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Meine Auswahl von Empfehlungen für Betroffene

Auch wenn es für die erstmals Betroffenen so wirken mag, ist ein Herzinfarkt nur in sehr seltenen Fällen tatsächlich ein unvorhersehbares Ereignis, das schlagartig eintritt. Vielmehr geht der Gefäßverstopfung am Herzen ein jahre- bis jahrzehntelanger Krankheitsprozess voraus, an dem verschiedene Faktoren beteiligt sind. Dieser Prozess ist mit einem überstandenen Infarkt keineswegs abgeschlossen – im Gegenteil. Jetzt heißt es für Sie, aus diesem Ereignis die richtigen Schlüsse zu ziehen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Also diejenigen, die Ihre (Herz-) Not zum Guten wenden. Die folgenden Tipps mögen Ihnen dabei behilflich sein.

Meine 11 Tipps

  • 1. Vermeiden Sie den zweiten Herzinfarkt! Die Vorbeugung vor dem sogenannten Re-Infarkt ist aus gesundheitlicher Sicht die wichtigste Aufgabe. Denn die Ursachen für den Gefäßverschluss am Herzen sind in der Regel immer noch vorhanden. Machen Sie sich deshalb eine Liste mit Ihren persönlichen Risikofaktoren, die Sie selbst beeinflussen können. Fangen Sie an, die notwendigen Änderungen vorzunehmen und haken Sie die Liste nach und nach ab. Zu den üblicherweise wichtigsten Maßnahmen zur Infarktprophylaxe zählen:
    • Rauchen aufhören
    • erhöhte Blutfettwerte senken
    • erhöhte Blutdruckwerte senken
    • mehr Bewegung, regelmäßig Sport
    • Ernährung auf gesund umstellen
    • nur wenig Alkohol trinken
    • Stress abbauen und vermeiden
    • Übergewicht abbauen
    • Diabetes gut behandeln, Blutzuckerwerte im Rahmen halten
  • 2. Verlassen Sie sich nicht allein auf Ihre Stents. Sie haben Ihnen möglicherweise das Leben gerettet und das ist großartig. Trotzdem sind die Stents kein Heilmittel, denn sie beheben nicht die Ursachen für die Gefäßverstopfung am Herzen. In einer Studie war vier Jahre nach einem Herzinfarkt jeder elfte Patient gestorben, unabhängig davon, ob ihm oder ihr ein Stent eingesetzt worden war oder nicht. Auch die Reinfarkt-Rate wurde trotz der Stents nicht kleiner.
    Für die Ablagerung in den Arterien sind entzündliche Prozesse verantwortlich, die ohne medikamentöse Behandlung und gesünderes Verhalten auch nach der OP weiterlaufen. Es können sich einerseits neue Gefäßverstopfungen entwickeln, andererseits können auch die Stents mit der Zeit wieder verstopfen. Das gilt natürlich auch für Bypässe.
  • 3. Nehmen Sie die verordneten Medikamente, um Ihr Herz zu schützen. Vermutlich haben Sie ein kleines Arsenal von Medikamenten verordnet bekommen, die Ihr angegriffenes Herz schützen sollen. Dazu zählen üblicherweise Blutverdünner, Betablocker, ACE-Hemmer sowie Cholesterin-Senker. Die Einnahme dieser Arzneimittel sollten Sie nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Eine schlechte Therapietreue erhöht nicht nur das Risiko für eine erneute Gefäßverstopfung, sondern auch für die Entwicklung von Spätkomplikationen wie die chronische Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen. Nach einem Infarkt ist erst nach überstandener Akutphase und abgeschlossener Narbenbildung allmählich erkennbar, wie viel arbeitsfähiges Herzmuskelgewebe noch erhalten ist.
    Sprechen Sie bei belastenden Nebenwirkungen Ihren Arzt an, um auf ein alternatives Medikament zu wechseln. Wenn Sie beispielsweise unter dem Blutverdünner Clopidogrel ständig Nasenbluten und blaue Flecken bekommen, kann der Wechsel auf ein magensaftresistentes ASS-Präparat sinnvoll sein. Oder umgekehrt.
