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Resveratrol: Wirkung und Nebenwirkungen

Resveratrol ist der Stoff, der den Rotwein so gesund macht. Oder so gesund machen soll, denn wie bei allen Naturstoffen wird auch hier heftig debattiert, was die Wirkung von Resveratrol angeht. Alle wichtigen Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Überblick

Was ist dran am Mythos Resveratrol?

Was wird ihm nicht alles nachgesagt, dem guten Tropfen aus den roten Weintrauben! Schon in der Antike spielte der Trank eine große Rolle – nicht nur als Genussmittel, sondern auch bei Festen und rituellen Zeremonien. Doch was ist wirklich dran an dem Mythos, der sich von alters her um die Weinreben rankt?

Wie nah die wohltuende Wirkung des Weines und seine gefährliche Kehrseite beieinanderliegen, wussten schon die Griechen in der Antike. Der für den Wein zuständige Dionysos war sowohl ein Gott der Freude und der Fruchtbarkeit als auch des Rausches, des Wahnsinns und der Ekstase.

Dass Alkohol im Übermaß schädlich ist, wissen wir auch heute und können es, wenn auch etwas nüchterner als etwa bei Homer, in entsprechenden Studien nachlesen. Was aber hat es mit der ebenfalls wissenschaftlich propagierten schützenden Wirkung des Rotweins und den zahlreichen ihm zugeschriebenen Effekten auf Herz und Gefäße auf sich?

Resveratrol: hilfreicher Stoff aus der Natur

Wozu brauchen Pflanzen eigentlich Resveratrol?

Eine berechtigte Frage. Die Pflanzen, in denen Resveratrol enthalten ist, nutzen ihn zur Abwehr von Mikroorganismen, Parasiten und Pilzinfektionen, die besonders bei feuchter Witterung drohen. In Rebstöcken wird das Resveratrol vor allem in den Blättern und Beerenschalen gebildet, und zwar bei einem Befall mit falschem Mehltau oder dem Schimmelpilz Botrytis (Edelfäule).

Auch anderer Stress, beispielsweise UV-Strahlung oder ein Temperaturschock durch Hitze oder Kälte, erhöht die Produktion des Polyphenol-Abkömmlings.

Übrigens: Bio-Rebstöcke enthalten mehr Resveratrol, da sich die Weinpflanzen hier ohne fremde (Pestizid-) Hilfe gegen Schädlinge zur Wehr setzen müssen.

Gibt es dann nicht noch mehr wirkungsvolle Stoffe aus den Pflanzen?

Neben dem Resveratrol gibt es noch weitere pflanzliche Naturstoffe, die entzündungshemmend wirken. Zusammen werden sie als Phytoalexine bezeichnet. Unmittelbar nach einer Infektion produziert die betroffene Pflanze sie in größeren Mengen, um der Ausbreitung, dem Wachstum und der Vermehrung der Eindringlinge entgegenzuwirken.

Resveratrol gilt mit einer Reihe anderer natürlicher Substanzen als Aktivator der Sirtuine, einer Gruppe von Enzymen, die an zahlreichen biochemischen Prozessen beteiligt sind. Es handelt sich dabei um sogenannte Histon-Deacetylasen, die durch biochemische Reaktionen DNA-Abschnitte stilllegen und so die Aktivität der dort codierten Enzyme regulieren.

Schutz vor Parkinson, Alzeimer & Co.

Darunter befinden sich auch Enzyme, die für die Entstehung altersbedingter Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Alzheimer-Demenz oder Diabetes mellitus II eine entscheidende Bedeutung haben. Sirtuine beeinflussen allgemein den Zellstoffwechsel und die Alterungsprozesse, indem sie die Zellteilung verlangsamen und den Zelluntergang verzögern und so die Lebensdauer der Zelle verlängern.

Resveratrol als Ansatz für neue Medikamente?

Dieser Ansatz ist gut möglich. Die gezielte Anregung der Sirtuine durch Resveratrol oder synthetisch hergestellte Analoga könnte zukünftig für die Entwicklung neuer Medikamente gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder die Amyotrophe Lateralsklerose und in der Krebsbehandlung einen neuen Therapieansatz bieten.

Wissenswertes zu Resveratrol

Wirkt Resveratrol lebensverlängernd?

