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Stammzelltransplantation

Wie läuft so eine Stammzelltransplantation ab? Welche Risiken hat diese Behandlung und wie geht es danach weiter? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag rund um das Thema Stammzelltransplantation.

Grundlagen

Stammzelltransplantation: Was ist das? 

Im Rahmen einer Stammzelltransplantation werden die aus dem Knochenmark gewonnenen Stammzellen von einem Spender entnommen und an einen Spender übertragen. Der Spender kann dabei dieselbe Person sein wie der Empfänger (autologe Transplantation), Spender und Empfänger können aber auch zwei verschiedene Personen sein (allogene Transplantation). Die allogene Stammzelltransplantation (SZT) ist die häufigste Transplantationsart, bei der weltweit nach Menschen mit ähnlichen Gewebemerkmalen gesucht wird. Neben der allogenen und autologen Stammzelltransplantation existiert noch eine dritte Transplantationsart, die sogenannte syngene Transplantation.

Zwei Formen: autologe und allogene Stammzelltransplantation

Was ist der Unterschied zwischen autologer und allogener Stammzelltransplantation?

Man spricht von autologer Stammzelltransplantation, wenn die Stammzellen von einem selbst stammen, also zum Beispiel zuvor entnommen und konserviert wurden. Bei der allogenen Stammzelltransplantation stammen die Zellen hingegen von einem Spender, also einer anderen Person.

Entsprechend gilt die autologe Stammzelltransplantion als deutlich sicherer in Bezug auf mögliche Abstoßungsreaktionen. Auf der anderen Seite scheinen die Stammzellen von "fremden" Spendern den Vorteil zu besitzen, dass sie evtl. verbliebene Leukämiezellen als "fremd" erkennen und abtöten.

Wann wird welche Stammzelltransplantation durchgeführt?

Es gibt verschiedene Erkrankungen, bei der eine der beiden Arten der Stammzelltransplantation als Behandlungsmethode durchgeführt werden kann:

Autologe Stammzelltransplantation als Reserve

Die autologe Stammzelltransplantation, bei der Spender und Empfänger dieselbe Person sind, kann zum Beispiel im Rahmen einer Hochdosis-Chemotherapie oder einer Bestrahlung notwendig werden: Muss aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie oder Bestrahlung durchgeführt werden, kann dies dazu führen, dass das körpereigene blutbildende System schwer geschädigt wird und sich nach Abschluss der Therapie nur mühevoll erholt. Um dem vorzubeugen, kann vor der Behandlung eine Knochenmarksentnahme erfolgen. Nach Abschluss von Chemo- und Strahlentherapie können die Stammzellen an den Spender zurückgegeben werden und so die Knochenmarksfunktion wiederherstellen. Durch die autologe Stammzelltransplantation können somit wesentlich aggressivere Chemotherapien durchgeführt und die Heilungschancen, insbesondere auch bei kindlichen bösartigen Tumoren, erhöht werden.

Allogene Stammzelltransplantation zur Krebsbehandlung

Die allogene Stammzelltransplantation, bei der Spender und Empfänger zwei verschiedene Personen sind, kommt vor allem bei verschiedenen Formen der Leukämie sowie bei bestimmten Lymphomformen zum Einsatz. Eine Fremdspende von Knochenmarkt wird dann benötigt, wenn das eigene Knochenmark selbst erkrankt ist, wie es beispielsweise im Rahmen einer akuten myeloischen Leukämie oder einer akuten lymphatischen Leukämie. Führen andere Behandlungsmethoden nicht zum Erfolg, kann die allogene Stammzelltransplantation die einzige Möglichkeit auf eine vollständige Heilung sein.

Welchen Vorteil haben fremde Stammzellen gegenüber den eigenen?

Bis vor kurzem dachte man, überhaupt keinen. Denn die "fremden" (allogenen) Stammzellen von Stammzellspendern bzw. die sich daraus entwickelnden weißen Blutkörperchen betrachten die Körperzellen des Empfängers – obwohl man bei der Auswahl des Spenderknochenmarks eine möglichst große Ähnlichkeit anstrebt – als fremd und greifen sie an: Zum Teil sehr gravierende Nebenwirkungen sind die Folge.

Dieses Problem besteht bei autologem Spendermaterial (eigene Knochenmarkzellen, die früher entnommen und konserviert wurden) natürlich nicht.

