Navigator-Medizin.de
alle Fragen, alle Antworten
   X   

Krankheiten von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Medikamente von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Diagnostik & Laborwerte von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Therapieverfahren von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Gesundheitsthemen von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Rivaroxaban (Xarelto): Wirkung und Nebenwirkungen

Rivaroxaban (Xarelto®) ist ein Blutverdünner (Antikoagulanz). Es ist seit 2008 auf dem Markt und eine Alternative zu Marcumar.

Im folgenden Text finden Sie alle Informationen zu Wirkungseinweise, Einsatzgebieten und Nebenwirkungen.

Was ist Xarelto (Rivaroxaban)?

Xarelto® gehört in die Gruppe der sogenannten neuen, direkten oralen Antikoagulanzien, kurz auch NOAKs (neue orale Antikoagulantien) oder DOAKs (direkte orale Antikoagulantien) genannt. Es verdünnt Ihr Blut, indem es an einer bestimmten Stelle der Gerinnung den sogenannten Faktor Xa hemmt und dadurch die Blutungszeit verlängert. Mediziner setzen es bei Thrombosen oder zum Schutz vor Blutgerinnseln ein.

Blutverdünnung ohne regelmäßige Kontrollen

In der Vergangenheit erhielten fast alle Betroffenen, die eine Blutverdünnung brauchten, Medikamente wie Marcumar® und Coumadin®. Ihre Wirkung kann jedoch durch Krankheit, Antibiotika oder Ernährung leicht beeinflusst werden. Zudem dauert die Einstellung auf stabile Werte einige Wochen und erfordert regelmäßige Blutkontrollen.

Im Vergleich zu seinen Vorgängern haben Xarelto® und die anderen NOACs den Vorteil, dass ihr Wirkungsverlauf stabiler ist und im Alltag die Routinekontrollen nicht mehr notwendig sind. 

Wie unter allen Antikoagulanzien können Betroffene unter Rivaroxaban leichter bluten. Sie müssen daher immer darauf achten, dass sie nicht stürzen oder sich verletzen. Vor Operationen muss die Medikation gegebenenfalls angepasst oder pausiert werden. Zudem spielt die Nierenfunktion eine Rolle bei der Wahl der Dosis.

Behandlung von Gerinnseln

Mediziner behandeln mit Rivaroxaban typischerweise Thrombosen und Lungenarterienembolien (Gerinnsel in den tiefen Beinvenen beziehungsweise Lungenadern). Es verhindert, dass sich Blutgerinnsel bilden beziehungsweise bereits gebildete Thrombosen weiter an Größe zunehmen.

Xarelto® kommt zudem prophylaktisch nach Knie- und Hüftoperationen zum Einsatz, damit sich Thrombosen gar nicht erst bilden können, solange Sie sich nur eingeschränkt bewegen können.

Auch bei Rhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern kommt Rivaroxaban schützend zum Einsatz. Es soll verhindern, dass sich im Rahmen der Rhythmusstörung im linken Vorhof des Herzens Blutgerinnsel bilden, die wiederum zu Schlaganfällen führen können.

Die Qual der Wahl

Zu den neuen Blutverdünnern gehören neben Xarelto® (Rivaroxaban) auch Pradaxa® (Dabigatran), Eliquis® (Apixaban) und Lixiana® (Edoxaban). Welches Medikament für Sie das richtige ist, entscheidet Ihr Arzt. Einige von Ihnen werden Marcumar® oder Coumadin® erhalten, andere eines der neuen oralen Antikoagulantien. 

Verschiedene Faktoren wie die zu behandelnde Krankheit, Vorerkrankungen, Alter, Blutungsrisiko und Nierenfunktion spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Sollten Sie eines der beschriebenen Medikamente einnehmen und Blutungen bemerken, so sprechen Sie dies immer bei Ihrem Arzt oder in einer Klinik an.

Wie wirkt Rivaroxaban (Xarelto)?

Rivaroxaban (Xarelto®) verlängert die Blutungszeit, indem es den Faktor Xa der Blutgerinnung hemmt. 

