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Kopf vom Baby schief, verformt oder asymmetrisch: Was bedeutet das?

Auf einen Blick

  • Wichtig ist, ob der Kopf bereits von Geburt an asymmetrisch war.
  • Verformte sich der Schädel erst allmählich, kann eine einseitige Kopflage die Ursache sein.
  • Bei dieser sogenannten lagebedingten Schädelasymmetrie helfen Krankengymnastik, Seitenlage und die Helmtherapie.
  • Ist der Kopf bereits bei der Geburt asymmetrisch, kann das an einem frühzeitigen Verschluss der Schädelnähte liegen. Dann kann eine kleine OP notwendig werden. 

Fragen zur Schädelasymmetrie bei Babys beantworten wir im folgenden Beitrag.

Basiswissen

Mein Baby hat einen asymmetrischen Kopf, woher kommt das?

Vielen Eltern fällt bei Ihrem Baby auf, dass das Köpfchen sich verformt. Die erste wichtige Frage hierzu ist, war das Köpfchen schon gleich nach der Geburt verformt oder hat sich die Verformung erst nach einigen Wochen entwickelt.

Grundsätzlich kommen folgende Ursachen in Betracht:

Frühzeitiger Verschluss der Schädelnähte

Welchen Einfluss haben die Schädelnähte auf die Kopfform?

Wenn die Schädelasymmetrie gleich nach der Geburt schon vorgelegen hat, muss man an einen frühzeitigen Verschluss der Schädelnähte denken.

Das Köpfchen ist keine massive Knochenkugel, sondern ist aus mehreren Schädelplatten aufgebaut, die über Schädelnähte verbunden sind. Dieser Aufbau hat mehrere Gründe. Der eine Grund ist der, dass dadurch das Köpfchen für die Geburt durch den recht engen Geburtskanal flexibler ist und sich auch noch für den Geburtsvorgang leicht verformen kann. Der andere Grund ist der, dass das Köpfchen in den ersten Wochen und Monaten parallel zum schnellen Größerwerden des Gehirns noch mitwachsen muss. Dieses Wachstum hat seinen Ausgangspunkt von diesen Schädelnähten.

Man unterscheidet die Stirnnaht, die in der Mitte der Stirn verläuft und in die große Fontanelle, einer noch nicht verknöcherten, häutigen Platte des Säuglingsschädels, mündet. Von der Fontanelle nach links und rechts verläuft die Kranznaht, nach hinten die Pfeilnaht, die am Hinterkopf dann in die kleine Fontanelle mündet. Von dort aus verlaufen schräg nach unten die beiden Anteile der Lambdanaht.

Wie kann man erkennen, an welcher Schädelnaht ein frühzeitiger Verschluss vorliegt?

Durch den frühzeitigen Nahtverschluss ergeben sich charakteristische Kopfverformungen. Ist z. B. die Pfeilnaht verschlossen, kommt es zum sogenannten Kahnschädel. Das heißt, die Kopfform ist eher lang und schmal.

Kommt es dagegen zu einem verfrühten Verschluss der Stirnnaht, bildet sich der sogenannte Dreiecksschädel aus. Das heißt, die Stirn läuft spitz zu.

Behandlung bei frühzeitigem Verschluss der Schädelnähte

Wie kann oder muss ein frühzeitiger Nahtverschluss behandelt werden?

Je nach Ausprägung des Nahtverschlusses und je nach Zeitpunkt muss eine Operation erfolgen, das heißt, die Naht muss wieder eröffnet werden.

Die komplizierteste Variante der Nahtverschlüsse ist die, bei der alle Schädelnähte verschlossen sind. Das bedeutet, dass das Köpfchen überhaupt nicht mehr wachsen könnte und dass vor allem auch das Gehirn keinen Platz mehr zum Wachsen hätte. Hier muss schnell gehandelt werden, damit das Gehirn keinen Schaden nimmt.

Lagebedingte Schädelasymmetrie

Kann der Schädel durch eine einseitige Kopflage verformt werden?