Neue Argumente für das "fremde" Knochenmark

Inzwischen aber verdichten sich die Hinweise, dass das "fremde" Knochenmark auch Vorteile hat. Offenbar ist es nämlich so, dass sich die Spenderzellen nicht nur gegen gesundes Körpergewebe richten. Sie bekämpfen auch die noch übrig gebliebenen Krebs-Zellen. Und das so effektiv, dass man mittlerweile davon ausgeht, dass die Erfolge einer allogenen Knochenmarktransplantation plus Hochdosis-Chemotherapie sehr viel stärker auf die Spenderzellen als auf die Chemotherapie zurückgehen.

Was bedeutet Graft-versus-Disease-Reaktion?

Graft-versus-Disease-Reaktion ist ein Fachbegriff aus der Transplantationsmedizin. Er bedeutet, dass das Spendermaterial nicht nur das fehlende eigene Gewebe ersetzt, sondern sich zusätzlich auch noch gegen die Ursachen der Erkrankung richtet (Graft = Transplantat ; versus = gegen ; disease = Krankheit).

Im Falle der Stammzelltransplantation bei Leukämie ist die Graft-versus-Disease-Reaktion ein erst vor kurzem entdecktes Phänomen. Das von einem Spender gewonnene Knochenmark scheint demzufolge drei Effekte zu haben (und nur die ersten beiden waren bekannt):

  • Ersatz der Stammzellen im Knochenmark zur Blutbildung
  • Nebenwirkungen wegen der Graft-versus-Host-Reaktion: Spenderzellen greifen auch Zellen des eigenen Körpers an
  • Aber nicht nur das: Sie greifen auch noch übrig gebliebene Leukämiezellen an. Und das ist dann die Graft-versus-Disease-Reaktion.

Wie gelangen die Stammzellen eigentlich ins Knochenmark?

Bei einer Stammzelltransplantation werden die Stammzellen gemeinhin in eine Armvene gespritzt. Von dort aus finden sie selbst ihren Weg zum Knochenmark. Erst dort siedeln sie sich an und beginnen sich zu vermehren.

Kriterien und Voraussetzungen

Welche Kriterien müssen für eine erfolgreiche Transplantation erfüllt sein? 

Um eine Fremdspende von Knochenmark erhalten zu können (allogene Stammzelltransplantation) muss zunächst ein kompatibler Spender gefunden werden. Hierfür werden bestimmte Gewebemerkmale an der Oberfläche von Körperzellen (sogenannte HLA-Merkmale) von Spender und Empfänger auf ihre größtmögliche Übereinstimmung untersucht. Je größer der Grad der Übereinstimmung zwischen den Gewebemerkmalen von Spender und Empfänger, desto geringer das Risiko einer Transplantatabstoßung (sogenannte Graft- versus- Host-Disease (GvHD)).

HLA-Merkmale: die Übereinstimmung mit dem Spender

Was sind HLA-Merkmale?

Bei den HLA-Merkmalen handelt es sich um Oberflächenstrukturen auf Körperzellen anhand derer das Immunsystem unterscheiden kann, ob es sich um körpereigenes oder fremdes Gewebe handelt. HLA-Merkmale werden von Vater und Mutter vererbt und kommen in einer so großen Vielfalt vor, dass auch innerhalb einer Familie nicht immer ein passender Spender gefunden werden kann. Je größer die Übereinstimmung der HLA-Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Transplantation. Umgekehrt sinkt mit zunehmender Unstimmigkeit der HLA-Merkmale auch die Chance auf eine erfolgreiche Transplantation, beziehungsweise steigt das Risiko für eine Abstoßung.

Muss die Blutgruppe für eine erfolgreiche Spende übereinstimmen?

Entgegen der weitverbreiteten Meinung muss für eine erfolgreiche Spende keine Übereinstimmung der (AB0-)Blutgruppen vorliegen. Durch die Transplantation kommt es beim Empfänger zu einer Zerstörung des gesamten blutbildenden Systems, das anschließend durch die Stammzellen Spenders neu aufgebaut wird. Nach einer erfolgreichen Transplantation hat der Empfänger demnach immer die Blutgruppe des Spenders, die die eigne ersetzt.

Was passiert, wenn HLA-Merkmale von Spender und Empfänger nicht zusammenpassen?

