der Erektionsfähgkeit einher. Denn die Nerven, die für die Potenz ausschlaggebend sind, verlaufen am Rande der Prostatadrüse. Nur in Ausnahmefällen kann versucht werden, die Nervenbündel zu schonen und somit die Potenz zu erhalten. Ob dies bei Ihnen möglich ist, hängt von der Ausdehnung und Lokalisation des Blasenkrebses ab. Sprechen Sie das Thema am besten bei Ihrem Arzt an und lassen Sie sich gründlich bezüglich der Möglichkeiten beraten.

Was erwartet mich nach der Blasenentfernung?

Aufgrund der neu geschaffenen Urinableitung aus einem Darmsegment ergeben sich einige Besonderheiten. Das liegt primär daran, dass dem Verdauungstrakt nun ein Stück Darm fehlt und der Urin Kontakt zum Darmgewebe hat. All dies kann zu unerwünschten Begleiteffekten führen, insbesondere wenn die Leber und/oder die Nieren nur eingeschränkt arbeiten:

  • Entgleisung des Säure-Basen-Haushaltes: Durch den Kontakt des Urins mit dem Darm besteht die Gefahr einer Übersäuerung (metabolische Azidose). Dies kann anhand von Blutuntersuchungen nachgewiesen werden. Typische Anzeichen einer Azidose sind unter anderem Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Wird die Übersäuerung des Blutes nicht behandelt, drohen z. B. Nierensteine und eine Erweichung der Knochen (Osteomalazie). Deshalb ist es wichtig, die Azidose frühzeitig zu erkennen und zu therapieren. Dies ist durch Medikamente wie Natriumbikarbonat möglich, die den hohen Säuregehalt im Blut ausgleichen.
  • Bei einer vorbestehenden Leberfunktionsstörung muss auf den Ammonium-Blutspiegel geachtet werden. Dieser kann nach der Blasenentfernung ansteigen und im Extremfall ein Koma bewirken.
  • Wurde ein größeres Darmsegment entfernt, hat das Konsequenzen für den Stoffwechsel:

Fazit

Durch eine medikamentöse Behandlung lassen sich die Nebenwirkungen der Operation meist gut kontrollieren. Wichtig sind regelmäßige Blutkontrollen zur Erfassung einer Stoffwechselstörung und eines Nährstoffmangels, sodass durch eine rechtzeitige Therapie schwerwiegende Komplikationen vermieden werden können.

Ich will meine Blase nicht entfernen lassen: Welche Alternativen habe ich?

Neben der kompletten Entnahme der Harnblase gibt es weitere Therapieoptionen, die manchmal zum Einsatz kommen. Sollten Sie der Zystektomie eher skeptisch gegenüber stehen, lassen Sie sich bitte von Ihrem Arzt ausführlich beraten. Er kann Sie darüber aufklären, ob eine der folgenden Maßnahmen eine geeignete Alternative für Sie wäre oder Sie doch lieber die Blasenentfernung durchführen lassen sollten.

  • die kombinierte Radiochemotherapie: Dieses Verfahren ist eine Option für Personen, die aufgrund Ihres Gesundheitszustandes eine große Operation wie die Zystektomie nicht verkraften würden oder die eine Alternative zu dem Eingriff wünschen. Die kombinierte Radiochemotherapie beinhaltet mehrere Behandlungsmethoden. Sowohl eine möglichst tiefe operative Entfernung des Tumors (mittels TUR-B), als auch eine Bestrahlung der Blase sowie eine Chemotherapie gehören hier zum Konzept. Der Erfolg soll ähnlich dem einer totalen Blasenentfernung sein: Bei 60 bis 80 % der Erkrankten kann durch diese Maßnahmen der Krebs zurückgedrängt werden. Nach fünf Jahren ist etwa jeder Zweite trotz der primär schweren Erkrankung am Leben. Allerdings hat die kombinierte Radiochemotherapie auch ein paar Nachteile: Zum einen können einige Nebenwirkungen auftreten, zum anderen ist die Gefahr, erneut am Blasenkrebs zu erkranken, recht hoch.
  • Blasenteilentfernung: Abhängig vom Tumor kann auch eine Teilentnahme der Blase eine Option darstellen. Mehr dazu lesen Sie hier. Es bleibt aber zu betonen, dass die komplette Blasentfernung beim fortgeschrittenen Blasenkrebs das von Experten empfohlene Verfahren darstellt.
  • alleinige TUR-B: Die tiefe Entfernung des Blasenkrebses im Rahmen einer TUR-B ist keine gleichwertige Alternative zur Blasenentfernung. Diese Maßnahme sollte nur erwogen werden, wenn eine Zystektomie bzw. kombinierte Radiochemotherapie für Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage kommt. Denn ob durch eine alleinige TUR-B der gesamte, schon tief eingewachsene Krebs entfernt werden kann, ist äußerst fraglich.

