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Fumarsäureester (Tecfidera, Fumaderm, Skilarence): Wirkung und Nebenwirkungen

Fumarsäureester sind in Deutschland seit 1994 in der systemischen (innerlichen) Behandlung der Psoriasis zugelassen. Seit 2014 wird außerdem der Ester Dimethylfumarat in der Therapie der Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt. Lesen Sie mehr zur Wirkung, zur Anwendung und zu den Nebenwirkungen von Fumarsäureester.

Welche Fumarsäureester gibt es?

Fumarsäure ist eine organische Substanz, die in allen Organismen natürlicherweise entsteht. In größeren Mengen findet man sie in verschiedenen Pflanzen, Pilzen und Flechten – so auch beispielsweise in der Heilpflanze Gemeiner Erdrauch (Fumaria officinalis), die schon im Mittelalter u. a. bei trockener und schuppender Haut angewandt wurde.

In der heutigen Medizin werden lediglich bestimmte chemische Verbindungen davon, die sogenannten Fumarsäureester (Dimethylfumarat und Ethylhydrogenfumarat), zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.

Auf dem deutschen Markt derzeitig verfügbare Arzneimittel, die Fumarsäureester enthalten (Stand 2019), sind:   

  • Fumaderm®
  • Skilarence®
  • Tecfidera®

Mono- und Misch-Präparate

In der Behandlung der Psoriasis (Schuppenflechte) stehen den Betroffenen zwei Präparate zur Verfügung. Während das altbewährte Fumaderm® ein Gemisch aus vier Fumarsäureester-Substanzen (Hauptsubstanz Dimethylfumarat sowie drei verschiedene Salze des Ethylhydrogenfumarats) beinhaltet, handelt es sich bei dem seit 2017 zugelassenen Skilarence® lediglich um die Mono-Substanz Dimethylfumarat.

Das seit 2014 zur Behandlung der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) zugelassene Tecfidera® enthält ebenfalls lediglich die Mono-Substanz Dimethylfumarat.

Wie wirken Fumarsäureester (Fumaderm, Skilarence, Tecfidera)?

Immunmodulatorisch & entzündungshemmend

Der Wirkmechanismus der Fumarsäureester ist zwar noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt aber an, dass die immunmodulatorischen (das Immunsystem verändernden) und die antioxidativen Effekte (die Blockade schädlicher Oxidierungsprozesse im Körper) von Dimethylfumarat u. a. durch Wechselwirkungen mit dem intrazellulären Thiol-System zustande kommen.

Psoriasis wird durch eine Überaktivität des Immunsystems hervorgerufen. Dimethylfumarat reduziert diese Überaktivität, indem es auf die T-Zellen (bestimmte körpereigene Abwehrzellen) wirkt und diese daran hindert, Stoffe zu bilden, die die Entzündungen bei der Psoriasis hervorrufen.

Dimethylfumarat schützt Nervenzellen

Bei Multiplen Sklerose (MS) soll Dimethylfumarat u. a. den sogenannten Nrf2-Signalweg aktivieren und so ebenfalls immunmodulatorisch und entzündungshemmend sowie neuroprotektiv (die Nervenzellen schützend) wirken. Bei dem  Nrf2-Signalweg handelt es sich um einen wichtigen zellulären Mechanismus gegen die zellschädigenden Einflüsse von oxidativem Stress und Entzündungsreaktionen.

Wie wirkt Fumaderm bei Psoriasis?

Fumarsäureester werden in der Dermatologie als innerlich anzuwendendes Medikament (Fumaderm®) bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris eingesetzt. Ihre Wirkung entfalten sie über eine Beeinflussung des Immunsystems mit antientzündlichem Effekt und über eine Normalisierung von Zellwachstum und -vermehrung.

Tabletteneinnahme folgt einem festen Schema

Fumaderm® wird in Deutschland seit Anfang der 90er Jahre zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Schuppenflechte vom Plaque-Typ eingesetzt. Die Therapie ist ab dem 18. Lebensjahr zugelassen und wird in Form magensaftresistenter Tabletten eingenommen, die ihre Wirkung erst im Darm entfalten.

Die Behandlung mit Fumarsäureestern folgt einem festen Dosierungsschema. Hierfür ist es sinnvoll, sich von Ihrem behandelnden Dermatologen eine entsprechende Einnahme-Tabelle geben zu lassen. Es gibt nämlich zwei unterschiedlich starke Darreichungsformen dieses Medikaments, die nacheinander eingenommen werden müssen.

