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Was sollte ein Kind wann können: körperliche und emotionale Entwicklung

Was muss ein Kind wann können? Wie verläuft die normale geistige und körperliche Entwicklung? Fragen und Antworten zum Thema Entwicklung und Verhalten von Babys und Kindern beantworten wir im folgenden Beitrag.

Einführung

Entwicklung des Kindes: Was ist „normal“?

Bezogen auf die Entwicklungsdaten eines Kindes ist der Begriff der Normalität, wie beim Größenwachstum und der Gewichtsentwicklung auch, ein rein statistischer Normbegriff: Als „normal“ gilt der Zeitpunkt, zu dem die meisten Kinder einen bestimmten Entwicklungsschritt vollziehen.

Nicht alle Kinder sind gleich

Damit lassen sich dann Skalen und Raster bilden, die für den Kinderarzt und für Sie als Eltern einen gewissen Orientierungswert besitzen. Aber das heißt nicht, dass ein Kind, das in einem oder mehreren Punkten später dran ist, unnormal ist. Natürlich gibt es selten auch mal tatsächliche Entwicklungsverzögerungen, denen man nachgehen muss. Aber sehr viel häufiger steckt nichts Schlimmes dahinter, wenn Ihr Kind einen bestimmten Entwicklungsschritt später als "normal" erreicht.

Es gibt zahllose Beispiele für solche Normvarianten, zum Beispiel Kinder, die das Krabbeln praktisch auslassen (und in dieser Phase große Sorgen bei den Eltern auslösen) und dann plötzlich aufstehen und laufen wie eine Eins. Die Faustregel lautet: Schon genau hinschauen, ob ein wirkliches Problem bestehen könnte, aber vom Grundansatz her gelassen bleiben und nicht vorschnell in unnötige Sorgen verfallen.

Was braucht ein Kind, um sich gut zu entwickeln?

Jedes Kind ist auf die Fürsorge und Zuwendung seiner Eltern angewiesen, damit es heranreifen und seine Potenziale entfalten kann. Es klingt zunächst banal und ist doch eminent wichtig: Bringen Sie für Ihr Kind reichlich Verständnis und Aufmerksamkeit gegenüber seinen persönlichen und entwicklungsbedingten Eigenheiten und Bedürfnissen auf!

Als liebende Eltern sind Sie dazu sicherlich prinzipiell bereit, im praktischen Alltag ist die Umsetzung dieses Anspruchs aber oft nicht so einfach, wie es sich liest. Zum einen setzt dies nämlich gewisse Kenntnisse über die körperlichen und seelischen Entwicklungsgrundlagen Ihres Kindes voraus (wozu wir hier einen möglichst hilfreichen Beitrag leisten wollen). Zum anderen neigt dieser gute Vorsatz dazu, in der Alltagsroutine und unter Stressbedingungen immer wieder rasch in den Hintergrund zu treten.

Ab und zu mal innehalten und sich selbst beobachten

Halten Sie deshalb regelmäßig inne und besinnen Sie sich, gemeinsam mit dem anderen Elternteil, erneut darauf. Denn Ihr Kind wird seine reichhaltigen Veranlagungen inklusive Erblasten nur so gut oder schlecht ausspielen können, wie es die Rahmenbedingungen zulassen.

Abgesehen von unmittelbar lebenserhaltenden Grundbedürfnissen wie Nahrungsaufnahme und Schutz der Vitalfunktionen, hat Ihr Kind ein angeborenes Bedürfnis nach:

  • Spiel und Bewegung,
  • Erkundung und Erforschung,
  • Eigenständigkeit und Unabhängigkeit,
  • Wirkmöglichkeiten durch eigenes Tun,
  • Einordnung und Verarbeitung seiner Erfahrungen im Austausch mit den Eltern.

Körperliche Entwicklung

Mein Kind krabbelt nicht – ist das normal?

„Normal“ im Sinne von häufig ist es zwar nicht – zum Geher und einem in dieser Hinsicht ganz „normalen“ Menschen wird es Ihr Baby aber aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem bringen.

Manche Kinder kommen auf ihrem Entwicklungsweg eben nicht an allen Meilensteinen vorbei, wie beispielsweise dem Krabbeln. Stattdessen spezialisieren sie sich als Rutscher oder "Shuffler", bei denen die Vorwärtsbewegung aus einer Sitzposition heraus erfolgt.

Mittlerweile weiß man, dass bei mindestens der Hälfte dieser Kinder nicht die geringste motorische Entwicklungsstörung vorliegt, sondern eine Normvariante, die familiär gehäuft auftritt. Die Rigorosität der pathologischen und folglich behandlungsbedürftigen Interpretation früherer Tage ist heute glücklicherweise passé (oder sollte es zumindest sein). Ohne deshalb auf eine differenzierende Betrachtung, welches Kind tatsächlich therapeutischer Hilfe bedarf, zu verzichten.

Was sieht mein Baby? Wo sollte ich Gegenstände zum Anschauen platzieren?

In den ersten Lebensmonaten sieht ein Kind noch alles sehr verschwommen. Weder in unmittelbarer Nähe noch in der Ferne ist scharfes Sehen möglich. Am besten ist, wenn Sie Gegenstände etwa im Bereich von 1 Meter vor ihm platzieren, damit sie von Ihrem Baby gut wahrgenommen werden können. In den allerersten Wochen liegt der Punkt des schärfsten Sehens etwa bei 30 Zentimetern.

Während feine Details von Gegenständen noch nicht wahrgenommen werden (und ein Baby auch noch nicht interessieren), reagieren Säuglinge stärker auf Licht, also auf Hell-Dunkel-Unterschiede. So wenden sie sich meist Lampen oder auch der Sonne zu. Auch starke Kontraste oder sehr kräftige Farben werden intensiver begutachtet als Gegenstände mit verwaschenen, bleichen Farben. Ein knallroter Quietsch-Würfel ist also weitaus spannender als ein impressionistisches Gemälde, auf dem selbst Erwachsene kaum etwas erkennen.

Am liebsten das Gesicht von Mama und Papa

Am aufregendsten für ein Baby sind aber Gesichter. Am liebsten natürlich die von Mama, Papa und anderen nahen Personen. Die werden zwar nie besonders lange, dafür aber intensiv begutachtet. Deshalb sind Babys auch so schnell in der Lage, Ihre Eltern genau zu erkennen.

Übrigens: Aufgrund der natürlichen Entwicklung ihrer Sehnerven sehen Babys in den ersten Lebensmonaten die Welt seitenverkehrt und auf den Kopf gestellt. Für den praktischen Alltag ist das allerdings nicht sonderlich von Belang.

Wissenswertes zur körperlichen Entwicklung

Gehfrei: Wie sinnvoll ist die Lauflernhilfe - und ab wann?

Ein Gehfrei soll als Lauflernhilfe Kleinkinder während ihrer ersten Gehversuche auf den Beinen halten und ihnen so dabei helfen, schneller und besser laufen zu lernen. Meistens handelt es sich um eine Art Wagen, in den das Kind gesetzt wird oder den es, sich an einer Querstange festhaltend, schieben soll.

Die Modelle gibt es aus Plastik und aus Holz, mit ohne integriertem Spiel- und Klingelzeug. Allein die Tatsache, dass es einen Markt für solches Gerät gibt, bedeutet allerdings noch nicht, dass man es auch kaufen sollte.

Klingt gut, ist aber unsinnig

Die Argumente der Hersteller: Statt sich mühsam an Gegenständen hochzuziehen und wieder auf den Boden zu plumpsen, hat das Kind mit einem Gehfrei einen festen Stand und kann früher die Welt auf eigenen Beinen erkunden. Und damit ihm nicht langweilig wird, ist bei einigen Modellen auch gleich noch Beschäftigungs-Hardware in Form von Holzperlen oder Klingelknöpfen eingebaut. Ganz zu schweigen vom schicken Mehrfarben-Design.

Klingt doch eigentlich toll? Nein, sagen die Fachleute. Auch wenn frühförderungsbegeisterte und performance-orientierte Eltern in der Kita davon schwärmen, bitte nicht für Ihre Kinder. Denn die Lauflernhilfe fördert die motorische Entwicklung Ihres Kindes keineswegs. Im Gegenteil: Sie kann über die unnatürliche Haltung, die das Kind im Gehreif einnimmt, sogar zu Wirbelsäulenschäden führen. Vor diesen unerwünschten Folgen warnt etwa der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Erhöhte Unfallgefahr

Noch gravierender stuft der Kinderarztverband die Unfallgefahr ein, die sich aus dem oft unterschätzten Bewegungsradius der laufhilfebewehrten Kinder und der meist nicht lückenlosen Aufsicht durch die Eltern ergibt. Stürze durch Türschwellen, ungesicherte Treppen und nicht verrückbare Hindernisse führen nach Angaben des Ärzteverbands zu etwa 6.000 Unfällen pro Jahr, bei denen es überwiegend zu – mitunter schweren – Kopfverletzungen kommt. Aber auch zu Verbrühungen oder Verbrennungen, wenn die Kleinen überraschend schnell in die Nähe von Tassen, Schüsseln oder Töpfen geraten.

Für die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ und den Kinderarzt-Verband ist die Angelegenheit klar: Die Frage nach dem „ab wann“ stellt sich erst gar nicht, da die Frage nach dem „ob überhaupt“ mit einem klaren „Nein“ beantwortet wird. Lassen Sie Ihr Kind alleine und im eigenen Tempo laufen lernen. Und wenn sie ihm dabei helfen wollen, dann allenfalls maßvoll mit den eigenen Händen.

Was versteht man unter der „Mini-Pubertät“ bei Jungen?

Im 2. bis 4. Lebensmonat, also recht bald nach der Geburt, kommt es bei Jungen zur vermehrten Ausschüttung der sogenannten gonadotropen Hormone. Die werden im Gehirn gebildet, um dann auf die Keimdrüsen einzuwirken.

Die Gonadotropine veranlassen im Hoden durch Stimulation der sogenannten Leydig-Zellen die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Dieser Vorgang wird von Wissenschaftlern als Mini-Pubertät bezeichnet und u.a. mit den späteren Fruchtbarkeitschancen im Mannesalter in Verbindung gebracht. Der kräftige Testosteron-Anstieg fällt anschließend wieder ab und steigt erst wieder an, um die eigentliche Pubertät beim Jugendlichen auszulösen.

Selbst auf die Toilette

Wann lernen Kinder, ihre Blase zu kontrollieren? 

Etwa ab dem 2. und bis zum Ende des 3. Lebensjahres lernen die meisten Kinder, ihre Blase zu kontrollieren. Dabei handelt es sich um einen komplexen Entwicklungsschritt, wenn das heranwachsende Nervensystem die Befähigung erlangt, das Zusammenspiel von Nierenfunktion, Blasenfüllung und Steuerung der Blasenmuskulatur zu koordinieren.

Da jedes Kind ein Individualist ist und, innerhalb mehr oder weniger flexibler Grenzen, sein eigenes Entwicklungstempo aufweist, brauchen Sie sich bis zum 5. Lebensjahr Ihres Kindes darüber nicht den Kopf zu zerbrechen. Zumindest nicht aus medizinischer Sicht, auch wenn andere Kinder schneller sind (was ihre Mütter gerne stolz berichten). Manchmal ist viel Geduld gefragt, bis sich das Problem von selbst löst und die Tage und Nächte endlich „trocken“ sind. Möchten Sie solange nicht warten, haben Sie Zweifel oder dauert es noch länger, sollten Sie sich an den Kinderarzt Ihres Vertrauens wenden, um das Vorliegen einer ernsthaften Störung abzuklären.

Übrigens: Dem Kind in dieser Angelegenheit Druck zu machen, ist sinnlos und kontraproduktiv: Die Entwicklung der selbstständigen Blasenkontrolle kann nicht beschleunigt, durch psychische Belastungen von außen aber zusätzlich behindert werden.

Geistige Entwicklung

Wie verläuft die normale geistige Entwicklung des Kindes?

Die im folgenden angegebenen Zeitpunkte für bestimmte geistige Fähigkeiten sind "Normwerte". Ein Hinterherhinken ist nicht gleich Anlass zu übertriebener Sorge. Im Zweifel einfach mit dem Kinderarzt sprechen.