Die gute Nachricht ist, dass vorzeitige Nahtverschlüsse doch eher eine seltenere Ursache für Kopfverformungen im Säuglingsalter sind. An dieser Stelle müssen wir aber noch mal die Frage vom Anfang aufgreifen: War das Köpfchen direkt nach der Geburt noch symmetrisch?

In den meisten Fällen ist es nämlich so, dass dies nach der Geburt noch der Fall war und sich die Asymmetrie erst in den nächsten Lebenswochen einstellt. Auch hier spielen das Wachstum, aber auch der noch recht weiche Aufbau des Schädelknochens eine große Rolle. Der Kopf ist noch sehr weich und verformbar. Liegt dann beim Kind eine über das natürliche Maß ausgeprägte Lieblingsseite der Kopflage vor, kann es sehr rasch dazu kommen, dass das Köpfchen durch sein Eigengewicht platt gedrückt wird.

Man spricht dann von einer lagebedingten Schädelasymmetrie.

Arten von lagebedingten Schädelasymmetrien

Man unterscheidet den

  • Schiefkopf, den Plagiozephalus und
  • Kurzkopf, den Brachyzephalus.

Prognose bei lagebedingter Schädelasymmetrie

Kann sich die Schädelasymmetrie von alleine verwachsen?

Es ist sicherlich richtig, dass sehr viele junge Säuglinge vorübergehende Schädelasymmetrien durch Lieblingsseiten entwickeln, die sich bei ungestörter Kopfbeweglichkeit dann wieder spontan normalisieren.

Hierbei ist es aber wichtig, den Verlauf der Kopfformentwicklung genau zu beobachten, weil es nicht wenige Verläufe gibt, in denen die Schädelasymmetrie bestehen bleibt und nur durch das Kopfhaar nicht mehr so auffällt.

Ist der Schiefkopf für die Entwicklung meine Babys gefährlich?

Beim Schiefkopf gibt es unterschiedliche Ausprägungen.

Man unterscheidet die Form, bei der die Schädelbasis, also der Boden des Schädels, nicht und nur der Hirnschädel betroffen ist.

Man sieht hier eine einseitige Abflachung am Hinterkopf, die vor allem von hinten und von oben betrachtet auffällt. Eine Beeinträchtigung für das Gehirn oder für den Kiefer ergibt sich dadurch nicht, es handelt sich um ein vorwiegend optisches, ästhetisches Problem.

Abgeflachte Schädelbasis: schiefe Ohren und verformtes Gebiss

Es gibt dann noch die andere Variante des Schiefkopfes, bei der eben die Schädelbasis mitbetroffen ist. Hierzu ist wichtig zu wissen, dass der knöcherne Gehörgang auf der Schädelbasis liegt. Ist dann also die Schädelbasis verschoben, kommt es auch zu dem sogenannten Ohrversatz. Das heißt, ein Ohr steht weiter vorne als das andere. Bei diesen Kindern fällt die Asymmetrie dann nicht nur von oben und hinten, sondern auch von vorne auf. Die Ohren stehen nicht in der gleichen Ebene.

Wenn man sich nun kurz vergegenwärtigt, dass direkt vor dem Ohr ja gleich der Kiefer beginnt, dann kann man sich auch vorstellen, dass es neben der Kopfverformung auch zu einer Kieferverformung kommen wird. Es können Bissveränderungen wie ein Kreuzbiss entstehen.

Welche Auswirkungen hat ein Kurzkopf auf mein Kind?

Wie der Name schon sagt, wirkt der Kopf zu kurz. Er ist nicht asymmetrisch, wobei es natürlich auch kombinierte Kurzkopf-Schiefkopf-Varianten gibt. Der einfache Kurzkopf zeichnet sich durch einen abgeplatteten Hinterkopf aus. Hierbei muss man unterscheiden, dass die Kopfform auch genetisch bedingt ist. So sind die Kopfformen im asiatischen Raum deutlich kürzer als z. B. im Durchschnitt in Mitteleuropa. Ein kurzer Kopf hat keine Auswirkung auf die Hirnfunktion und ist allenfalls ein ästhetisches Problem.

