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Welche Heilpflanzen helfen bei Wechseljahresbeschwerden?

Wie wirksam helfen pflanzliche Mittel bei Wechseljahresbeschwerden? Welche stehen zur Auswahl und woher genau kommt der Effekt? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema pflanzliche Mittel in den Wechseljahren beantworten wir im folgenden Beitrag.

Grundlagen

Wie wirken pflanzliche Mittel in den Wechseljahren?

Dass pflanzliche Wirkstoffe die Beschwerden während der Wechseljahre effektiv lindern können, ist weithin bekannt. Vor allem der Mönchspfeffer und die Traubensilberkerze haben es hier zu einiger Popularität gebracht und werden von vielen Ärzten als Alternative zu Hormontabletten empfohlen. Mittlerweile haben diese altbewährten Naturstoffe Gesellschaft bekommen.

Neue Entdeckungen

In den letzten Jahren wurde eine ganze Reihe an Heilpflanzen "neu entdeckt", die ebenfalls einen sehr positiven Einfluss auf die Wechseljahre zu haben scheinen. Wirklich neu entdeckt wurden sie natürlich nicht, aber ihre gesundheitlichen Effekte sind erst jetzt durch aktuelle wissenschaftliche Studien bekannt geworden.

Pflanzliche Mittel im Überblick

Welche Pflanze ist das richtige Mittel für mich?

Man hat also mittlerweile eine richtig große Auswahl an angebotenen Naturstoffen, wenn es um die Wechseljahre geht, jede Apotheke und jeder Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt etwas anderes.

Um in diesem Dickicht den Überblick zu bewahren, möchten wir Ihnen einige Heilpflanzen und deren Wirkung vorstellen, von denen wir uns selbst haben überzeugen lassen. Auch wenn die Studienlage nach wie vor unbefriedigend ist und es noch viel zu erforschen gibt, haben sie in zahlreichen Untersuchungen bereits gut abgeschnitten und können somit durchaus eine mögliche Alternative oder Ergänzung zur Hormonersatztherapie sein. Gerade bei leichteren Beschwerden sind sie oft hilfreich.

Folgende Mittel stehen zur Auswahl:

Hopfen und Mönchspfeffer

Was ist Mönchspfeffer?

Seine fliederartigen Blüten sind von blauer, weißer oder violetter Farbe und verströmen einen angenehmen Duft. Zu ihrem Namen kommt die Jahrtausende alte Heilpflanze durch ihre Verwendung in mittelalterlichen Klöstern, um den Mönchen und Nonnen das abstinente Leben zu erleichtern. Die Pflanze gilt nämlich als Lusttöter zur Bewahrung der Keuschheit.

Sinkt die Lust nach Sex nicht ohnehin schon in den Wechseljahren?

Keine Sorge, gleichzeitig wird ihr eine genau entgegengesetzte Wirkung nachgesagt. So wurde sie gerade auch zur Steigerung von Libido und Fruchtbarkeit herangezogen. Wie das funktionieren kann? Das liegt an den komplexen Eingriffen ins hormonelle System.

Der Mönchspfeffer beeinflusst den Prolaktinhaushalt. Prolaktin selbst ist vor allem für die Milchproduktion während der Stillzeit verantwortlich, interagiert aber auch mit zahlreichen weiteren Hormonen und Botenstoffen wie Östrogen und Dopamin.

Woher kommt die Wirkung?

Für die Wechseljahres- und andere Frauenbeschwerden ist letztlich die prolaktinsenkende Wirkung der Pflanze entscheidend. Darüber sorgt der Mönchspfeffer für einen Ausgleich von Östrogen- und Progesteronspiegel. Dadurch bessern sich die typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.

Hopfen: nicht nur zum Bierbrauen geeignet?

Vielleicht fragen Sie sich, wie Ihnen Hopfenblüten bei Ihren Beschwerden helfen sollen. Die Blüten des Echten Hopfen (Humulus lupulus) enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, die schon im frühen Mittelalter bekannt waren. Auch die Mystikerin und Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen wusste um die Wirkung der Staude.

Da ist etwa das antibakterielle Potential, das in den Bitterstoffen der Dolden steck. Diese Bitterstoffe regen aber auch den Magen an und können bei Verdauungsbeschwerden helfen. Auch zum Einschlafen und als Beruhigungsmittel findet der Hopfen Verwendung und ist als solches in der Kombination mit Baldrian vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte anerkannt.

Weshalb gerade in den Wechseljahren hilfreich?

All das könnte Ihnen bereits Erleichterung verschaffen. Interessant bei Wechseljahresbeschwerden sind die Hopfenblüten aber vor allem wegen ihren östrogenen Wirkung. Sie ist auf einen bestimmten Inhaltsstoff der Dolden, das Hopein, zurückzuführen, das zu den sekundären Pflanzenstoffen zählt.

Es wirkt als Agonist am Östrogenrezeptor. Das heißt, es besetzt die Bindungsstellen für Östrogene an den Zellen und verstärkt dort die Wirkung des Hormons. So kann der Östrogenmangel ein Stück weit ausgeglichen werden.


Traubensilberkerze: Eine Wurzel voller Wirkstoffe?

Nun zu einem weiteren populären Vertreter: Die amerikanische bzw. schwarze oder auch wilde Schlangenwurzel gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist in Nordamerika beheimatet. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Traubensilberkerze, da sie gestielte, traubenähnliche Blüten ausbildet, die sich um einen 10-60 cm langen Blütenstand herum winden, der kerzenförmig in die Höhe ragt.