Nach dem sogenannten Grenzsteinkonzept lassen sich für die geistige Entwicklung des Kindes folgende Zeitpunkte (Lebensalter) markieren (Normvarianten immer möglich):

  • 3 Monate
    • Das Kind verfolgt vor dem Auge langsam hin und her bewegte Gegenstände aufmerksam, zumindest kurze Zeit lang.
  • 6 Monate
    • Das Kind greift nach Gegenständen, steckt sie auch in den Mund, ohne sie allerdings aufmerksam azusehen.
  • 9-12 Monate
    • Das Kind beginnt, Gegenstände sehr viel intensiver zu ertasten und zu erforschen. Die Aufmerksamkeit gegenüber "Dingen" wird größer.
    • 12 Monate: Wenn man einen Gegenstand durch ein Tuch oder Blatt Papier verhüllt, versucht das Kind, das Blickhindernis zu beseitigen.
  • 15 Monate
    • Das Kind untersucht Gegenstände noch intensiver, schlägt sie auch schon mal gegeneinander, erprobt sie zu Spielzwecken.
  • 18 Monate
    • Das Kind ahmt Alltagserfahrungen nach: zum Beispiel mit Bürste die Haare kämmen, Telefonhörer ans Ohr halten oder mit Lappen den Boden wischen.
    • Das Kind beginnt, mit sich selbst zu spielen. Etwa 10-20 Minuten gelingt das schon. Keine strukturierten Spielabläufe, eher spontane Wechsel (häufig: Rein-und-Raus-Spiele, Kisten ausleeren und wieder füllen).
  • 2 Jahre
    • Das Kind stapelt Bauklötze oder ähnliches schon etwas weitreichender (drei Steine aufeinander).
    • Das Kind beschäftigt sich insgesamt intensiver mit seinen Spielsachen, packt Kisten ein und aus.
  • 3 Jahre
    • Das Kind beginnt zu malen bzw. zu kritzeln. Noch keine Galerie-reifen Bilder. Häufig wird das Malen sprachlich mit Worten kommentiert ("Blume").
    • Das Kind spielt längere Zeit konzentriert allein. Ahmt dabei Lebenssituationen nach (mit Autos, Puppen, Bausteinen, Lego etc.).
  • 4 Jahre
    • Das Kind stellt "W-Fragen": "Warum", "Wieso" und so weiter.
    • Das Kind kann gleiche Gegenstände differenzieren ("kleine Kartoffel", "große Kartoffel").
  • 5 Jahre
    • Das Kind kann alle Grundfarben benennen.
    • Das Kind spielt Rollenspiele, entweder allein oder mit anderen Kindern, wird also bewusst zum Indianer oder zum Lokführer.
  • 6 Jahre
    • Das Kind kann geometrische Figuren benennen (Kreis, Quadrat, Dreieck).
    • Das Kind kann wesentliche Dinge halbwegs gut malen, so dass man es erkennt (Baum, Auto, Blume).
    • Das Kind kann einzelne Buchstaben und Zahlen schreiben.

Wissenswertes zur geistigen Entwicklung

Was besagt das Konzept der „Grenzsteine der Entwicklung“?

Auch wenn die Abfolge einzelner Entwicklungsschritte heute nicht mehr so strikt wie früher beurteilt wird, gibt es natürlich essenzielle biopsychosoziale Entwicklungsstadien, die von 90-95% aller Kinder bis zu einem bestimmten Alter erreicht werden.

Das Konzept „Grenzsteine der Entwicklung“, das von dem Tübinger Entwicklungsneurologen Richard Michaelis begründet wurde, dient in erster Linie Kinderärzten und Erziehern als Frühwarnsystem. Mit diesem Instrument können in praxistauglicher Weise Entwicklungsrückstände erkannt, in der Folge untersucht und bei Bedarf behandelt werden.

Warum sollten Eltern die Grenzsteine der Entwicklung kennen?

Auch für Sie als Eltern ist die Kenntnis dieser Grenzsteine in mehrfacher Hinsicht von Interesse: zum einen, um sich bewundernd darüber zu freuen, was Ihr Kind schon alles kann. Zum anderen, um gelassen und beruhigt zur Kenntnis zu nehmen, dass zeitlich noch alles im grünen Bereich ist, auch wenn Ihr Nachwuchs im beliebten (wenn auch oft unsinnigen) Schnelligkeitswettbewerb „Was mein Kind schon alles kann!“ gerade nicht in Führung liegt.

Drittens, um Anregungen zu bekommen, wie Sie sich stimulierend und beobachtend mit Ihrem Kind beschäftigen können – schließlich gibt es tatsächlich immer noch (vor allem männliche) Elternteile, die sich keine „vernünftige“ Interaktion mit ihrem Sprössling vor dem 3. Lebensjahr vorstellen können.

Last but not least sollten Sie als verantwortliche Eltern über mögliche Defizite Ihres Kindes im Bilde sein. Dann besteht nicht die Gefahr, von entsprechenden Hinweisen der Erzieherin oder Kinderärztin komplett überrascht zu werden. Sondern eine gute Grundlage für die verständnis- und vertrauensvolle Zusammenzuarbeit.

Sprechen lernen

Wann lernt das Kind zu sprechen?

Wie bei allen anderen Kindesentwicklungen ist auch der Beginn des Sprechens zeitlich sehr variablel. Auch wenn also im folgenden "Normwerte" angegeben sind, ist ein Hinterherhinken nicht gleich Anlass zu übertriebener Sorge. Im Zweifel einfach mit dem Kinderarzt sprechen.

Nach dem sogenannten Grenzsteinkonzept lassen sich für die kindliche Entwicklung der Sprache folgende Zeitpunkte (Lebensalter) markieren:

  • 3 Monate
    • Das Kind schreit nicht einfach nur, es gibt schon Nuancen, je nachdem, worum es geht (Hunger, Unwohlsein).
  • 6 Monate
    • Das Kind "brabbelt". Es spricht in Babysprache mit sich selbst. Dabei spricht es zwar noch keine Wörter, aber schon variantenreiche Laute.
  • 9-12 Monate
    • Das Kind äußert Laute wie "wawawa" oder "rararara".
  • 15 Monate
    • Das Kind sagt "Mama" und "Papa".
  • 18 Monate
    • Das Kind erweitert seinen Wortschatz durch "Babysprache-Laute". Es benutzt also bestimmte Lauteformen wie "wauwau" für Hund, ohne schon die richtigen Worte sprechen zu können.
    • Das Kind wird mit diesen "Babysprache-Wörtern" zunehmend variantenreicher.
  • 2 Jahre
    • Das Kind kann außer "Mama" und "Papa" mindestens zehn weitere Einzelwörter.
  • 3 Jahre
    • Das Kind spricht in Drei- bis Fünfwortsätzen, ohne korrekte Form, aber schon zeitlich geordnet und mit ersten Präpositionen ("Ich will laufen zu Kindergarten", aber auch "Bin gelaufen zu Kindergarten").
    • Das Kind spricht den eigenen Namen gezielt aus.
  • 4 Jahre
    • Das Kind sagt "Ich ..."
    • Das Kind erzählt zeitlich und inhaltlich logisch ("Und dann bin ich.... und dann haben wir ...").
  • 5 Jahre
    • Die Aussprache von Wörtern gelingt fehlerfrei.
    • Geschichten werden nicht nur zeitlich und inhaltlich logisch, sondern auch mit zwar einfacher, aber korrekter Syntax erzählt ("Und danach sind wir...").
  • 6 Jahre
    • Das Kind spricht in Sechs- bis Achtwortsätzen.
    • Die Satzform ist zwar einfach, aber überwiegend korrekt.

Wissenswertes zur Sprachentwicklung

Wann beginnt mein Kind Sprache zu verstehen?

Der Spracherwerb Ihres Kindes beginnt bereits mit seiner Geburt. Das Sprachverständnis des Säuglings ist dabei seiner Fähigkeit zu sprechen immer weit voraus. Zum Ende seines ersten Lebensjahres kann Ihr Sprössling im Normalfall schon alle Laute und damit die eigene von einer fremden Sprache unterscheiden. Er merkt, wann ein Wort beginnt und versteht teilweise, wenn auch nur ungefähr, die Bedeutung einzelner Begriffe.

Mein Kind hinkt beim Sprechen lernen hinterher: Was tun?

In der Regel sind die Gründe für ein verspätetes Sprechen harmlos und nicht etwa Ausruck einer schweren Entwicklungsstörung. Da die Sprachentwicklung wie die meisten anderen körperlich-geistigen Entwicklungsvorgänge eine individuelle und von vielen Faktoren beeinflusste Angelegenheit ist, wird bei "späten Sprechern“ meist erst einmal Entwarnung gegeben.

Liegt es an Problemen mit dem Hören?

So berechtigt diese Unaufgeregtheit im Umgang mit sprachauffälligen Kindern im Einzelfall sein mag, so wichtig ist es, Hörstörungen als zugrundeliegende Ursache auszuschließen. Suchen Sie also in Absprache mit dem Kinderarzt einen HNO-Experten auf, der das Gehör Ihres Sprösslings überprüft. Denn häufig werden Hörstörungen bei Kindern erst aufgrund einer Sprachstörung erkannt. Dann ist es im Hinblick auf die Bedeutung des Hörenkönnens für eine gesunde Gesamtentwicklung Ihres Kindes ohnehin schon reichlich spät und es sollte keine weitere Zeit mehr unnötig verstreichen, bis das Gehör überprüft und etwaige Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden.

Emotionale Entwicklung

Wie zeigen Kinder in welchem Alter ihre Emotionen?

Lächeln, Kuscheln, aber auch Alleinsein und Kummer verkraften: In den ersten Lebensjahren erweitern Kinder praktisch wöchentlich ihr Spektrum an emotionalen Äußerungen.

Damit Sie sich ein wenig orientieren können, haben wir im folgenden die "normalen" Entwicklungszeiten der emotionalen Verhaltensweisen zusammengefasst.

  • 6 Monate
    • Das Kind lacht, macht Laut-Geräusche und bewegt vor Freude Arme und Beine, wenn es seine Eltern oder andere vertraute Personen sieht.
  • 12 Monate
    • Das Kind sucht viel Blickkontakt, möchte berührt und gestreichelt werden oder sich anlehnen. Auch viele emotional gefärbte Lautäußerungen (Juchzen) im Kontakt mit Eltern und vertrauten Personen.
  • 18 Monate
    • Das Kind bleibt für ein bis zwei Stunden problemlos bei bekannter Person (z.B. "Babysitter").
  • 2 Jahre
    • Das Kind kann alltäglichen Ärger gut verarbeiten, lässt sich meist innerhalb weniger Minuten wieder beruhigen.
    • DDas Kind kann zunehmend auch allein spielen, zumindest für 15-30 Minuten und wenn die Bezugsperson in räumlicher Nähe ist.
  • 3 Jahre
    • Das Kind kann für einige Stunden bei ihm bekannter Person bleiben, ohne dass die Bezugsperson dabei ist.
  • 4 Jahre
    • Das Kind weiß, dass es Junge oder Mädchen ist. Und es verhält sich auch danach.
    • Das Kind kann Emotionen zunehmend besser verarbeiten und kontrollieren, zum Beispiel Kummer oder Ärger "wegstecken" oder Freude auch mal bewusst zurückhalten.
  • 5 Jahre
    • Das Kind lernt, auch über unangenehme Dinge zu berichten. Zum Beispiel über frustrierende oder beschämende Erlebnisse.
  • 6 Jahre
    • Das Kind ist nicht nur wegen des Alters "schulreif". Es freut sich auf die Schule und traut sich die Schule auch zu.

Wissenswertes zur emotionalen Entwicklung

Wann lächelt ein Baby zum ersten Mal die Eltern an?

Auf diesen zauberhaften Moment, der alle Eltern glücklich macht, können Sie sich etwa zwischen der 6. und 8. Lebenswoche Ihres Babys freuen: Es lächelt Sie zum ersten Mal gezielt an. Der Zeitpunkt sei gut gewählt, wird gelegentlich argumentiert, da die von schlaflosen Nächten und erschöpfender Rund-um-die-Uhr-Betreuung geplagten Eltern eine solche Belohnung gut gebrauchen könnten.

Schon das sogenannte „Engelslächeln“, das bereits in den ersten Wochen hin und wieder, vor allem beim Eindösen und im Schlaf, reflexhaft über das Antlitz des Säuglings huscht und Zufriedenheit signalisiert, ruft Entzücken bei den Eltern hervor. Mit dem bewussten Lächeln nimmt das Baby seine Versorger dann endgültig und unwiderstehlich für sich ein und hat mit diesem „sozialen Lächeln“ einen wichtigen Schritt am Anfang seiner Entwicklung geschafft.

Ein ganz eigenes Lächeln für Mama und Papa

Nicht verwunderlich, dass Wissenschaftler im In-der-Nähe-behalten-wollen einen biologischen Zweck des angeborenen Lächelvermögens vermuten. Das Baby kann schließlich noch nicht durch Festhalten seine Versorger am Gehen hindern. Allerdings wird auch beim bewussten Lächeln noch einmal differenziert: zwischen dem allgemeinen Begrüßungslächeln, das auch einem freundlich blickenden Fremdgesicht zuteil werden kann, und dem sehr ausdrucksstarken Lächeln ab dem 5.-7. Monat, das nur den Eltern und anderen engsten Bezugspersonen vorbehalten ist.

Übrigens: Das Lächeln gehört zu den wenigen Dingen, die vorrangig dem Menschen zu eigen sind. Auch wenn es angeboren ist und nicht erlernt werden muss, bedarf es zur vollen Ausprägung auch dem Zutun der Eltern. Verschaffen Sie Ihrem Kind durch Ihre Zuwendung also viel Grund zum Lächeln und lächeln Sie kräftig zurück.

Was gehört zum kindlichen Bindungsverhalten?

