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Herzbeutelentzündung (Perikarditis): Symptome und Behandlung

Wie entsteht eine Herzbeutelentzündung? Was sind typische Anzeichen der Erkrankung? Und welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in folgendem Beitrag.

Basiswissen

Was ist eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis)?

Perikarditis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung des Herzbeutels. Peri kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "um, herum", Karditis kommt vom lateinischen „Kardia“ = Herz, und die Endung -itis bedeutet Entzündung.

Eine Entzündung des Herzbeutels (Perikard), der das Herz ummantelt, kann akut auftreten oder chronisch sein.

Der Herzbeutel selbst besteht aus zwei Lagen mit einem Gleitfilm dazwischen. Er ermöglicht dem Herzen eine bestmögliche Bewegung im Brustkorb, er schützt das Herz von außen und hält es in seiner Lage im Brustkorb. In dem Spalt zwischen den beiden genannten Lagen des Herzbeutels befindet sich Flüssigkeit, damit beide Schichten gut gegeneinander gleiten können.

Die akute Perikarditis kann als Begleitkomplikation bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche, rheumatischen Krankheiten, Virusinfektionen, Nierenerkrankungen u.a. auftreten. Oft bleibt die Ursache aber auch unbekannt, dann spricht man von idiopathischer Perikarditis.

Bei der chronischen Herzbeutelentzündung sind ebenfalls häufig chronische Grunderkrankungen wie z.B. ein Nierenleiden die Ursache.

Welche Formen der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) gibt es?

Es gibt eine sogenannte trockene fibrinöse Perikarditis, bei sich zwischen beiden Blättern des Herzbeutels keine Flüssigkeit befindet. Und es gibt eine feuchte bzw. exudative Form der Perikarditis, bei der sich zwischen den Blättern des Herzbeutels ein Erguss bildet, der die Füllung des Herzens beeinträchtigen kann.

Befindet sich viel Flüssigkeit im Herzbeutel, engt dies das Herz stark ein. Man spricht von Herztamponade. In diesem Fall muss die Flüssigkeit mit einer Hohlnadel (Punktion) entfernt werden, so dass das Herz besser arbeiten kann.

Daneben lässt sich auch noch eine infektiöse von einer nicht-infektiösen Herzbeutelentzündung unterscheiden.

Ursachen der Herzbeutelentzündung

Was sind die Ursachen einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis)?

Die Ursachen einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) sind vielfältig und lassen sich nicht immer klären. Häufig schließt sich die Entzündung des Herzbeutelks wie auch bei der Herzmuskelentzündung (Myokarditis) viralen Infekten der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes an.

Möglich sind auch bakterielle Infektionen, etwa nach Übergreifen von Keimen auf den Herzbeutel, die ursprünglich eine Lungenentzündung oder Herzmuskelentzündung auslösten. Bei geschwächtem Immunsystem kann auch mal eine Infektionen mit Pilzen auftreten.

Außerdem kann eine Perikarditis in Ausnahmefällen auch bei folgenden Erkrankungen oder Risiken auftreten:

  • nach einem Herzinfarkt
  • herzchirurgische Eingriffe
  • Rheumatisches Fieber
  • Bindegewebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • Verletzungen
  • Bestrahlungen
Stimmt es, dass nach einem Herzinfarkt häufiger eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) auftritt?

Ja. Nach einem Herzinfarkt kann reaktiv an der Stelle des Infarkts eine Herzbeutelentzündung (Pericarditis epistenocardiaca) auftreten. Diese muss nicht unbedingt Symptome verursachen. Auch kann sich einige Tage nach einem Herzinfarkt eine diffuse Perikarditis mit einem Erguss entwickeln, die jedoch meist innerhalb von drei Monaten komplett abheilt.

Eine späte Postinfarktperikarditis (Postinfarkt = nach dem Infarkt), das sogenannte Dressler-Syndrom, kann bereits eine Woche nach dem Infarkt auftreten, wird aber meist erst nach einem längeren symptomfreien Intervall (durchschnittlich nach vier bis acht Wochen) beobachtet. Krankheitszeichen sind Fieber und Schmerzen sowie allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Symptome können manchmal sogar einen neuen Infarkt imitieren.

Untersuchungen

Wie kann man eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) nachweisen?