Nein, nach heutigem Kenntnisstand ist durch die Einnahme von Resveratrol beim Menschen keine Lebensverlängerung zu erwarten. Experimentelle Tests mit Mikroorganismen verliefen zwar erfolgreich; eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf höhere Lebewesen und speziell auf den Menschen ist jedoch bislang nicht nachgewiesen.

Ist Resveratrol nur im Wein enthalten?

Nein, erfreulicherweise findet sich Resveratrol außer in Weintrauben in einer ganzen Reihe weiterer pflanzlicher Lebensmittel. Etwa in Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen und Erdnüssen. Das bedeutende amerikanische „National Cancer Institute“ hat sogar in über 70 Pflanzenarten Resveratrol nachgewiesen.

Rot, weiß oder doch lieber Rosé?

Im Wein liegt Resveratrol aber besonders hoch konzentriert vor. Da hat tanninreicher Rotwein mit bis zu 12 mg/l die Nase vorn. Die Konzentrationen in Weißwein und Rosé fallen niedriger aus. In frischem rotem Traubensaft liegt die Obergrenze des Resveratrol-Gehalts nochmals tiefer bei 1,1 mg/l. Im weißen Traubensaft gar nur bei 0,2 mg/l.

Gibt es Resveratrol auch als Tablette?

Nun ist die Resveratrol-Aufnahme über Weingenuss aber aus mehreren Gründen limitiert. Es gibt jedoch auch noch eine weitere Quelle auf dem Markt, in der das begehrte Resveratrol zu finden ist: Nahrungsergänzungsmittel. Nicht ganz so wohlschmeckend wie ein guter Tropfen, zugegeben. Aber eine sichere Sache, wenn der Hersteller bekannt und seriös ist.

Wirkung auf Herz und Gefäße

Woher kommen die schützenden Effekte von Resveratrol?

Die entzündungshemmende Wirkung von Resveratrol ist schon länger bekannt. Jüngst haben Forscher einen konkreten Wirkmechanismus dafür entdeckt. Der Naturstoff, der v.a. im Rotwein, aber auch diversen Beeren enthalten ist, unterdrückt die Bildung von Entzündungsfaktoren. Wie das genau vor sich geht, ist etwas kompliziert, aber interessant.

Herstellung von Entzündungs-Botenstoffen wird behindert

Resveratrol ist chemisch ein Polyphenol-Abkömmling. Der Naturstoff dockt sich im Körper an ein Protein mit dem vertrauenserweckenden Namen KSRP (KH-type splicing regulatory protein) an und aktiviert es dabei. KRSP wiederum hat im Körper die Aufgabe, Entzündungsreaktionen zu unterdrücken. Das tut KSRP indem es die Herstellung mehrerer Entzündungs-Botenstoffe blockiert. Genauer gesagt behindert KSRP bei der Eiweißsynthese dieser Botenstoffe die Übersetzung von DNA in RNA. Werden diese Entzündungsstoffe nicht gebildet, können sie auch keine chronischen Entzündungsprozesse unterhalten.

Für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall spielen solche Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle. Entsprechend groß sind die therapeutischen Hoffnungen, die in den Naturstoff Resveratrol gesetzt werden.

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Resveratrol für Herz und Gefäße

Wie schützt Resveratrol vor Arteriosklerose und Herzinfarkt?

Das liegt vor allem an der antioxidativen Wirkung von Resveratrol. So verringert es das Risiko einer entzündlichen Veränderung der Gefäßwände. Resveratrol schützt unter anderem LDL-Cholesterin vor Oxidation. Oxidiertes LDL-Cholesterin wiederum gilt als ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Arteriosklerose.

Ursächlich für die Oxidation des LDL-Cholesterins sind dabei entzündlich veränderte Abschnitte der Arterienwände, in denen in Folge der Entzündung ein prooxidatives Milieu vorherrscht. Resveratrol wirkt antioxidativ und antientzündlich, indem es antioxidative Enzyme stimuliert und prooxidative hemmt.

Schutzschild für Gefäße und Herz

Resveratrol schützt außerdem das gefäßerweiternde NO (Stickstoffmonoxid) vor Oxidation und steigert so dessen Verfügbarkeit. Zudem wirkt es aktivierend auf Wachstumsfaktoren, wodurch beispielsweise nach einem Infarkt die Bildung neuer Blutgefäße (Kollateralgefäße) am Herzen stimuliert wird.