  • 4. Ergänzen Sie Ihren Herzschutz mit Heilpflanzen. In den letzten Jahren mehren sich wissenschaftliche Studien, die sich mit Naturstoffen für Herz und Gefäße beschäftigen - mit teilweise beeindruckenden Ergebnissen. Mehrere dieser Heilpflanzen und Naturprodukte haben erstaunliche Effekte und scheinen vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen zu können.
  • 5. Kontrollieren Sie Ihre Werte regelmäßig und reduzieren Sie die Pilleneinnahme. Die Arzneimittel werden Sie auf Dauer umso weniger brauchen, je mehr Sie Ihre körpereigenen Gesundheitskräfte fördern. Dadurch lässt sich nicht nur das Zweit-Infarkt-Risiko mindern und das Fortschreiten der Gefäßerkrankung bremsen. Es bestehen auch gute Chancen, dass sich bereits entstandene Schäden wieder verkleinern.
    Der Erfolg des gesünderen Verhaltens ist messbar und die relevanten Messwerte sollten Sie stets im Blick behalten: v.a. Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Herzleistung. Wenn diese Werte und weitere Untersuchungen zur Herz-, Gefäß- und Stoffwechselsituation Ihnen grünes Licht geben, können Sie damit anfangen, in Absprache mit Ihrem Arzt die verordneten Medikamente wieder von der Liste und aus Ihrem Leben zu streichen. Natürlich ist auch danach die regelmäßige Kontrolle wichtig, um sicherzugehen, dass es nach dem Absetzen der Arzneimittel bei den guten Werten bleibt.
  • 6. Werden Sie nicht inaktiv, übernehmen Sie sich aber auch nicht. Nach einem Herzinfarkt droht die Gefahr, in eine von zwei extremen Verhaltensweisen zu verfallen. Ein Teil der Betroffenen meidet aus Sorge um das erkrankte Herz jegliche Anstrengung, ein anderer Teil mutet sich bald wieder munter Belastungen zu, als wäre nichts geschehen. Beides ist auf Dauer ungesund. Gehen Sie den goldenen Mittelweg. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Starke Ängste vor weiteren Bedrohungen sind ebenso verständlich wie das Bestreben, diese einfach auszublenden. Nehmen Sie das einschneidende Erlebnis und die gelungene Herz-OP als Chance und Anlass für einen Neuanfang. Nämlich dort, wo es um die Dauer und die Qualität Ihres Lebens geht.
  • 7. Nehmen Sie sich eine Auszeit und bereiten Sie sich in der Kur auf Ihr weiteres Leben vor. Warum? Weil es nach einem Herzinfarkt nicht darum geht, mal eine Pause einzulegen und dann wieder genauso weiterzumachen wie vorher. Das führt früher oder später mit einiger Wahrscheinlichkeit zum nächsten Infarkt. Neben der Ruhe, der Erholung, dem Kräftesammeln und dem körperlichen Training kommt es vor allem darauf an zu lernen, wie das eigene Leben gesünder organisiert werden kann. Das hängt eng mit Ihren Einstellungen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten zusammenhängen und betrifft vor allem die in diesen Tipps angeschnittenen Bereiche.
    Da mal was zu hören oder zu lesen, reicht logischerweise nicht aus. Wirklich erfolgversprechend ist vielmehr die intensive Anleitung, Schulung, Übung, Wiederholung und dann vor allem die konsequenten Fortsetzung, wenn Sie wieder zuhause sind. Möglicherweise hilft im Anschluss an die Reha auch der Besuch einer Herzschule, um an der Lebensstil-Umstellung dranzubleiben und nicht in die alten Muster zurückzufallen.
  • 8. Keine Zigarette mehr danach – sagen Sie „Nein“ zu Ihrer Nikotinsucht. Wenn Sie mit dem Rauchen nicht nach Ihrem ersten Herzinfarkt aufhören wollen, wann dann? Natürlich ist es auch später noch sinnvoll. Sie sollten aber den Schrecken der Ereignisse bzw. die „Gunst der Stunde“ nutzen, um es jetzt zu tun. Das gelingt übrigens vielen Menschen, auch ohne Hilfsmittel, von jetzt auf sofort leichter, als sie vorher dachten. Damit es dabei bleibt, müssen Sie aber vermutlich auch an Ihren Einstellungen und Verhaltensweisen ein bisschen was ändern. Das lohnt sich aber in jedem Fall, da Sie dies mit Blick auf die anderen Risikofaktoren ohnehin tun sollten.