Bereits das Gespräch zwischen Ihnen und dem Arzt kann bei ihm den Verdacht auf eine Herzbeutelentzündung lenken. Vor allem die Art der Schmerzen und deren Entwicklung, aber auch Erkrankungen in der Vorgeschichte können Hinweise liefern.

Daneben ist natürlich das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop wichtig. Dabei kann der Arzt mitunter ein typisches Reibegeräusch wahrnehmen.

Zusätzlich wird der Arzt ein EKG (Elektrokardiographie) aufzeichnen, das bei der akuten Perikarditis ebenfalls charakteristische Veränderungen aufweist. Ebenso eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) des Herzens. Möglicherweise wird auch eine Röntgenaufnahme des Oberkörpers angefertigt, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen.

Laboruntersuchungen des Blutes liefern ebenfalls wichtige Indizien, auch um andere Herzerkrankungen auszuschließen. Auch können sich Hinweise auf ein akutes entzündliches Geschehen aus den Blutwerten ergeben.

Behandlung

Wie wird eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) behandelt?

Vor der Behandlung ist zu klären, ob der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) eine bestimmte Ursache zugrundeliegt. Bei einer ursächlichen Erkrankung kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden.

Handelt es sich um eine bakterielle Entzündung, kommen z.B. Antibiotika zum Einsatz.

Bei einer Perikarditis unbekannter Herkunft (idiopathische Perikarditis) steht die Behandlung der Schmerzen im Vordergrund. Wirksam sind bestimmte Schmerzmittel, die sowohl die Schmerzen als auch die Entzündung bekämpfen (z.B. Ibuprofen). Entzündungshemmend wirkt auch Kortison.

Therapie der Herzbeutelentzündung

Wie häufig heilt eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) von allein wieder aus?

In vielen Fällen lässt sich keine Ursache der Herzbeutelentzündung ausmachen. Man spricht dann von idiopathischer Perikarditis. Diese heilt in 70 bis 90% der Fälle wieder von allein aus, ohne dass es zu Schäden oder Komplikationen kommt.

Bei einigen Betroffenen kann die Entzündung jedoch auf den Herzmuskel übergreifen (Perimyokarditis). Ein wiederholtes Auftreten der Herzmuskelentzündung (Rezidiv) kann ebenfalls selten vorkommen.

Muss man bei einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) ins Krankenhaus?

Die akute Perikarditis wird meist im Krankenhaus behandelt. Im Falle sehr starker Schmerzen, bei Vorliegen schwerer Grunderkrankungen, bei Beteiligung des Herzmuskels oder beim Auftreten von Komplikationen ist ein Krankenhausaufenthalt in jedem Fall unumgänglich.

Unabhängig vom Ort der Behandlung ist bei einer akuten Perikarditis Ruhe und Schonung sehr wichtig.

Was kann man gegen die Schmerzen bei der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) tun?

Bei einer akuten Entzündung des Herzbeutels kann es zu starken Schmerzen kommen. Diese treten meist in Abhängigkeit von der Atmung und der Körperlage auf. Die Schmerzen entstehen, weil die beiden Blätter des Herzbeutels gegeneinander reiben.

Deshalb ist bei vielen Betroffenen eine Schmerzlinderung von besonderer Bedeutung. Geeignet sind sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.

Ist die Ursache der Perikarditis bekannt und handelt es sich dabei um eine andere Erkrankung, erfolgt möglicherweise eine gezieltere Behandlung.

Komplikationen

Welche Folgen kann eine Herzbeutelentzündung haben?

In den meisten Fällen heilt eine akute Herzbeutelentzündung von allein wieder aus. Allerdings ist dafür auch konsequente Schonung (eine Zeit lang mit Bettruhe) und meist zur Sicherheit auch ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Denn wenn es zu Komplikationen kommt, sind diese tendentiell gefährlich. So kann die Entzündung des Herzbeutels auch dessen glatte Oberfläche verändern. Es entstehen Narben und möglicherweise Kalkablagerungen, so dass das Herz nicht mehr so gut gleiten kann.