Urinableitung: Conduit, Neoblase und Co.

Harnblasenersatz und künstlicher Blasenausgang: Was für wen?

Eine der wichtigsten Fragen, welche die Betroffenen beschäftigt, ist die nach der Harnableitung. Wohin fließt denn nun der Urin, wenn die Harnblase fehlt? Hierfür gibt es mehrere Alternativen.

  • Conduit mit Harnausgang am Bauch, bei der dauerhaft ein Urinsammelbeutel verwendet wird (= inkontinente Harnableitung)
  • eine Ersatzblase (= Neoblase): Das Wasserlassen ist auf natürlichem Weg möglich.
  • Urinreservoir (Pouch): Der Urin wird über eine Öffnung in der Bauchhaut entleert. Dies erfolgt mehrfach täglich mittels eines Katheters.

Die möglichen Varianten wird Ihr Arzt mit Ihnen vor der OP ausführlich besprechen und Ihnen darlegen, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen. Gemeinsam können sie dann entscheiden, welches der Verfahren das beste für Sie ist.

Auch müssen Faktoren berücksichtigt werden, die evtl. gegen die Anlage einer Neoblase oder eines Pouches sprechen. Hierzu zählt etwa ein sehr hohes Lebensalter, ein reduzierter Gesundheitszustand oder mangelnde manuelle Fertigkeiten, die das selbstständige Hantieren mit einem Blasenkatheter erschweren können.

Conduit

Was ist ein Conduit?

Diese Variante der Harnableitung ist die Standardversorgung nach einer Zystektomie: Ein Stück des eigenen Darmes dient hier als Verbindungsstück zwischen den Harnleitern, über die der Urin aus den Nieren fließt, und dem Urostoma. Letzteres ist eine neu geschaffene Öffnung am Bauch, über die nun der Harn austritt.

Da es hier keinen Verschlussmechanismus gibt, kann der Urin nicht gehalten werden. Deshalb wird ein Klebebeutel angebracht, der unauffällig unter der Kleidung getragen werden kann und kontinuierlich den Urin aufnimmt.

Alle paar Tage muss der Urinsammelbeutel gewechselt werden. Wie das funktioniert, lernen Sie nach der Operation auf der Station. Falls es Ihnen nicht möglich sein sollte, den Wechsel selbst durchzuführen, kann auch ein ambulanter Pflegedienst die Aufgabe übernehmen.

Für wen ist ein Conduit mit Urostoma die richtige Wahl?

Das Conduit ist für viele Erkrankte eine gute Option. Vor allem bei älteren Personen über dem 80. Lebensjahr hat sich das Verfahren bewährt. Auch wenn der Blasenkrebs schon sehr weit fortgeschritten ist, die Harnröhre befallen hat oder bereits einen Nierenstau verursachte, stellt das Conduit die Therapie der Wahl dar.

Ungeeignet ist diese Harnausleitung hingegen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder vorangegangener Bestrahlung des Darmes, da ein gesunder, gut erhaltener Verdauungstrakt die Voraussetzung für den Bau des Conduits darstellt.

Conduit: Welche negativen Folgen sind möglich?

Auch wenn diese Form der Urinableitung meist gut vertragen wird, können Komplikationen auftreten. Hierzu gehört etwa eine Verengung des Urostomas: Durch die Narbenbildung wird der Urinaustrittskanal schmäler und der Harn kann nicht mehr problemlos abfließen. Die Folge ist eine Harnstauung, die unbedingt behandelt werden muss. Auch ein Bauchwandbruch im Stomabereich (Stomahernie) kann auftreten, denn die neu geschaffene Öffnung führt zu einer Schwachstelle in der Bauchwand. Vermeiden Sie deshalb schweres Heben, denn dies kann die Entstehung einer Stomahernie fördern.

Weitere negative Folgen eines Conduits können sein:

  • Häufige Harnwegsinfekte
  • Nierensteine

Neoblase

Was ist eine Neoblase?

Die Neoblase ist eine Form der Harnableitung nach der Blasenentfernung. Hierbei wird aus einem Stück des eigenen Darmes ein Blasenersatz gebaut. Die neue Blase wird anstelle des erkrankten Organs im Unterbauch implantiert und analog zur entnommenen Harnblase mit den beiden Harnleitern, die den Urin aus den Nieren transportieren, und der Harnröhre, über die der Urin ausgeschieden wird, verbunden.