Ihr Kind ist von Natur aus mit bestimmten Verhaltensweisen ausgestattet, mit denen es sich vor allem in bedrohlichen oder unbekannten Situationen Ihrer Nähe versichern möchte. Dazu zählen etwa Weinen, Rufen, Anklammern, Nachfolgen oder Nähesuchen.

Dieses Bindungsverhalten sollte von Ihnen weder ignoriert noch als lästig missbilligt, sondern mit Zuwendung beantwortet werden. Nehmen Sie Ihr Kind auf oder in den Arm, trösten und beruhigen Sie es. Diese Bindungserfahrungen sind nicht nur entscheidend dafür, ob sich Ihr Sprössling sicher in der Beziehung zu Ihnen, seinen Eltern, fühlt. Die Erfahrung, sich auf die Nähe und Fürsorge der eigenen Eltern bzw. der wichtigsten Bezugspersonen verlassen zu können, ist für die seelische Entwicklung eines Menschen von grundsätzlicher Bedeutung. Der Mangel an solcher Erfahrung auch.

Welche Vorstellung von Sterben und Tod haben Kinder?

Welche Vorstellungen sich Kinder vom Sterben und vom Tod machen (können), hängt maßgeblich von ihrem Alter ab, und vom Umgang ihrer Eltern bzw. Umgebung mit dem Thema. Als altersüblicher Verlauf der kindlichen Auffassung gilt:

  • 2-3 Jahre: In der Regel existiert noch keine Vorstellung von Sterben und Tod.

  • 3-4 Jahre: Kinder verstehen Sterben als ein Ereignis, das Trennungsängste auslöst. Der Tod wird als Schlafzustand und Abwesenheit empfunden.

  • 4-5 Jahre: Die Ansichten sind noch sehr unklar und werden mit dem Zustand der Dunkelheit und Bewegungslosigkeit verbunden.

  • 5-6 Jahre: Der Tod wird häufig als Bestrafung für eigene böse Taten angesehen. Mit dieser Vorstellung wird auch das Begrabwerden kombiniert.

  • 6-7 Jahre: Es ist bekannt, dass der Körper des Menschen nach dem Tod zerfällt.

  • 8-9 Jahre: Da der Gedanke an den endgültigen Tod unannehmbar wird, beginnen Kinder an die Unsterblichkeit des Menschen zu glauben.

  • 9-10 Jahre: Kinder sehen den Tod jetzt sachlich-nüchtern. Sie wissen, dass jeder sterben kann, auch sie selbst, und dass der Tod unumkehrbar ist.

In welchem Alter beginnen Kinder zu lächeln oder mit Eltern und anderen Kindern zu spielen?

Auch soziale Kontakte wollen erlernt sein. Der intensivere Austausch mit Eltern und anderen Kindern entwickelt sich erst langsam während der ersten Lebensjahre. Vor allem das bewusste Spielen mit anderen Kindern beginnt normalerweise erstaunlich spät.

Als Orientierungshilfe zu den "normalen" Entwicklungszeiten des sozialen Lebens kann Ihnen folgende Zusammenfassung dienen:

  • 3 Monate
    • Das Kind beginnt, Blickkontakt zu halten und mit dem Blick zu folgen.
    • Das Kind beginnt, bekannte Gesichter anzulächeln.
  • 6 Monate
    • Das Kind reagiert auch auf fremde Menschen, die sich freundlich annähern, mit einem Lächeln.
    • Das Kind nimmt aktiv Blickkontakt auf.
  • 9-12 Monate
    • Das Kind kann vertraute und fremde Personen unterscheiden. Es kann, muss aber nicht fremdeln.
    • Das Kind kann soziale Kontakte aufnehmen, halten und auch aktiv beenden (z.B. sich aktiv abwenden, was für Eltern und Verwandte natürlich immer schmerzhaft ist).
  • 15 Monate
    • Das Kind reagiert intensiv und meist freudig auf Kinderreime, rhythmische Spiele, Fingerspiele oder kleine mimische Neckereien.
  • 18 Monate
    • Das Kind winkt zum Abschied, wenn man es dazu ermuntert.
    • Das Kind kennt die Bedeutung von "Nein". Das heißt nicht, dass es deswegen gleich sein Vorhaben abbricht, aber ein kurzes Innehalten gibt es immerhin.
  • 2 Jahre
    • Das Kind freut sich, wenn andere Kinder hinzukommen, vor allem bekannte Kinder.
    • Das Kind spielt zwar noch nicht mit Gleichaltrigen, aber zumindest spielen zwei Zweijährige zunehmend "parallel". Sie ahmen sich gegenseitig nach oder spielen dasselbe.
  • 3 Jahre
    • Das Kind beginnt zunehmend, mit anderen Kindern zu spielen, wenn auch zunächst meist noch sehr kurz.
    • Das Kind hat Freude daran, den Eltern oder vertrauten Erwachsenen bei häuslichen Tätigkeiten zu helfen. Es ahmt Hausarbeiten, Mimik und Gesten nach.
  • 4 Jahre
    • Das Kind beginnt, sich an Spielen mit Regeln zu beteiligen (z.B. einfache Brettspiele oder Kartenspiele).
    • Das Kind lernt, zu teilen.
  • 5 Jahre
    • Das Kind ist fähig und normalerweise auch bereit, Süßigkeiten oder auch Spielzeug zwischen seinen Spielkameraden gerecht aufzuteilen.
    • Das Kind lädt andere Kinder zu sich ein und wird eingeladen.
  • 6 Jahre
    • Das Kind verträgt sich beim Spielen in aller Regel gut mit anderen Kindern. Teilen und Abwechseln sind selbstverständlich und kein Problem mehr.
    • Das Kind hat erstmals "eine beste Freundin" oder einen "besten Freund" (auch wenn der oder die Auserwählte wöchentlich wechseln kann).

Wohlfühlen

Was braucht ein Kind, um sich wohlzufühlen?

Na klar, das weiß man doch. Oder? Denkt man darüber etwas intensiver nach, merkt man mitunter, dass man doch Schwierigkeiten hat, mehrere Punkte aufzuzählen.

Und auch wenn man natürlich aus Liebe und Instinkt vieles richtig macht (wobei man ja auch ein bisschen "erziehen" muss), lohnt es sich, ab und zu mal über dieses Thema nachzusinnen.

Die wichtigsten Wohlfühlfaktoren für Ihr Kind sind:

  • Liebe und Vertrauen
  • Nähe und Geborgenheit
  • Schutz und Sicherheit
  • Zuwendung und Zutrauen
  • Lob und Anerkennung
  • Austausch und Anregung.

Wenn Sie das Verhalten Ihres Kindes beachten und sich in der Ausübung Ihrer elterlichen Aufgaben an seinen Bedürfnissen orientieren (ohne deshalb zwingend alles zu erlauben), schaffen Sie die besten Voraussetzungen dafür, dass es sich wohlfühlt und gut gedeiht. Bedenken Sie dabei, dass Ihr Nachwuchs von Beginn an eine eigenständige Persönlichkeit ist, mit eigenem Rhythmus und Entwicklungstempo, Vorlieben und Abneigungen sowie Stärken und Schwächen.

Wissenswertes zum Wohlfühlen

Außer Stillen und Wickeln: Was wünscht sich Ihr Baby noch so alles?

Klar, man muss ein Baby stillen, wickeln, windeln und sich auch sonst um sein körperliches Wohl kümmern. Aber wie verhält man sich sonst im Umgang mit seinem kleinen neuen Mitbewohner? Ist das überhaupt von Belang?

Ist es. Zwar erfüllt man die wichtigsten Bedürfnisse seines Babys größtenteils schon instinktiv. Es schadet trotzdem nicht, sich einige wesentliche Kenntnisse und Grundsätze des gesunden Aufwachsens immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Beim Umgang mit Ihrem Säugling gilt zum Beispiel folgendes:

  • Ihr Kind bestimmt – wenn Sie es zulassen – von Anfang an selbst, wie viel Zuwendung, Anregung und Abwechslung es braucht.
  • Es möchte seine Erfahrungen selbstbestimmt und aus eigenem Antrieb machen. Gehen Sie auf seine Signale ein, um zu erkennen, wann es zu bestimmten Entwicklungsschritten bereit ist.
  • Ihr Nachwuchs ist in der Lage, sein Befinden durch Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Blickverhalten und zunehmend auch durch Laute mitzuteilen. Mit Ihrem instinktiven Einfühlungsvermögen erkennen Sie, ob er sich wohl oder unbehaglich fühlt, hungrig, satt, müde oder aufmerksam ist und ob er sich für etwas interessiert oder nicht.
  • Ihr Baby ist darauf angewiesen, dass Sie als Eltern diese Regungen und Signale verstehen und seine unterschiedlichen Bedürfnisse je nach aktuellem Bedarf erfüllen.
  • Schreien ist das stärkste Ausdrucksmittel, über das Ihr Säugling verfügt. Vor allem in den ersten Lebensmonaten schreit normalerweise niemand zum Spaß, sondern aus (gefühlter) Not. Helfen Sie Ihrem Sprössling dabei, sein Unbehagen zu überwinden.
Wie teste ich, ob es meinem Baby zu warm oder zu kalt ist?

Am besten testen Sie mit einem Finger die Hauttemperatur am Nacken. Die Haut sollte dort weder kalt noch heiß und schweißfeucht sein.

Verhalten der Kinder

Warum ist Zappeln gesund? 

Zappeln fördert die körperliche Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit von Kindern. Das ergab eine Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Kid-Check“ der Universität Saarland.

Bessere Haltung, mehr Konzentration

Durch das Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl kommt es nämlich zu einer Abnahme des statischen Drucks auf den Rücken. Das fördert die Körperhaltung, Atemrhythmus und Atemtiefe sowie die Funktion der inneren Organe. Haut und Muskeln werden besser durchblutet, die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit der Kinder steigt.

Untersucht wurden die Vorteile des „lebendigen Sitzens“ übrigens bei Achtklässlern, denen je nach Testgruppe entweder die übliche starre Bestuhlung oder moderne Schulstühle mit dreidimensional beweglicher Sitzfläche zur Verfügung standen. Achten Sie also auf das richtige Mobiliar für Ihren lernenden Nachwuchs – in der Schule (wenn es mal wieder Konjunkturpaketmittel zu verwenden gibt) und zuhause.

Bewegung in Maßen

Vielleicht sollte man allerdings hinzufügen, dass hier mit Zappeln ein Hin- und Her-Rutschen auf dem (Schul-) Stuhl gemeint ist, höchstens bis zum Kippeln. Nimmt der Bewegungsdrang größere Ausmaße an, dürfte der positive Effekt gegenüber der gestörten Aufmerksamkeit ins Hintertreffen geraten. Ganz abgesehen von etwaigen Unfallgefahren, die ein Umkippen mit sich bringen könnte.

Ist Nägelkauen normal?

Das kommt, wie so oft, auf die Häufigkeit und Intensität des (Fehl-) Verhaltens an. Während gelegentliches Nägelkauen (Onychophagie) sehr häufig und nicht therapierelevant ist, muss es in ausgeprägterer Form als selbstschädigendes Verhalten ernst genommen werden.

Bei starkem Nägelkauen liegen diesem Phänomen häufig angestaute Aggressionen zugrunde, die es in Ruhe und mit liebevoller elterlicher Zuwendung zu ergründen gilt. Zudem kann die Behandlung lokaler Folgeerscheinungen wie Nagelbettentzündungen oder Warzenbildung erforderlich werden.

Ab wann fangen Kinder normalerweise an, wegen der Kleidung zu streiten?

Wenn Sie gerade einen Disput mit Ihrem Kind im zarten Alter von 4 bis 5 Jahren über die berühmt-berüchtigte Fragestellung „Was soll ich anziehen?“ ausgetragen haben und jetzt etwas irritiert sind, können wir Sie beruhigen: Das ist ganz normal.

Etwa bis zum 4. Lebensjahr ziehen Kinder für gewöhnlich ohne größere Proteste das an, was ihnen angeboten wird. Danach kann es, je nach den individuellen Eigenheiten, plötzlich zu Mäkeleien kommen – oder positiv formuliert, zu mehr oder weniger klaren Vorstellungen Ihres Kindes, was es anziehen möchte.

Nehmen Sie diese Geschmacksbildung von Anfang an ernst, ermuntern Sie Ihr Kind ausdrücklich dazu und loben Sie es ob seiner Eigeninitiative. Auch wenn es im Einzelfall etwas anstrengender sein mag, sich mit extravaganten Wünschen und unpassend erscheinenden Kombinationen auseinandersetzen zu müssen, statt im Kommandoton das kindliche Aufbegehren zu ersticken. Denn zum Selbständigwerden gehört auch die Entscheidungsfähigkeit in Kleidungsfragen. Nur wenn gesundheitliche oder sonstige relevanten Beeinträchtigungen zu befürchten sind, sollten Sie diese Ihrem Kind erklären und Ihr Veto durchsetzen.

Verhalten der Eltern

Wie kann ich die emotionale Geborgenheit meines Babys fördern?

