Carvedilol (Dilatrend, Querto): Wirkung und Nebenwirkungen
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- Zuletzt aktualisiert: Freitag, 18. August 2023 11:05
Bei welchen Erkrankungen wird Carvedilol zur Behandlung eingesetzt? Wir wirkt es und welche Nebenweirkungen können bei der Einnahme auftreten? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir für Sie in diesem Beitrag.
Wirkung
Wann wird Carvedilol (Dilatrend, Querto) verschrieben?
Carvedilol ist ein Betablocker (Markennamen z.B. Dilatrend®, Dimetil®, Querto®), es ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und wird bei folgenden Erkrankungen zur Behandlung eingesetzt:
- zu hohem Blutdruck,
- Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Angina pectoris, außer wenn sie instabil ist)
- und chronischer Herzschwäche.
Für die Herzschwäche ist der Wirkstoff in Kombination mit Entwässerungsmitteln (Diuretika) und ACE-Hemmern zugelassen.
Nicht nur Betablocker, sondern auch Alphablocker
Carvedilol ist ein Betablocker der dritten Generation, also eine neuere Variante dieses schon lange am Markt befindlichen Medikamententyps. Der Wirkstoff blockiert nichtselektiv die sogenannten Betarezeptoren, also die ß1- und ß2-Adrenozeptoren. Damit wirkt er den Stresshormonen entgegen, die ihre Wirkungen über diese Rezeptortypen entfalten. Auf diese Weise beruhigt Carvedilol die Herztätigkeit. Außerdem vermindert das Medikament die Enzymaktivität von Renin im Blutplasma, was ebenfalls zur Blutdrucksenkung und Herzentlastung beiträgt.
Die blutdrucksenkende Wirkung der Betablocker mindert das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben.
Neben dem für Betablocker typischen Wirkmechanismus hemmt Carvedilol auch die α1-Adrenozeptoren. In dieser zusätzlichen Eigenschaft als Alphablocker wirkt das Medikament gefäßerweiternd. Diese Weitstellung der Blutgefäße führt dazu, dass das Herz gegen einen geringeren Widerstands arbeiten muss. Auch dadurch sinkt der Blutdruck.
Einsatz zur Behandlung der Herzleistungsschwäche
Für die Behandlung einer Herzleistungsschwäche (medizinisch: Herzinsuffizienz) werden Betablocker üblicherweise als Ergänzung einer Medikamentenkombination aus Entwässerungsmitteln (Diuretika), ACE-Hemmern und ggf. Herzglykosiden verschrieben. Studien mit Cardevilol haben für diesen Wirkstoff eine verbesserte Prognose (weniger Todesfälle) bei der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz nachgewiesen. Das heißt, bei Beschwerden schon im Ruhezustand (NYHA-Stadium IV<).
Die aktuellen deutschen Experten-Leitlinien schätzen Carvedilol in seiner Wirksamkeit bei der Herzschwäche als vermutlich gleichwertig zu den Betablockern Bisoprolol und Metoprolol ein, wenn die Medikamente jeweils angemessen dosiert werden.
Nebenwirkungen
Welche Nebenwirkungen kann Carvedilol verursachen?
Der Betablocker Carvedilol blockiert drei verschiedene Rezeptortypen (ß1-, ß2- und α1-Adrenozeptoren), die sich am Herz und im Gefäßsystem des Körpers befinden. Entsprechend breit ist das potenzielle Nebenwirkungsspektrum.
Insgesamt treten Nebenwirkungen etwas häufiger auf, wenn Carvedilol zur Behandlung einer Herzschwäche eingenommen wird. Wird der Betablocker gegen Bluthochdruck oder Angina pectoris eingesetzt, ist die Verträglichkeit im Schnitt besser.