Behandlung bei lagebedingter Schädelasymmetrie

Wie sieht die Therapie bei lagebedingter Schädelasymmetrie aus?

In den ersten 4 – 6 Lebenswochen ist die Lieblingsseite bzw. Kopfvorzugshaltung in eine Richtung noch physiologisch. In dieser Zeit sollte aber der muskuläre Schiefhals als Folge eines Geburtstraumas bei schwieriger Geburt ausgeschlossen werden. In diesem Fall liegen Risse und Einblutungen der Halsmuskulatur auf einer Seite vor, die zu Vernarbung und Verkürzung der Muskeln führen können.

Hier muss frühzeitig Krankengymnastik erfolgen, um der Muskelverkürzung entgegenzuwirken. In sehr seltenen Fällen muss hier auch operativ eingegriffen werden.

Aber auch der traumatische bedingte muskuläre Schiefhals ist eine eher seltenere Ursache für die Lieblingsseite.

Bei manchen Säuglingen liegen dann doch sogenannten Blockierungen in der oberen Halswirbelsäule vor. Hierfür gibt es verschiedene Begriffe:

  • das KISS-Syndrom
  • das Tonusasymmetriesyndrom
  • die funktionelle Dysfunktion

Allen gemeinsam ist, dass das Köpfchen eine freie und eine eingeschränkte Bewegungsrichtung hat.

Krankengymnastik und kontrollierte Seitenlagerung

Entsprechend der unterschiedlichen Bezeichnungen gibt es verschiedene manualmedizinische Herangehensweisen, das Problem, die Blockierung zu lösen. In den meisten Fällen ist eine krankengymnastische Mitbehandlung sinnvoll.

Diese Maßnahmen sind zwar als Grundvoraussetzung zur Behandlung der Schädelasymmetrie entscheidend, ändern aber die Kopfform im Moment erst einmal noch nicht. Wenn das Baby nach erfolgreicher Behandlung das Köpfchen dann wieder frei in beide Richtungen drehen kann, ist es wichtig, dass es dies auch tut. Ist die einseitige Abflachung des Köpfchens schon sehr ausgeprägt, dann rollt es im Schlaf leider passiv oft wieder in die Delle und drückt sich selbst damit weiter platt. Hier kommt als erste Maßnahme eine kontrollierte Seitenlagerung ins Spiel.

Was heißt in diesem Fall jetzt „kontrolliert“?

Seit den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts wird zur Vermeidung des plötzlichen Kindstodes ja die strenge Rückenlage für Säuglinge im Schlaf und in unbeobachteten Situationen empfohlen.

Die unkontrollierte Seitenlage birgt immer die Gefahr, dass sich das Kind dann doch auf den Bauch dreht. Um Letzteres zu vermeiden, gibt es entsprechende Lagerungsschienen, in denen man das Kind so fixieren kann, dass es sicher auf der Seite liegt, das Köpfchen aus seiner Delle herausgedreht wird, das Kind sich aber nicht in die Bauchlage drehen kann.

In welchem Alter sollte die Therapie beginnen?

Wichtig ist hierbei zu wissen, dass das Köpfchen innerhalb der ersten beiden Lebensjahre unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten hat:

  • Innerhalb der ersten 6 Monate wächst das Köpfchen am allerschnellsten. Dies ist auch der Grund, weshalb sich das Köpfchen in dieser Zeit am schnellsten verformt, sich die Form aber auch am besten wieder normalisieren kann.
  • In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit dann schon deutlich ab und das Schädelmaterial wird deutlich härter.
  • Im zweiten Lebensjahr wächst das Köpfchen zwar weiterhin, aber viel langsamer als im ersten.

