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Rifaximin (Xifaxan): Wirkung und Nebenwirkungen

Was bewirkt Rifaximin (Xifaxan®) beim Reizdarmsyndrom? Was sind mögliche Nebenwirkungen des Arzneimittels? Und wann sollte man besser auf die Einnahme verzichten? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wirkung

Auf welche Weise wirkt Rifaximin (Xifaxan) bei Reizdarm?

Xifaxan® (Rifaximin) ist ein Antibiotikum, das eigentlich zur Behandlung von Reisedurchfall bei Erwachsenen verordnet wird. Bestimmte Studien konnten belegen, dass das Präparat auch erfolgreich in der Therapie des Reizdarmsyndroms.

Rifaximin – ein vielseitiges Medikament

Xifaxan® gehört zu den Antibiotika, die Bakterien abtöten, und wirkt ausschließlich im Darm. In Deutschland findet das Arzneimittel seinen Einsatz vor allem in der Behandlung der Reisediarrhö. Hierbei handelt es sich um einen durch Bakterien verursachten Reisedurchfall, der meist in den ersten Tagen eines Aufenthaltes in den Tropen oder Subtropen auftritt.

Seit 2013 hat das Medikament hierzulande auch die Zulassung für die hepatische Enzephalopathie, eine durch eine Leberfunktionsstörung ausgelöste Hirnerkrankung. Das Antibiotikum tötet in diesem Fall die ammoniakbildenden Bakterien im Darm und sorgt dadurch für weniger Erkrankungsschübe.

In anderen Ländern ist Rifaximin außerdem für folgende Anwendungen zugelassen:

  • Dünndarmfehlbesiedlung (Belagerung des Dünndarmes mit Bakterien, die eigentlich im Dickdarm ansässig sind)
  • pseudomembranöse Kolitis (Entzündung des Dickdarms, meist infolge einer durch Antibiotika ausgelösten Überwucherung mit dem Bakterium Clostridium difficile)
  • Divertikelerkrankungen (mit Beschwerden einhergehende Ausstülpungen des Darms)
  • präoperative Darmdekontamination (möglichst weitgehende Beseitigung der mikrobiellen Darmflora, z.B. vor einer Darmoperation)

Weniger "aufgebläht" durch Xifaxan®

Rifaximin besitzt ein breites antimikrobielles Wirkspektrum. Das bedeutet, dass es gegen die meisten Bakterien wirksam ist, die Darminfektionen hervorrufen können. Geht man davon aus, dass eine veränderte Darmflora beim RDS ein möglicher Auslöser für die Bauchkrämpfe, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten darstellt, liegt die Überlegung einer Antibiotikatherapie natürlich nahe.

Das dachten sich auch die Wissenschaftler Pimentel, M. et al., die 2011 die Wirkung von Rifaximin bei Personen mit Reizdarmsyndrom ohne Verstopfung untersuchten. Laut ihren Studienergebnissen zeigten die Probanden unter der Behandlung mit Xifaxan® eine deutliche Besserung ihrer Symptome. Insbesondere das Völlegefühl und die Blähungen seien unter der Antibiotika-Therapie zurückgegangen.

Bedenken sind erlaubt

Es gilt als nachgewiesen, dass sich die Darmflora von Personen mit Reizdarmsyndrom deutlich von der bei gesunden Personen unterscheidet. Unklar ist dabei jedoch, ob die veränderte Darmflora Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Die Betroffenen weisen in ihrer Stuhlzusammensetzung eine geringere Vielfalt (Diversität) an Bakterien auf als Nicht-Betroffene. Was das aber genau bedeutet und wie man diesbezüglich ggf. therapeutisch vorgehen kann, ist noch unklar und wird derzeit erforscht.

Umso verständlicher und nachvollziehbarer sind in diesem Zusammenhang die Einwände der Kritiker. Sie raten von einer Antibiotika-Therapie beim Reizdarmsyndrom ab. Das bei den Betroffenen ohnehin schon gestörte Gleichgewicht zwischen den Darmbakterien sehen sie durch eine solche Behandlungsstrategie zusätzlich gefährdet.

Zudem ist bekannt, dass der übermäßige und unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika dazu führen kann, dass Bakterien Resistenzen entwickeln und die Medikamente dann in Zukunft nicht mehr so gut wirken.

Fehlende Zulassung – und nun?

Aufgrund einiger Ungereimtheiten, dem hohen finanziellen Therapieaufwand und dem Fehlen weiterer unabhängiger Studien ist Rifaximin bisher in Deutschland nicht für das Reizdarmsyndrom zugelassen.

