Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Betamimetika: Wirkung und Nebenwirkungen

Betamimetika gehören zu den Basismedikamenten bei Asthma und COPD. Sie lindern akute Beschwerden rasch, können aber auch langfristig zur Dauertherapie eingesetzt werden. Dabei sind sie als Lungenspray in der Regel sehr gut verträglich und verursachen nur selten Nebenwirkungen. Mehr zu Medikamenten wie Salbutamol und Terbutalin erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wirkung

Was sind Betamimetika (Salbutamol, Fenoterol, Formoterol)?

Betamimetika sind einer der ganz wichtigen medikamentösen Bausteine in der Behandlung chronischer Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD. Und zwar sowohl als "Bedarfs-Spray" (Linderung akuter Beschwerden) als auch in der Langzeittherapie. Ihre Hauptwirkung: Sie stellen die Atemwege weit, verbessern also den Durchfluss der Luft.

Typische Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind:

Lang oder kurz wirksam

Alle drei Substanzen wirken schnell (und relativ kurz) und werden deshalb vor allem als Bedarfs-Spray eingesetzt. Daneben gibt es zwei weitere Substanzen, die sehr viel länger wirken und deshalb oft Bestandteil der Dauerbehandlung von Asthma sind (z.B. als Spray in Kombination mit einem Kortison-Wirkstoff).

Lang wirksame Betamimetika sind:

Die kurz wirksamen Medikamente werden auch SABA (short acting beta agonists) genannt, die lang wirksamen LABA (long acting beta agonists). Sie werden in der Regel als Lungenspray inhaliert.

Wie wirken Betamimetika bei Asthma und COPD?

Aus dem Griechischen

Der Name Betamimetika (Singular: Betamimetikum) oder auch Beta-Agonisten hat damit zu tun, dass diese Medikamente ihre bronchienerweiternde Wirkung über eine Aktivierung bestimmter Rezeptoren in den Bronchien erreichen. Die werden Beta-2-Adrenozeptoren genannt. Ein Mimetikum (griechisch "mimesis" = Nachahmung) ist eine Substanz, die einer anderen so ähnelt, dass sie die gleichen Rezeptoren besetzen kann, wie der dafür zuständige Botenstoff im Körper. Daher Betamimetikum. Und Beta-Agonist, weil die genannten Rezeptoren aktiviert werden und nicht blockiert (sonst hieße es Antagonist).

Entspannung der Bronchien

Die natürlichen Substanzen, die die Betamimetika nachahmen, sind Botenstoffe wie Adrenalin und Noradrenalin. Sie haben vielfältige Funktionen im Körper und wirken insgesamt aktivierend. Im Bronchialsystem sorgen sie für eine Erschlaffung der Muskulatur (Bronchodilatation). Dadurch werden die Atemwege weiter, wir können kräftiger atmen und mehr Sauerstoff aufnehmen.

Bei Menschen mit Asthma oder COPD wird die Atmung dadurch binnen kurzer Zeit deutlich erleichtert. Außerdem wird, vornehmlich bei der COPD, langfristig die Belastbarkeit gesteigert und die Häufigkeit schwerer Atemnotattacken (Exazerbationen) verringert. Die Effekte spiegeln sich auch in verbesserten Werten bei der Lungenfunktions-Untersuchung.

Verbesserte Reinigung der Atemwege

Betamimetika aktivieren außerdem das sogenannte Flimmerepithel in den Atemwegen. Sie können es sich wie einen zarten Haarflaum vorstellen, der die Atemwege auskleidet. Seine Funktion besteht darin, Schleim, Schmutz und Schadstoffe, die ins Atemsystem gelangt sind, wieder nach außen zu befördern. Gerade bei der COPD ist dieser wichtige Belag schwer in Mitleidenschaft gezogen und kann die Bronchien nicht mehr ausreichend "durchputzen". Medikamente wie Salbutamol und Formoterol unterstützen diesen Prozess wieder ein Stück weit.

Wann werden Betamimetika eingesetzt?

Betamimetika werden zur Behandlung von Asthma und COPD eingesetzt. Sie fungieren sowohl als Akutmedikamente als auch als Langzeittherapeutika.

Asthma: Bedarfsmedikament auf jeder Stufe der Behandlung

Bei Asthma gehören kurz wirksame Betamimetika (short acting beta agonists, SABA) wie Salbutamol ab Stufe 1 der Behandlung zum festen Therapieschema. Sie dienen dazu, akute Beschwerden rasch zu lindern und (drohende) Asthmaanfälle zu durchbrechen. Lang wirksame Substanzen (long acting beta agonists, LABA) wie Formoterol kommen hingegen erst ab Stufe 3 der Asthma-Stufentherapie zum Einsatz. Dazu werden sie mit Kortison-Sprays kombiniert, die ebenfalls längerfristige Effekte haben und der Entzündung in den Atemwegen entgegenwirken.

Bei COPD von Anfang an auch LABAs

Bei der COPD haben Betamimetika einen etwas anderen Stellenwert. Auch hier können sie entweder bei Bedarf oder regelmäßig eingenommen werden. Die Dauertherapie mit lang wirksamen Betamimetika startet bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung allerdings schon früher als bei Asthma und kann auch bei Betroffenen mit wenig Beschwerden (GOLD Gruppe A) bereits zu Beginn eingesetzt werden. Wer schwerer betroffen ist (GOLD Gruppe B), bekommt grundsätzlich von Anfang an ein lang wirksames Medikament, das die Atemwege erweitert, manchmal auch eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können Betamimetika haben?

Körper in Hab'-Acht-Stellung

Die Nebenwirkungen, die unter Betamimetika wie Salbutamol oder Formoterol auftreten können, erklären sich aus dem Wirkmechanismus der Substanzen. Sie ahmen körpereigene Botenstoffe wie Adrenalin und Noradrenalin nach. Diese Stresshormone versetzen den Körper in Alarmbereitschaft, um für den Fall der Fälle zum Kampf oder zur Flucht (fight oder flight) gewappnet zu sein. Das Herz schlägt kräftiger, die Atemfrequenz wird erhöht. Vor allem für unsere Vorfahren in der Steppe waren diese Funktionen überlebenswichtig.

Die Aktivierung des gesamten Körpers kann aber auch unangenehm sein, zumal, wenn gar kein Anlass zu Kampf oder Flucht besteht.

Unruhe, Herzrasen, Zittern

Zu den Nebenwirkungen der Betamimetika gehören:

  • Herzrasen
  • starker Herzschlag (Palpitationen)
  • Herzrhythmsstörungen
  • Schmerzen in der Brust (Angina pectoris)
  • Zittern der Hände (Tremor)
  • Unruhe
  • Schwitzen

Außerdem können sich bestimmte Blutwerte verändern. Der Kaliumspiegel kann abfallen, der Blutzuckerspiegel ansteigen. Und schließlich kann es sein, dass sich der Körper mit der Zeit an die Medikamente gewöhnt und nicht mehr so gut darauf anspricht (Tolaranzentwicklung). Dann muss die Dosis ggf. erhöht werden.

Als Lungenspray gut verträglich

Alles in allem sind Betamimetika aber in der Regel gut verträglich. Das liegt vor allem daran, dass sie meist als Spray inhaliert werden. In dieser Form haben sie weit weniger Nebenwirkungen als Tabletten, da die Wirkstoffe hauptsächlich dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden (in die Atemwege) und den restlichen Körper kaum berühren. Sollten Sie dennoch Beschwerden haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

Kommentar schreiben

Inhaltsverzeichnis Top