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Skills sind Fertigkeiten, die im Grunde jeder Mensch im täglichen Leben ganz automatisch anwendet, ohne darüber nachzudenken. Für "Borderliner" sind sie oft nicht so selbstverständlich und müssen neu erlernt werden.

Skills im Alltag

Eigentlich sind Skills gar nichts Besonderes. Jeder greift im täglichen Leben ganz selbstverständlich auf sie zurück. Sie stehen für bestimmte Handlungen oder Reaktionsweisen, mit denen wir versuchen, uns stets bestmöglich durch das Leben zu hangeln, d.h., mit denen wir möglichst viele gute Erfahrungen machen und keine Misserfolge einstecken.

Skills können die gedankliche, emotionale oder auch die konkrete Handlungsebene betreffen. Gedanklich kann ich mir z.B. bewusst machen, dass ich noch zehn andere Gläser im Schrank stehen habe und es deshalb nicht so schlimm ist, dass eines zerbrochen ist. Emotional kann ich meinem Partner zeigen, wie sehr ich ihn mag, indem ich ihn nach der Arbeit mit einem leckeren Abendessen überrasche. Und wenn ich meine Turnschuhe schnüre und eine Runde joggen gehe, stärke ich mit dieser Handlung direkt meine Gesundheit.

In all den genannten Fällen wird es mir durch die angewandten Fertigkeiten etwas besser gehen. Im Alltag läuft das oft unbewusst und routiniert ab.

Keine gute Alternative: Selbstverletzung

Bei "Borderlinern" besteht nun das Problem, dass diese wertvollen Fähigkeiten in Momenten starker Anspannung verlorengehen können. Oder Betroffene greifen auf Strategien zurück, die zwar kurzzeitig Erleichterung verschaffen, langfristig jedoch schädlich sind.

Solche Verhaltensweisen werden auch dysfunktional genannt. Zu ihnen gehört jede Art der Selbstverletzung bzw. -schädigung. Neben dem klassischen Ritzen mit einem Messer oder einer Klinge zählt dazu auch riskantes Verhalten wie rücksichtsloses Autofahren etwa, das überdies zu einer Gefahr für andere werden kann.

Im Skills-Training oder auch Fertigkeiten-Training lernen Betroffene zum einen, ihre eigenen Bewältigungsstrategien auch in Krisensituationen einzusetzen; zum anderen sollen sie neue Fertigkeiten erarbeiten, die sie anstelle des selbstschädigenden Verhaltens anwenden können. Das Training ist ursprünglich Bestandteil eines bestimmten therapeutischen Verfahrens, das speziell für Menschen mit Borderline-Störung entwickelt wurde: der Dialektisch-behavioralen Therapie (DBT). Es wird jedoch inzwischen in der Praxis oft als eigenständiges Konzept angewandt und hat sich auch losgelöst von der DBT als wirksam erwiesen.

Skills-Training aus 5 Modulen

Konkret besteht das Skills-Training aus verschiedenen Modulen und umfasst mehrere Schritte. Nach einer theoretischen Einführung und Erläuterung der Skills werden für den Betroffenen die für ihn passenden Fertigkeiten herausgesucht und eingeübt. Nach und nach werden sie anschließend in den Alltag übernommen, wo sie sich auch in Krisensituationen bewähren und als Alternative zum dysfunktionalen Verhalten durchsetzen sollen.

In den fünf Modulen wird Folgendes trainiert:

  • Achtsamkeit
  • Stresstoleranz
  • Emotionsregulation
  • Zwischenmenschliche Fertigkeiten
  • Selbstwert

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Basis aller Skills und eigentlich eher eine Grundhaltung als eine spezielle Fertigkeit. Übungen dazu sollten immer wieder in den Alltag einfließen. Dabei geht es darum, aufmerksam und wertschätzend mit sich und der Umwelt umzugehen. Außerdem soll vermittelt werden, zu akzeptieren und gelassen hinzunehmen, was wir nicht ändern können.