Vorab: Gerinnung & Faktor Xa

Blut setzt sich aus vielen Einzelstoffen zusammen. Hierzu gehören unter anderem rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und sogenannte Gerinnungsfaktoren, von denen einer Faktor Xa heißt.

Anzeige

Bei gesunden Menschen besteht ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Komponenten dieses Systems. Das Blut kann so mit etwa gleichbleibender Konsistenz alle Gefäße problemlos durchfließen, ohne sie zu verstopfen. Eine Verletzung hingegen von Haut und Gefäßwänden zum Beispiel aktiviert Gerinnungsfaktoren. Die entsprechende Stelle wird so mit einem kleinen Gerinnsel verdeckt. Der Körper stoppt mit diesem eigenen "Pflaster" die Blutung.

Verlängerte Blutungszeit

Rivaroxaban greift als direkter Hemmstoff am Faktor Xa in dieses System ein, verlängert die Blutungszeit und verhindert so, dass sich Thrombosen bilden.

Mediziner verschreiben es, um tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenarterienembolien zu behandeln, aber auch prophylaktisch nach Knie- und Hüft-Operationen, um derartige Komplikationen zu vermeiden. Bei Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und entsprechend erhöhtem Risiko wird es zudem zum Schutz vor Schlaganfällen eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen haben die neuen Blutverdünner?

Das größte Problem und die häufigste Nebenwirkung aller Medikamente, die das Blut stark verdünnen, sind Blutungen. Zu diesen zählen leichtes Zahnfleisch- oder Nasenbluten, stärkere Blutungen im Magen-Darm-Trakt, aber auch lebensbedrohliche oder gar tödliche Einblutungen zum Beispiel in das Gehirn.

Gleichzeitig retten diese Medikamente Leben. Sie können nämlich vor Schlaganfällen bei Herzrhythmusstörungen schützen und werden außerdem zur Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien eingesetzt.

Hauptproblem: Blutungen

Im Vergleich zu Marcumar® sind die neuen Blutverdünner relativ jung, so dass eine langjährige Erfahrung noch fehlt. Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass ihr Schutz vor einem Schlaganfall dem der älteren Wirkstoffe ebenbürtig ist und das Blutungsrisiko insgesamt etwas niedriger ausfällt.

Dennoch ist auch bei ihnen das erhöhte Blutungsrisiko das größte Problem. Wichtig bei diesen Medikamenten sind eine gesunde Leber und intakte Nieren. Diese beiden Organe haben einen relativ großen Einfluss auf die Wirkung der NOAKs. Arbeiten sie nur eingeschränkt, so kann es leichter zu Blutungen kommen.

Lange Zeit fehlte zudem ein geeignetes Gegenmittel (Antidot). Trat zum Beispiel eine schwere Blutung auf oder musste unter einer laufenden Blutverdünnung akut eine Operation erfolgen, so gab es anfangs keine Möglichkeit, die Wirkung schnell aufzuheben. Inzwischen sind auch für einige der neuen Substanzen entsprechende Antidote entwickelt worden.

Weitere Neben- und Wechselwirkungen

Wie viele andere Medikamente können auch die NOAKs zudem allgemeine Nebenwirkungen wie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Hautausschlag, Veränderungen des Blutbildes oder allergische Reaktionen auslösen.

Gefährlich kann auch die Kombination mit anderen Arzneimitteln wie zum Beispiel Medikamenten gegen Pilzerkrankungen, HIV, Epilepsie oder Depression werden. Auch hier müssen Sie und Ihr Arzt vorsichtig sein.

Welche Nebenwirkungen hat Rivaroxaban (Xarelto)?

Zu den häufigen Nebenwirkungen von Rivaroxaban (Xarelto®) gehören unter anderem:

  • Blutungen, besonders Zahnfleisch- und Nasenbluten, rektale Blutungen, Blutungen im Magen-Darm- und Urogenitaltrakt, Haut- und Augeneinblutungen, Blutergüsse, Blutungen nach Eingriffen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • niedriger Blutdruck
  • Bauchschmerzen sowie Durchfall und Erbrechen
  • Einschränkung der Nierenfunktion mit Kreatininanstieg
  • Fieber und Müdigkeit
  • Anstieg der Leberwerte

Bei 1-10 % der Betroffenen, die den Wirkstoff einnehmen, können diese unerwünschten Wirkungen auftreten.