Zunächst ein wichtiger Hinweis: Auch wenn Sie sich Ihrem Baby in seinen ersten drei Lebensmonaten voll und ganz widmen – es besteht keine Gefahr der Verwöhnung! Je mehr Sie für eine gute und sichere Bindung mit Ihrem Kind tun, umso besser:

  • Seien Sie Ihrem Kind gegenüber aufmerksam und gehen Sie auf seine Bedürfnisse nach Fürsorge und Geborgenheit ein.
  • Reagieren Sie sofort und trösten Sie Ihr Kind geduldig, wenn es schreit.
  • Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihr Kind, vor allem beim Stillen oder Füttern und der Pflege.
  • Sprechen Sie dabei mit Ihrem Baby. Erzählen Sie ihm beispielsweise, was Sie gerade (mit ihm) machen.
  • Lassen Sie Ihr Kind bestimmen, wie viel Kontakt es mit Ihnen haben möchte. Nehmen Sie es auf den Arm, wenn es mit Ihnen schmusen möchte und setzen Sie es ab, wenn es erkennbar genug hat.
  • Unterstützen und fördern Sie die Neugier Ihres Sprösslings und zeigen Sie sich erfreut, wenn er sich für Sie oder die Dinge in seiner Umgebung interessiert.
  • Wichtig zu wissen: Mehr als die Quantität (Zeit) ist die Qualität des Umgangs mit Ihrem Kind ausschlaggebend dafür, wie sich die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind entwickelt.

Wissenswertes zur emotionalen Geborgenheit

Welche Gefühle sind beim Säugling zu beobachten?

Die Fähigkeiten des Wiedererkennens, der Erinnerung und des Vergleichens bewirken beim Säugling und Kleinkind vor allem folgende Gefühle:

  • Furcht: vor dem Unbekannten
  • Freude: am Bekannten
  • Erwartung: z.B. beim Versteckspiel
  • Ärger: nach Frustration oder Schmerz; später auch schreiender Protest, wenn ein interessantes Objekt abhanden gekommen ist oder ein Spielvorgang unterbrochen wird.
  • Ungeduld: z.B. wenn der 11 Monate alte Säugling einen erstrebten Gegenstand nicht erreichen kann.
Warum ist das Halten des Kindes so wichtig?

In den ersten Lebensmonaten entwickelt sich ein Bindungsverhalten (Bonding) zwischen Ihrem Säugling und Ihnen, den Eltern, als primären Bezugspersonen. Dieses grundlegende Beziehungsmuster bildet der Bindungstheorie zufolge auch die Basis für den Umgang mit anderen Menschen im Erwachsenenalter.

Selbst wenn Sie die lautstarken Ausbrüche Ihres (Schrei-) Kindes damit nicht immer beenden können: Mit dem scheinbar simplen Halten Ihres Schutzbefohlenen, mit dem Sie ihm Zuwendung, Wertschätzung und Geborgenheit vermitteln, tun Sie nicht nur etwas Gutes für Ihren Nachwuchs und sich selbst, sondern auch für unsere Gesellschaft.

Das liebevolle und ruhige Halten des eigenen Kindes ist immer eine gute Maßnahme. Bei Säuglingen mit überdurchschnittlichem Schreibedürfnis (Dreimonatskoliken) ist es ein nicht unbedingt bequemes, aber praktisches Werkzeug, um mit einer Situation konstruktiv umzugehen, in der Sie eigentlich nichts (anderes) für Ihr Kind tun können.

Warum ist das Streicheln so wichtig?

Was der Volksmund schon lange weiß, wird durch die Wissenschaft erst in jüngster Zeit immer genauer entschlüsselt: Streicheln ist nicht nur eine Wohltat für die Haut, sondern auch für die Seele. Denn zwischen Seele und Haut besteht eine enge Wechselwirkung.

Und das geht so: Die Haut ist ein sehr viel fleißigeres Organ, als wir das gemeinhin wahrnehmen. Die Haut regeneriert sich als unsere schützende Körperhülle nicht nur unablässig, sondern produziert auch viele Botenstoffe.

Mit diesen und über die in ihren tieferen Schichten zahlreich vorhandenen Nervenzellen kommuniziert sie mit dem restlichen Organismus. Besonders beeindruckend ist die Beobachtung, dass es durch Berührung der Haut zur Freisetzung von Signalstoffen mit messbaren Wirkungen kommt, beispielsweise einem Anstieg an Wachstumshormonen.

Frühchen wachsen besser, wenn sie viel gestreichelt werden

Von sehr relevanter Bedeutung ist das etwa für Frühgeborene: Werden sie häufig berührt oder gestreichelt, wachsen sie schneller und nehmen um ein Drittel mehr an Gewicht zu als Frühchen, die nur in ihrem Brutkasten liegen. Außerdem hat man festgestellt, dass die nach einem Hautkontakt freigesetzten Botenstoffe (Zytokine) auf dieselben Gehirnbereiche wirken wie Medikamente, die gegen Depressionen eingesetzt werden.

Das tut nicht nur Babys gut, die sich auffallend wohlig räkeln, wenn sie von ihren Eltern gestreichelt werden. Die liebkosende oder auch nur aufgelegte Hand bedeutet besonders für Ihr Kind, aber auch für Ihren Lebenspartner und andere Mitglieder Ihres sozialen Umfelds ein Stück Sicherheit und verbesserte Lebensqualität. In besonderem Maße gilt das auch am Ende des Lebens wieder, wenn alten Menschen die spürbare körperliche Nähe und Wärme einer Umarmung bzw. liebevollen Berührung oft mehr helfen kann als sterile Medizin.

Ist es wichtig, viel mit meinem Baby zu reden?

Ja, Mutter und Vater sollten viel und häufig mit ihrem Kind sprechen. Man weiß heute, dass die sprachliche Zuwendung von frühester Kindheit an eine große Bedeutung für die emotionale und geistige Entwicklung des Kindes hat. Mehr noch als die Beschallung des Mutterleibes mit Mozart-Klängen übt das Singen von Kinderliedern oder anderen schönen Melodien einen beruhigenden und fördernden Einfluss auf den Nachwuchs aus. Das gilt auch noch, wenn die Kleinen größer werden.

Ist es für ein Baby langweilig, wenn man immer die gleichen Spielchen mit ihm macht? 

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Gerade während des 1. Jahres entwickelt Ihr Nachwuchs ein intensives Verlangen, mit den ihm vertrauten Personen zu spielen. Dabei zaust er in deren Haaren oder am Bart und lässt sich mit Vergnügen durch die Luft wirbeln.

Mit 7 Monaten veranlassen ihn die bekannten Krabbel- und Erwartungsspiele (z.B. „Kommt ein Mäuschen“ bzw. „Guck-Guck“-Spiel) zu Freudenjuchzern, gerade weil er durch die ständig sich wiederholenden Spielabläufe die Gelegenheit hat, ein Geschehen immerfort wiederzuerkennen und vorherzusehen. Sei es bei den zielstrebig herankrabbelnden Fingern des Erwachsenen oder seinem Verschwinden und Wiederauftauchen.

Zum Hintergrund: Im 1. Lebensjahr treten bei Ihrem Kind allmählich Bedürfnisse in den Vordergrund, die über das reine Nahrungs- und Sicherheitsbedürfnis hinausgehen und von Interesse, Neugier und Kontaktdrang geprägt sind. Die Kontaktaufnahme erfolgt dabei über seine Augen, die der Säugling mit zunehmendem Alter immer länger auf die Augen des Gegenübers richtet und später dazu auch lächelt.

Warum soll ich meinem Kind vorlesen?

Das Vorlesen trägt mehr zu einer guten Entwicklung im Kleinkindalter bei als viele Eltern ahnen. Gerade als abendliches Ritual vor dem Einschlafen schenken Sie Ihrem Kind damit ein Zeichen Ihrer Liebe und ein Gefühl der Geborgenheit. Hinzu kommen die sensorischen, geistigen und kreativen Impulse, die das Vorlesen bei Ihrem Kind erzeugt.

Noch viel mehr als es jegliche Bildung vermag, ist Ihre Liebe in der Lage, Ihr Kind stark zu machen und ihm die notwendige Kraft für ein glückliches Leben mitzugeben. Deshalb kann das selbständige (Bilderbuch-) Lesen oder CD-Hören das Vorlesen durch Bezugspersonen nicht ersetzen.

Umso bedauerlicher ist das Ergebnis einer in Hannover im Jahr 2010 durchgeführten Untersuchung: Die ergab, dass bei fast 40% der Kinder unter 5 Jahren niemand in der Lage oder willens gewesen war, ihnen vorzulesen.

Ab wann kann ich meinem Kind ein Buch geben?

An Bücher können Sie Ihr Kind schon lange, bevor es lesen lernen kann, heranführen. Sie müssen lediglich für diesen Zweck geeignet sein. Schon mit 1 Jahr kann Ihr Baby etwas mit einem Buch anfangen, wenn es dicke Pappseiten hat und möglichst auch Fenster, in die es greifen und durch die es auf die folgende Seite blicken kann. Auch das Vorlesen trägt, neben vielen anderen (noch wichtigeren) positiven Effekten, dazu bei, dass der Umgang mit Büchern etwas Vertrautes für Ihr Kind wird.

Erziehung

Ab wann muss ich mein Baby erziehen?

Die beruhigende, aber auch verpflichtende Antwort lautet: Im ersten Lebensjahr können Sie Ihr Baby genauso wenig erziehen wie zu sehr verwöhnen. Sie können lediglich seine Bedürfnisse erkennen und befriedigen – und das sollten Sie auch tun. Schenken Sie Ihrem Kind so viel und so lange wie nötig liebevolle Aufmerksamkeit, Nähe, Körperkontakt, Zuwendung und Liebe.

Im zweiten Lebensjahr ändert sich das etwas. Jetzt heißt es, die Bedürfnisse Ihres Kindes differenzierter wahrzunehmen und ihm die Chance zu geben, sich auch mal in Geduld und eigenen Versuchen zu üben, wenn es etwas will. Gelingt es Ihrem Nachwuch beispielsweise, krabbelnd oder robbend einen weggekullerten Ball zurückzuerobern, ist er anschließend mächtig stolz, auch wenn er vorher naturgemäß ungeduldig gequengelt hat.

Motivation und Liebe statt Strenge

Wenn Sie Ihren Schatz genau beobachten, merken Sie recht schnell, ob er aus gutem Grund (Hunger, Müdigkeit, Schmerz) weint oder doch nur, um Ihre Aufmerksamkeit zu erheischen oder seinem Quengelbedürfnis Ausdruck zu verleihen. Strenge ist beim Erziehen im Babyalter fehl am Platz, vielmehr helfen Sie Ihrem Kind durch Motivieren und Zutrauen in seine Fähigkeiten dabei, erste kleine Herausforderungen selbst zu meistern.

Besonders wichtig: Kinder lernen vor allem durch Nachahmen! Wenn Sie innerhalb Ihrer Familie freundlich, respektvoll, achtsam und liebevoll miteinander umgehen, wird sich Ihr Kind über kurz oder lang daran orientieren. Im gegenteiligen Fall ist das leider auch anzunehmen.

Wissenswertes zur Kindererziehung

Ab wann setzt ein Baby sein Schreien bewusst ein?

Mit etwa einem halben Jahr sind Säuglinge in der Lage, ihr Schreien bewusst einzusetzen. Hören Sie genau hin: Typischerweise folgt einem kurzen, schrillen Kreischen ein ruhiger Moment, in dem Ihr Sprössling auf Ihre Reaktion wartet. Einen Begriff aus der Wissenschaft gibt es auch dafür: „intentional cry“ – zielgerichtetes Schreien eben.

Ab wann kann ein Baby den Sinn eines Verbots verstehen?

Im Laufe des 1. Lebensjahres lernt Ihr Baby zwar ein „Nein“ als solches zu verstehen, den Sinn dahinter kann es aber noch nicht begreifen. Es ist deshalb angemessen und für beide Seiten stressmindernd, den Versuch einer vernunftbetonten Erklärung zu unterlassen und unerlaubte, weil gefährliche Handlungen Ihres Sprösslings gleich zu unterbinden. Hat er sich beispielsweise eines Feuerzeugs bemächtigt, sollten Sie es ihm wegnehmen und dafür etwas Geeigneteres zum Spielen anbieten. Ein klares „Nein!“ ist dann besser als eine logische Begründung wie etwa „Nein, das Feuerzeug darfst du nicht haben, weil du dich sonst damit verbrennst“.

Grundsätzlich auf das Wörtchen „Nein“ verzichten sollten Sie aber keinesfalls. Setzen Sie es an geeigneter Stelle bewusst ein, damit Ihr Nachwuchs die Bedeutung und den Sinn von Verboten kennenlernt (abgesehen von den realen Bedrohungen, die damit verhindert werden können). Aber verwenden Sie es restriktiv, also mit Bedacht und sehr gezielt nur dann, wenn es wirklich unumgänglich ist. Durch einen inflationären Gebrauch des Nein gefährden Sie dessen Wirkung auf Dauer ebenso wie durch ein lächelndes Neinsagen, bei dem Ihr Kind die Botschaft beim besten Willen nicht verstehen kann.