Diese Harnableitung kommt der Speicher- und Entleerungsfunktion der normalen Blase am nächsten. Zudem erfolgt das Wasserlassen auf normalem Wege ohne Notwendigkeit eines Urinbeutels oder Katheters. Die Neoblase stellt somit die eleganteste Form des Harnblasenersatzes dar und funktioniert bei der Mehrzahl der Behandelten ausgesprochen gut.

Für wen ist eine Neoblase nicht geeignet?

Leider ist die Darmersatzblase nicht für jeden die beste Option. So sind etwa chronische Darmerkrankungen (wie etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) oder vorausgegangene Entfernungen größerer Darmareale Argumente, die gegen eine Ersatzblase sprechen. Dies gilt auch bei einer schlechten Nieren- und Leberfunktion, Blasenschwäche sowie bei geringer Lebenserwartung. Auch wenn der Krebs bereits in die Harnröhre eingewachsen ist, sollte lieber auf ein anderes Verfahren ausgewichen werden. Ein weiterer Faktor ist das Lebensalter: So wird bei Personen über dem 80. Lebensjahr meist eine andere Urinableitung (z. B. das Urostoma) gewählt.

Neoblase: Was sind mögliche Probleme?

Die Darmersatzblase funktioniert meistens sehr gut. Dennoch sind einige negative Begleiterscheinungen nicht ganz auszuschließen. Überwiegend basieren diese auf den Eigenschaften des Darmgewebes, das nun die Blase ersetzt. Der Verdauungstrakt nimmt nämlich mehr Substanzen aus dem Urin auf, als es eine echte Blase tun würde. Dies führt zu einer Übersäuerung des Blutes. Des Weiteren produziert die Neoblase Schleim, welcher in den Urin abgesondert wird und den Harnabfluss blockieren kann (vor allem, wenn wenig getrunken wird). Gegebenenfalls muss dann die Blase über einen kurzzeitig eingelegten Katheter selbstständig entleert werden.

Zusammenfassend sind folgende Komplikationen möglich:

  • Harnstauung der Nieren (durch eine Verengung der Harnleiter an der Einmündungsstelle in die Neoblase)
  • Entgleister Säure-Basen-Haushalt: Bei zu sauren Blutwerten muss regelmäßig ein Medikament wie etwa Natriumbikarbonat zur Alkalisierung eingenommen werden.
  • Mangel an Vitamin B12: Durch die Entfernung eines Darmstückes aus dem Verdauungstrakt wird die Vitaminaufnahme aus der Nahrung erschwert.
  • Blasenschwäche
  • Blasenentleerungsstörung, die eine Katheterisierung der Blase erfordert.

Pouch

Was ist ein Pouch?

Bei dieser Form der Urinausleitung wird aus Darmgewebe ein großes Reservoir gebaut. Ähnlich wie beim Conduit entleert sich der Urin durch eine Öffnung in der Bauchhaut (Urostoma). Allerdings wird hier ein Verschlussmechanismus eingebaut, sodass der Urin gehalten werden kann und nicht konstant ausläuft (ähnlich wie bei einer normalen Blase durch den Schließmuskel). Allerdings verspüren Sie keinen Harndrang, wenn der Pouch voll ist. Deshalb müssen Sie etwa alle vier bis sechs Stunden die Harnblase über einen kleinen Katheter entleeren, der anschließend entfernt wird.

Das Problem: Der Verschlussmechanismus muss dicht sein

Der kritische Punkt an dem Verfahren ist, dass das Urostoma dichthalten muss. Dies gelingt etwa bei 90 % der Behandelten, allerdings sind hierfür oft mehrere Eingriffe nötig. Sollte kein zuverlässiger Verschluss erreicht werden, sind die Betroffenen auf eine dauerhafte Klebebeutelversorgung angewiesen, die den auslaufenden Urin auffängt.

Für wen ist ein Pouch geeignet?

Eine Pouchversorgung ist eine Option, wenn kein funktionierender Blasenschließmuskel mehr vorhanden ist (z. B., weil die Harnröhre wegen des Tumors entfernt wurde). Auch bei Personen, die aufgrund einer Lähmung ihre Beine nicht mehr bewegen können (Paraplegie) kann ein Pouch eine gute Wahl sein. Nicht empfehlenswert hingegen ist ein Pouch, wenn etwa die Handhabung des Katheters nicht möglich oder der Darm durch Vorerkrankungen (Entzündung, Bestrahlung etc.) geschädigt ist.

Pouch: Welche Komplikationen drohen?

Die größte Herausforderung ist die Schaffung eines dichten Urostomas. Bei etwa 20 % der Pouchträger müssen mehrere Eingriffe erfolgen, bis dies gewährleistet ist. Weitere negative Begleiterscheinungen können sein:

  • Harnstauung durch Verengung des Urostomas oder der Harnleiter
  • Harnsteine

Chemotherapie

Welche Medikamente werden bei der Chemotherapie verabreicht?

