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Mebeverin: Wirkung und Nebenwirkungen

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Was für ein Medikament ist Mebeverin (z.B. Duspatal®)? Was sind mögliche Nebenwirkungen des Arzneimittels? Und wann sollte man lieber auf die Einnahme von Mebeverin verzichten? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wirkung

Wie wirkt Mebeverin beim Reizdarm?

Mebeverin (z.B. Duspatal®, Mebeverin dura®) kommt als sogenanntes Spasmolytikum bei Reizdarm in schweren Fällen zum Einsatz. Es soll Krämpfe im Magen-Darm-Trakt lindern – so das Ziel. Die Behandlung mit Medikamenten ist allerdings immer nur kurzzeitig bei starken Beschwerden angebracht. Auf den langfristigen Verlauf haben die Präparate keinen positiven Einfluss.

Entspannung für den Darm

Unser Darm führt ein reges Eigenleben. Er hat sein eigenes Nervensystem, das unabhängig und ganz ohne unser Zutun meist reibungslos funktioniert. Die spezielle Muskulatur im Magen-Darm-Trakt können wir nicht kontrollieren, die Organe arbeiten also unwillkürlich. Eigentlich ist das ganz praktisch, denn so müssen wir uns nicht aktiv um die Verdauung kümmern, sie läuft ganz von allein.

Die unwillkürliche Muskulatur kann allerdings auch verkrampfen, und das ist oft sehr schmerzhaft. Menschen mit einem Reizdarm können ein Lied davon singen. Häufig leiden sie unter Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall bzw. beidem im Wechsel.

Im Idealfall bessern sich die Symptome durch Mebeverin. Der Wirkstoff soll dafür sorgen, dass die Muskeln im Darm erschlaffen und sich somit entspannen, und zwar ganz gezielt und nur dort. Das geschieht, indem bestimmte Nervenbotenstoffe daran gehindert werden, an die für sie vorgesehenen Bindungsstellen (Rezeptoren) der Muskulatur anzudocken und damit die Magen-Darm-Muskeln zu aktivieren. In der Folge lösen sich die Krämpfe (Spasmen) – daher der Name Spasmolytikum (Krampflöser).

Nutzen nicht eindeutig belegt

Allerdings ist Mebeverin umstritten – einfach deshalb, weil fraglich ist, ob der Wirkstoff den Betroffenen tatsächlich einen entscheidenden Nutzen bringt. In einigen Studien sprachen zwar etwa 70% der Betroffenen auf das Medikament an. Es gibt aber beispielsweise auch eine Studie, in der das Mittel mit einem Scheinmedikament verglichen wurde. Und da schnitt Mebeverin nicht besser ab.

Zum Vergleich: Der Wirkstoff Butylscopolamin (z.B. Buscopan®), der ebenfalls bei Magen-Darm-Krämpfen eingesetzt wird, war Scheinmedikamenten in Studien deutlich überlegen. Allerdings ist der Wirkmechanismus ein anderer als bei Mebeverin. Deshalb unterscheiden sich auch die möglichen Nebenwirkungen. Insofern kann es individuell verschieden sein, welches Medikament Sie besser vertragen.

Für Mebeverin brauchen Sie ein Arzt-Rezept

Und noch etwas zu Mebeverin: Medikamente mit diesem Wirkstoff sind in der Regel verschreibungspflichtig. Sie können das Mittel also nicht einfach so auf eigene Faust in der Apotheke kaufen, sondern brauchen dazu ein Rezept Ihres Arztes.

Das ist auch gut so. Denn bevor Sie zu Medikamenten greifen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob dies wirklich die beste Wahl für Sie ist, oder ob nicht doch andere Maßnahmen sinnvoller und nachhaltiger wären. So kann z.B. eine gezielte Nahrungsumstellung in vielen Fällen die Beschwerden deutlich verbessern – und das manchmal auch dauerhaft.

Tipps zur Einnahme

Reizdarm: Wie soll ich Mebeverin einnehmen?

Das kommt ein wenig darauf an, um welches Präparat es sich genau handelt. Denn es gibt verschiedene Mittel mit dem Wirkstoff Mebeverin. Allen gemeinsam ist ihre Wirkung: Sie entspannen die Muskulatur im Darm und können damit die oft so unangenehmen Krämpfe beim Reizdarm kurzzeitig lösen.

Ich möchte Ihnen hier einige Handelsnamen nennen, die Sie auf dem Markt finden: Duspatal®, Mebeverin dura®, Duspatalin®.

Je nach Präparat zwei bis drei Tabletten bzw. Kapseln täglich

Greifen wir uns mal Duspatal® heraus – genauer Duspatal® 135 mg. Davon sollten Sie in der Regel dreimal pro Tag jeweils eine Tablette nehmen. Es gibt aber auch noch Duspatal® 200 mg retard. Hier genügen zwei Kapseln täglich.

Unter dem Strich kommen Sie bei beiden Varianten auf etwa dieselbe Tagesdosis, denn in einer Duspatal® retard-Kapsel steckt – wie Sie schon an den Mengenangaben sehen – einfach etwas mehr drin als in der herkömmlichen Duspatal®-Tablette.