Einüben kann man das, indem man sich beispielsweise in einem belebten Park auf eine Bank setzt, das Geschehen um sich herum beobachtet und gedanklich eine Reportage darüber erstellt. Oder man nimmt sich beim Essen ganz bewusst viel Zeit und versucht, die einzelnen Geschmacksnuancen zu unterscheiden. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Stresstoleranz

Im Modul Stresstoleranz werden die klassischen Skills eingeübt, die bei starker innerer Anspannung zum Einsatz kommen bzw. solche Zustände bereits im Vorfeld vermeiden sollen. Hierzu gehören körperliche Reize wie eine kalte Dusche oder ein Igelball, den man über den Arm rollen lässt. Aber auch heftige Geschmackserlebnisse mit Chilischoten oder der beißende Geruch von Ammoniak können helfen. Hier muss jeder für sich das Passende herausfinden.

Emotionsregulation

Zur Emotionsregulation lernen Betroffene zunächst einmal sämtliche menschlichen Gefühlsregungen, deren Bedeutung und Funktion kennen. Denn Emotionen und ihre Ausdruckskraft werden in Interaktionen oft – wenn auch unbewusst – ganz gezielt eingesetzt, z.B. um etwas durchzusetzen oder auch, um sich selbst zu schützen.

Das kann in entsprechenden Momenten sinnvoll sein, und es ist durchaus berechtigt, wütend zu sein, wenn der Mitbewohner den Müll zum dritten Mal stehen lässt. Allerdings sind Gefühle manchmal auch unangemessen oder überzogen. Gerade „Borderliner“ schießen hier oftmals über das Ziel hinaus. Im Training lernen sie, wann welche Reaktionen angebracht und wann sie inadäquat sind und möglichst begrenzt werden sollten. Auch hierzu gibt es zahlreiche Übungen.

Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Zwischenmenschliche Fertigkeiten werden vor allem in Rollenspielen erarbeitet. Die Übungen finden also meist in Gruppen statt, in denen die Teilnehmer sich gegenseitig Rückmeldung über ihr Auftreten und Wirken geben. Das kann manchmal zwar etwas unangenehm, aber auch sehr erhellend sein. Ziel ist es, das eigene Interagieren mit Anderen zu analysieren und die soziale Kompetenz an den Stellen, an denen es hapert, zu verbessern.

Selbstwert

Im Selbstwert-Modul geht es schließlich darum, die meist sehr negative Selbstsicht aufzuhellen und einen wohlwollenden Blick auf sich zu richten. Betroffene lernen, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen und sich auch mal etwas Gutes zu tun. Falsche Grundannahmen über die eigene Person werden infrage gestellt und durch alternative Sichtweisen ersetzt.

Die Mühe lohnt sich!

Das Skills-Training findet idealerweise in Einzel- und Gruppentherapien statt und läuft so ähnlich wie ein Workshop ab. In der Gruppe vermittelt ein Skillstrainer die Grundlagen und übt mit den Teilnehmern Fertigkeiten ein. Der Einzeltherapeut sucht mit dem Betroffenen die für ihn passenden Skills aus und begleitet ihn bei der Anwendung im Alltag.

Das Konzept ist sehr stringent und fordert die aktive Mitarbeit der Betroffenen. Sie bekommen regelmäßig Hausaufgaben und Übungen, die sie bis zur nächsten Sitzung vorbereiten sollen. Das mag etwas verschult wirken, verspricht aber bei entsprechender Motivation große Erfolgserlebnisse. Es lohnt sich also unbedingt, nochmal die Schulbank zu drücken!

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Autorin unseres Artikels
 

Eva Bauer
Ärztin / medizinische Fachautorin

    Studium:
  • Universitätsklinik Erlangen
    Berufliche Stationen:
  • Universitätsklinik Freiburg
  • Amtsärztin im Gesundheitsamt Haßberge

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Medizinische Prüfung
des Artikels
Dr. med. Jörg Zorn, Arzt

Medizinisch geprüft von
Dr. med. Jörg Zorn
Arzt / Chefredakteur

    Studium:
  • Universitätsklinik Marburg
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg
  • Medizinischer Chefredakteur im wissenschaftlichen Springer-Verlag

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