Bei einer vollständigen Unstimmigkeit in den HLA-Merkmalen, dem sogenannten HLA-Missmatch, wird in der Regel keine Transplantation durchgeführt. Passen die HLA-Merkmale nur teilweise zusammen, kann unter bestimmten Voraussetzungen dennoch eine Transplantation erwogen werden. Nicht komplett zueinander passende Merkmale bergen aber das Risiko einer GvHD (Graft-versus-Host-Disease). Im Rahmen dieser Abstoßungsreaktion wenden sich die transplantierten Spenderzellen gegen die Organe des Empfängers und bekämpfen diese. In leichten Verläufen einer GvHD können Medikamente eingesetzt werden, um die Abstoßungsreaktion in Schach zu halten. In schweren Verläufen kann eine GvHD aber auch zu Organschäden bis hin zum Tod des Empfängers führen. Aus diesem Grunde sollten Spender und Empfänger eine möglich große Übereinstimmung in ihren Gewebemerkmalen aufweisen.

Spendersuche

Welcher Spender passt zu mir? 

In den meisten Fällen kommen bei einer allogenen Stammzelltransplantation enge Verwandte als Spender infrage. Geschwister haben mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 % dasselbe HLA-Oberflächenprofil und können damit oftmals die Stammzellspende übernehmen. Obwohl eine Spende innerhalb der Familie die einfachste und schnellste Variante der Stammzellspende ist, lässt sich für viele Erkrankte kein passender Familienspender finden. Für diese Situationen gibt es seit vielen Jahren Datenbanken, etwa die deutsche Knochenmarksspende (DKMS), die HLA-Merkmale von freiwilligen Spendern erfassen, speichern, verwalten und im Fall einer Übereinstimmung vermitteln.

Wie lange dauert die Suche nach einem passenden Spender?

Am Beginn der Suche nach einem passenden Stammzellspender steht die Typisierung enger Verwandte wie beispielsweise der Geschwister. Kommen Geschwister als Spender infrage, dauert die Suche meist nur wenige Tage bis Wochen. Muss ein Spender weltweit über entsprechende Datenbanken gesucht werden, kann sich die Suche auch über einige Monate hinziehen.

Wichtige Fragen für Spender

Wie wird man Stammzellspender?

Wer interessiert ist, Stammzellspender zu werden, kann sich an eine der weltweit zahlreichen Organisationen (wie etwa Deutsche Knochenmarkspende (DKMS), Deutsche Stammzellspenderdatei) wenden und typisieren lassen. Auch im Rahmen einer Typisierungsaktion kann eine Registrierung als Spender erfolgen. Für die Registrierung wird entweder eine kleine Blutprobe (2-10 ml) oder ein Schleimhautabstrich von der Wangeninnenwand gewonnen, und anschließend an ein Labor geschickt. Dort werden die wichtigsten Gewebemerkmale bestimmt. Neuerdings kann ein Wangenabstrich auch online angefordert und von zu Hause aus durchgeführt werden.

Die ermittelten Gewebemerkmale werden zusammen mit Namen, Anschrift und Telefonnummer des freiwilligen Spenders in der Datenbank der jeweiligen Organisationen gespeichert. Durch Typisierung und Registrierung in einer Spendendatenbank ist man nicht verpflichtet, später tatsächlich auch zu spenden.

Kann der Spender sein Einverständnis zur Spende zurückziehen?

Ja, grundsätzlich kann jeder Spender bis kurz vor knapp von seiner Spendenbereitschaft Abstand nehmen. Allerdings gilt es dabei zu bedenken, dass viel Zeit und Geld in die Spendersuche investiert wird und der Empfänger durch ein Zurücktreten von der Spende wichtige Zeit verliert, die unter Umständen auch sein Todesurteil bedeuten kann.

Verläuft eine Stammzellspende anonym?

Ja, während des gesamten Transplantationsvorgangs kennen Spender und Empfänger die Identität des jeweils anderen nicht. Allerdings kann der Spender circa acht Wochen nach erfolgreicher Transplantation Kontakt zur Spenderdatei aufnehmen, um den Gesundheitszustand des Empfängers zu erfragen. Der Kontakt zwischen Spender und Empfänger ist in der Regel erst dann möglich, wenn das Transplantat erfolgversprechend angewachsen ist, womit etwa nach sechs bis acht Wochen nach der Transplantation zu rechnen ist. Ein Austausch kann anfänglich nur anonym per Brief über die Spenderdatei beziehungsweise das Transplantationszentrum erfolgen. Stimmen Spender und Empfänger zu, kann in Deutschland nach Ablauf einer zweijährigen Frist ein persönliches Kennenlernen arrangiert werden. Dies geht jedoch nur, wenn beide Parteien einem Kennenlernen zustimmen. In anderen Ländern gelten andere Fristen für ein persönliches Kennenlernen, in manchen Ländern erfahren Spender und Empfänger ihre Identität niemals.