  • 9. Machen Sie sich jeden Tag einen leckeren Salat. Wer täglich Obst und Gemüse verzehrt, reduziert sein Herzinfarkt-Risiko laut Studiendaten um 30%. Gerade nach einem Herzinfarkt ist von einem erhöhten Vitalstoffbedarf auszugehen. Die Zeit, sich einmal am Tag einen Salat zuzubereiten, hat jeder. Zumindest jeder, der über einen gesunden Tagesplan und das dafür nötige Zeitmanagement verfügt. Weitere Hinweise zur herzgesunden Ernährung und der in diesem Zusammenhang empfohlenen mediterranen Kost finden Sie zum Beispiel in diesem Buch.
    Empfehlenswert kann auch die zusätzliche Einnahme pflanzlicher Wirkstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sein.
  • 10. Nehmen Sie an einer Herzsportgruppe teil. Aktiv sein ist gut, gezieltes körperliches Training noch besser. Natürlich können Sie das auch alleine, mit Freunden oder im Fitness-Studio machen. Zur Wieder- oder Erstaufnahme sportlicher Aktivität nach dem Infarkt-Ereignis bietet eine Herzsport-Gruppe allerdings einige Vorteile. Neben einem qualifizierten Übungsleiter ist dort stets auch ein Arzt zugegen. Das ganzheitlich ausgerichtete Trainingsprogramm umfasst über die Bewegung hinaus weitere gesundheitsbildende Maßnahmen. Die wöchentlichen Termine wirken als Motivationsstütze und bieten Austauschmöglichkeiten mit anderen Betroffenen. Es gibt mehrere tausend Herzsportgruppen in Deutschland. Die Teilnahme wird ärztlich verordnet und von der Kranken- oder Rentenversicherung je nach Krankheitsbild über 1-2 Jahre, eventuell auch noch länger, finanziell getragen. Hier erhalten Sie Informationen zu Herzsportgruppen in Ihrer Nähe. Machen Sie mit dem körperlichen Training in jedem Fall regelmäßig weiter. Wer neben der gesünderen Ernährung auch noch regelmäßig Sport treibt und nicht raucht, senkt sein Infarkt-Risiko um ganze 80%.
  • 11. Freuen Sie sich mindestens einmal am Tag über Ihr Leben und all das Schöne, das Sie heute erlebt haben. Denken Sie nicht nur an Ihr Herz. Kümmern Sie sich auch um Ihren Schlaf, Ihren Geist und Ihre Seele. Dass ein relevanter Teil der Betroffenen nach einem Herzinfarkt mit Depressionen zu kämpfen hat, ist bekannt. Die seelische Entgleisung vermindert nicht nur die Lebensqualität, sondern erhöht auch das Risiko für einen weiteren Infarkt um das Zwei- bis Dreifache. Entdecken Sie das Besondere im Alltäglichen. Das kann man lernen und üben. Nichts ist selbstverständlich, diese Erkenntnis dürfte Ihnen Ihr Herzinfarkt vermutlich vermittelt haben.

Noch ein Extra-Tipp: Vielen Menschen fällt es sehr schwer, sich im Alltag ausgewogen und vollwertig zu ernähren. Auch wenn nichts über eine gesunde Ernährung aus eigener Kraft geht, empfehlen wir als Ergänzung oft einen speziellen Gesundheitssaft, dessen Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Ein Löffel pro Tag deckt alle wichtigen Vitalstoffe und sekundären Pflanzenstoffe ab, eine Flasche reicht damit für etwa 50 Tage.

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Autor unseres Artikels
 
Dr. Hubertus Glaser, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gesundheit e.V. (DEUGE) und medizinischer Fachautor

Dr. Hubertus Glaser
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gesundheit e.V. (DEUGE) und medizinischer Fachautor

    Studium:
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Medizinischer Chefredakteur im wissenschaftlichen Springer-Verlag
  • freiberuflich als Entwickler, Berater und Publizist

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