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Linaclotid (Constella): Wirkung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Linaclotid (Constella®) beim Reizdarmsyndrom? Was sind mögliche Nebenwirkungen des Arzneimittels? Und wann sollte man besser auf die Einnahme verzichten? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wirkung

Auf welche Weise wirkt Linaclotid beim Reizdarm?

Linaclotid (Handelsname Constella®) könnte etwas für Sie sein, wenn der Reizdarm Sie vor allem in Form von Verstopfungen plagt – und das nicht nur so nebenbei, sondern mittelstark oder sogar ziemlich heftig.

Nach Angaben des Herstellers sorgt Constella® zum einen dafür, dass es mit dem Stuhlgang wieder besser klappt; zum anderen soll das Medikament einen weiteren Störfaktor lindern: die unliebsamen Bauchschmerzen. Generell gilt aber für dieses Medikament (wie im Grunde für alle Mittel, die beim Reizdarm eingesetzt werden): Es kann zwar im Idealfall die Beschwerden verringern, heilen kann es die Krankheit aber nicht.

Constella wirkt gezielt im Darm

Linaclotid ist ein künstlich hergestellter Stoff. Das Mittel wird nicht vom ganzen Körper aufgenommen, verteilt sich also nicht im Organismus, sondern bindet an einen Rezeptor, der sich an der Oberfläche des Darms befindet (der Rezeptor hat den Namen Guanylatzyklase-C-, kurz GC-C-Rezeptor).

Durch diesen Mechanismus wird vermutlich das Schmerzempfinden herabgesetzt. Außerdem strömt mehr Flüssigkeit in Darm, sodass der Darminhalt weicher und geschmeidiger wird und schneller weiter transportiert wird.

Medikament nach einer Pause wieder zu haben

In Deutschland kam Constella® im Mai 2013 in den Handel. Danach wurde es für einige Zeit wieder vom Markt genommen. Das lag aber nicht primär an dem Mittel an sich, sondern daran, dass Hersteller einerseits und der Dachverband für die Belange der gesetzlichen Krankenversicherung andererseits über den Erstattungsbetrag für das Medikament stritten.

Studien zeigten eine bessere Lebensqualität

Erstmals für gut befunden wurde Constella®, nachdem das Mittel in Studien besser abschnitt als Scheinmedikamente. Diesen Schluss zogen Forscher aus zwei verschiedenen Erhebungen mit jeweils etwa 800 Probanden. 90% von ihnen waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 44 Jahren. Mitmachen durften nur Betroffene mit Reizdarm, die weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hatten und zusätzlich unter Bauchschmerzen litten (auf einer Skala von 0 = keine bis 10 = sehr schwere beurteilten sie ihre Schmerzen durchschnittlich mindestens mit 3).

Die Probanden erhielten in der einen Studie drei Monate, in der anderen sechseinhalb Monate entweder ein Scheinpräparat oder eine Kapsel Linaclotid pro Tag. Bei denen, die Linaclotid bekamen, ließ die Verstopfung deutlich nach. Auch Bauchschmerzen und Blähungen traten nicht mehr so stark auf.

Mit anderen Worten: Die Betroffenen fanden, dass ihre Lebensqualität eindeutig gestiegen war. Positiv war demnach auch, dass das Mittel recht schnell wirkte.

Kritiker stellen Nutzen infrage

Die Autoren der pharmakritischen Fachzeitschrift Arznei-Telegramm fanden die Studienergebnisse allerdings nicht überzeugend. Das liegt unter anderem daran, dass bei den Probanden als Nebenwirkungen sehr häufig Durchfälle auftraten. Zudem argumentieren die Autoren, das Medikament sei nicht direkt mit Abführmitteln verglichen worden. Und schließlich sei – zumindest in Bezug auf die Bauchschmerzen – der tatsächliche Nutzen für die Betroffenen nicht bewiesen.

Tipps zur Einnahme

Reizdarm: Wie soll ich Constella einnehmen?

Constella® kann Ihnen das Leben erleichtern, wenn Sie im Rahmen von Reizdarm unter starken Verstopfungen leiden. Der Wirkstoff nennt sich Linaclotid. Er sorgt dafür, dass das Stuhlvolumen steigt und besser durch den Darm gespült wird. Sie sollten pro Tag eine Kapsel einnehmen, das entspricht 290 Mikrogramm.