Eine Chemotherapie besteht aus verschiedenen Medikamenten, die über einen Zyklus von mehreren Tagen verabreicht werden. Die Therapie der Wahl besteht aus einer Kombination von Gemcitabin und Cisplatin. Eine Alternative hierzu ist das MVAC-Schema (Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin und Cisplatin); eine weitere Option ist die Hochdosis-MVAC, die eine Abwandlung der normalen MVAC-Chemotherapie ist.

Es gibt noch weitere, etwas weniger effektive Behandlungsregime, falls die genannten zytostatischen Therapien nicht infrage kommen (unter anderem aufgrund von Vorerkrankungen oder schlechter Verträglichkeit). Hierzu zählt z. B. die Kombination aus Gemcitabin und Carboplatin.

Alternative zur Chemo: Atezolizumab und Pembrolizumab

Die Medikamente Atezolizumab und Pembrolizumab, die zu den Immuntherapeutika (=  Immuncheckpoint-Inhibitoren) zählen, können alternativ zu einer Chemotherapie verabreicht werden. Dies ist möglich, wenn eine cisplatinhaltige Chemotherapie aus gesundheitlichen Gründen nicht gegeben werden darf. Eine weitere Voraussetzung ist, dass das Protein PD-L1 auf den Tumorzellen ausreichend vorhanden ist. Denn nur dann können die beiden Arzneimittel das eigene Abwehrsystem aktivieren, sodass es sich gegen den Krebs wendet.

Zeitpunkt der Chemo: vor oder nach der Blasenentfernung

Wem wird eine Chemotherapie vor der Blasenentfernung empfohlen?

Bei einem bereits tief in die Blase eingewachsenem Blasenkrebs (TNM-Stadium T2) kann vor der Blasenentfernung eine Chemotherapie erfolgen und soll die Prognose verbessern. In der Regel wird eine Kombination der Wirkstoffe Gemcitabin und Cisplatin verabreicht. Der Zyklus dieser Chemotherapie dauert 21 Tage und wird drei bis vier Mal vor der OP wiederholt.

Warum soll ich nach der Blasenentfernung eine Chemotherapie machen?

Die Gabe von zytostatischen Medikamenten (Chemotherapie) soll die Prognose und Überlebenszeit verbessern. Diese Behandlung wird speziell dann empfohlen, wenn der Krebs bereits die Harnblase überschritten (TNM-Stadium T3 oder T4) und/oder gestreut hat, denn es besteht ein hohes Risiko eines Rückfalls oder einer Ausbreitung des Karzinoms. Je nach Tumorstadien werden deshalb drei bis sechs Zyklen einer Chemotherapie nach der Zystektomie empfohlen.

Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin

Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin: Was sollte ich zum Ablauf und zur Dauer wissen?

Meistens wird die zytostatische Therapie mit Gemcitabin und Cisplatin zur Therapie des fortgeschrittenen Blasenkarzinoms eingesetzt. Diese Kombination zählt zu den effektivsten und verträglichsten Chemotherapien beim Harnblasenkrebs.

Beide Medikamente werden über einen Zeitraum von 21 Tagen verabreicht: Über eine Vene am Arm wird Gemcitabin am ersten und achten Tag ambulant gegeben, die Cisplatin-Infusion erfolgt am 21. Tag. Da Cisplatin recht nebenwirkungsreich ist, findet dieser Abschnitt der Therapie während eines Klinikaufenthaltes statt. Der gesamte Zyklus muss mehrfach wiederholt werden (zwei bis sechs Mal). Ob die Therapie wirkt, lässt sich durch eine Computertomografie nach dem zweiten Zyklus nachweisen: Sollten die Tumorareale unter der Behandlung schrumpfen, spricht dies für einen Therapieerfolg und die nächsten Zyklen werden eingeleitet.

Wie lange die gesamte Chemotherapie dauert, hängt von der Anzahl der Zyklen ab. Bei vier Zyklen können Sie etwa mit einer Behandlungsdauer von ca. drei Monaten rechnen.

Was bringt die Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin bei Metastasen?

Das Ziel der zytostatischen Behandlung mit Gemcitabin und Cisplatin in diesem Tumorstadium ist es, die Lebenszeit zu verlängern. Leider spricht nicht jeder auf die Therapie an: Bei etwa der Hälfte der Behandelten lässt sich ein Rückgang der Erkrankung erreichen. Allerdings ist dies meist nicht von sehr langer Dauer. So konnte eine Studie zeigen, dass das Harnblasenkarzinom durchschnittlich nach sieben Monaten fortschreitet. Der Anteil der behandelten Personen, die nach zwölf Monaten am Leben sind, liegt bei knapp 60 %. Nach insgesamt 18 Monaten beträgt die Überlebensrate 37 %.