Genaueres dazu in einer Studie:

In einer kleinen Studie wurde unter täglicher Gabe von 400 mg Resveratrol eine Reduktion des entzündungsvermittelnden Botenstoffes Inteleukin-8, der von Gefäßwandzellen (Endothelien) gebildet wird, beobachtet. Ebenso konnte ein vermindertes Auftreten sogenannter Zelladhäsionsmoleküle, die immunologische Reaktionen an der Gefäßwand vermitteln, nachgewiesen werden. Resveratrol zeigte damit schützende Effekte gegen eine endotheliale Dysfunktion.

Resveratrol als Thrombose-Schutz?

Resveratrol hemmt auch das Zusammenkleben (Aggregation) der Thrombozyten (Blutplättchen) und beugt damit der Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) vor. Dabei wirkt es in erster Linie hemmend auf die Enzyme COX-1 (Cyclooxygenase-1) und 5-LOX (5-Lipoxygenase). COX-1 stimuliert über die Bildung von Botenstoffen (Thromboxan) die Thrombozytenaggregation und die Verengung von Blutgefäßen, während das Enzym 5-LOX die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe katalysiert.

Gleiche Wirkung wie Aspirin

Der thrombenhemmende Wirkmechnismus über COX-1 ist ähnlich dem der Acetylsalicylsäure (ASS). Studien haben ergeben, dass sich Resveratrol und ASS in ihrer Wirkung ergänzen. Außerdem schützt Resveratrol durch seine antioxidativen Eigenschaften die Thrombozyten vor oxidativen Schäden und fördert die Auflösung von Thromben nach der Blutstillung.

Die gefäßschützende Wirkung scheint sich also in den Experimenten bestätigt zu haben. Man muss jedoch bedenken, dass viele Studien nur an isolierten Geweben im Labor oder an Tieren erhoben wurden. Die Ergebnisse lassen sich nicht unbedingt eins zu eins auf einen lebenden Organismus bzw. den Menschen übertragen.

Habe ich ein geringeres Erkrankungsrisiko, wenn ich Rotwein trinke?

Allerdings gibt es auch viele epidemiologische und klinische Studien, in denen z.T. große Gruppen an Probanden miteinander verglichen wurden. Auch sie legen nahe, dass ein maßvoller Konsum von Rotwein das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall & Co reduziert und auch die Sterblichkeit senkt. Manche Wissenschaftler sprechen von einem 30% geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schützt Rotwein sogar vor einem erneuten Herzinfarkt?

Eine Studie aus dem Rotweinland Frankreich zeigte sogar in der Nachbehandlung von Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, positive Auswirkungen eines Gläschen Weins am Abend. Das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt sei bei gemäßigten Weintrinkern erniedrigt.

Wirkung gegen Krebs

Wie wirkt Resveratrol bei Krebs?

In Laborversuchen und am Tiermodell zeigte Resveratrol bei einer ganzen Reihe von Tumorarten bereits gute Ergebnisse. So konnte zum Beispiel die Tumorlast reduziert werden. Aber auch vorbeugend könnte die Substanz dafür sorgen, dass Krebs erst gar nicht ausbricht.

Noch ist allerdings nicht eindeutig geklärt, ob sich die beobachteten Effekte beim Menschen ebenso nachweisen lassen. Auch die Wechselwirkung mit Chemotherapeutika ist noch Gegenstand der Untersuchungen.

Resveratrol bei Krebs

Wie kann Resveratrol bei Krebserkrankungen helfen?

Die bisherigen Forschungsergebnisse deuten auf verschiedene synergistische Wirkweisen des Resveratrols bei Tumoren hin, die sich gegenseitig ergänzen und positiv verstärken.

Resveratrol besitzt als Polyphenol (sekundärer Pflanzenstoff) starke antioxidative Eigenschaften. Es neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies, die Schäden an der Erbsubstanz und tumorfördernde Mutationen hervorrufen können. Resveratrol schützt somit gesunde Zellen vor oxidativem Stress.

Gleichzeitig wirkt es antientzündlich durch die Hemmung entzündungsfördernder Enzyme. Da chronische Entzündungen entscheidend zur Tumorentstehung beitragen, wirkt Resveratrol damit der Bildung von Tumoren entgegen.