Die besten Erfahrungen wurden gemacht, wenn die Kapsel jeweils eine halbe Stunde vor dem Essen geschluckt wurde. Bei Betroffenen, die das Mittel direkt zu einer Mahlzeit oder danach verabreicht bekamen, traten eher mal Bauchschmerzen auf – deshalb wird davon abgeraten.

Kapseln trocken lagern

Wenn die Flasche, in der sich die Kapseln befinden, noch verschlossen ist, hält sich das Mittel etwa drei Jahre lang. Haben Sie die Flasche einmal geöffnet, sollten Sie die Kapseln innerhalb von viereinhalb Monaten aufbrauchen oder sonst eben nicht mehr verwenden.

Wichtig ist auch, dass Sie die Kapseln vor Feuchtigkeit und Hitze schützen – mehr als 30 °C sollten es nicht sein. Übrigens sollten Sie die Kapseln auch in der Flasche lassen, denn sie enthält einen oder mehrere Beutel mit Kieselgel. Es sorgt dafür, dass das Mittel trocken bleibt (den oder die Beutel also bitte auch nicht aus der Flasche entfernen!).

Wissen müssen Sie, dass Sie sich das Medikament nicht einfach so selbst in der Apotheke besorgen können. Denn Constella® ist verschreibungspflichtig, Sie brauchen also ein entsprechendes Rezept Ihres Arztes.

Einnahme bei heftigen Durchfällen unterbrechen

Und noch ein Hinweis: Sollte das Mittel bei Ihnen heftige Durchfälle auslösen, die auch nach mehreren Tagen nicht nachlassen, dann dürfen Sie die Kapseln nicht weiter nehmen und müssen Ihren Arzt aufsuchen. Vor allem in dieser Situation ist es wichtig, dass Sie viel trinken, um dem Wasser- und Elektrolytverlust etwas entgegenzusetzen, der durch den häufigen Stuhlgang verursacht werden kann.

Absetzen oder Vergessen unproblematisch

Das Durchfallrisiko steigt natürlich, wenn Sie mehr Kapseln nehmen als empfohlen. Sollten Sie dagegen mal vergessen haben, das Mittel zu schlucken, nehmen Sie nicht zum Ausgleich die doppelte Dosis auf einmal, sondern bleiben Sie bei einer Kapsel pro Tag.

Normalerweise macht es keine Probleme, wenn Sie das Medikament komplett absetzen. Trotzdem kann es nicht schaden, wenn Sie diesen Schritt mit Ihrem Arzt besprechen.

Reizdarm: Wann ist Constella nichts für mich?

Der Wirkstoff Linaclotid, der sich hinter dem Handelsnamen Constella® verbirgt, bedeutet ein Segen für viele Menschen mit Reizdarm, die unter starken Verstopfungen leiden. Er weicht den Stuhl auf und spült das Darmrohr durch. Aber nicht für alle ist das Medikament geeignet.

Nicht für Schwangere und Stillende geeignet

Im Prinzip lässt es sich so zusammenfassen: Ältere (also Menschen ab einem Alter von etwa 65 Jahren), Kinder bzw. Jugendliche sowie Schwangere und Stillende sollten auf Constella® verzichten. Dasselbe gilt für Menschen, die an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden.

Das liegt vor allem daran, dass es zwar allgemein Studien zur Wirkung von Linaclotid bei Erwachsenen gibt, aber eben keine oder zu wenige Daten zu diesen "besonderen" Alters- oder Patientengruppen.

Im Grunde sind das also Sicherheitsmaßnahmen, die Sie aber durchaus ernst nehmen sollten. Besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit geht es natürlich nicht nur um die Mutter, sondern vor allem um die Gesundheit des Kindes. Deshalb ist Linaclotid hier – wie viele andere Medikamente – verboten.

Vorsicht bei alt und jung

Bei älteren Menschen gibt es noch einen weiteren Grund dafür, dass von der Anwendung von Constella® abgeraten wird: Bei ihnen kommt es leichter dazu, dass der Wasser- und Elektrolythaushalt nicht mehr ganz so gut in Schuss ist. Und diese "Schieflage" kann sich durch die Einnahme von Linaclotid verstärken.

Kinder (vor allem, wenn sie jünger als zwei Jahre sind) haben noch einen unreifen Darm. Zudem hat sich in Versuchen mit neugeborenen und jungen Mäusen gezeigt, dass sie sehr stark auf Linaclotid reagieren. Deshalb ist das Mittel für Kinder nicht geeignet.