Zuerst Fumaderm® initial und dann Fumaderm®

Fumaderm® initial ist die sogenannte Einleitungsbehandlung, die etwa über drei Wochen geht. Jede Tablette enthält lediglich 30 mg des Hauptwirkstoffes Dimethylfumarat. Wird das Medikament während dieser Phase gut vertragen, erhalten Sie im Anschluss die sogenannte Haupt- oder Erhaltungstherapie. In den eigentlichen Fumaderm®-Tabletten sind dann 120 mg Dimethylfumarat pro Tablette enthalten.

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Hintergrund für dieses Vorgehen ist eine langsame Gewöhnung Ihres Körpers an den Wirkstoff. Deshalb ist es wichtig, dass Sie gerade zu Beginn der Therapie diesem Einnahmeschema folgen. Im weiteren Verlauf werden Sie dann zusammen mit Ihrem Arzt Ihre ganz individuelle Dosierung festlegen können.

Besserung der Psoriasis nach ein bis zwei Monaten

Normalerweise zeigt sich eine Besserung der Schuppenflechte etwa vier bis acht Wochen nach Therapiebeginn. Nach etwa sechs Monaten entscheidet der Arzt, ob die Erkrankung auf die Behandlung ausreichend angesprochen hat und ob diese fortgeführt werden sollte.

Fumaderm® gehört zu den Antipsoriatika, die für eine langfristige Behandlung der Schuppenflechte geeignet sind. Bei guter Verträglichkeit kann die Therapie also über viele Jahre erfolgen.

Wie muss ich Fumaderm bei Psoriasis einnehmen?

Die zur innerlichen Behandlung der Psoriasis eingesetzten Fumarsäureester sind in zwei Dosierungen erhältlich. Das niedriger dosierte Fumaderm® initial dient als Einleitung zur höher dosierten Haupttherapie mit Fumaderm®. Beide Medikamente unterliegen dabei einem festen Einnahmeschema.

Langsame Eingewöhnung mit Fumaderm® initial

Das niedrig dosierte Fumaderm® initial enthält 30 mg des Hauptwirkstoffes Dimethylfumarat. Das entspricht lediglich einem Viertel der in den Fumaderm®-Tabletten enthaltenen Wirkstoffmenge. Um Ihren Körper langsam an die Fumarsäureester zu gewöhnen, beginnen Sie die Therapie zunächst einschleichend mit Fumaderm® initial.

Dosierungsschema

In der ersten Woche nehmen Sie 1 Tablette Fumaderm® initial täglich ein, in der zweiten Woche 2 Tabletten und in der dritten Woche 3 Tabletten täglich. Nach diesen ersten drei Behandlungswochen wird die Therapie auf die höher dosierten Fumaderm®-Tabletten umgestellt. Erneut fangen Sie in der ersten Woche mit 1 Tablette Fumaderm® an, in der zweiten mit 2 Tabletten etc.

Lassen Sie sich von Ihrem Dermatologen eine Tabelle zu diesem Dosierungsschema geben. Die Einnahme gestaltet sich dann viel übersichtlicher und einfacher als man zunächst annehmen könnte.

Warum so kompliziert?

Gerade die zu Anfang etwas umständlichen Einnahmevorgaben könnten den einen oder anderen dazu verführen, die Tabletteneinnahme etwas lockerer zu sehen. Tun Sie das bitte nicht!  Es hat sich gezeigt, dass das langsame Einschleichen des Wirkstoffes in niedrigeren Dosierungen bei den Betroffenen deutlich weniger Nebenwirkungen hervorruft.

Die langsame Steigerung der Dosis verbessert die Verträglichkeit des Medikaments vor allem hinsichtlich des Magen-Darm-Traktes. Sie werden also weniger Probleme mit der "Verdauung" der Tabletten haben. Dies lässt sich übrigens zusätzlich optimieren, indem Sie Fumaderm® initial und Fumaderm® zu den Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit einnehmen.