Sollten Sie zu den Fällen gehören, wo jegliche Therapie bislang versagt hat, kann natürlich ein Behandlungsversuch mit Xifaxan® dennoch in Erwägung gezogen werden. Vor allem, wenn Sie zum sogenannten Bläh-Typ gehören. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen das Medikament in diesem Fall "off-label" verordnen. Das bedeutet, dass er Ihnen ein Arzneimittel verordnet, dass für eine bestimmte Krankheit eingesetzt wird, für die das Medikament keine Genehmigung von der Zulassungsbehörde hat. In diesem Fall übernehmen die Krankenkassen auch nur selten die Kosten.

Tipps zur Einnahme

Rifaximin (Xifaxan) bei Reizdarm: Was ist zu beachten?

Das zur Behandlung des Reisedurchfalls eingesetzte Antibiotikum Xifaxan® (Rifaximin) hat in den letzten Jahren auch Einzug in die Therapie des Reizdarmsyndroms gefunden. Doch diese Behandlungsoption ist umstritten. Bei einer Einnahme sollte man einiges beachten.

Antibiotikum im "Off-Label-Use"

In Deutschland ist Rifaximin für die durch Bakterien verursachte Reisediarrhö zugelassen. Hierbei handelt es sich um einen Durchfall, der meist in den ersten Tagen eines Aufenthaltes in den Tropen oder Subtropen auftritt.

Sollte bei Ihnen die Therapie mit Xifaxan® im Rahmen eines Reizdarmsyndroms (RDS) in Erwägung gezogen werden, müssen Sie wissen, dass es sich um eine sogenannte "off-label"-Verordnung handelt. So bezeichnet man die Verschreibung eines Fertigarzneimittels außerhalb des durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs.

Lassen Sie sich deshalb aber nicht beunruhigen. In vielen medizinischen Bereichen wird ein Großteil von Medikamenten "off-label" angewendet. Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit in der praktischen Anwendung erhalten viele Medikamente selten eine Zulassungserweiterung. Grund dafür sind oft die hohen Kosten für die in diesem Zusammenhang geforderten klinischen Studien. Die beschränkte Zulassung hat also nichts mit etwaigen Bedenken gegenüber einem Medikament zu tun.

Bei Reizdarm nur auf Privatrezept

Aufgrund der fehlenden Zulassung für die Erkrankung Reizdarmsyndrom kann Ihnen Ihr behandelnder Arzt das Präparat lediglich auf einem Privatrezept verordnen. Bei entsprechender Begründung (z.B. dass alle anderen Therapien bereits erfolglos ausgeschöpft wurden) besteht aber die Möglichkeit, dass Ihnen Ihre Krankenkasse die Kosten für die Behandlung teilweise oder sogar vollständig erstattet. Es kommt auf einen Versuch an!

Bei der Verwendung eines Medikaments außerhalb des zugelassenen Einsatzgebietes müssen noch andere Kriterien berücksichtigt werden. So verlangt beispielsweise die Sorgfaltspflicht, dass Ihr behandelnder Arzt Sie ausführlich über den Off-Label-Einsatz aufklärt und dies auch schriftlich festhält. Schließlich haftet er in diesem Zusammenhang auch für die medizinische Richtigkeit und mögliche Nebenwirkungen.

Nicht für jeden Typus geeignet

Es gilt immer im Hinterkopf zu behalten, dass die medikamentöse Behandlung beim RDS lediglich Symptome lindert. Da bislang nicht geklärt ist, was die Ursachen für diese funktionelle Darmerkrankung sind, existiert auch noch keine "heilende" Therapie.

Aus diesem Grund sollten Sie bedenken, dass jegliche Einnahme von Arzneimitteln (also auch pflanzliche und freiverkäufliche Präparate) immer nur eine unterstützende, bedarfsgerechte Behandlungsoption darstellt. Jeder Missbrauch kann schnell ins Negative umschlagen.

So ist auch die Einnahme des Antibiotikums Rifaximin (Xifaxan®) nicht für jeden Reizdarm-Typ geeignet. Die Leitlinien zum Reizdarmsyndrom (u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zusammengestellt) raten beispielsweise vom Einsatz beim Verstopfungs- und Durchfall-Typ ab.

Die Empfehlungen lauten derzeit, dass man lediglich beim "mit üblichen Mitteln nicht therapierbaren" Reizdarmsyndrom vom Bläh-Typ einen Behandlungsversuch mit Rifaximin starten sollte.