Gute Dosierung des Wortes "Nein"

Fazit: Sagen Sie Nein, wenn es sein muss, aber auch nur dann. Tun Sie es ruhig, aber bestimmt und mit ernstem Gesicht. Wenn Ihr Kind älter wird, kommt noch eine Erklärung des Verbots in angemessener Weise hinzu. Ansonsten gelten weiterhin die gleichen Prinzipien.

Tipp (für eher strenge Eltern): Reflektieren Sie in einer ruhigen Minute am Ende des Tages einmal, wie oft Sie „Nein!“ zu Ihrem Kind gesagt haben, und wie viele dieser Neins wirklich unerlässlich waren. Versuchen Sie sich diesem (möglicherweise deutlich niedrigeren) Wert zukünftig anzunähern.

Ärgert mich mein Baby mit Berechnung?

Die Frage werden so manche Eltern gut nachvollziehen können, die Antwort lautet indes klar und eindeutig: Nein! Egal, ob Ihr Baby am Kabel oder an den Vorhängen zerrt, gekonnt seinen Brei verspritzt, Ihnen die Brille von der Nase zieht oder mit seinem Schnuller im freien Fall zum wiederholten Mal die Schwerkraft testet – es erkundet dabei seine Umwelt.

Das bedeutet nicht, dass Sie dem Treiben bewundernd zuschauen müssen anstatt ihm sinnvollerweise Einhalt zu gebieten. Aber so manche nervenaufreibende Situation lässt sich mit dieser Gewissheit im Hinterkopf leichter hinnehmen.

Kann zuviel Lob meinem Kind schaden?

Loben gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, mit denen Sie Ihr Kind fördern können und auch sollten. Eine Überdosierung ist nicht zu befürchten, unter einer wichtigen Voraussetzung: Ihr Lob muss echt und angemessen sein. Ihr Kind hat nämlich feine Antennen dafür, ob und wie es gelobt und bestätigt wird: übertrieben, achtlos, nebenbei – oder von Herzen und mit Anteilnahme.

Die Qualität des Lobes macht sich u.a. daran fest, ob es überwiegend mit allgemeinen Floskeln auskommt („Das hast du ja toll gemacht!“) oder inhaltlich beschreibt, was für lobenswert gehalten wird und weshalb („Die Wiese hast du aber schön gemalt – mit den vielen hübschen Blumen und Schmetterlingen drin“ oder „Ich finde es toll, dass ihr so schön miteinander spielt, ohne zu streiten!“).

Nicht zu oft das gleiche Lob

Unangemessenes, ständig wiederholtes Lob, etwa für eine „Leistung“, die Ihr Kind schon längst beherrscht, kann sich dagegen kontraproduktiv auswirken. Ihr Sprössling könnte das Gefühl bekommen, dass Sie ihm nichts zutrauen und an seiner Leistungsfähigkeit zweifeln. Das zehrt am Selbstbewusstsein. Lassen Sie Ihr Kind deshalb deutlich spüren, dass Sie es achten und ernst nehmen und ihm etwas zutrauen. Ermutigen Sie Ihren Nachwuchs dazu, neue Dinge auszuprobieren und schwierigere Aufgaben in Angriff zu nehmen, und unterstützen Sie ihn dabei.

Genauso wichtig wie das häufige Loben nicht zu vergessen ist es übrigens, die regelmäßige Untauglichkeitserklärung zu unterlassen. Weisen Sie Ihr Kind nicht (ständig) darauf hin, was es alles nicht kann („Stop, das kannst du noch nicht!“). Diese Negativansprache – die in vielen verschiedenen Versionen zum Einsatz kommt – setzt sich im Unterbewusstsein fest, beim einen Kind mehr, beim anderen weniger. Unter anderem deshalb sehnen sich später so viele Menschen im privaten und beruflichen Erwachsenenleben nach Lob – und bekommen es leider so selten.

Wie vermittle ich meinem Kind Respekt?

Die erste Maßnahme lautet, sich zu fragen, was Respekt eigentlich bedeutet – was Sie Ihrem Kind damit also eigentlich vermitteln wollen. Respekt ist keineswegs „out“, sondern hat in der aktuellen Jugend(sprach)kultur deutlich an Bedeutung gewonnen. Respektiert zu werden bedeutet für Kinder und Erwachsene, von anderen als Mensch mit eigenen Meinungen und Ansichten angenommen zu werden.

Auch wenn die eigenen Meinungen von denen anderer abweichen, müssen sie möglichst objektiv gehört, bewertet und kommentiert werden – Abwertungen, Beschimpfungen, Lächerlichmachen oder totales Ignorieren sind respektlos. Bedenken Sie immer Ihre Vorbildrolle als Eltern: Nichts wirkt unter dem Erziehungsaspekt besser als Ihr (hoffentlich) vorbildhaftes und konsequentes Verhalten.

10 Regeln für einen respektvollen Umgang mit Ihrem Kind:

  • Nehmen Sie Ihr Kind stets ernst!
  • Zeigen Sie ihm Ihr aufrichtiges Interesse an seiner Meinung.
  • Äußern Sie ihm gegenüber klar und deutlich, dass Sie seine Leistung anerkennen. Das gilt in erster Linie für seine Anstrengung (nach dem Motto „Gib dein Bestes“) und erst in zweiter Linie für das Ergebnis.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind so früh wie möglich kleine Erfolgserlebnisse durch eigenverantwortliches und selbstständiges Verhalten und Handeln.
  • Betrachten Sie Fehler bei sich selbst und bei Ihrem Kind als menschlich und als notwendigen Bestandteil von Wachstums-, Reifungs- und Verbesserungsprozessen. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es zu seinen Fehlern stehen darf und daraus lernen soll.
  • Äußern Sie Kritik gegenüber Ihrem Kind nur in sachlicher und konstruktiver Art und Weise (bemühen Sie sich zumindest immer wieder darum …). Verletzende und kränkende Beschimpfungen sind tabu. Rutschen Sie Ihnen doch heraus, dann entschuldigen Sie sich später bei Ihrem Kind in aller Ruhe und erklären Sie ihm Ihre Kritik (nur, wenn sie berechtigt ist!) nochmal in verständlicher Form.
  • Formulieren Sie Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen in der Ich-Form und verzichten Sie auf abwertende Bezeichnungen (z.B. „Ich bin gerade dringend beschäftigt, nachher können wir uns unterhalten.“ anstelle von „Du nervst!“).
  • Seien Sie offen und ehrlich zu Ihrem Kind, das in der Regel über unsichtbare Antennen verfügt. Unaufrichtigkeit, Vertuschen, Lügen, falsches Lob oder geheucheltes Interesse beschädigen Ihre Glaubwürdigkeit und werden irgendwann zum Bumerang.
  • Bleiben Sie konsequent, wenn sich Ihr Sprössling Ihnen oder anderen gegenüber respektlos verhält. Vereinbaren Sie rechtzeitig Sanktionen, etwa den Ausschluss vom gemeinsamen Spiel, und halten Sie diese anschließend ein.
  • Egal, was passiert und welche Maßnahmen in angemessener Weise zu treffen sind: Bleiben Sie Ihrem Kind gegenüber respekt- und liebevoll und lassen Sie es immer spüren, wie lieb Sie es haben.

Weitere Informationen zur Erziehung

Ab wann soll man Kindern Aufgaben im Haushalt übertragen?

Übertragen Sie Ihren Kinder ruhig schon im Vorschulalter ein bisschen Verantwortung zum Mithelfen und erfolgreichen Ausführen von kleinen Aufgaben. Das macht sie stolz, sicherer im praktischen Verhalten und zeigt ihnen gleichzeitig, dass sich beispielsweise der Essenstisch nicht von alleine deckt.

Im Alter von 4-6 Jahren erwacht bei vielen Kindern die Freude am Gestalten und an der eigenen Leistung. Sie helfen gerne im Haushalt mit oder möchten etwas besorgen. Selbstverständlich geht es hierbei zunächst nur um sporadische Aktionen, die Ihrem Kind Spaß machen sollen, und nicht um eine „Festanstellung“ als Haushaltshilfe.

Das gegenseitige Einvernehmen schwindet häufig mit zunehmendem Alter des Kindes, während die Anforderungen an sein sozialverträgliches Verhalten auch im Familienkreis steigen (sollten). Ob ein regelhafteres Mithelfen allerdings wirklich erwartet werden kann, müssen Sie im persönlichen Einzelfall abwägen anhand der Zeit, die Ihrem Kind bei zunehmender Ganztagsbetreuung in Schule und außerschulischem (z.B. Sport oder Musik) Umfeld noch bleibt.

Soll man ein Kind ermahnen, wenn es in der Schule beim Zuhören kritzelt?

Nicht, wenn es nach den Erkenntnissen moderner Forschung geht. In einer Untersuchung mit telefonierenden Personen wurde festgestellt, dass die Zuhörer anschließend mehr Inhalte des Telefonats wiedergeben konnten, wenn sie währenddessen gekritzelt hatten. Die postulierte Begründung: Wer beginnt, sich zu langweilen, ist anfällig für Träumerei. Wer aber kritzelt, träumt nicht, und kann deshalb besser zuhören. So gesehen ist das Kritzeln also ein (meist wohl unbewusst benutztes) Hilfsmittel, auch einem langweiligen Vortrag noch sein Ohr zu leihen.

Statt zu schimpfen, sollten Eltern und Lehrer also lieber prüfen, ob die vermittelten Inhalte angekommen sind – und ob sich den Kritzeleien vielleicht sogar ein zu lobender künstlerischer Wert beimessen lässt.

Muss mein Kind immer im Mittelpunkt stehen?

Nein. Ihr Nachwuchs hat am meisten von Ihnen, wenn es Ihnen selbst auch gut geht. Jede gute Beziehung, auch diejenige zwischen Mutter und Kind, beruht auf einer gesunden Ausgeglichenheit im doppelten Wortsinn:

auf einem kohärenten, mit sich selbst zufriedenenen Zustand der Bezugspersonen als Individuen und auf einer fairen Balance der gegenseitigen Interessen.

Natürlich sind die Kleinen auf Fürsorge und liebevolle Zuwendung angewiesen, und das bedeutet für die Eltern nicht selten das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse. Aber auch in der frühen Lebensphase des Kindes sollte die Persönlichkeit der Mutter nicht vollständig von ihrem Säugling absorbiert werden, sondern noch genügend Freiraum für selbst-bewusstes Leben bereithalten.

Auch für die älter werdenden Kinder gehört die Notwendigkeit, sich gelegentlich den authentischen und nachvollziehbaren Interessen der Eltern bzw. der Familie unterzuordnen, zum Erfahrungsschatz für ein glückliches, sozialkompetentes Leben.

Computerspiele, Handys, Internet

Bücher, DVD, Fernsehen: Welche Medien sind für Babys und Kleinkinder geeignet?

Medien sind ein fester Bestandteil unseres Lebensalltags, und die sogenannte Medienkompetenz ist zu einem wichtigen und notwendigen Erziehungsziel geworden. Eltern haben die nicht immer leichte Aufgabe, für einen altersgerechten Umgang mit den verschiedenen Medien zu sorgen.

Was man sich zuallererst klar machen muss: Für Kinder sind direkte Zuwendung und Anregungen durch ihre Eltern und Bezugspersonen das Wichtigste.

Das kann durch kein Buch, keine DVD und kein Computerspiel ersetzt werden. Auch die vielfältigen Sinneserfahrungen (Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen) sind im Baby- und Kleinkindalter viel bedeutender als etwas anzuschauen.

Außerdem ist natürlich ein ausgiebiges Bewegungsverhalten, das Ihrem Kind auch als Ausdrucksmittel dient, extrem wichtig.

Zu Medien bei Kindern wird empfohlen:

  • Bilderbücher gelten als das wichtigste Medium ab einem Alter von etwa 6 Monaten. Lesen Sie Ihrem Kind regelmäßig vor, zeigen Sie auf die Bilder und sprechen Sie mit ihm über das, was dort zu sehen ist.
  • Im Kleinkindalter gewinnen Audiomedien an Bedeutung. Neben Musik hören Kleinkinder auch gerne kurze und einfache Hörgeschichten zur anregenden oder entspannenden Unterhaltung. Eine zeitliche Begrenzung auf etwa 30 Minuten pro Tag wird empfohlen.
  • Vom Fernseh- bzw. Video/DVD-Konsum für Kinder unter 3 Jahren wird abgeraten. Falls doch, sollte die zeitliche Dauer auf maximal 20 Minuten beschränkt werden. Zudem empfiehlt sich die Auswahl eines ruhigen und verständlichen Programms, das sich speziell an kleine Kinder richtet. Das vorhandene Angebot ist unter Qualitätsgesichtspunkten im allgemeinen recht überschaubar, ganz abgesehen davon, dass es für die Empfangsstrukturen (im Gehirn Ihres Kindes) wesentlich geeignetere Informationsreize gibt.

Wissenswertes zu Computern

Wie viel Computer ist gut für Kinder?