Höchstdosis nicht überschreiten

In der Regel werden Sie eine Besserung Ihres Hautzustandes vier bis acht Wochen nach Therapiebeginn beobachten. Etwa in der sechsten Behandlungswoche (Sie nehmen zu diesem Zeitpunkt täglich 2 Tabletten Fumaderm® ein) erfolgt bei den meisten Betroffenen eine individuelle Dosisanpassung des Medikaments. D.h., der behandelnde Arzt spricht zusammen mit Ihnen über die weitere Dosierung. Je nach Verträglichkeit und therapeutischem Ansprechen von Fumaderm® behalten Sie die aktuelle Dosierung bei, oder er empfiehlt eine weitere Steigerung nach Schema.

Die empfohlene Tages-Höchstdosis beträgt 6 Tabletten Fumaderm®. Allerdings benötigen die meisten Betroffenen langfristig lediglich zwischen 2 und 4 Tabletten Fumaderm® täglich. Diese Erhaltungstherapie wird immer mal wieder angepasst. Die meisten Betroffenen können den Bedarf an Tabletten im Verlauf aber sehr gut selbst einschätzen.

Absetzen der Therapie ohne Folgen möglich

Falls Sie die Therapie mit Fumarsäureestern spontan beenden müssen (schlechte Blutwerte, nicht tolerierbare Nebenwirkungen, geplante Schwangerschaft etc.), können Sie zumindest hinsichtlich des sogenannten "Rebound-Effekts" beruhigt sein. Bei diesem Effekt treten die Symptome einer Erkrankung nach Absetzen der Arzneimittel verstärkt wieder auf. Bei Fumaderm® müssen Sie das nicht befürchten.

Wie wird Skilarence bei Psoriasis eingenommen?

Der Fumarsäureester Dimethylfumarat (Skilarence®) wird seit 2017 in der Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis eingesetzt. Im Gegensatz zum Fumarsäureester-Gemisch Fumaderm® enthält Skilarence® allerdings ausschließlich den Wirkstoff Dimethylfumarat als Mono-Substanz.

Dosis schrittweise steigern

Skilarence® (Dimethylfumarat) ist als Tablette in den Dosierungen 30 mg und 120 mg verfügbar. Die Dosis sollte (entsprechend folgendem Schema) langsam gesteigert werden:

  • in der ersten Woche 30 mg täglich (1 Tablette à 30 mg abends)
  • in der zweiten Woche 60 mg täglich (1 Tablette à 30 mg jeweils morgens und abends)
  • in der dritten Woche 90 mg täglich (1 Tablette à 30 mg jeweils morgens, mittags, abends)
  • in der vierten Woche 120 mg täglich. (1 Tablette à 120 mg abends)

Ab der fünften Woche wird die Dosis dann wöchentlich um 120 mg gesteigert, bis die Maximaldosis von 720 mg täglich erreicht ist (2 Tabletten à 120 mg jeweils morgens, mittags, abends).

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Hinsichtlich einer besseren Verträglichkeit sollten Sie Skilarence® mit ausreichend Flüssigkeit (vorzugsweise sogar mit Milch) entweder zu oder unmittelbar nach einer Mahlzeit einnehmen.

Individuelle Anpassung der Dosis

Das zuvor genannte Dosierungsschema soll selbstverständlich nur als Orientierung dienen. Die Dosis von Skilarence® kann und sollte natürlich jederzeit abhängig von Unverträglichkeiten, Behandlungserfolg oder Blutwerten angepasst werden.

Wenn also eine bestimmte Dosissteigerung nicht vertragen wird, kann die Dosis vorübergehend auf die zuletzt vertragene Dosis reduziert werden. Sollte ein Behandlungserfolg bereits vor Erreichen der Höchstdosis eintreten, ist keine weitere Dosissteigerung notwendig.

Nach Erreichen einer sichtbar relevanten Verbesserung der Psoriasis sollte eine langsame Reduzierung von Skilarence® auf die individuell erforderliche Erhaltungsdosis in Betracht gezogen werden.

Auf welche Weise wirkt Dimethylfumarat (Tecfidera) gegen Multiple Sklerose?

Der genaue Wirkmechanismus von Dimethylfumarat (Tecfidera®) bei der Multiplen Sklerose ist immer noch nicht ganz klar, obwohl der Arzneistoff bereits seit mehr als 20 Jahren in der Behandlung der Schuppenflechte erfolgreich eingesetzt wird.

Fest steht, dass es sich bei dem Fumarsäureester Dimethylfumarat um eine immunmodulierende Substanz handelt – also ein Medikament, das das Immunsystem beeinflusst.