Verboten bei Darmverschluss

Vorsichtig sein sollten Sie auch, wenn Sie an Diabetes mellitus oder Bluthochdruck leiden oder beispielsweise schon einmal einen Herzinfarkt hatten. Dann muss genau geprüft werden, ob Constella® wirklich das Richtige für Sie ist.

Keinesfalls nehmen dürfen Sie das Medikament, wenn der Darm bei Ihnen verengt oder sogar ganz verschlossen ist, wenn der Stuhl den Darm also nicht mehr ungehindert passieren kann. Auch schon beim leisesten Verdacht, dass so eine Störung vorliegen könnte, ist Linaclotid tabu.

Außerdem ist die Substanz natürlich nichts für Sie, wenn Sie überempfindlich auf den Wirkstoff reagieren – das versteht sich von selbst.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können unter Linaclotid auftreten?

Linaclotid (Handelsname Constella®) hilft bei starken Verstopfungen im Rahmen des Reizdarm-Syndroms. Es wirkt direkt und fast nur im Darm (Experten sprechen von einer lokalen Wirkung). Das hat den Vorteil, dass das Mittel keinen Einfluss auf andere Organe hat und dort somit auch keine oder kaum Nebenwirkungen verursacht.

Der Wirkstoff Linaclotid zielt auf einen bestimmten Rezeptor direkt im Darm, die sogenannte Guanylatcyclase-C. Dadurch strömt über diesen Rezeptor mehr Flüssigkeit in den Darm, die den Stuhl aufweicht und geschmeidiger macht. Er bekommt somit wieder "freie Fahrt" durch das Darmrohr.

Hauptnebenwirkung: Durchfälle

Im Darm selbst kann es durch diesen Mechanismus leider zu unerwünschten Wirkungen kommen. Sehr häufig beschweren sich Betroffene, die Constella® einnehmen, dass das Medikament über das Ziel hinausschießt. Kurzum: Statt Verstopfung haben sie unter Linaclotid zu viele Stuhlgänge. In Studien hatten 43% der Probanden leichte, 47% mäßige und 2% starke Durchfälle.

Sollten Sie Linaclotid nehmen, so gilt: Wenn bei Ihnen tatsächlich heftige Durchfälle auftreten, die auch nach etwa einer Woche nicht nachlassen, sollten Sie das Mittel absetzen und Rücksprache mit Ihrem Arzt halten.

Blähungen und Schwindel möglich

Zu den häufigen unerwünschten Wirkungen, die bei 1-10% der Behandelten vorkommen, zählen nach Angaben des Herstellers:

  • durch Viren verursachte Magen-Darm-Grippe
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • geschwollener / geblähter Bauch
  • Schwindelgefühl

Vorsicht bei Magen-, Schmerz- und Abführmitteln

Es gibt einige Mittel, die – zusammen mit Constella® – das Durchfall-Risiko erhöhen. Dazu gehören Protonenpumpenhemmer, also Medikamente, die den Magen schützen sollen und bei Sodbrennen oder Magengeschwüren eingesetzt werden (z.B. Omeprazol und Pantoprazol); außerdem bestimmte Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Entzündungshemmer (z.B. Ibuprofen und ASS).

Als weitere Medikamentengruppe sind hier Abführmittel zu nennen – klar, wenn gleich zwei Mittel gegen Verstopfung verabreicht werden, kann das schon einmal zu viel werden.

Wirkung einiger Mittel kann eingeschränkt sein

Frauen sollten aufpassen, wenn Sie mit der Pille verhüten. Kommt es durch Linaclotid dazu, dass der Darminhalt zu schnell durchrauscht, kann es passieren, dass die Pille nicht ausreichend in den Organismus aufgenommen wird und somit nicht ihre volle Wirkung entfalten kann.

Und schließlich müssen Sie vorsichtig sein, wenn Sie Medikamente nehmen, die im Darm absorbiert werden und sehr genau dosiert werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist das Medikament Levothyroxin, das bei einer Unterfunktion der Schilddrüse eingesetzt wird. Unter Linaclotid kann es sein, dass Levothyroxin nicht so stark wirkt wie erwartet.

Quellen:

  • Fachinformation Constella® 290 Mikrogramm Hartkapseln. 2021. Herausgeber: Allergan Pharmaceuticals International Limited. www.allergan.de.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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