Was passiert, wenn ein passender Spender gefunden wurde?

Kann innerhalb eines internationalen Spenderregisters ein passender Spender gefunden werden, wird dieser zunächst kontaktiert und um seine Einwilligung zur Spende gebeten. Gibt er diese, so werden anschließend erneut seine Gewebemerkmale getestet (sogenannter Bestätigungstest). Anschließend wird anhand eines medizinischen Fragebogens sowie einer virologischen Untersuchung überprüft, ob der Spender auch tatsächlich als solcher infrage kommt. Beispielsweise kann ein Spender, der sich zwischen Registrierung und Spende mit HIV infiziert hat, nicht spenden. Es müssen alle Risikofaktoren ausgeschlossen werden, die Spender oder in Empfänger gefährden könnten.

Zahlen und Fakten

Wie viele Stammzell-Spender gibt es?

In Deutschland gibt es mittlerweile 8.912.600 registrierte Spender, weltweit sind es sogar 35.944.251 (Stand: 2019)

Findet sich für jeden Patienten eine geeignete Fremdspende?

Nein. Obwohl es mithilfe internationaler Spenderregister heute möglich ist, überall auf der Welt einen passenden Spender zu finden, findet sich nicht für jeden Patienten der geeignete Spender. Durch die steigende Zahl an Typisierungen, ist es heute aber möglich, für über 70 % aller suchenden einen geeigneten Spender zu finden.

Wer kommt für die Kosten einer Stammzellspende auf?

In Deutschland ist es so geregelt, dass der Spender alle Auslagen, die dem Zweck der Spende dienen, erstattet bekommt. Dies schließt nicht nur die Fahrtkosten zu Untersuchungen sowie der Spende selbst mit ein, sondern auch den Verdienstausfall, der durch die Spende geschieht. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer den normalen Lohn weiter bezahlt bekommt, und der Arbeitgeber die durch den Ausfall entstandenen Kosten bei der jeweiligen Spenderdatei in Rechnung stellen kann.

Stammzellgewinnung

Welche Methoden der Stammzellgewinnung gibt es?

Mit den heutigen Möglichkeiten der Wissenschaft gibt es drei Möglichkeiten, um Stammzellen für eine Transplantation zu gewinnen. Das sind:

Wie verläuft die klassische Knochenmarkspende?

Die klassische Methode um Stammzellen zu gewinnen, ist die Knochenmarkspunktion mit Entnahme von Knochenmark. Da eine Knochenmarkspunktion sehr schmerzhaft ist, wird sie in der Regel in Vollnarkose durchgeführt und beträgt eine Dauer von etwa 1,5 Stunden. Bei dem Eingriff wird aus dem Beckenkamm mit Hilfe einer speziellen Punktionsnadel etwa 1 l rotes Knochenmark entnommen. Richtigerweise handelt es sich dabei um ein Knochenmark-Blut-Gemisch, aus dem anschließend Stammzellen isoliert, aufgereinigt und für die Transfusion vorbreitet werden.

Da der Verlust von einem Liter rotes Knochenmark zu einer Blutarmut beim Spender führen kann, bekommt dieser für die Wochen nach der Spende Eisentabletten zur Anregung der Blutbildung verordnet. Beim gesunden Menschen regeneriert Knochenmark innerhalb von 2-3 Wochen. 

Wie läuft die periphere Blutstammzellspende ab?

Eine etwas neuere Methode der Stammzellengewinnung ist die sogenannte periphere Blutstammzellspende (Stammzellapherese). Bei dieser Art der Stammzellspende werden dem Spender Stammzellen über die Vene entnommen, indem sie mit Hilfe eines speziellen Verfahrens aus dem Blut herausgefiltert werden. Da sich im peripheren Blut normalerweise kaum Stammzellen befinden, wird in Vorbereitung auf die Stammzellspende das Wachstumshormon G-CSF verabreicht. Dieses bewirkt, dass im Knochenmark vermehrt Stammzellen gebildet und ins periphere Blut freigesetzt werden.  Die Stammzellspende selbst erfolgt mit Hilfe einer sogenannten Apheresemaschiene, die dem Spender in einem ersten Schritt Blut über einen Venenkatheter entzieht und zentrifugiert. durch den Prozess des Zentrifugierens werden die Blutbestandteile nach ihrer Dichte aufgetrennt und die Blutstammzellen anschließend abgesaugt. Im zweiten Schritt werden die einzelnen Blutbestandteile wieder miteinander gemischt und über einen zweiten Venenkatheter an den Spender zurückgeführt. Ähnlich einer Dialyse nimmt die Filtration des Blutes sowie die Entnahme der Stammzellen etwa 3-4 Stunden Zeit in Anspruch.