Fazit

Auch wenn man sich bessere Ergebnisse wünschen würde, gewinnen viele Betroffene durch eine Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin wertvolle Lebenszeit. Zudem ist das Therapieschema recht gut verträglich.

Gemictabin und Cisplatin: Welche Probleme können auftreten?

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Deshalb werden Ihnen bereits zur Vorbeugung Medikamente verabreicht. Eine weitere mögliche Nebenwirkung des Cisplatins sind Nierenschäden; deshalb werden während, vor und nach der Therapie größere Flüssigkeitsmengen über eine Infusionsnadel zugeführt.

Nicht den Empfängnisschutz vergessen!

Zudem sollten Sie unter der Therapie beim Geschlechtsverkehr verhüten: Die Chemotherapie kann die Spermien und Eizellen schädigen, sodass die Zeugung eines Kindes nicht in diesen Zeitraum fallen sollte.

Weitere potenzielle Nebenwirkungen sind:

  • Nervenschäden (dies führt unter anderem zu Tinnitus, Schwerhörigkeit, Sehstörungen, Raynaud Syndrom und peripherer Neuropathie)
  • Störung des Blutbildes (Folgen sind z. B. Blutarmut, Infektanfälligkeit und erhöhte Blutungsgefahr)
  • Mineralstoffmangel (z. B. Magnesium, Kalzium, Kalium, Phosphat)
  • Tumorgefahr (v. a. das Risiko für Leukämie steigt)
  • Zahnfleischblutung und -entzündung
  • Haarausfall
  • Allergien und Juckreiz
  • Leberfunktionsstörungen
  • Durchfall, Verstopfung und Appetitlosigkeit
  • Leberfunktionsstörung
  • Atembeschwerden (Husten, Schnupfen, Kurzatmigkeit und Atemnot)
  • Ödeme (Wasseransammlungen in der Haut)
  • grippeartige Beschwerden (unter anderem Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen)
  • sehr selten kommt es zu schweren allergischen Reaktionen (bis zum allergischen Schock), Blasenbildung der Haut, Gefäßentzündungen, Herzinfarkt oder Herzschwäche

Achtung Paravasate

Cisplatin wird über eine Infusion in eine Vene verabreicht und verteilt sich über das Blut im Körper. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Chemotherapie fälschlicherweise ins Gewebe statt in die Ader gelangt. Dies kann passieren, wenn das Infusionssystem falschliegt, z. B., wenn der Venenzugang durch Zug oder Stoß verrutscht. Sobald Cisplatin außerhalb eines Blutgefäßes gerät, sind schwere Hautverletzungen die Folge (Nekrosen).

Sollten Sie folglich das Chemotherapeutikum erhalten und im Bereich der Infusionsstelle eine Schwellung oder schmerzhafte Rötung bemerken, informieren Sie umgehend die Krankenschwester oder den Arzt; denn durch rasches Handeln kann eine weitreichende Zerstörung des Gewebes eventuell noch verhindert werden.

Fazit

Lassen Sie sich bitte trotz der genannten möglichen Begleiterscheinungen nicht von der Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabin abschrecken. Denn vor dem Therapiestart erfolgen viele vorbeugende Maßnahmen, die das Risiko für Komplikationen auf ein Minimum senken sollen. Hierzu gehören unter anderem Untersuchung beim HNO-Arzt und Neurologen, die EKG-Kontrolle des Herzens und Gabe von Medikamenten gegen die Übelkeit. Somit wird die Chemotherapie meist gut vertragen und schwerwiegende Nebenwirkungen treten nur selten auf.

MVAC

Was ist MVAC?

Die Kombination aus den vier Medikamenten Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin, Cisplatin (MVAC) ist aufgrund des hohen Nebenwirkungsrisikos nur noch die zweite Wahl für eine Chemotherapie des Harnblasenkarzinoms. Bei der MVAC-Chemotherapie werden die Medikamente mehrfach innerhalb eines Zeitraums von 28 Tagen über eine Vene verabreicht. Dieser Zyklus wird abhängig vom Tumorstadium mehrfach wiederholt (zwei bis sechs Mal). Nach etwa zwei bis drei Zyklen wird mit einer Computertomografie kontrolliert, ob die Tumorherde zurückgegangen sind. Bei einem positiven Ergebnis wird die Chemotherapie fortgesetzt.

Neben dem normalen MVAC-Schema gibt es auch eine Hochdosis-Variante (Hochdosis-MVAC): Die Zyklusdauer ist hierbei auf 14 Tage verkürzt und es besteht ein geringeres Risiko für negative Begleiterscheinungen. Zudem soll die Hochdosis-MVAC etwas besser gegen den Krebs wirken als die Standard-MVAC.