Dünnes Blut

Rivaroxaban (Xarelto®) greift als direkter Faktor-Xa-Hemmer in die Gerinnungskaskade ein und verlängert die Blutungszeit. Es verdünnt sozusagen Ihr Blut. Sein großer Vorteil liegt darin, dass es im Gegensatz zum altbekannten Marcumar keine regelmäßigen Laborkontrollen erfordert. Wichtig ist jedoch, dass die Dosis immer der Nierenfunktion angepasst wird.

Anzeige

Mediziner verschreiben Rivaroxaban zum Beispiel, wenn Sie ein Blutgerinnsel im Bein (Thrombose) oder in einer der Lungenadern (Lungenarterienembolie) haben. Nach Knie- oder Hüftoperationen verwenden sie es zudem in niedriger Dosierung prophylaktisch, damit sich Thrombosen gar nicht erst bilden können.

Außerdem setzen sie es bei Menschen mit Vorhofflimmern ein, einer Herzrhythmusstörung. Unter Umständen bildet sich hier je nach Begleitkrankheiten und Risiko nämlich in der linken Vorhofkammer ein Blutgerinnsel, von dem bei ungünstigem Verlauf ein Teil abbrechen und zu einem Schlaganfall führen kann.

Blutungen unter Xarelto

Wie alle blutverdünnenden Medikamente schützt Xarelto® einerseits davor, dass sich Gerinnsel bilden, andererseits steigt das Blutungsrisiko. Blutungen jeglicher Art können dabei auftreten.

Hierzu gehören zum Beispiel Zahnfleisch- und Nasenbluten sowie Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt. Magengeschwüre können unter Mitteln wie Rivaroxaban zu einem Problem werden. In Haut und Augen kann es ebenso einbluten, auch Hämatome (Blutergüsse) entstehen leicht. Vor Eingriffen wie Zahnextraktionen oder Operationen pausieren oder wechseln Ärzte in der Regel die Medikation, wenn dies aus medizinischer Sicht möglich ist. Das Blutungsrisiko ist sonst zu hoch.

Während die oben genannten Probleme bei 1-10 von 100 Personen beobachtet wurden, treten schwerwiegende Einblutungen ins Gehirn und Blutungen in die Gelenke seltener auf. Die Fachinformation gibt hier Werte zwischen 0,1 % und 1 % an.

Nieren, Leber & Co

Da Rivaroxaban zum Teil über die Nieren ausgeschieden wird, verstärkt sich seine Wirkung, wenn ihre Funktion eingeschränkt ist. Bevor Mediziner Xarelto® einsetzen, kontrollieren sie daher das Kreatinin im Blut. Dieser Wert spiegelt wieder, wie gut Ihre Nieren arbeiten.

Rivaroxaban selbst kann zudem die Nierenfunktion negativ beeinträchtigen. Auch die Leberwerte können unter einer Therapie mit Xarelto® ansteigen und müssen kontrolliert werden. Ebenso wurden Hautrötungen, Wassereinlagerungen und Wundsekretion unter Xarelto® beschrieben.

Andere Nebenwirkungen

Die Fachinformation listet eine Vielzahl weiterer möglicher Probleme auf. Sie kommen seltener vor, bei weniger als 1 % der Personen. Zum Beispiel kann sich die Zahl der Blutplättchen verringern; allergische Reaktionen, Juckreiz und Veränderungen weiterer Leberwerte können ebenfalls auftreten.

Neben den Nebenwirkungen gibt es zudem potentielle Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen. Einige Pilz- sowie HIV-Medikamente zum Beispiel verstärken den blutverdünnenden Effekt von Rivaroxaban; manche neurologischen Arzneimittel oder auch Johanniskraut hingegen vermindern die Wirkung.

Anzeige

Autorin: 

Quellen:

  • ROTELISTE PatientenInfo-Service: Gebrauchsinformation: Information für Anwender, Xarelto 15 mg Filmtabletten; Xarelto 20 mg Filmtabletten (Bayer Vital)

Inhaltsverzeichnis Top