Krebserregende Stoffe einfach ausscheiden

Daneben gibt es Hinweise darauf, dass Resveratrol die Bildung des antioxidativ und entgiftend wirkenden Glutathions in der Leber anregt, ein wichtiger Bestandteil der Biotransformation. Darunter versteht man Stoffwechselvorgänge, die unlösliche und schädliche Stoffe so verändern, dass der Körper sie ausscheiden und damit wieder loswerden kann. So können auch krebserregende Stoffe im Rahmen der Biotransformation leichter in ausscheidbare Metaboliten überführt werden und dem Körper nichts mehr anhaben.

Kann Resveratrol auch direkt das Tumorwachstums hemmen?

Resveratrol scheint Krebszellen auch direkt anzugreifen. Eine mögliche Erklärung liegt in dem veränderten Zuckerstoffwechsel vieler Tumorzellarten, in denen Resveratrol tumorhemmende Effekte erzeugen kann. Gleichzeitig wird die Substanz in den entarteten Zellen verstärkt in Piceatannol umgewandelt, das ebenfalls das Tumorwachstum hemmt.

Resveratrol wirkt in Tumorzellen außerdem hemmend auf ein Protein (das sogenannte NFκB), das Gene aktiviert, die für das Überleben der bösartigen Zellen von entscheidender Bedeutung sind. Durch Hemmung von NFκB können diese Gene ihre zellschützende Wirkung nicht mehr entfalten, wodurch in Tumorzellen deren Apoptose (Zelluntergang) eingeleitet wird. Resveratrol wird daher zur Gruppe der NFκB-Inhibitoren gezählt, die auch für die medikamentöse Tumortherapie von großem Interesse sind.

Wie viel Resveratrol brauche ich für diese Wirkungen?

Mit Hilfe von experimentellen Versuchen konnte errechnet werden, dass eine Dosis zwischen 120 mg und 400 mg Resveratrol pro Tag zu diesen positiven Effekten führt. Resveratrol wird gut im Darm resorbiert, also über die Nahrung in den Körper aufgenommen.

„Weniger ist mehr“

Studien an Mäusen zur Wirksamkeit des Resveratrols bei Tumoren führten zu dem Ergebnis, dass entgegen der Erwartungen eine niedrigere Dosierung eine höhere Wirksamkeit zeigte. Dieses Ergebnis konnte durch Versuche an Zellkulturen bestätigt werden. Inwiefern diese Ergebnisse auf menschliche Tumorzellen übertragbar sind und welche Dosis dabei optimal ist, sollen klinische Studien zeigen.

Gelten die positiven Effekte für alle Krebsarten?

Nein, bei Menschen mit bestimmten Blutkrebsarten wurden unter hochdosierter Resveratrol-Therapie zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen, vor allem Nierenschäden, beobachtet. Auch bei anderen schweren Erkrankungen sollte die Einnahme immer im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Da Resveratrol mit Östrogenrezeptoren interagiert, sollten Frauen, die Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Gebärmutterkrebs haben oder hatten, auf resveratrolhaltige Nahrungsergänzungsmittel vorerst verzichten, bis die Wirkung des Resveratrols auf östrogensentive Tumoren besser erforscht und verstanden ist.

Keine Erfahrung bei schwangeren Frauen

Für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen bislang keine Erfahrungen vor. Auf alkoholhaltige Getränke wie Rotwein als Quelle für Resveratrol sollte in dieser Zeit aber natürlich ohnehin verzichtet werden.

Dosierung und Wechselwirkungen

Worauf müssen Sie bei Resveratrol-Präparaten achten?

Als natürliche Quelle für Resveratrol wird vor allem der Rotwein genannt, wobei dieser je nach Traubensorte, Anbaugebiet und Verarbeitung sehr unterschiedliche Konzentrationen enthalten kann. Zumindest liegen sie aber mit maximal 10 mg pro Flasche deutlich unter der empfohlenen Tagesdosis, so dass Rotwein als alleinige Quelle sicher nicht in Frage kommt, zumal daneben die schädlichen Wirkungen von Alkohol zu bedenken sind.

Interessant ist allerdings das Zusammenspiel des Resveratrols mit anderen Polyphenolen im Rotwein wie Quercetin oder Catechin. Diese scheinen die Metabolisierung des Resveratrols in der Leber zu verzögern, so dass die Menge an freiem Resveratrol im Blut ansteigt. Resveratrol-Präparate sollten daher möglichst auch Quercetin, Catechin und weitere Polyphenole enthalten.

Ist zu viel Resveratrol gefährlich?