Die Frage stellen sich heutzutage wohl alle Eltern. Und Experten haben jetzt versucht, dazu eine allgemeine Empfehlung zu geben. Die lautet in Kurzform: Computer ja, aber nicht zu viel. Und unbedingt sollten die Kinder auch relevant viel Zeit in der realen Welt verbringen (draußen spielen, mit anderen sprechen, Sport etc.).

Der Computer und die Beschäftigung damit sind per se nicht schädlich. Im Gegenteil: Geeignete Spiele und Seiten können nach Ansicht der meisten Experten sogar Fähigkeiten wie Konzentration und Kreativität fördern. Auch die Lust am Lernen nimmt bei vielen Kindern zu, wenn der Computer im Spiel ist.

Computer-Zeiten vereinbaren und Alternativen aufbauen

Allerdings ist es wichtig, die Computerzeit einzuschränken. Eine Selbstkontrolle der Kinder kann und darf man nicht erwarten. Es geht also darum, feste Regeln zur "Computerzeit" zu vereinbaren und diese dann auch konsequent einzuhalten.

Wenn der PC dann mal ausbleiben soll, sind spannende Alternativen wichtig. Tun Sie Ihr Bestes dafür, dass es die auch gibt. Sport zum Beispiel. Oder Freunde, mit denen draußen gespielt wird. Denn eines muss immer bedacht werden: Die Welt wirklich zu "begreifen, sie zu schmecken und zu fühlen, das geht nur im wirklichen Leben. Auch soziale Fähigkeiten werden nicht am Computer erlernt, sondern im realen Kontakt mit anderen Menschen.

Tipps für Eltern: Was ist ein sinnvoller Umgang mit dem PC?

Folgende Tipps geben Experten:

  • Den PC auf keinen Fall verbieten.
  • Aber auch nicht zum PC-Gebrauch drängen.
  • Eigener Computer oder eigener Fernseher nicht vor dem 12. Geburtstag (das wird freilich zunehmend utopischer).
  • Behalten Sie Ihre Kinder "im Auge", wenn sie ihn benutzen. Sprechen Sie mit ihnen darüber. Das stärkt auch den Bezug zur Wirklichkeit bei den Kindern.
  • Legen Sie Computerzeiten fest: Zum Beispiel 20 bis 30 Minuten täglich bei Kindern im Grundschulalter. Danach dann langsam mehr. Wenn Ihre Kinder denn überhaupt wollen (was aber meistens der Fall ist).
  • Engagieren Sie sich bei der Suche nach geeigneten Websites und Spielen. Überlassen Sie diese Wahl nicht einfach Ihrem Kind.

Fernsehen

Macht Fernsehen Kinder dick, dumm und krank?

Eigentlich kann es uns nicht überraschen. Kinder, die viel fernsehen, schneiden in vielerlei Hinsicht schlechter ab als ihre weniger fernsehsüchtigen Altersgenossen. Nicht nur gesundheitlich, sondern auch in Sachen geistiger Reife.

Dabei gibt es eine klare "Dosis-Wirkungs-Beziehung": Mit jeder zusätzlichen Stunde, die ein Kind vor dem Fernseher sitzt, steigt das Risiko für gesundheitliche Probleme. Laut Prof. Berthold Koletzko vom Münchner "Dr. von Haunersches Kinderspital" sind dies unter anderem Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten, Leseschwäche und eine insgesamt gestörte mentale Entwicklung. Auch die beim Fernsehen bevorzugt verzehrten Snacks tragen nicht zu einer besseren Gesundheit bei.

Zeichentest offenbart Defizite

Die Zusammenhänge zwischen Fernsehkonsum und Entwicklungsstörungen wurden mittlerweile in zahlreichen Studien bestätigt. Interessant ist dabei auch eine Untersuchung von Kinderarzt Dr. Winterstein. Bei Schuleingangsuntersuchungen in Göppingen stellte er fest, dass Kinder, die viel fernsahen, auffallend große Probleme beim Zeichnen von Menschen hatten. Offenbar führt die rasche Bildfolge beim Fernsehen dazu, dass ein kindsgerechter innerer Bildaufbau nicht mehr stattfinde, so Winterstein.

Kinder und Fernsehen: 9 Tipps für Eltern

Dass Fernsehen Kindern nicht gut tut, ist bekannt. Abgesehen von den emotionalen Schäden, die Fernsehbilder bei Kinder auslösen können, haben auch mehrere Studien eindeutig nachgewiesen, dass auch die körperliche Gesundheit leidet: Kinder, die mehr als zwei Stunden pro Tag fernsehen, werden häufiger übergewichtig und bekommen sogar häufiger Probleme mit ihrem Blutdruck. Und das ist nur ein Ausschnitt der möglichen Folgen.

In diesem Zusammenhang hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jetzt noch einmal Tipps für Eltern zusammengestellt, wie man der Fernseh- und Computer-Lust der Kinder am besten begegnet.

Empfehlungen der Bundeszentrale zum Fernsehen von Kindern:

  • Bis zum Alter von 3 Jahren sollten Kinder überhaupt nicht fernsehen. Und auch noch keinen Computer benutzen.
  • Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sollten maximal eine halbe Stunde pro Tag fernsehen oder am Computer sitzen.
  • Kinder im Grundschulalter sollten maximal eine Stunde pro Tag fernsehen oder am Computer verbringen.
  • Wenn Fernsehen, dann nur eine Sendung pro Tag. Und zwar geplant. Nicht wahllos mehrere nacheinander.
  • Absolutes Fernseh- und Computer-Verbot morgens vor der Kita oder vor der Schule.
  • Absolutes Fernseh- und Computer-Verbot während der Mahlzeiten.
  • Absolutes Fernseh- und Computer-Verbot vor dem Schlafengehen.
  • Lassen Sie Ihre Kinder niemals alleine vor dem Fernseher sitzen.
  • Keine Fernsehgeräte im Kinderzimmer.

Wissenswertes zum TV

Verursacht Fernsehen ADHS?

Das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizitstörung, kurz ADS oder auch ADHS, hängt offenbar auch mit dem Fernsehen zusammen. Je mehr Zeit die Kleinen vor dem Fernseher verbrachten, um so eher bekamen sie später eine ADHS.

Fernsehen: Besonders bei Kleinkindern gefährlich

Vor allem im frühen Kindesalter erhöht Fernsehen die Gefahr späterer psychischer Probleme. Mit jeder Stunde täglichen TV-Konsums im Alter von 1 bis 3 Jahren nimmt die Wahrscheinlichkeit von Verhaltensauffälligkeiten im Grundschulalter um rund 10% zu. Das ist das Ergebnis einer Studie aus Seattle, die jetzt im renommierten Fachblatt Pediatrics veröffentlicht wurde.

Fernsehen fördert Aufmerksamkeitsstörungen

Am häufigsten verursacht zu viel Fernsehen im Kleinkindesalter demnach eine spätere ADHS. Die amerikanischen Kinderärzte vermuten, dass der TV-Konsum die Hirnentwicklung negativ beeinflusst. Und das in einem sehr sensiblen Alter: Gerade zwischen 1 bis 3 Jahren vollzieht das Gehirn entscheidende Wachstumsschritte. Eltern sollten ihre Kinder deshalb möglichst von der Flimmerkiste fern halten, so die Wissenschaftler.

Macht Fernsehen unsere Kinder dumm?

Zahlreiche Studien bestätigen: Je mehr Kinder fernsehen, desto weniger gut werden ihr späterer Schulabschluss und ihre Ausbildung. Auf diese simple Formel lässt sich das Ergebnis von drei aktuellen Studien aus den USA und Neuseeland bringen.

In diesen Studien wurde nicht nur nachgewiesen, dass die Güte des späteren Ausbildungsstatus direkt mit dem Ausmaß des kindlichen Fernsehkonsums zusammenhängt. Auch messbare Defizite, wie Leseschwäche oder mathematische Unfertigkeiten, waren bei den "Dauer-Glotzern" häufiger.

Tipps für Eltern

Die Frage, ob jetzt das Fernsehen dumm macht, oder dumme Kinder mehr fernsehen (das "Henne-oder-Ei-Problem), wurde zumindest in einer der Untersuchungen gezielt untersucht. Und das Fernsehen blieb der Übeltäter. Es wirkte sich also auch dann ungünstig aus, wenn alle sonstigen Rahmenbedingungen (Intelligenz, soziale Umgebung) ähnlich waren.

Interessant für Eltern: Vor allem ein eigener Fernseher in jungen Jahren scheint das Risiko für eine viel zu hohe TV-Zeit zu erhöhen. Vielleicht sollte man diesen Wunsch der Kinder also nicht gleich erfüllen.

Was hat Fernsehen mit Übergewicht, Rauchen und Herzproblemen zu tun?

Kinder, die mehr als zwei Stunden täglich fernsehen, werden dicker, rauchen später häufiger und bekommen öfter Herzprobleme. Das ist das Ergebnis einer neuseeländischen Studie.

Die Wissenschaftler begleiteten 1.000 Kinder vom 3. Lebensjahr an. Alle drei Jahre erfolgten Befragungen nach den Lebensgewohnheiten, die letzte im Alter von 26 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch diverse Blutwerte bestimmt.

Übergewicht, Rauchen, schlechte Blutwerte: Nur wegen des Fernsehens?

Das Ergebnis in Kurzform: Rauchen, Gewichtsprobleme, erhöhte Cholesterinwerte und schlechte Herz- und Gefäßmarker waren im Alter von 26 Jahren deutlich häufiger anzutreffen, wenn in der Kindheit und Jugend der Fernsehkonsum oberhalb von zwei Stunden täglich gelegen hatte. Allerdings muss man hinzufügen, dass das kein Beweis für das Fernsehen als Ursache ist. Denn nicht ganz unwahrscheinlich ist auch, dass in Familien, in denen ständig der Fernseher läuft, auch weitere ungünstige Faktoren (ungesunde Ernährung, Rauchen etc.) häufiger auftreten.

Apropos: Die Studienautoren sind auch der Ansicht, dass Werbung für Fast-Food-Produkte während Kinder- und Jugendsendungen verboten werden sollte (Anm. d. Red.: Das ist völlig berechtigt. Ob das aber ARD, ZDF, RTL und Konsorten interessiert, wagen wir zu bezweifeln).

Und wie kann man den Fernsehkonsum der Kinder eingrenzen, ohne ständige Diskussionen zu haben? Mit gutem Beispiel vorangehen, sagen die Experten. Also selbst nicht so viel gucken.

Macht Gewalt im Fernsehen Kinder aggressiv?

Wenn Vorschulkinder Gewaltszenen im Fernsehen anschauen, werden sie aggressiver. Zumindest direkt danach. Das ist das Ergebnis einer zusammenfassenden Analyse von sechs großen Studien zu diesem Thema.

Die Auswirkungen sind um so ausgeprägter, je jünger die Kinder sind. Bei Teenagern und Jugendlichen war ein solcher Effekt jedenfalls nicht mehr nachweisbar. Allerdings wurden auch nur die Reaktionen unmittelbar nach dem Betrachten der Gewaltszenen getestet, nicht aber die Langzeitwirkung.

Computerspiele noch "wirkungsvoller"

Handelte es sich um aktiv erlebte brutale Szenen, sprich um Computerspiele statt Fernsehen, war der Aggressionsschub übrigens noch ausgeprägter. Nicht wirklich überraschend, aber doch wichtig anzumerken.

Die Studienautoren appellieren an die Eltern, mit dem Thema Fernsehen und Computerspielen vernünftig und umsichtig umzugehen. Außerdem appellieren sie an Medien und Regisseure, sich beim Zeigen oder Drehen von Gewaltszenen immer die möglichen Kinder vor Augen zu führen, die das zu sehen bekommen. Das ist gut gemeint, aber es hat ungefähr die Schlagkraft der Bitte an einen Bank-Manager, er möge doch mal an die Armen dieser Welt denken.

Betreuung in Kita und Schule

Ist die Ganztages-Betreuung in Kitas oder Schule von Nachteil für die Kinder?

Das muss nicht unbedingt sein. Durch die außerhäusliche Betreuung können sich im individuellen Fall auch Vorteile ergeben. Zumindest dann, wenn Sie die gemeinsam verbrachte Zeit mit Ihrem Kind dann umso intensiver genießen und bewusster nutzen als Sie es sonst täten.

Nehmen Sie sich, wenn Sie berufstätig sind und Ihr Kind weniger sehen, möglichst jeden Tag Zeit, in der Sie sich voll und ganz Ihrem Kind widmen, mit ihm spielen und ein offenes Ohr für seine Fragen und Mitteilungen haben. Lassen Sie sich aber die Entscheidung darüber, wie viel Zeit Ihnen mit Ihrem Kind „zusteht“, auch nicht von außen aufdrücken. Ein Klima, das den „Kindesentzug“ in einer staatlich oder privat geförderten Ganztagsbetreuung zum Normalfall erklärt und damit den Erwartungsdruck an die Berufstätigkeit beider Eltern erhöht, ist jedenfalls ebensowenig kind- und elterngerecht wie überkommene, einseitige Rollenmodelle, von denen wir uns heute zu Recht emanzipieren.

Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es Probleme mit einem Lehrer hat? 