Bei zu viel Flüssigkeit im Herzbeutel wird's gefährlich

Möglich ist auch die Bildung eines Ergusses, also das Eintreten von Flüssigkeit in den Herzbeutel. Flüssigkeitsansammlungen mit einem ansteigenden Druck im Herzbeutel können die Bewegungsmöglichkeit des Herzens einschränken, im Extremfall sogar so sehr, dass die Pumpfunktion des Herzens stark eingeschränkt ist. Man spricht auch von Perikardtamponade. Diese ist akut lebensbedrohlich. Mögliche Symptome der Herztamponade sind gestaute Halsvenen, niedriger Blutdruck, Herzrasen und eine Mangeldurchblutung des Körpers, die sich in einer bläulichen Hautfarbe, zurückgehender Urinmenge und Schock äußern kann.

Bei der chronischen Perikarditis besteht häufig ein anhaltender Erguss. Dieser lässt sich oft nur behandeln, indem man chirurgisch den Herzbeutel eröffnet, damit die Flüssigkeit abfließen kann (innere Drainage). Diese Technik nennt man Fensterung.

Warum kann es bei der chronischen Herzbeutelentzündung (Perikarditis) zu Schäden an Nieren und Leber kommen?

Ist bei der chronischen Perikarditis die Herzfunktion beeinträchtigt, weil sich die Herzvorhöfe und –kammern nicht mehr ausreichend mit Blut füllen können, um diese dann in den Körper auszuwerfen, staut sich das Blut im Körper zurück. Es kommt zu Stauungszeichen wie dem Anschwellen der Halsvenen und Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen.

Aber auch vor und in den Organen kommt es zu einem Stau von Flüssigkeit, der die Gewebe schädigt. Diese Organsschäden sind nicht rückgängig zu machen - um so wichtiger ist die Verhütung dieser Komplikation.

Komplikation: Panzerherz

Was ist ein Panzerherz?

Das Panzerherz, medizinisch spricht man von konstriktiver Perikarditis, ist eine Veränderung des Herzbeutels infolge von Entzündungen. Durch übermäßige Bindegwebsbildung entstehen Narben, Schwielen, Verhärtungen und Verklebungen mit dem Herzmuskel.

Wie der Name Panzerherz schon sagt, liegt der Herzbeutel dann wie ein Panzer um das Herz herum. Dies behindert die Füllung des Herzens mit Blut, so dass nicht mehr genug Blut ausgeworfen werden kann und der Druck vor dem Herzen steigt.

Symptome sind Luftnot bei Belastung und Zeichen einer Einflussstauung vor dem Herzen. Dies ist z.B. an hervortretenden Halsvenen oder Flüssigkeitsansammlungen in den Knöcheln und Unterschenkeln erkennbar. Auch Leber und Nieren können gestaut sein, es kann zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum kommen.

Wie lässt sich das Panzerherz behandeln?

Medikamente können die Beschwerden bei einem Panzerherz in der Regel nicht dauerhaft lindern. Eine medikamentöse Langzeittherapie ist deshalb keine Lösung. Diuretika (Entwässerungsmittel) können vorübergehend immerhin das Herz entlasten.

Erfolgversprechender ist eine Operation, in der versucht wird, die Verklebungen zu lösen. Dabei muss man vorsichtig vorgehen, um kein Herzmuskelgewebe zu verletzen. Der Erfolg der Behandlung ist vom Zustand des Herzens vor der Operation abhängig. Auch nach überstandener Operation kann es noch zum Herzversagen kommen.

Wichtig ist, die Operation möglichst durchzuführen, bevor es zu Schäden am Herzen und an anderen Organen wie der Leber oder den Nieren gekommen ist.

Wissenswertes

Darf man mit einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) Sport treiben?

Bei einer akuten Herzmuskelentzündung darf man keinen Sport treiben und muss sich schonen. Häufig haben die Betroffenen auch Schmerzen und verzichten allein deshalb schon auf sportliche Aktivitäten.

Ist die Erkrankung aber vollständig ausgeheilt, besteht kein Grund sich weiter zu schonen, und es kann mit einem Aufbautraining begonnen werden. Anders sieht der Fall aus, wenn es begleitend zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) gekommen ist. Dann ist Sport auch längere Zeit verboten und Schonung hat oberste Priorität.

Quellen:

  • Leitlinie: Perikarderkrankungen. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK). www.leitlinien.dgk.org.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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