Früher Therapiebeginn im 3. Monat

Im 3. bis 6. Lebensmonat setzt man vorwiegend auf die vorher beschriebenen funktionellen Behandlungen, Manualmedizin, Krankengymnastik und Lagerungsbehandlung. Man sollte hiermit möglichst mit 3 Monaten beginnen, insbesondere dann, wenn auch eine Schädelbasisverschiebung mit Ohrversatz vorliegt.

Unter den Maßnahmen sollte aber eine deutliche Verbesserung zu sehen sein. Zu empfehlen ist eine vierwöchentliche Kontrolle der Schädelmaße, um die positive Entwicklung zu erkennen.

Was ist die Helmtherapie?

Wenn sich kein Behandlungserfolg bis 6 Monate einstellt oder wenn bis dahin gar keine Behandlung erfolgt ist, steht als weitere Alternative die Helmtherapie zu Verfügung.

Die Helmtherapie gibt dem Köpfchen die Wachstumsrichtung vor, unabhängig von seiner Lage. Das heißt, innerhalb des Helmes ist an der Stelle der Delle ein Freiraum, in welchen das Köpfchen wachsen kann. An den Stellen, an denen das Köpfchen schon normal ausgebildet ist, liegt der Helm an und das Wachstum wird gebremst. Es ist eigentlich der genau umgekehrte Effekt wie der zuvor vorliegende bedingt durch die Vorzugshaltung.

Helm: nur formgebend, nicht einengend

Manchmal besteht die Sorge, der Kopf würde durch den Helm eingezwängt wie der Kiefer durch eine Zahnspange. Dem ist aber nicht so. Das Köpfchen kann und muss auch frei weiter wachsen, nur die Richtung wird vorgegeben.

Ganz wichtig ist bei der Helmtherapie aber, dass diese ganz penibel und streng durchgeführt wird. Das heißt, der Helm muss 23 Stunden am Tag getragen werden, sonst wächst der Kopf auch wieder in der unerwünschten Richtung weiter und passt dann nicht mehr. Als Folge davon können sich dann Druckstellen entwickeln.

Wann beginnt man mit einer Helmtherapie?

Hier spielen mehrere Kriterien für die Entscheidung eine Rolle.

Natürlich an erster Stelle die Ausprägung. Hier ist aber auch das ästhetische Empfinden sehr unterschiedlich.

Hat man den Fall einer zusätzlichen Schädelbasisasymmetrie, muss durchaus schon im Alter von 4-5 Monaten über einen Helm nachgedacht werden, wenn durch die Lagerungsmaßnahmen nicht eine deutliche Besserung zu erkennen ist. Die Schädelbasisasymmetrie kann auch durch den Helm nur indirekt behandelt werden. Um hiermit erfolgreich zu sein, muss der Behandlungsbeginn aber eben früher sein, um noch weichere Schädelknochen und ein schnelleres Kopfwachstum nutzen zu können.

Bei den einfacheren Schädelasymmetrien fällt meistens die Entscheidung zur Helmtherapie mit 6 Monaten, weil im zweiten Lebenshalbjahr die Chance auf eine Spontanbesserung doch deutlich schlechter ist.

Wie lange dauert in der Regel eine Helmtherapie?

In den meisten Fällen muss man von einer Behandlungszeit von etwa 3 Monaten ausgehen, mal mehr, mal weniger. Wenn die Therapie später begonnen wird, z. B. mit 8 Monaten, muss aufgrund des langsameren Kopfwachstums mit einer längeren Behandlungsdauer gerechnet werden. Nur noch mal zur Erinnerung, die Helmtherapie gibt nur die Wachstumsrichtung vor, die eigentliche Normalisierung der Kopfform erfolgt nur über das Eigenwachstum des Köpfchens.

Quellen:

  • Muntau A. Intensivkurs Pädiatrie. Urban und Fischer, 3. Auflage
  • Rosenbaum T et al. Dynamische Kopforthesen ("Helmtherapie"). Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e. V. (2012). www.dgspj.de.

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