Vor allem aber wird der Wirkstoff bei den Retardkapseln nach und nach freigesetzt (retardare heißt übersetzt verzögern oder aufhalten). Das führt dazu, dass der Mebeverin-Spiegel recht konstant gehalten werden kann. Dadurch verteilt sich die Wirkung gleichmäßig über den Tag.

Besonders für Menschen, die sich mit der Medikamenteneinnahme schwer tun, ist es natürlich auch ein Vorteil, wenn sie nur morgens und abends daran denken müssen, nicht auch noch mittags.

Vor dem Essen mit Wasser einnehmen

Welches Mebeverin-Mittel Sie auch immer verordnet bekommen haben – Sie sollten die Tabletten bzw. Kapseln generell am besten mit Wasser schlucken, und das möglichst etwa zwanzig Minuten vor dem Essen. Die Tabletten oder Kapseln mit Milch oder Säften hinunterzuspülen, ist dagegen keine gute Idee.

Übrigens: Sollten Sie mal vergessen haben, das Medikament zu nehmen, ist das nicht weiter tragisch. Versuchen Sie bitte nicht, das auszugleichen, indem Sie die Dosis zum nächsten Zeitpunkt verdoppeln, sondern bleiben Sie bei Ihrem üblichen Schema.

Dosis nicht auf eigene Faust erhöhen

Überhaupt sollten Sie keinesfalls die Mebeverin-Dosis eigenmächtig erhöhen. Zwar ist bei Menschen, die zu viel geschluckt haben, nicht viel passiert, es traten keine oder nur sehr milde Beschwerden auf. Dennoch hat der Wirkstoff einen Einfluss auf das Nervensystem, der nicht unterschätzt werden sollte.

Nach Angaben des Herstellers können Sie das Mittel zwar – wenn es richtig dosiert ist – ohne Bedenken über einen längeren Zeitraum nutzen. Hier gibt es keinerlei Einschränkungen, heißt es in einer der Packungsbeilagen. Grundsätzlich sollten Medikamente beim Reizdarm jedoch möglichst nur vorübergehend eingesetzt werden, um akute Beschwerden zu lindern.

Nicht zu warm und nicht zu kalt lagern

Achten Sie bitte darauf, dass die Packung mit den Tabletten oder Kapseln nicht zu warm wird, Werte über 30 Grad Celsius sollten es keinesfalls sein. Eiseskälte ist natürlich auch nicht das Richtige. Bei Zimmertemperatur sollte es aber keine Probleme geben.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können unter Mebeverin auftreten?

Bei jedem Mittel, das eine Wirkung hat, können natürlich auch unerwünschte Effekte vorkommen. Wichtig ist, dass solche Beschwerden zwar eintreten können, aber nicht müssen. Glücklicherweise gibt es bei Mebeverin nur sehr selten Nebenwirkungen.

Der Darm ist ein faszinierendes Wunderwerk der Technik aus Muskeln und Nerven, die in der Regel ganz automatisch, und ohne dass wir etwas davon mitbekommen, ihre Arbeit verrichten. Manchmal sind die fein aufeinander abgestimmten Vorgänge aber gestört. Dann bekommen wir die Tätigkeit des Darmes in Form von Schmerzen, Krämpfen oder Blähungen durchaus zu spüren.

Beim Reizdarm verkrampft sich die Darmmuskulatur manchmal heftig. Und genau hier greift Mebeverin ein. Es unterdrückt die Signale, die vom Nervensystem des Darms an die Muskulatur geleitet werden und sie verkrampfen. Die Krämpfe (Spasmen) lösen sich damit. Das Mittel zählt daher zu den sogenannten Spasmolytika (Krampflösern). Es ist in der Regel gut verträglich, sollte aber dennoch nicht dauerhaft eingenommen werden.

Schwindel, Übelkeit, Benommenheit – aber äußerst selten

"Sehr selten" bedeutet in der Sprache der Beipackzettel, dass die unerwünschten Wirkungen bei weniger als 0,01% der Behandelten auftreten. Oder anders ausgedrückt: Weniger als einer von 10.000 Betroffenen, die mit Mebeverin therapiert werden, klagt über eines oder mehrere der folgenden Symptome:

  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Verwirrtheit
  • Übelkeit
  • an der Haut: Jucken, Ausschlag, Nesselsucht
  • Schwellung des Gesichts (sogenanntes Angioödem oder Quincke-Ödem)
  • allergische Reaktionen, die im schlimmsten Fall zum Schock führen können

Bei schweren allergischen Reaktionen sofort zum Arzt

Obwohl der Wirkstoff derselbe ist, können sich die einzelnen Nebenwirkungen von Präparat zu Präparat ein wenig unterscheiden. Wenn Sie bei sich Auffälligkeiten feststellen, setzen Sie das Medikament ab und sprechen unbedingt mit Ihrem Arzt darüber.

Sollten heftige allergische Reaktionen wie Atemnot, Anschwellen von Gesicht, Hals, Lippen, Zunge oder Rachen auftreten, zählt die Zeit! Aber bitte: Das ist bei diesem Medikament sehr, sehr unwahrscheinlich.