Risiken: selten, aber möglich

Welche Risiken entstehen für den Spender?

Da auch die Stammzellspende ein medizinischer Eingriff ist, muss dem Spender vor der Spende genügend Zeit eingeräumt werden, um sich mit Risiken und Nebenwirkungen einer Stammzellspende beziehungsweise dem invasiven Eingriff der Knochenmarkspunktion oder dem Narkoserisiko auseinanderzusetzen. Außerdem findet vor jeder Stammzellspende eine umfassende Gesundheitsprüfung statt, um mögliche Komplikationen sowohl für den Spener als auch den Empfänger zu vermeiden.

Obwohl bei diesem Eingriff einige Gefahren bestehen, gilt die Stammzelltransplantation generell als risikoarmes Verfahren.

Welche Folgen kann die Knochenmarksspende haben?

Die Knochenmarkspunktion mit Entnahme von Stammzellen ist ein sehr gut erprobtes Verfahren mit wenigen Risiken oder Nebenwirkungen. Nach einer Knochenmarkspunktion kann es zu leichten Schmerzen sowie blauen Flecken (Hämatomen) im Bereich der Einstichstelle kommen. Weiterhin kann durch die Entnahme von rotem Knochenmark eine Blutarmut erzeugt werden, die zu Abgeschlagenheit Müdigkeit und Blässe führen kann. Durch die Einnahme von Eisenpräparaten unmittelbar nach der Stammzellentnahme wird die Blutbildung unterstützt, sodass das Knochenmark innerhalb von 2-3 Wochen regeneriert.

Die durchgeführte Narkose kann vorübergehend zu Übelkeit, Halskratzen und Mattigkeit führen. Das Risiko für ernsthafte Komplikationen durch Narkose oder Punktion liegt bei etwa 2%, wobei sich laut Studien über 99% aller Spender vollständig erholen. Eine genaue Aufklärung über alle möglichen Komplikationen und Risiken erhalten sie vor dem Eingriff im Krankenhaus mit ausreichend Bedenkzeit.

Kann eine Stammzellspende tödlich enden?

Todesfälle durch eine Stammzellspende bzw. nach Knochenmarkspunktion sind eine absolute Rarität und kommen praktisch nie vor. Auch eine Erhöhung der Krebsraten gegenüber der Normalbevölkerung konnte nach dem Eingriff nicht festgestellt werden.

Was sind die Risiken einer peripheren Blutstammzellspende?

Durch die Gabe des Medikamentes G-CSF ab ca. 1-2 Wochen vor der Blutstammzellspende zur Mobilisation der Stammzellen aus dem Knochenmark, kommt es in etwa der Hälfte der Fälle zu grippeartigen Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlaflosigkeit. Nach dem Absetzen des Medikaments verschwinden die Symptome in der Regel innerhalb von vier Wochen vollständig. Auch Knochenschmerzen, die im Rahmen der Behandlung auftreten können, gehen meist innerhalb einer Woche nach der Spende zurück. In seltenen Fällen (etwa 2 % der Spender) bleiben Knochenschmerzen auch nach einem Jahr bestehen, wobei diese in der Regel mit freiverkäuflichen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol gut behandelbar sind.

Auch bei der peripheren Stammzellspende konnte eine Erhöhung der Krebsraten gegenüber der Normalbevölkerung über einen Zeitraum von 8-10 Jahren nach dem Eingriff nicht festgestellt werden.

Kann jeder Stammzellen spenden?

Nein, generell sollte ein Spender gesund sein und ein gewisses Alter nicht überschritten haben. Aus diesem Grund wird vor jeder möglichen Spende eine umfassende Gesundheitsprüfung durchgeführt, die mögliche Risiken der Transplantation sowohl für den Spender als auch für den Empfänger gering halten soll. Gründe, die zu einem Ausschluss von der Spende führen können sind beispielsweise:

Wie werden die Stammzellen bei einer Knochenmarkspende "gelagert"?