Einnahmeempfehlung beim RDS

Da Rifaximin keine Zulassung für die Behandlung des Reizdarmes hat, werden Sie in der Packungsbeilage auch keine Dosierungsempfehlung für dieses Anwendungsgebiet finden. Derzeit lautet das gängige Therapieschema für Xifaxan® beim Reizdarmsyndrom (entsprechend den Leitlinien):

Rifaximin (200mg): 1 bis 2 Tabletten, 2-3x täglich einnehmen, für etwa 1 bis 2 Wochen.

Das ist eine Dosierung, die sich an den durchgeführten Studien orientiert und deutlich höher liegt als bei der klassischen Anwendung des Reisedurchfalls. Letztendlich entscheidet aber Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen zusammen über das geeignetste Dosierungsschema.

Nebenwirkungen

Welche Wechsel- und Nebenwirkungen hat Xifaxan bei Reizdarm? 

Rifaximin (Xifaxan®) ist ein Antibiotikum, das als Tablette eingenommen wird und fast ausschließlich im Darm wirkt. Da es praktisch nicht in den Körperkreislauf aufgenommen wird, hat es kaum Nebenwirkungen. Auch gegenüber anderen Medikamenten zeigt Rifaximin eine gute Verträglichkeit.

Xifaxan® gehört zu den bakteriziden Breitspektrumantibiotika – es ist gegen eine Vielzahl von Bakterien wirksam und tötet diese ab. Hauptanwendungsgebiet sind bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Trakts. Das Präparat findet aber auch Verwendung in der Behandlung des Reizdarmsyndroms, hier allerdings außerhalb der Zulassung.

Gute Verträglichkeit

Der Wirkstoff Rifaximin hat den Vorteil, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Antibiotika kaum resorbiert wird. Das bedeutet, dass nur verschwindend kleine Mengen in den Blutkreislauf gelangen. Seine Wirksamkeit entfaltet das Medikament fast ausschließlich im Inneren des Darms.

Diese lokal begrenzte Wirkung erklärt die sehr geringen Nebenerscheinungen. Am häufigsten werden unter der Einnahme Müdigkeit und Fieber sowie Beschwerden des (sowieso angeschlagenen) Verdauungsapparates angegeben.

Übrigens, falls Sie unter der Einnahme von Xifaxan® beim Wasserlassen einen rötlich verfärbten Urin bemerken, bitte nicht erschrecken. Diese Verfärbung ist unter der Therapie normal und ohne Krankheitswert.

Wenig Konkurrenzkampf

Da Xifaxan® (Rifaximin) so gut wie gar nicht in das Blutkreislaufsystem gelangt, tritt es auch nicht mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung. Meist sind es nämlich Konkurrenzkämpfe um bestimmte Abbauprozesse, die die unerwünschten Begleiterscheinungen verursachen.

Sie müssen sich das folgendermaßen vorstellen: Medikament "X" wird in unserem Körper von einer ganz bestimmten Eiweißstruktur abgebaut. Medikament "Y", das gleichzeitig eingenommen wird, wird ebenfalls darüber verstoffwechselt. Das endet bei gleichzeitiger Einnahme der Präparate in einem Konkurrenzkampf, bei dem nur einer gewinnen kann.

Infolge dieser Wechselwirkungen kommt es entweder zu einer Abschwächung oder aber auch zu einer Verstärkung der einzelnen Wirkstoffe. Eine Situation, mit der sich Rifaximin nicht auseinandersetzen muss.

Ergänzende Infos für Frauen

An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis für Frauen, die die Pille nehmen: Aufgrund der Wirkung auf die Darmflora sollten Sie beachten, dass die Einnahme von Xifaxan® zu einer Wirkungsabschwächung östrogenhaltiger oraler Kontrazeptiva führen kann. Insbesondere wenn die Pille einen Östrogengehalt unter 50 μg hat, sollten Sie begleitend weitere empfängnisverhütende Maßnahmen durchzuführen.

Aufgrund tierexperimenteller Studien wird die Einnahme von Rifaximin während der Schwangerschaft nicht empfohlen. Auch das Risiko einer Wirkstoffübertragung über die Muttermilch ist nicht sicher auszuschließen. Daher sollte unter Xifaxan® auch nicht gestillt werden.

Quellen:

  • Rifaximin. 2021. Herausgeber: Vidal MMI Germany GmbH. www.gelbe-liste.de.
  • Shayto RH, Abou Mrad R, Sharara AI. Use of rifaximin in gastrointestinal and liver diseases. World J Gastroenterol. 2016;22(29):6638-6651. doi:10.3748/wjg.v22.i29.6638

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