Wenn Ihr Kind sich von einem Lehrer ungerecht behandelt fühlt, stellt sich die Frage, wie Sie ihm dabei helfen können. Das ist gar nicht so einfach, denn eine vorschnelle Parteinahme für Ihr Kind kann genauso verkehrt sein wie eine vorschnelle Unterstützung des Lehrer oder der Lehrerin (in der Annahme, die Schuld läge beim Kind). Auf der anderen Seite ist eine Klärung wichtig, denn ein gestörtes Verhältnis zu einer Lehrkraft ist in jeder Hinsicht schädlich für Ihr Kind.

Folgende Tipps bieten dabei Unterstützung:

  • Sprechen Sie zuallererst mit Ihrem Kind:
    Lassen Sie sich das Problem oder die auslösende Situation ausführlich von ihm schildern. Haken Sie bei Unklarheiten mit Verständnis- bzw. den bekannten W-Fragen nach: wer, wann, was, wie, warum?
  • Bleiben Sie vorerst neutral, bis der Sachverhalt aufgeklärt ist:
    Vermeiden Sie in jedem Fall, die Lehrkraft vor Ihrem Kind schlecht zu machen – das hilft Ihrem Kind nicht weiter, sondern verschlimmert häufig noch die Situation. Schieben Sie andererseits auch nicht die Schuld vorschnell und ausschließlich auf Ihr Kind, sonst verliert es auf Dauer das Vertrauen zu Ihnen, insbesondere wenn es sich im Recht wähnt.
  • Versichern Sie Ihrem Kind Ihre Hilfe und scheuen Sie keinen (berechtigten) Konflikt mit der Lehrkraft!
  • Finden Sie heraus, ob das Verhalten der Lehrkraft mehrere Kinder betrifft:
    In diesem Fall sollten Sie statt eines Alleingangs mit den Elternvertretern sprechen und sich mit anderen Eltern zusammenschließen. Das verleiht Ihrem Anliegen mehr Gewicht, stärkt die Position der Kinder und bündelt Ressourcen. Möglicherweise gehört das Thema dann auch auf einen Elternabend.
  • Führen Sie Tagebuch:
    Ihr Kind soll über einen geeigneten Zeitraum von z.B. zwei Wochen die Ungerechtigkeiten notieren. Das macht zwar ein bisschen Arbeit und dauert, verhindert aber unfundierte und voreilige Schnellschüsse, indem dadurch meist recht gut erkennbar wird, ob und was an den Vorwürfen Ihres Kindes dran ist. Gliederung der Notiz am besten mit W-Fragen, Datum und am besten auch Uhrzeit oder Unterrichtsstunde nicht vergessen.
  • Wenden Sie sich anschließend an den betreffenden Lehrer:
    Bitten Sie ihn um ein klärendes Gespräch auf Grundlage der möglichst klaren und präzisen Tagebucheintragungen.
  • Beziehen Sie Ihr Kind bei der Planung des Lehrergesprächs mit ein:
    Wie schätzt es selbst seine Situation im Unterricht ein? Was sollten Sie seiner Meinung nach der Lehrkraft sagen?
  • Informieren Sie Ihr Kind über den Ausgang des Gesprächs:
    Was wurde erörtert und mit welchen Ergebnissen? Wie möchte der Lehrer zur Verbesserung der Situation beitragen, was kann Ihr Kind verändern, wie können Sie ihm helfen?
  • Machen Sie ggf. von dem Recht Gebrauch, im Unterricht zu hospitieren:
    Dadurch können sich selbst einen Eindruck machen, wenn weiterhin Probleme bzw. Unklarheiten bestehen. Eine Hospitationsmöglichkeit nach vorheriger einvernehmlicher Absprache mit dem Lehrer gibt es in vielen Bundesländern.
  • Wenn die Probleme trotz direkter Kommunikation mit dem Lehrer nicht gelöst werden können:
    Wenden Sie sich an die Schulleitung, eventuell auch an den schulpsychologischen Dienst. Als hilfreich erweist sich desöfteren, von unabhängigen Fachkräften eine objektive Beurteilung der Situation sowie Lösungsvorschläge zu erbitten. Damit wird für alle Beteiligten ein etwaiger (gefühlter) Gesichtsverlust vermieden.
    Wenn alle möglichen Versuche zur Problemlösung vor Ort unternommen wurden und fehlgeschlagen sind, bleibt noch die Anrufung der Schulaufsicht, ggf. auch schulgesetzlich vorgesehener Gremien (z.B. der Elternvertretung) auf kommunaler Ebene.

Kindliche Förderung

Was muss ich tun, damit sich mein Kind optimal entwickelt? 

Babyschwimmen, Intelligenztraining, Zweisprachigkeit im Kindergarten – frühkindliche Förderung oder gar Bildung stehen hoch im Kurs. Nicht nur bei standesbewussten Erziehungsverantwortlichen, sondern auch bei den vielen gutmeinenden und verunsicherten Eltern – und natürlich bei den Fördereinrichtungen, die davon leben.

Neben dem Hype werden aber seit geraumer Zeit auch kritische Stimmen laut. So warnt der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann davor, dass das übertriebene Lernen in Fördereinrichtungen den meisten Kindern mehr schadet als nutzt. Er rät vielmehr zum Spielen im Freien, ohne Anleitung. Denn durch Spiele, die das Kind selbst erfindet, entdeckt es die Welt und entwickelt sein Bewusstsein sehr viel besser. Und die "Bildung" kommt dann von ganz allein.

Nichts geht über freies Spielen

Auch viele andere Experten bestätigen das. Frühkindliche Förderung ist demnach nicht unbedingt verkehrt. Aber nichts tut einem Kind offenbar besser als ausgiebiges Spielen.

Wir möchten hinzufügen: Das gilt nicht nur bis zum Alter von 6 Jahren. Da in unserer heutigen Gesellschaft der Zeit- und Leistungsdruck im Verlauf der Kindheit bedrohlich zunimmt, tun Sie als liebende Eltern gut daran, Ihren Kindern und Jugendlichen den zeitlichen und spielerischen Freiraum (zurück-) zu geben, den sie für eine gesunde Entwicklung benötigen – auch, wenn es die äußeren Umstände scheinbar nicht immer zulassen.

Was bedeutet das für die Erziehung?

Bedingungslose Liebe stellt die Grundlage jeder gesunden Eltern-Kind-Beziehung dar. Aus dieser Liebe resultiert auch die Verantwortung und Selbstverpflichtung zur bestmöglichen Erziehung des eigenen Nachwuchses, so anstrengend bis unangenehm dies manchmal sein mag. Im Hinblick auf die im Kind schlummernden, durch die elterliche Betreuung zu entfaltenden Potenziale und seine Fähigkeit zur Selbstgestaltung und Selbstorganisation bedeutet Erziehung vor allem

  • Respekt,
  • Behutsamkeit und
  • Wissen um das Kind.

Ihr Kind benötigt eine Vielfalt von Anregungen ebenso wie ein reichliches Maß an verlässlicher, liebevoller und verständnisvoller Zuwendung Ihrerseits.

Wissenswertes zur kindlichen Förderung

Frühkindliche Förderung: Muss das sein?

Eine gute Nachricht für alle Eltern, die unter einem gefühlten Zwang zur Daueranimation ihres Kindes leiden: Weniger ist mehr. Das gilt unter den richtigen Rahmenbedingungen auch für die kindliche Förderung von außen, sprich durch Sie. Wenn die Angebote stimmen, sind die meisten Kinder eher mit weniger Anreizen glücklich und zufrieden als mit (zu) vielen. Und entwickeln sich trotzdem prächtig.

Ihr Kind wurde mit körperlichen, seelischen und geistigen Anlagen geboren, die es von Ihnen und weiteren Vorfahren geerbt hat. Diese Anlagen dienen Ihrem Kind als Rüstzeug, mit dem es sich seine Fähigkeiten und Kenntnisse aneignet. Und zwar in einem Wechselspiel zwischen der biologischen Reifung des Nervensystems, altersgemäßen Anregungen und eigenen Erfahrungen.

Neugier und Ausprobieren sind wichtiger als dauernde Anleitung

Motor der Entwicklung ist die angeborene Neugier, soweit sie zum Einsatz kommen kann und darf. Dabei lässt sich die kindliche Neugier nicht beliebig wecken, sondern hängt immer von den Fähigkeiten ab, die gerade in Ihrem Kind heranreifen. Den Dingen, die jeweils im Fokus seines Interesses stehen (z.B. Spielzeug, Bilderbuch, Alltagsgegenstände, Naturmaterialien), wird es sich mit Vergnügen und Beharrlichkeit widmen, bis es mit dem Ergebnis seiner Anstrengungen zufrieden ist. Die Erwartungen und Vorstellungen aus kindlicher Perspektive müssen dabei nicht unbedingt mit Ihren erwachsenen Erwartungen übereinstimmen. Für Ihr Kind ist es aber ein beglückender Erfolg, wenn es sein selbst gestecktes Ziel erreicht hat. Freuen Sie sich mit ihm und über alles, was es neu dazu gelernt hat!

Hüten Sie sich vor einem "Entwicklungs-Wettbewerb"

Wichtig: Gestehen Sie Ihrem Kind sein eigenes Entwicklungstempo zu! Natürlich ist man als Eltern stolz, wenn der eigene Nachwuchs neue Fähigkeiten beherrscht und „Erfolge“ an Freunde und Großeltern vermeldet werden können. Aber besinnen Sie sich bei aller üblichen Leistungsbilanzierung immer wieder darauf, was Ihr Kind vor allem ist: ein wertvoller Mensch, den Sie lieben sollten, so wie er ist, weil er ist. Hüten Sie sich vor einem ungesunden Erwartungsdruck durch ständiges Vergleichen mit anderen, gleichaltrigen Kindern aus Verwandschaft und Bekanntenkreis – und mit Ihren (ungefärbten?) Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Bin ich verantwortlich für das Glück meines Kindes?

Nein, nicht umsonst heißt das gängige Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und nicht „Mama und Papa sind meines Glückes Schmied“. Ihr Kind ist zwar auf eine verlässliche, liebevolle und verständnisvolle Zuwendung angewiesen und benötigt in ausreichendem Maße förderliche und vielfältige Anregungen. Ganz zu schweigen von der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse einschließlich des Schutzes vor körperlichen und seelischen Bedrohungen. Das darf aber nicht missverstanden werden in dem Sinne, dass Sie von der Erziehungsverantwortung überwältigt werden und sich unter Druck gesetzt sehen, Ihrem Kind alles Ihnen Mögliche an Förderung angedeihen zu lassen, damit aus ihm später ein glücklicher und vor allem erfolgreicher Erwachsener wird.

Die (Versagens-) Angst vor späteren Vorwürfen und Fehlentwicklungen (z.B. Arbeitslosigkeit) des Kindes ist zwar verständlich. Es wäre aber vermessen und gefahrvoll zugleich, als Eltern anzunehmen, durch eine frühe gezielte, meist intellektuelle Förderung seinem Kind sein späteres Leben erleichtern oder gar vorbestimmen zu können. Dazu ist jeder Mensch zu sehr Persönlichkeit und als solche zu vielschichtig und undurchschaubar.

Was ist der Frühförderungs-Wahn?

Der leider moderne und völlig übertriebene Aktionismus, wenn es darum geht, das eigene Kind von klein auf so gut wie möglich zu fördern. Angebote zur Frühförderung von Säuglingen und Kleinkindern boomen zwar, Experten warnen jedoch vor zu viel Stimulation in den ersten Lebensmonaten und -jahren.

Um Ihr Baby bestmöglich zu fördern, sollten Sie es ganz genau beobachten. Denn man kann Kinder nur bilden mit den Fragen, die sie selber haben. Die Kunst besteht deshalb darin, die Fragen des Babys zu erkennen. Nehmen Sie Ihr Kind von Anfang an als aktives und auch als denkendes Wesen mit eigenen Absichten und Wünschen wahr und behandeln Sie es dementsprechend. Diese Haltung ist von zentraler Bedeutung für jede Art von Förderung. Helfen Sie dem Kind zu seiner Selbsterfüllung und nicht zu Ihrer eigenen, in einer Konkurrenz-Dynamik mit anderen Eltern.

Der hippe Förder-Marathon ist eher schädlich

Lassen Sie sich daher nicht von fragwürdigen Zeitgeistströmungen (Kritiker sprechen auch vom Frühförderungswahn) zu einer übertriebenen Bildungsplanung für Ihr Kind hinreißen, sondern ermöglichen Sie ihm, ein eigenes Kinderleben zu leben. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie bei der gegenwärtig angesagten „Eltern-Rallye“ nicht dabei sind, denn der hippe Förder-Marathon scheint die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Im Gegenteil: Neurobiologen haben herausgefunden, dass zu viel Stimulation das Lernen schon im Säuglingsalter behindert. Spannungen und Konflikte nehmen in den Familien mit übergeförderten Kindern eher zu, überreizte Babys kommen immer häufiger in die zahlreicher werdenden Schreiambulanzen.

Die lebensnah abgesicherte Expertenempfehlung lautet deshalb: Zurück zu den Wurzeln, auf den gesunden Menschenverstand hören und sich vom eigenen Herzen statt in multiplen Kursen leiten lassen!