MVAC: Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Die MVAC-Chemotherapie ist recht nebenwirkungsreich. Besonders oft kommt es zu Mundschleimhautentzündungen, Abfall der weißen Blutkörperchen (die Folgen sind eine hohe Infektanfälligkeit oder Fieber), Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen. Im Extremfall sind die Komplikationen sogar lebensbedrohlich.

Wie sieht die Prognose unter MVAC aus?

Bei neun von zehn Personen gelingt es, mit dem MVAC-Schema eine Stabilisierung oder einen teilweisen Rückgang des Blasentumors zu erreichen. 13 bis 35 % der Behandelten erzielen sogar eine komplette Remission. Das heißt, es ist kein Krebs mehr nachweisbar. Doch leider ist der Effekt nicht dauerhaft: Wenn sich der Blasenkrebs bereits in anderen Organen angesiedelt hat, beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit trotz der Chemotherapie nur 14 Monate, bzw. 30 Monate, falls er bislang nur in die Lymphknoten gestreut hat.

Immuntherapie

Chemotherapie ohne Effekt oder Rückfall: Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Sollte die zytostatische Behandlung beim metastasierten Blasenkrebs keine ausreichende Wirkung zeigen, erfolgt eine Immuntherapie mit den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Die Medikamente dieser Wirkstoffklasse sind Antikörper, die das eigene Abwehrsystem im Kampf gegen den Tumor stärken. Die Immuntherapie führt recht häufig zu einem teilweisen oder kompletten Rückgang des Harnblasenkarzinoms, sodass wertvolle Lebenszeit gewonnen werden kann.

Folgende Medikamente kommen bei der Immuntherapie zum Einsatz:

Auch wenn die Antikörper-Therapie ein vielversprechender Ansatz ist, ist eine dauerhafte Heilung durch die Checkpoint-Inhibitoren derzeit wahrscheinlich nicht möglich.

Alternative zur Immuntherapie

Sollte etwas gegen eine Immuntherapie sprechen, kann eine weitere Chemotherapie eingeleitet werden. Hierfür kommt eine erneute Behandlung mit Gemcitabin und Cisplatin infrage, falls Sie diese bereits früher gut vertragen haben und die zytostatische Therapie den Tumor für mindestens sechs Monate zurückdrängen konnte. Alternativ kann eine Chemotherapie mit Gemcitabin und Paclitaxel oder die alleinige Behandlung mit dem Zytostatikum Vinflunin erfolgen.

Rückfall nach Chemotherapie und Immuntherapie: Was nun?

Sollte der Blasenkrebs nach einer primären Chemotherapie und anschließender Immunbehandlung fortschreiten, gibt es ein recht neues Präparat, das bei etwa der Hälfte der Behandelten eine Besserung bewirkt. Das Medikament heißt Padcev® (Wirkstoff: Enfortumab-Vedotin) und wird als Infusion über eine Vene verabreicht.

Was ist Enfortumab-Vedotin (Padcev) und welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Enfortumab-Vedotin (Padcev®) ist ein Medikament, das beim fortgeschrittenen Blasenkarzinom eingesetzt wird. Bevor die Therapie mit Padcev erfolgen kann, müssen Sie bereits eine Chemo- und Immuntherapie erhalten haben.

Das Medikament wird als Infusion über ein Blutgefäß verabreicht. Dies erfolgt dreimal in einem Zeitraum von 28 Tagen (= ein Zyklus). Die Behandlung wird erst beendet, wenn starke Nebenwirkungen auftreten oder die Tumormasse zunimmt.

Zu den häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen zählen:

  • Haarausfall
  • Müdigkeit und Schwäche (Fatigue)
  • Appetitlosigkeit
  • Nervenschäden (Neuropathie)
  • Durchfälle und Übelkeit
  • Juckreiz

Nachsorge

Warum muss ich zur Nachsorge?

Der Blasenkrebs hat leider die Tendenz, trotz einer Behandlung erneut aufzutreten. Deshalb sind regelmäßige Kontrolltermine bei Ihrem Urologen besonders wichtig. Falls sich hierbei Hinweise auf einen Rückfall zeigen, kann frühzeitig die Behandlung eingeleitet werden. Und je eher die Therapie erfolgt, umso höher ist die Chance auf Heilung.

Nachsorge bei Zystektomie

Auch wenn bei Ihnen die Blase entfernt wurde, sind Nachsorgeuntersuchungen von großer Bedeutung. Diese helfen nicht nur dabei, ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung rasch zu erkennen; sie dienen ebenso der Diagnose eines Vitaminmangels oder einer Übersäuerung des Körpers, die mögliche Folgen der neuen Urinableitung sind.