Das entnommene Knochenmark oder die aus dem Blut herausgewaschenen Stammzellen (heute weitaus häufiger) werden bis zur Weitergabe an den Empfänger tiefgefroren. Nicht in einem herkömmlichen Drei-Sterne-Eisfach, sondern in flüssigem Stickstoff. Temperatur: minus 192 Grad Celsius.

Stammzelltransplantation

Wie werden Stammzellen übertragen?

Nach der Stammzellentnahme beim Spender werden die aufgereinigten Stammzellen dem Empfänger üblicherweise über einen Venenzugang (intravenös) übertragen. Sind die Spenderstammzellen im Körper angelangt, nehmen sie ihre Arbeit von allein auf. Ärzte und Empfänger müssen abwarten und sehen, wie gut und schnell das neue Knochenmark und welche Nebenwirkungen auftreten, auf die es zu reagieren geht. Vor der Übertragung von Stammzellen auf den Empfänger erfolgt jedoch die sogenannte Konditionierung.

Vorbereitung und Ablauf

Was passiert in Vorbereitung auf die Stammzellübertragung?

Während der sogenannten Konsolidierungsphase erhält der Empfänger in Vorbereitung auf die Übertragung von Stammzellen eine Hochdosis-Chemotherapie sowie in vielen Fällen auch eine Ganzkörperbestrahlung. Dadurch sollen alle bösartigen Zellen ausgerottet und das körpereigene Immunsystem auf Null heruntergefahren werden. Zwangsläufig verbunden ist mit dieser Therapie auch die Zerstörung des körpereigenen Knochenmarks, weswegen man die Konditionierung auch als myeloablativ, also knochenmarkszerstörend, bezeichnet. Je gründlicher die Konditionierung desto geringer das Risiko eines Rückfalls. Allerdings steigen mit höheren Dosen an Chemo- und Strahlentherapie auch die Nebenwirkung. In welcher Intensität die Vorbehandlung auf eine Stammzelltransplantation stattfinden soll, entscheiden Ihre behandelnden Ärzte anhand unterschiedlicher Faktoren.

In der Regel bleibt nach der Konditionierung immer ein kleiner Rest des alten Knochenmarks bestehen. Dieses wird nach Stammzelltransplantation von dem Immunsystem des Spenders angegriffen und zerstört, sodass im besten Falle auch der Ursprung einer bösartigen Erkrankung besiegt wird. Während die eigentliche Transplantation relativ unaufwendig und unspektakulär abläuft, ist die Vorbereitung auf die Stammzellenspende eine sehr kritische Phase.

Warum muss man sich auch bei einer Stammzelltransplantation einer Chemotherapie unterziehen?

Die Frage ist berechtigt, denn eigentlich gilt die Stammzelltransplantation ja als Alternative zur Chemotherapie. Sogar als bessere Alternative, weil sie im Gegensatz zur Chemotherapie eine komplette Heilung bewirken kann. Trotzdem ist eine Chemotherapie auch bei der Stammzelltransplantation zwingend notwendig. Und das sogar hochdosiert, also auch mit der maximalen Wahrscheinlichkeit an Nebenwirkungen. Der Grund: Damit sich die neuen, gespendeten Stammzellen im Knochenmark ansiedeln und dort neue Blutzellen produzieren können, müssen erst alle kranken Leukämie-Blutzellen beseitigt werden. Denn auch die sitzen ja im Knochenmark, also dort, wo sich die neuen Stammzellen niederlassen sollen. Neben dem Platzproblem würde ein Verbleiben "alter" Leukämie-geschädigter Blutzellen zudem zur Folge haben, dass die sich auch weiter vermehren.

Neue Stammzellen brauchen leergefegtes Knochenmark

Es ist also eine unbedingte Voraussetzung, vor der Stammzelltransplantation eine Hochdosis-Chemotherapie durchzuführen. Und zwar unmittelbar zuvor, das heißt, sobald mit der Chemotherapie vermeintlich alle "alten" Blutzellen vernichtet worden sind, müssen direkt die Stammzellen infundiert werden. Sonst entstünde eine lebensgefährliche Versorgungslücke. Selbst so ist dieser vorherige "Reinemacheprozess" nicht ohne Risiko und der Hauptgrund dafür, dass eine Stammzelltransplantion gründlich geplant werden muss und nur für Patienten in Betracht kommt, die körperlich in relativ stabilem Zustand sind.

Bis die neuen Stammzellen ihr neues Zuhause im Knochenmark so angenommen haben, dass sie für eine komplett ausreichende Blutzellproduktion sorgen, können drei bis sechs Wochen vergehen.