Wie Sie Ihr Kind wirklich fördern: Kennen Sie diese 10 Spielregeln für Eltern?

Wenn Sie Ihrem Kind etwas Gutes tun wollen: Spielen Sie mit ihm! Wenn Ihnen das weniger liegt und Sie weder einen Spielprogrammplan noch die Lust dazu parat haben – kein Problem, Ihr Kind steckt vermutlich voller eigener Ideen.

Wichtig ist, dass es diese so gut wie möglich entfalten und ausleben darf. Und dass Sie sich für das Spiel Ihres Kindes zumindest interessieren und ihm regelmäßig Ihre volle und ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Lassen Sie dafür, falls erforderlich, ab und zu auch mal ein Chaos in der Wohnung zu. Für die Wahrung der perfekten häuslichen Ordnung wird Ihnen nach dem Großwerden der Kinder schließlich noch ausreichend Lebenszeit zur Verfügung stehen. Und verschaffen Sie Ihrem Kind möglichst jeden Tag die Gelegenheit, im Freien zu spielen und zu toben, wenn es das möchte.

10 "Spielregeln" für Eltern

  • Kind frei spielen lassen (Zeit dafür lassen, nicht beim Spielen unterbrechen).
  • Kind beim Spielen beobachten, aber nur eingreifen oder unterstützen, wenn es das braucht.
  • Interesse zeigen: Gehen Sie ernsthaft mit dem Spielen Ihres Kindes um, insbesondere, wenn es Ihnen etwas zeigen will.
  • Beim Spielen ist Ihr Kind der Chef: Versuchen Sie, möglichst nicht korrigierend einzugreifen, um zu zeigen, wie man das "richtig macht".
  • Lassen Sie Ihr Kind in Ihrer Nähe spielen. Also nicht ins Kinderzimmer verbannen, wenn es bei Ihnen sein will.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit, wenn Ihr Kind mit anderen Kindern spielen kann. Das ist wichtig für die soziale Entwicklung. Am einfachsten geht das natürlich in der Kita.
  • Leben Sie die Fantasien Ihres Kindes mit. Wenn es wünscht, dass Sie das Monster spielen und Ihr Kind den Wolf, dann steigen Sie darauf ein.
  • Nicht viele Spielsachen: Wenn Ihr Kind zu viel Auswahl hat, ist das eher verwirrend als nützlich. Außerdem taugen auch Alltagsgegenstände einem Kind immer als Spielzeug. Bei Überfluss einfach mal einen Teil der Spielsachen in den Keller packen.
  • Nicht immer gleich helfen: Manchmal klappt etwas beim Spielen nicht und Ihr Kind wird ungeduldig oder sauer. Trotzdem ist es dann besser, nicht immer voreilig zu helfen. Etwas selbst zu probieren und dann auch zu schaffen, ist für Ihr Kind viel besser und macht sehr stolz. Erfolge und Misserfolge gehören einfach zum Leben.
  • Nicht zu viele Sorgen machen: Lauern Sie nicht ständig in der Nähe Ihres Kindes, in der Sorge, es könnte sich wehtun oder etwas Ungesundes in den Mund stecken. Natürlich müssen Sie bei größeren Gefahren aufpassen, aber ständige übermäßige Sorge tut nicht gut.

Soll ich mit meinem Baby an Krabbelgruppen wie PEKiP teilnehmen?

Sie können, aber Sie müssen nicht. Die Teilnahme an PEKiP oder allgemein an Krabbelgruppen ist sicherlich nicht zwingend notwendig, aber normalerweise eine schöne Sache für Eltern und Baby.

Was ist PEKiP?

Wenn Sie ein Kind bekommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihnen irgendwann der Begriff „PEKiP“ begegnet. Er steht für „Prager-Eltern-Kind-Programm“ und bezeichnet ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr. Im Rahmen einer Krabbelgruppe soll dabei der Prozess des Zueinanderfindens unterstützt werden, mit dem Ziel

  • das Baby in seiner Entwicklung wahrzunehmen, zu begleiten und zu fördern;
  • die Beziehung zwischen dem Baby und seinen Eltern zu vertiefen;
  • die Eltern zu begleiten und den Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern zu fördern;

Als PEKiP-Standards gelten:

  • Eine PEKiP-Gruppe besteht aus bis zu 8 Erwachsenen und deren Babys.
  • Die Gruppen beginnen oft schon im 2. Lebensmonat, aber ein späterer Start ist auch möglich;
  • Die Gruppe läuft meist bis zum Ende des 1. Lebensjahres.
  • Die Treffen finden einmal pro Woche statt und dauern jeweils anderthalb Stunden.
  • Die Babys sind während des Spielens nackt.
  • Die Gruppe wird von Personen mit einem sogenannten PEKiP-Zertifikat geleitet.

Keinen Stress daraus machen

Sie können ab der 4.-6. Lebenswoche damit beginnen und erhalten Impulse für die Entwicklung im gesamten ersten Lebensjahr. Das reicht von Tipps für die Eltern-Kind-Kommunikation und zur Selbstkreation einfachster Spielzeuge über die Vermittlung der kindlichen Wahrnehmungsfähigkeit anhand praktischer Beispiele bis zum Kontakt mit Gleichaltrigen.

Für manche Mütter bzw. Eltern ist (im Rückblick) auch der Erfahrungsaustausch mit gleichgesinnten Eltern die entscheidende Komponente. Dabei sollte es natürlich nicht um einen Leistungsvergleich im Sinne des von Kritikern angemahnten Frühförderungswahns gehen. Sonst kann es tatsächlich passieren, dass der soziale Wettbewerb vorverlegt wird und die Teilnahme an diversen Förderprogrammen zu einer eher schädlichen Reizüberflutung der Kleinkinder führt.

Wo überall PEKiP-Kurse angeboten werden, erfahren Sie auf der Website des PEKiP-Vereins (www.pekip.de).

Wie kann ich meinem Kind auch "drinnen" zu mehr Bewegung verhelfen?

Dass Bewegung Körper und Geist gut tut, ist bekannt. Das gilt auch und sogar ganz besonders für Kinder. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu einem glücklichen und ausgefüllten Menschen zu entwickeln, wird durch viel Bewegung auf jeden Fall gefördert. Am besten natürlich an der frischen Luft.

Aber wie kann man sein Kind zu mehr Bewegung motivieren, wenn das Wetter miserabel ist oder wenn die räumlichen Möglichkeiten begrenzt sind? Dann kann es sinnvoll sein, ein wenig nachzuhelfen:

  • Kinderturnen wird vielerorts von Sportvereinen zu überschaubaren Preisen bzw. Mitgliedsgebühren angeboten. Eine gute Gelegenheit für Ihr Kind, um sich einmal pro Woche mit Gleichaltrigen auszutoben und neue Bewegungserfahrungen zu sammeln.
  • Mit etwas Fantasie lässt sich auch aus der Wohnung ein (begrenzter) Bewegungsraum machen, z.B. mit „Tobe-Ecken“, bestehend aus einer alten Matratze und vielen Kissen und Decken zum Abpolstern.
  • Ohne großen Aufwand lassen sich mit Krabbeltunnel, Sitzwürfeln, Kartons, Liegen, Stühlen, kleiner Trittleiter usw. ganze Bewegungslandschaften in die Wohnung zaubern.
  • Desweiteren kommen eine Bettrutsche und (sicher installierte!) Turngeräte wie Reckstange oder Seil als Bewegungsmittel in Betracht. Aber auch ohne Extra-Mobiliar können sich die Kinder spielerisch in der Wohnung austoben, etwa beim Versteckspiel oder bei kreativen Tanz-Darbietungen im Wohnzimmer bzw. einem anderen geeigneten Ort für die „hauseigene Bühne“.

Geschwister

Worauf sollten Eltern achten, wenn ein Geschwisterchen „unterwegs“ ist?

Bereiten Sie Ihr Kind auf die Ankunft eines Geschwisterkindes vor. Stimmen Sie es positiv ein und lassen Sie es an Ihrer Schwangerschaft teilhaben. Beispielsweise, indem es an Ihrem Bauch horchen und die Bewegungen des Ungeborenen erfühlen darf.

Auch eine Einbeziehung in die Vorbereitungen für den neuen Nachwuchs ist sinnvoll. So kann Ihr Kind etwa eine Kiste mit Spielsachen für sein neues Geschwisterchen zusammenstellen, für die es selbst schon „zu groß“ ist. Gestalten Sie das Herrichten der Babywiege und andere vorgeburtliche Maßnahmen als Mitmachaktionen für Ihr Kind, bei denen es Ihnen behilflich sein und freudige Emotionen mit der Erwartung des Babys verknüpfen kann.

Was sollten Eltern nach der Geburt eines Geschwisterkindes beachten?

Bedenken Sie, dass Ihr älteres Kind die veränderte Familiensituation vollkommen wahrnimmt und die Ankunft des neuen Familienmitglieds aus seiner Sicht vor allem als Verlust begreifen kann: Es steht nicht mehr im Mittelpunkt wie zuvor und bekommt nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern.

Es muss mit einer zeitlich reduzierten Zuwendung auskommen, mit weniger Engelsgeduld und mit der zunehmenden Erwartungshaltung, sich als „großes“ Kind auch „groß“ zu benehmen.

Da sind manche Verhaltensweisen, die Sie als Eltern irritieren können, eigentlich leicht nachvollziehbar, beispielsweise wenn Ihr Kind

  • sich auch (wieder) wie ein Baby benimmt und im Kinderwagen liegen sowie gefüttert, verwöhnt und in den Schlaf gewiegt werden möchte,
  • plötzlich wieder einnässt,
  • weinerlich oder besonders anlehnungsbedürftig ist,
  • viel quengelt und sich aggressiv verhält.

Gelassen und verständnisvoll bleiben

Bleiben Sie dann möglichst gelassen und reagieren Sie verständnisvoll. Das fällt zwar gerade mit der Belastung durch mehrere Kinder eventuell besonders schwer. Es bietet aber die sicherste Gewähr dafür, dass die kritische Phase rasch wieder vorbei geht und Ihr Kind lernt, sich in seiner neuen Rolle wohl zu fühlen, (Verlust-) Ängste abzubauen und sein Geschwisterchen nicht vorrangig als „Konkurrenz“ zu betrachten.

Dazu noch folgende Tipps bzw. Hinweise:

  • Väter sollten ihre besonders wichtige Rolle für die älteren Geschwister wahrnehmen, wenn sich die Mutter vorrangig um den Säugling kümmern muss. Eine intensive und liebevolle Zuwendung kann die „Großen“ vor etwaigen Kränkungen oder Neidgefühlen beschützen.
  • Auch die Mütter sollten sich geeignete Freiräume verschaffen, um ihren älteren Kindern regelmäßig ein Stück ungeteilte Zeit und Zuwendung gönnen zu können.
  • Geben Sie Ihrem älteren Kind das wichtige und beruhigende Gefühl, dass seine Eltern es genauso lieb haben wie früher.

Probleme in der Entwicklung

Ist es normal, wenn mein 5-jähriges Kind noch einnässt?

Ja, gelegentliches nächtliches Einnässen wird heute als unkomplizierte Entwicklungsstörung und bis zum Alter von 5 Jahren als durchaus noch „normal“ angesehen. Oder um präziser zu sein, es wird nicht als medizinisch behandlungsbedürftig betrachtet.

Kommt das Einnässen aber sehr häufig vor oder macht es Ihnen aus anderen Gründen Sorgen, ist ein Kinderarztbesuch bereits vor Erreichen dieser Altersgrenze ratsam. Vor allem, um mögliche Gründe für das Einnässen abzuklären und eventuell behandelbare Ursachen frühzeitig zu erkennen. Genau wie beim Bettnässen nach schon erreichter "Trockenphase" kann es auch beim "nie so ganz trocken werden" natürlich auch mal sein, dass psychische Belastungen oder (seltener) organische Ursachen dafür verantwortlich sind. Und dann ist ein früher Behandlungsbeginn wichtig.

Quellen:

  • H.-J. Laewen: Grenzsteine der Entwicklung als Grundlage eines Frühwarnsystems für Risikolagen in Kindertageseinrichtungen (Sonderdruck 2008, PDF).

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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Dienstag, den 03. April 2018 um 00:20 Uhr, Kati
Wir lesen unserem Sohn (4 Monate) abends vor. Vor dem zu Bett gehen. Natürlich versteht er den Inhalt nicht, aber er hört unsere Stimmen und scheint es zu mögen. Es ist ein so schönes Ritual, und es gibt so schöne Kinderbücher - Klassiker und auch neue ...
 
Gehfrei
Donnerstag, den 14. Dezember 2017 um 14:11 Uhr, Lißmann
Ich selber rate dringend davon ab. Diese "Gehfrei's" sind Waffen. Mein Sohn, 15 Monate, saß im "Gehfrei". Als der andere Sohn, 15 Monate, das ganze Teil umgeworfen hat, lag mein Kleiner Kopf über auf dem Boden. Mit Verletzungen im ganzen Gesicht.
 
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