Nachsorge beim Blasenkarzinom: Ablauf und Häufigkeit

Wie läuft die Nachsorge ab?

Was genau und wie oft untersucht wird, hängt vom individuellen Risiko für einen Rückfall oder ein Fortschreiten des Tumors ab. Teilweise reichen einige Tests in den nächsten fünf Jahren, manchmal muss aber auch eine lebenslange Nachsorge erfolgen.

Zu den Verfahren, die zum Einsatz kommen, zählen Blasenspiegelungen, Urinanalysen, Bluttests, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen (z. B. Computertomografie). Aber nicht jeder braucht all diese Maßnahmen; welche für Sie angebracht sind, wird Ihr Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.

Wie oft muss ich zur Kontrolle?

Die Häufigkeit der Nachsorgetermine hängt von Ihrem Risiko für einen Rückfall und für ein Fortschreiten des Tumors ab.

Ist der Harnblasenkrebs nur oberflächlich und die Gefahr einer erneuten Erkrankung bzw. Ausbreitung gering, reicht eine Blasenspiegelung alle paar Monate. Nach fünf Jahren kann die Nachsorge schließlich beendet werden.

Sollte Ihr individuelles Risiko höher sein, sind die Untersuchungsabstände kürzer und werden durch Urinanalysen und zum Teil durch Röntgen der Harnwege ergänzt. Zudem können die Kontrolluntersuchungen lebenslang notwendig bleiben.

Kontrolluntersuchungen nach der Blasenentfernung

Wurde bei Ihnen die Blase entfernt, ist eine dauerhafte Nachsorge essenziell. Dies soll helfen, einen eventuellen Rückfall und negative Folgen der Urinableitung frühzeitig zu entdecken. Besonders in den ersten fünf Jahren nach dem Eingriff sind häufige Nachsorgetermine wichtig (etwa alle sechs Monate). Anschließend reicht ein jährliches Intervall.

Die regelmäßigen Untersuchungen bei Ihrem Urologen beinhalten:

  • Blut- und Urinanalyse
  • Bildgebung (z. B. Ultraschall, Röntgen, Kernspintomografie, Computertomogramm, bisweilen auch Knochenszintigrafie)
  • evtl. die Spiegelung der Harnröhre

Im Blut wird regelmäßig unter anderem der Säure- und Basengehalt kontrolliert. Nach drei Jahren wird bei Betroffenen mit einer Neoblase oder einem Pouch der Vitamin-B12-Spiegel bestimmt, da sich erst nach dieser Zeitspanne ein Mangel zeigt. Zudem ist bei Männern, deren Harnröhre nicht bei der Zystektomie entfernt wurde und deren Urinableitung über einen Pouch oder Conduit erfolgt, eine jährliche Harnröhrenspiegelung zum Ausschluss einer erneuten Tumorerkrankung erforderlich.

Prognose

Wie steht es um die Heilungschancen beim Blasenkrebs?

Die Erfolgsaussichten, dass der Harnblasentumor nach der Therapie nicht mehr zurückkommt, hängt von vielen Faktoren ab. Hierzu zählen:

  • der Entartungsgrad bzw. Bösartigkeit der Zellen (Grading)
  • die Ausbreitung des Tumors (TNM-Klassifikation)

So ist z. B. für einen Krebs, der nur oberflächlich in der Blase wächst und dessen Zellen nur gering entartet sind, die Heilungschance besser als bei einem Tumor, der schon tief in die Harnblase eingedrungen ist, sehr bösartig ist oder schon in Lymphknoten bzw. in andere Organe gestreut hat.

Kann ein metastasierter Blasenkrebs geheilt werden?

Leider ist eine dauerhafte Heilung des Tumors in diesem Stadium (noch) nicht möglich. Bislang können die aktuellen Behandlungsoptionen wie Chemotherapien, Bestrahlung oder Immuntherapie die Ausbreitung des Krebses nur verzögern und Beschwerden lindern. Es bleibt zu hoffen, dass Forscher in absehbarer Zukunft auf neue Therapiemöglichkeiten stoßen, die in einem solch fortgeschrittenen Krebsstadium die Tumorzellen besser und länger in Zaum halten können.

Erfolgsaussichten nach TUR-B, Instillationstherapie und Co.

Wie hoch ist die Chance, nach einer TUR-B den Blasenkrebs los zu sein?

Das ist eine sehr gute Frage; leider ist sie schwierig zu beantworten, weil so viele individuelle Aspekte eine Rolle spielen. Diese reichen vom Bösartigkeitsgrad der Krebszellen bis zur genauen Lokalisation, Größe und Anzahl der Tumore (es kann durchaus mehr als nur eine Geschwulst in der Harnblase wachsen), bis hin zur Eindringtiefe des Karzinoms in die Blase. Deshalb ist es nicht möglich, eine generelle Aussage zu treffen.