Warum muss man während einer Knochenmarktransplantation auf die Isolierstation?

Um sich vor schweren Infektionen zu schützen. Denn die körpereigene Abwehr wird durch die der Knochenmarktransplantation vorgeschaltete Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung praktisch schachmatt gesetzt. In den Tagen vor und nach der Stammzelltransplantation ist damit jeder herumfliegende Keim extrem gefährlich.

Auf die Chemotherapie und Bestrahlung, die an dieser zeitweisen Abwehrschwäche schuld sind, kann aber leider nicht verzichtet werden. Im Gegenteil: Sie sind obligatorischer Bestandteil der Knochenmarktransplantation. Denn damit die neuen Blutstammzellen wirklich eine Heilung herbeiführen können, müssen möglichst alle alten und Leukämie-kranken weißen Blutkörperchen vernichtet werden. Und das bringt das Immunsystem in der akuten Behandlungsphase komplett zum Erliegen.

Keime ausschließen, so gut es geht

Auch auf der Isolierstation ist das Infektionsrisiko nicht gänzlich ausgeschlossen, denn Keime kann es sogar hier geben. Aber zumindest ist die Gefahr deutlich reduziert, weil diese Räumlichkeiten höchstmöglich steril gehalten werden. Für Besucher bedeutet das, dass sie, wenn überhaupt, nur mit Schutzkleidung zum Patienten dürfen.

Mit dem Problem der verminderten Immunabwehr hat man leider auch nach dieser Akutphase noch zu kämpfen, wenn auch nicht mehr so dramatisch, dass man auf die Isolierstation müsste. Aber die Medikamente, die man zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen einnehmen muss, reduzieren ebenfalls die Abwehrkraft des Körpers. Erst nach etwa einem Jahr ist die erhöhte Infektionsgefahr halbwegs überstanden.

Was passiert im Anschluss an die Transplantation?

Unmittelbar nach der Transplantation beginnt eine etwa zehntägige Phase, die sogenannte Aplasiephase, in welcher die Blutzellen aller Zellreihen stark absinken. Erst nach etwa zehn Tagen beginnen sich aus den transplantierten Stammzellen neue Blutzellen zu bilden. Während rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) transfundiert werden können, um den Körper beim Wiederaufbau der Blutzellen zu unterstützen, muss bei den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) abgewartet werden, bis das Spendergewebe angewachsen ist und eigenständig Leukozyten produziert.

Die Aplasiephase ist aus diesem Grund eine sehr kritische Phase. Der Organismus besitzt keinerlei Immunsystem, sodass auch kleinere Infektionen potenziell tödlich enden können. Aus diesem Grund ist eine sehr strenge Hygiene lebensnotwendig. Diese kann vielfach nur im Krankenhaus in eigens dafür vorgesehenen Isolationszimmern eingehalten werden. Neben der gründlichen Händedesinfektion sowie dem Tragen von Mundschutz und Kittel, gehört zur Einhaltung der Hygiene auch eine bestimmte Ernährung die beispielsweise Rohkost und Salat ausschließt. Außerdem sind gegebenenfalls prophylaktische Antibiotikagaben notwendig. Beginnt die Blutbildung des Spenderknochenmarks wie gewünscht, ist eine Entlassung aus dem Krankenhaus 3-4 Wochen nach der Transplantation mit einem neuen, voll funktionsfähigen Immunsystem in der Regel möglich.

Welche Risiken entstehen für den Empfänger?

In allen Phasen der Transplantation kann es zu Komplikationen kommen, die mitunter schwerwiegend bis lebensbedrohlich sind. Aus diesem Grund ist die Stammzelltransplantation nie das Verfahren der ersten Wahl, sondern wird erst dann eingesetzt, wenn andere Therapiemethoden versagt haben. Komplikationen können sowohl im Rahmen der Chemotherapie beziehungsweise der Ganzkörperbestrahlung entstehen als auch in Form von Infektionen oder einer Transplantatabstoßung.

Welche Nebenwirkungen hat die Stammzelltransplantation?

Die bedeutendste Nebenwirkung der Stammzelltransplantation ist die stark verringerte Immunabwehr. Daran schuld ist gar nicht die Einschleusung der neuen Stammzellen, sondern die vorherige, hochdosierte Chemotherapie und Strahlentherapie. Auch wenn das Immunsystem vor allem in dieser akuten Behandlungsphase stark beeinträchtigt ist, hat man mit dem Grundproblem noch etwas länger zu tun. Denn in den Wochen und Monaten nach der Stammzelltransplantation müssen starke Immunblocker eingenommen werden, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Und auch diese Medikamente reduzieren die körpereigene Abwehr.