Folgende Nebenwirkungen treten bei mehr als 10% der Anwender auf:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Kopfschmerz
- erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie)
- Wasseransammlungen in verschiedenen Körpergeweben (Ödeme), z.B. in den Gliedmaßen oder im Genitalbereich
- Sehstörungen
- verminderte Produktion von Tränenflüssigkeit
- verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
- Blutdruckabfall bei Lagewechsel (orthostatische Hypotonie)
- Übelkeit
- Durchfall
- Erbrechen
- Gliederschmerzen
Nebenwirkungen häufiger zu Beginn der Behandlung
Verschiedene Beschwerdebilder, die auf Durchblutungsstörungen beruhen, können sich durch die Einnahme von Carvedilol verstärken. Dazu zählen die Prinzmetal-Angina, die Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) und das Raynaud-Syndrom. Bei Herzschwäche oder bereits eingeschränkter Nierenfunktion ist besonderes Augenmerk auf den Zustand der Nieren zu legen, der sich weiter verschlechtern könnte, in seltenen Fällen bis zum Organversagen.
Vielfach treten die unerwünschten Wirkungen vor allem zu Beginn der Tabletteneinnahme auf und geben sich mit der Zeit wieder. Gewichtszunahme, Luftnot, Reizhusten, verstopfte Nase, Potenzstörungen, Verwirrtheit und Blutbildveränderungen zählen zu weiteren möglichen Nebenwirkungen. Die komplette Liste aller jemals dokumentierten Nebenwirkungen können Sie dem Beipackzettel entnehmen.
Wann darf man Carvedilol nicht einnehmen?
Den Betablocker Carvedilol (Dilatrend®, Dimetil®, Querto®) dürfen Sie nicht einnehmen, wenn sich Ihre zuvor symptomlose Herzschwäche plötzlich in Ruhe bemerkbar macht, etwa durch Wasseransammlungen oder Atemnot. Medizinisch spricht man dann von einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz.
Solche Situationen, in denen die Einnahme eines Medikaments „verboten“ ist, werden als absolute Kontraindikationen bezeichnet. Oder als Gegenanzeigen im Beipackzettel. Dazu zählen für Carvedilol außerdem:
- Herzschwäche mit einer Herzfrequenz von unter 50 Schlägen pro Minute im Ruhezustand
- akute Gefäßverstopfung in der Lunge (Lungenembolie)
- bestimmte Herzerkrankungen (Prinzmetal-Angina, Cor pulmonale, kompletter Links- oder Rechtsschenkelblock, akute Entzündung, Herzklappenfehler mit Blutflussstörung)
- Asthma bronchiale
- unbehandeltes Phäochromozytom (Tumor im Nebennierenmark).
Relative Kontraindikationen sind im medizinischen Fachjargon solche Situationen, in denen die Anwendung eines Medikaments nur ausnahmsweise und unter genauer Abwägung des individuellen Nutzen-Schaden-Profils erfolgen darf. Für Carvedilol sind das eine instabile (erstmalige oder sich verschlechternde) Angina pectoris, eine Überleitungsstörung im Herzen (AV-Block 1. Grades), Gefäßerkrankungen in den Gliedmaßen und eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose).
Dilatrend, Querto und Dimetil immer mit einer Mahlzeit einnehmen?
Wenn Sie gegen Ihren Bluthochdruck Dilatrend® aus der Gruppe der Betablocker einnehmen, sollten Sie das vorzugsweise zu einer Mahlzeit tun. Das Medikament mit dem Wirkstoff Carvedilol wird dann langsamer vom Organismus aufgenommen, wodurch ein ungünstig abrupter Blutdruckabfall verhindert werden kann.
Außerdem können durch die verzögerte Aufnahme mögliche Störungen der Kreislaufregulation bei Lagewechsel (sogenannte orthostatische Effekte) vermindert werden.
Dilatrend
Welche Wirkung und Nebenwirkungen hat Dilatrend?
Dilatrend® enthält den Wirkstoff Carvedilol. Alles Wichtige dazu lesen Sie hier.
Dimetil
Welche Wirkung und Nebenwirkungen hat Dimetil?
Dimetil® enthält den Wirkstoff Carvedilol. Alles Wichtige dazu lesen Sie hier.
Querto
Welche Wirkung und Nebenwirkungen hat Querto?
Querto® enthält den Wirkstoff Carvedilol. Alles Wichtige dazu lesen Sie hier.
Noch ein Extra-Tipp:
Können natürliche Wirkstoffe bei Bluthochdruck hilfreich sein?
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Quellen:
- Rote Liste Service GmbH, Fachinformation Carvedilol.