Allgemein kann man aber sagen, dass oberflächliche Blasenkarzinome auch bei einem wiederholten Auftreten durch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen und frühzeitige operative Entfernung (TUR-B) gut unter Kontrolle zu bringen sind.

Wie effektiv ist die Instillationstherapie mit Mitomycin C und BCG?

Auch wenn bei Ihnen ein Harnblasenkarzinom mit einem höheren Rückfall- oder Ausbreitungsrisiko festgestellt wurde, bestehen gute Chancen, mithilfe der Instillationstherapie den Krebs dauerhaft zu beseitigen.

So zeigte eine Auswertung zahlreicher Studien, dass sich unter einer langfristigen Behandlung mit BCG bei über 90 % der Betroffenen der Krebs nicht weiter ausbreitete. Auch die Gefahr für einen Rückfall sank um 50 %. Eine weitere Analyse mehrerer Forschungsarbeiten zum Thema Mitomycin C bei Blasenkrebs ergab, dass das Rückfallrisiko um 35 % fiel, wenn im Anschluss an die TUR-B das Chemotherapeutikum mehrfach lokal verabreicht wurde.

Wie hoch ist die Chance, dass der Krebs durch die Blasenentfernung geheilt wird?

Die Zystektomie soll den Krebs gänzlich entfernen. Doch trotz aller Bemühungen bleibt leider nicht jeder Betroffene dauerhaft tumorfrei. Betrachtet man alle operierten Personen, sind fünf Jahre nach dem Eingriff gut zwei Drittel der Behandelten am Leben. Das klingt erst einmal ernüchternd; allerdings müssen Sie bedenken, dass ohne den Eingriff keine Aussicht auf Heilung bestünde.

Auch hängt die Prognose entscheidend vom Stadium der Krebserkrankung ab (TNM-Klassifikation): Sind z. B. keine Krebszellen in den entnommenen Lymphknoten nachweisbar und ist der Tumor nicht in benachbarte Organe eingewachsen, stehen die Chancen ziemlich gut, dass der Krebs nicht mehr zurückkommt.

Was bringt die kombinierte Radiochemotherapie beim Harnblasenkarzinom?

Dieses Verfahren ist die Alternative zur kompletten Blasenentfernung. Der Erfolg der kombinierte Radiochemotherapie soll auch ähnlich gut sein: Bei 60 bis 80 % der Erkrankten kann durch diese Kombination aus OP, Bestrahlung und Chemotherapie der Krebs zurückgedrängt werden. Ebenso sind die Überlebensraten vergleichbar: Nach einem Zeitintervall von fünf Jahren sind etwa 50 % bis 60 % der Behandelten am Leben.

Kann eine Chemotherapie den Blasenkrebs heilen?

Leider nein; allerdings gibt es immer wieder Einzelfälle, bei denen die Behandlung besser anschlägt als zunächst vermutet. Das primäre Ziel der zytostatischen Therapie ist aber vor allem, die Überlebenszeit zu verlängern. So sind etwa nach fünf Jahren noch über 30 % der Erkrankten am Leben, wenn der Krebs vor einer Chemotherapie mit MVAC noch nicht gestreut hatte. Ähnlich gut wirkt auch die Behandlung mit Gemcitanbin und Cisplatin.

Haben sich allerdings bereits Metastasen in der Leber oder anderen Organen angesiedelt, muss leider von einer weitaus geringeren Überlebenszeit ausgegangen werden.

Quellen:

  • Manski, D. (2019): Urologielehrbuch.de, 14. Aufl., Stadtbergen, Deutschland: Manski, Dr. Dirk.
  • Schmelz, H.U. Sparwasser, C & Weidner, W. (2014): Facharztwissen Urologie, 3. Aufl., Heidelberg, Deutschland: Springer.
  • Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms (S3-Leitlinie) (2020). Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). AWMF-Registernr.: 032/038OL [online] www.register.awmf.org.
  • Apogepha. Patientenpass Mitomycin. [online] www.apogepha.de.
  • Medac. Gebrauchsinformation: Information für Anwender-BCG-medac® (2010). [online] www.portal.dimdi.de.
  • Trojan, L. Zystektomie mit Ileum-Conduit (Totale Blasenentfernung mit künstlichem Urinausgang) (2019). [online] www.urologie.umg.eu.
  • Padcev® (Enfortumab-Vedotin):Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. [online] www.ema.europa.eu.

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Autorin unseres Artikels
 
Dr. med. Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

    Studium:
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut

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Medizinische Prüfung
des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

    Studium:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
    Berufliche Stationen:
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung bei esanum.de

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Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

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Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie

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Dr. med. Monika Steiner
Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

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