Einfluss auf den Östrogenspiegel

Die guten und therapeutisch relevanten Inhaltsstoffe verbergen sich jedoch in der unscheinbaren Wurzel der Pflanze. Sie enthält Triterpenglykoside, die ähnliche Wirkungen wie Östrogene entfalten. Auch sie wirken indirekt über die Hormonankerstellen (Rezeptoren) an den Zellen und beeinflussen darüber den Östrogenspiegel.

Der Effekt tritt erst nach zwei bis vier Wochen ein und setzt eine regelmäßige Einnahme voraus. Dann kann der Extrakt aus der schwarzen Schlangenwurzel eine deutliche Linderung der Wechseljahresbeschwerden mit sich bringen.

Leinsamen, Aronia und Taurin

Leinsamen: kleine Samen, große Wirkung?

Leinsamen schmecken nicht nur gut in Brot oder Müsli und sorgen für eine reibungslose Verdauung und einen wohlgeformten Stuhl; auch in den Wechseljahren können sie betroffenen Frauen wertvolle Dienste leisten. Das liegt an bestimmten Pflanzenstoffen, den sogenannten Lignanen, die in den kleinen glänzenden Samen enthalten sind.

Lignane stecken auch in Hülsenfrüchten, Getreide, Beeren und Obst. Für die Pflanzen dienen diese Verbindungen der Abwehr von Erregern und Schadstoffen. Für den Menschen sind sie deshalb von Bedeutung, weil sie wiederum u.a. östrogenartige Wirkungen haben. Damit zählen auch sie zu den Phytohormonen, die den Hormonhaushalt ausgleichen können.

Auch über die Wechseljahre hinaus hilfreich?

Leinsamen und ihr wertvolles Öl sind aber nicht nur in den Wechseljahren eine gute Wahl. Die Saat des Flachses enthält große Mengen an ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die gut fürs Herz und die Gefäße sind und allgemein antientzündlich wirken.

Aronia: eine Beere für eine starke Abwehr?

Die Aroniabeere hat einen angenehmen süß-säuerlichen Geschmack und ist in der Küche vielfältig einsetzbar. Wer die dunkelrot-violetten Früchte regelmäßig zu sich nimmt, sorgt gleich mehrfach gut für sich und seinen Körper. Denn so klein sie auch sind, stecken die Beeren doch voller wertvoller Inhaltsstoffe:

Viele sekundären Pflanzenstoffe wie die Flavonoide:

Sie schützen den Körper vor Sauerstoffradikalen, beugen damit Entzündungen und zahlreichen Folgeerkrankungen vor und stärken darüber hinaus das Abwehrsystem.

Daneben finden aber auch noch allerlei lebensnotwendige Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente Platz in den kleinen runden Früchten. Das alles macht die gesundheitsfördernde, ausgleichende und belebende Wirkung aus, die vor allem auch Frauen in der hormonellen Umstellungszeit der Wechseljahre zu Gute kommt.

Wichtig für Herz und Nerven: Taurin?

Taurin ist eine Substanz, die vom Körper selbst hergestellt wird und im normalen Stoffwechsel anfällt. Die organische Säure findet sich vor allem in unseren Muskelzellen und ist dort wichtig für den Elektrolytfluss an den Zellmembranen. Auf diese Weise unterstützt sie die Herzfunktion.

Hilft Taurin außerdem noch?

Ja, Taurin ist auch für das Nervensystem wichtig und spielt außerdem eine entscheidende Rolle bei der Fettverdauung. Sein Job als Radikalfänger und Entzündungsregulator prädestiniert ihn schließlich wiederum als allgemeinen Muntermacher.


Piperin, ein idealer Kombinationspartner?

Essen Sie gerne scharf? Dann greifen Sie vielleicht hin und wieder zum Pfeffer. Verantwortlich für die Schärfe ist das Piperin, das darin enthalten ist. Das Alkaloid, eine stickstoffhaltige natürliche Verbindung, sorgt aber nicht nur für einen gepfefferten Geschmack, sondern wirkt ähnlich wie die Aroniabeere auch Entzündungen und oxidativem Stress entgegen. Außerdem sorgt es vermutlich dafür, dass andere Substanzen besser vom Körper aufgenommen werden und wirken können. Daher ist Piperin gerade in der Kombination mit anderen wertvollen Inhaltsstoffen sinnvoll, damit deren Wirkung erst richtig zur Geltung kommt.

Eine spezielle Heilpflanze oder alle zusammen?

All die genannten pflanzlichen bzw. natürlich vorkommenden Substanzen greifen entweder direkt in den weiblichen Hormonhaushalt ein und gleichen damit die unangenehmen Schwankungen und Veränderungen in den Wechseljahren aus; oder sie stärken den Körper insgesamt und tragen dadurch zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und möglichst frischen Zutaten decken Sie schon vieles davon ab.

Pflanzliche Mittel in Tablettenform

Manchmal kann es aber auch eine Erleichterung sein, das, was man braucht, zusätzlich und ganz gezielt einzunehmen. Im Prinzip können wir Ihnen jeden der genannten Naturstoffe empfehlen, ob nun aus der Apotheke oder einem seriösen Internet-Shop. Ein "Rundum-sorglos-Paket", in dem sie gleich mehrere dieser Heilpflanzen zu sich nehmen, wird auch von einigen Herstellern angeboten und ist aus unserer Sicht eine gute Wahl. Ein empfehlenswertes Produkt finden Sie zum Beispiel hier.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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Dr. med. Jörg Zorn

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Dr. med. Jörg Zorn
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