Resveratrol zeigt bislang auch in höherer Dosierung keine toxischen Effekte oder signifikante negative Auswirkungen bei ansonsten gesunden Probanden. In Studien zur maximal verträglichen Dosis berichteten einige Teilnehmer bei einer täglichen Aufnahme zwischen 1 g und 5 g Resveratrol allerdings über milde bis mäßige gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Magenschmerzen, Blähungen und leichten Durchfall. In experimentellen Studien wurden außerdem bei extrem hoher Dosis (3 g pro kg Körpergewicht) Nierenschäden beobachtet.

Als sichere Dosis für eine Einnahme über einen längeren Zeitraum konnte rechnerisch ein Maximalwert von 400 mg pro Tag für einen durchschnittlich schweren Menschen ermittelt werden. Diese Dosis sollte zum Ausschluss von Nebenwirkungen langfristig nicht überschritten werden.

Hintergrundinformationen zu Resveratrol und Alkohol

Was versteht man unter dem „französischen Paradoxon“?

In den 1990er-Jahren entwickelte sich ein reges Forschungsinteresse rund um das Thema Wein und seine mutmaßlich gesundheitsfördernde Wirkung. Seither erhitzt dieses als "französisches Paradoxon" in die Wissenschaft eingegangene Postulat die Gemüter.

Epidemiologische, also in der breiten Bevölkerung durchgeführte Studien legten nahe, dass unsere französischen Nachbarn trotz eines hohen Alkoholverbrauchs, einer recht fettreichen Ernährung und einem starken Zigarettenkonsum dennoch weniger oft einen Herzinfarkt erleiden und sogar etwas länger leben.

Die Diskussionen drehen sich dabei vor allem um das Resveratrol.

Zu den Inhaltsstoffen im Rotwein gibt es zahlreiche experimentelle Studien, die die Wirkung auf einzelne Zellen und biochemische Abläufe in unserem Körper untersuchen. Viele legen tatsächlich einen gefäßschützenden Effekt nahe.

Aber auch bei den Untersuchungen unter Realbedingungen gibt es einen Haken. Das zeigen allein schon die oft widersprüchlichen Ergebnisse. Sie kommen dadurch zustande, dass jeweils unterschiedliche Aspekte untersucht werden. Eine isolierte Betrachtungsweise birgt immer die Gefahr, andere Gesichtspunkte zu vernachlässigen bzw. eine Studie von vorne herein so anzulegen, dass das anvisierte Ergebnis wahrscheinlich ist.

Die Meinungen gehen teilweise auseinander

Das muss gar nicht unbedingt beabsichtigt und mutwillig sein. So gibt es manchmal auch einfach unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen von Ergebnissen. Ob z.B. die Herzen von Menschen mit moderatem Alkoholkonsum tatsächlich wegen des Alkohols gesünder sind oder ob nicht umgekehrt Menschen mit gesundem Herzen mehr Alkohol trinken als Kranke, darüber können manche Forscher trefflich streiten.

Auf die richtige Interpretation kommt es an

Auch mit dem vorhin beschriebenen "französische Paradoxon" ist es so eine Sache. Es zeigt zwar eine Korrelation, also eine bestimmte Wechselbeziehung; einen kausalen Zusammenhang, bei dem sich das eine unstreitig aus dem anderen ergibt, kann man daraus aber noch nicht ableiten.

Liegt der Effekt nicht im Wein, sondern in der Lebensweise?

Und dann muss man eben immer auch noch andere Aspekte berücksichtigen. Weintrinker, zumal moderate, sind in der Regel Genießer. Meist essen sie zu ihrem guten Schluck kein Fastfood in sich hinein, sondern achten auch bei der Ernährung auf Maß und Ausgewogenheit. Die Lebensführung könnte daher eine ebenso gute Erklärung für die gute Gesundheit der Weintrinker sein wie der Alkohol bzw. das Reservatrol.

Sie sehen also: Nach wie vor sind beim Thema Rotwein und Gesundheit noch viele Fragen offen. Wenn auch keine direkten Empfehlungen auszusprechen sind, gibt es aber doch gewisse Anhaltspunkte, an denen man sich als passionierter Weintrinker, der auch auf seine Gesundheit achtet, orientieren kann.

Genuss in Maßen ist angesagt

Gegen einen mäßigen Alkoholkonsum spricht mit Sicherheit nichts. Das bedeutet für Frauen eine Menge von 10 g pro Tag (entspricht einem Achtelliter Wein) und für Männer das doppelte (20 g bzw. ein Viertelliter). Wenn Sie dann noch zwei Tage in der Woche aussetzen, ist es optimal und schmeckt danach außerdem noch viel besser.