Unfruchtbarkeit leider kaum zu vermeiden

Darüber hinaus kann die Stammzelltransplantation auch diverse Spätfolgen haben, die durchaus gravierend sind. So werden Frauen durch die hochdosierte Chemotherapie sehr häufig dauerhaft unfruchtbar. Weitere mögliche Folgen sind ein verfrühter Beginn der Wechseljahre, ein grauer Star (Linsentrübung), der aber operiert werden kann, und mitunter sogar spätere, andere Krebserkrankungen.

Allerdings darf man bei alldem eines nicht vergessen: Die Stammzelltransplantation kann das Leben retten und beispielsweise bei einer Leukämie eine vollständige Heilung ermöglichen.

Welche Infektionen können während einer Stammzelltransplantation auftreten? 

Besonders die Phase unmittelbar nach der Stammzelltransplantation, in der die Spenderzellen noch keine eigenen Abwehrzellen produzieren und das körpereigene Knochenmark bereits zerstört wurde (Aplasiephase), ist kritisch. In dieser Phase können selbst harmlose Infektionen wie ein Schnupfen oder eine Erkältung tödlich verlaufen.

Aus diesem Grund wird bei den kleinsten Anzeichen einer Infektion, beispielsweise wenn Fieber auftritt, sofort mit Medikamenten gegen Bakterien (Antibiotika), Viren (Virustatika) oder Pilzen (Antimykotika) behandelt. Auch prophylaktische Gaben der genannten Medikamentengruppen sind möglich.

Abstoßungsreaktion

Warum kommt es manchmal zur Abstoßungsreaktion?

Bei der Stammzelltransplantation kann es zu zwei Formen der Transplantatabstoßung kommen.:

Übrig gebliebene Zellen greifen die neuen Zellen an

Einmal ist es möglich, dass sich die Reste des körpereigenen Immunsystems gegen die transplantierten Stammzellen richten und zu einer Abstoßungsreaktion führen. Diese Form der Transplantatabstoßung tritt bei jedem 20. bis jeden 5. Patienten auf uns wird mittels immunsuppressiver Therapie behandelt.

Neue, fremde Zellen greifen die eigenen Organe an

Die zweite Form der Transplantatabstoßung, die nur nach allogener Stammzelltransplantation auftreten kann, beruht auf dem umgekehrten Fall: Die transplantierten Zellen des Spenders wenden sich gegen das Gewebe des Empfängers. Diese sogenannte Graft-versus-Host-Disease (GvHD) kann in akuter und chronischer Form auftreten und wird ebenfalls mit der Unterdrückung des Immunsystems, durch Immunsuppressiva, therapiert.

Wie äußert sich eine Transplantatabstoßung?

Die GvHD kann in zwei unterschiedlichen Formen auftreten bzw. sich zu verschiedenen Zeitpunkten bemerkbar machen:

akute GvHD: die akute GvHD tritt durchschnittlich in den ersten 100 Tagen nach allogener Transplantation auf und führt typischerweise zu folgenden Symptomen:

  • Durchfall
  • Unwohlsein und Abgeschlagenheit
  • Hautausschlag (Exanthem) mit Blasenbildung
  • Erhöhung der Bilirubinwerte als Zeichen einer Leberschädigung

chronische GvHD: die chronische Transplantatabstoßung tritt nach mehr als 100 Tagen nach Transplantation auf und äußert sich hauptsächlich durch:

  • Verringerung der Speichel- und Tränenproduktion (Sicca-Syndrom)
  • Hautveränderungen mit erhöhtem Risiko für Hautkrebs
  • Veränderung anderer Organe wie Magen, Darm, Nerven, Atemwege, Muskeln

Die chronische GvHD muss dabei nicht zwangsläufig aus einer akuten Form hervorgehen, sondern kann sich auch eigenständig entwickeln. Um die Diagnose zu sichern muss beim Verdacht auf eine GvHD eine Gewebeprobe entnommen werden. Bestätigt sich der Verdacht, wird mit einer immunsuppressiven Therapie beispielsweise mit Cyclophosphamid begonnen, um die Abstoßungsreaktion in Schach zu halten.

Quellen:

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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