Ob Mebeverin Einfluss auf andere Medikamente hat oder umgekehrt, ist leider nicht bekannt. Denn dazu gibt es keine Studien. Nur so viel: Eine Wechselwirkung mit Alkohol scheint nicht zu bestehen, zumindest ist das das Ergebnis von Laborversuchen und Tierstudien. Wie der menschliche Organismus reagiert, kann man daraus aber nicht ohne weiteres ableiten.

Buscopan®: ähnliche Wirkung, andere Nebenwirkungen

Interessant und für Sie möglicherweise wichtig ist, dass sich die unerwünschten Effekte bei Mebeverin teilweise von denen eines Wirkstoffs unterscheiden, der ebenfalls zur Linderung von Magen-Darm-Krämpfen eingesetzt wird: Die Rede ist von Butylscopolamin (z.B. Buscopan®).

Im Gegensatz zu Mebeverin hat Butylscopolamin eine sogenannte anticholinerge Wirkung. Es hemmt also Acetylcholin, einen Botenstoff des Nervensystems. Dadurch wird die Aktivität der Muskulatur im Darm heruntergefahren. Das führt wiederum dazu, dass die Schmerzen und Krämpfe in diesem Bereich nachlassen.

Bezogen auf den Reizdarm ist das natürlich eine große Erleichterung. Allerdings kann es an anderen Stellen zu unerwünschten Wirkungen kommen, wenn Acetylcholin ausgebremst wird. Denn der Botenstoff ist auch noch für andere Vorgänge im Körper zuständig. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Herzrasen und Blutdruckabfall. Für Butylscopolamin spricht aber, dass es weitaus besser untersucht ist als Mebeverin.

Wie immer gibt es also für beide Mittel jeweils Vor- und Nachteile – was für Sie persönlich am besten ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Reizdarm: Wann ist Mebeverin nichts für mich?

Mebeverin kann für Menschen mit Reizdarm, die unter heftigen Bauchkrämpfen leiden, vorübergehend sehr wohltuend sein. Es entspannt die verhärtete Muskulatur im Darm und löst damit die Krämpfe. Obwohl in der Regel gut verträglich, ist es für manche Betroffenen tabu.

Ein gelähmter Darm verträgt Mebeverin nicht

Absolut verboten ist das Medikament, wenn Sie an einer Darmlähmung (in der Fachsprache "paralytischer Ileus") leiden. Dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel eine Vergiftung oder eine Bauchfellentzündung. Dann ist der Darm ohnehin schon wie blockiert. Wenn in dieser Situation noch Mebeverin auf das Organ einwirkt, verstärkt das den Effekt. Das wäre nicht nur kontraproduktiv, sondern auch gefährlich.

Vorsicht bei Allergien und Unverträglichkeiten

Außerdem dürfen Sie Mebeverin natürlich nicht nehmen, wenn Sie allergisch gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile des Mittels sind. Anzeichen für eine schwere allergische Reaktion sind Atemnot sowie Schwellungen von Gesicht, Zunge, Lippen, Hals und Rachen. In diesem Fall müssen Sie sofort zum Arzt bzw. den Notarzt oder Rettungsdienst rufen.

Je nach Präparat sollten Menschen mit hereditärer Fruktose-Intoleranz (diese ist erblich bedingt, recht selten und darf nicht mit der häufigeren intestinalen Fructose-Intoleranz verwechselt werden), Galactose-Intoleranz (ebenfalls angeboren und erblich bedingt) oder Lactase-Mangel bzw. Laktose-Intoleranz eventuell auf das Mittel verzichten. Denn es könnte sein, dass sie einzelne Bestandteile der Tabletten bzw. Kapseln nicht oder nicht gut vertragen.

Kinder und Schwangere: Studienergebnisse unklar und dünn

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten das Medikament generell nicht bekommen. Auch Schwangere oder Frauen, die stillen, müssen in der Regel ohne das Mittel auskommen. Das liegt nicht etwa daran, dass bei ihnen verstärkt Nebenwirkungen oder negative Folgen für das Baby festgestellt wurden. Vielmehr fehlt es an Daten zu dieser "besonderen" Gruppe von Betroffenen.

Zwar wurde in Tierversuchen untersucht, ob das Mittel eine schädigende Wirkung auf den Embryo haben könnte, wenn die Muttertiere Mebeverin nehmen; aber diese Daten sind nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Ohnehin sind die Ergebnisse dieser Studien nicht eindeutig. In einigen Untersuchungen konnten keine schädigenden Effekte festgestellt werden. In einem Versuch, bei dem Ratten vergleichsweise hohe Dosen erhielten, kam es dagegen zu Fehlbildungen beim Nachwuchs.

Was die Wirkungen oder auch Nebenwirkungen von Mebeverin bei Kindern und Jugendlichen anbelangt, so gibt es bisher überhaupt keine Studien. Insofern wäre es zu unsicher und riskant, ihnen das Medikament zu geben.

Quellen:

  • Gebrauchsinformation: Mebeverin PUREN 135 mg Filmtabletten. 2020. Herausgeber: Puren Pharma GmbH & Co. KG. www.puren-pharma.de.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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