Auch nach einem Herzinfarkt

Ein solches Trinkverhalten können Sie auch nach einem überstandenen Herzinfarkt beibehalten. Allerdings sollten Sie beachten, dass Alkohol mit manchen Medikamenten wechselwirken kann. Wenn Sie regelmäßig Tabletten einnehmen, sollten Sie daher Ihren Alkoholkonsum grundsätzlich mit Ihrem Arzt besprechen.

Alkohol zum Genuss: wie viel ist noch gesund?

Wie immer macht auch beim Wein die Menge das Gift. Ein übermäßiger Konsum ist mit Sicherheit Ihrer Herz-Kreislauf-Gesundheit nicht förderlich. Auch hier wiederum lassen sich Studien heranziehen, die besagen, dass sogar eine einmalig durchzechte Nacht dem Herzen schaden kann.

Es ist also keine gute Idee, sich die wöchentliche Ration Alkohol für einen Tag aufzuheben und es dann richtig krachen zu lassen. Das ist in etwa so bekömmlich, wie wenn Sie Ihre Wochenration Kalorien auf einmal zu sich nehmen und den Rest der Woche fasten. Im Übrigen sind auch Ihre anderen Organe am rechten Maß an Alkohol interessiert, vor allem die Leber, die ihn abbauen muss.

Alkohol kann auch gefährlich sein

Und schließlich müssen auch die definitiv schädlichen Wirkungen von (zu viel) Alkohol erwähnt werden:

Alkohol hat eine ganze Menge Kalorien, was man bei Flüssigkeiten oft nicht bedenkt. Der berühmte Bierbauch ist Zeuge dieser ernüchternden Tatsache. Wenn Sie also beim Essen die Kalorien zählen, müssen Sie auch Wein oder Bier berücksichtigen. Aber auch hier gilt wieder das gesunde Maß als Richtschnur. Die oben genannten Mengen führen sicherlich nicht (allein) zu Übergewicht.

Eine gefährliche Sucht

Alkohol kann abhängig machen. Das ist die vielleicht größte Gefahr, da sie in der Folge einen unkontrollierten Konsum nach sich zieht, der wiederum zahlreiche Folgeerkrankungen bedingt. Um diese Gefahr wussten auch die alten Griechen und Römer schon.

Mythen sind Erzählungen, die Antworten auf grundlegende menschliche Fragen und Themen suchen. Sie liefern Erklärungen für bedrohliche und nicht erklärliche Phänomene und schaffen damit Sicherheit, Orientierung und Identität. Vielleicht wird auch das Rätsel um den Rotwein nie endgültig gelöst und daher weiterhin von vielen verschiedenen Deutungen umrankt werden.

Kann es zu Wechselwirkung mit Medikamenten kommen?

Resveratrol hemmt in In-vitro-Versuchen im Labor das Verklumpen der Blutplättchen (Thrombozyten) und sollte daher vorsichtshalber nicht in höherer Dosis gemeinsam mit Blutverdünnern wie Marcumar oder Heparin eingenommen werden, da die Gefahr von Blutungen zunehmen kann. Ebenso sollte man bei Kombination mit sogenannten nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSAR) wie Aspirin, Ibuprofen oder Diclophenac, die ebenfalls die Thrombozytenaggregation hemmen, vorsichtig sein.

Resveratrol kann zudem den Abbau von Medikamenten in der Leber beeinflussen. Bei Laboruntersuchungen und in Versuchen mit gesunden Probanden hemmte Resveratrol das Enzym Cytochrom P450, das vor allem in der Leber vorkommt und dort im Rahmen der Biotransformation körpereigene und körperfremde Moleküle umwandelt. Cytochrom P450 katalysiert ebenso den Abbau vieler Medikamente.

Bei Einnahme höherer Dosen an Resveratrol kann es durch eine Hemmung des Enzyms zu einem verzögerten Abbau dieser Medikamente kommen. So kann deren Wirkung verstärkt werden oder, wenn die eigentliche Wirkform erst durch die enzymatische Spaltung entsteht, auch verzögert einsetzen. Außerdem können sich durch eine verlängerte Wirkdauer Nebenwirkungen dieser Medikamente verstärken.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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