Stärkung der Abwehrfraktion

Erreicht wird dieser Effekt wahrscheinlich über die Aktivierung eines sogenannten Transkriptionsfaktors. Dessen Name: Nrf2 = Nuclear factor (erythroid-derived 2)-like 2. Das ist ein Protein, das oxidativen Schäden durch Entzündungen entgegenwirkt.

Bei diesem Signalweg handelt es sich um einen körpereigenen Abwehrmechanismus, der Zellen vor potenziell schädlichen Einflüssen wie Entzündungen und oxidativen Stress schützt. Im Tiermodell konnte außerdem gezeigt werden, dass sich geschädigte Nervenzellen in Anwesenheit von Dimethylfumarat sogar regenerieren können.

Bei welchen MS-Formen kommt eine Behandlung mit Tecfidera in Betracht?

Dimethylfumarat (Tecfidera®) ist ein MS-Basismedikament, das bei der schubförmig remittierenden Verlaufsform der Multiplen Sklerose eingesetzt wird. Das Medikament ist für Patienten mit mildem und moderatem Verlauf geeignet.

Das Behandlungsziel des Fumarsäureesters besteht in einer Reduzierung der Schubrate. In den Zulassungsstudien konnte gezeigt werden, dass Tecfidera® die Häufigkeit von Schüben im Vergleich zu Placebo um rund 50% senken kann. Innerhalb einer zweijährigen Behandlungsdauer kam es in diesen Untersuchungen im Schnitt bei 28% der Teilnehmer zu einem neuen MS-Schub. Unter Placebo lag diese Rate bei 43%.

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Ob auch die MS insgesamt durch Tecfidera® aufgehalten werden kann, ob also der Zustand des Nervensystems durch die Behandlung längere Zeit stabil bleibt, ist nicht gesichert.

Wirksamkeit von Tecfidera im Vergleich zu Plazebo:

Verglichen mit einem Scheinmedikament senkte Tecfidera in Studien die Schubrate um rund 45%. Anders ausgedrückt: Unter Plazebo kam es in den Studien innerhalb von zwei Jahren bei etwa 43% der Patienten zu einem Schub, unter Tecfidera bei 28%.

Ob das Fortschreiten von Behinderungen aufgehalten wird, ist nicht gesichert.

Wirksamkeit von Tecfidera im Vergleich zu anderen MS-Wirkstoffen:

In der Senkung der Schubrate liegt Tecfidera etwa im Mittelfeld der MS-Basismedikamente. In einem direkten Vergleich mit Glatirameracetat (Copaxone) fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Wirkstoffen (Stand: Mai 2016).

In welcher Form wird Tecfidera eingenommen oder gespritzt?

Das MS-Medikament Tecfidera® (Dimethylfumarat) kann als Tablette eingenommen werden. In der Regel beginnt man in der ersten Woche der Behandlung mit zweimal täglich 120 mg, danach wird die Dosis auf zweimal täglich 240 mg erhöht.

Nicht gleich die volle Dosis

Dass man die Einnahme von Tecfidera® mit einer geringen Dosis beginnen soll, hat folgenden Grund: Der Körper muss sich erst an den Wirkstoff gewöhnen. Mit der niedrigeren Anfangsdosis soll das Auftreten von Nebenwirkungen in den ersten Tagen und Wochen reduziert werden.

Allerdings ist das keine Garantie für eine unproblematische Eingewöhnungsphase. Auch unter der eingangs geringen Dosis haben viele Betroffene einige Nebenwirkungen – unter anderem Hitzeschübe mit starker Rötung der Haut, die dann auch noch jucken oder brennen kann. Deshalb wird die Dosis nicht selten auch langsamer, meist von Woche zu Woche, gesteigert. Im Idealfall ist nach drei Wochen die gewünschte maximale Tagesdosierung erreicht.

Die Tabletten werden zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen.

Tecfidera: Muss man sich unbedingt an die Dosissteigerung in der Packungsbeilage halten?

Wenn möglich sollten Sie das tun! Die in der Packungsbeilage von Tecfidera® angegebene Dosissteigerung ist vor allem darauf abgestimmt, dass zu Beginn der Einnahme nicht zu starke Nebenwirkungen auftreten. Die sind nämlich bei Tecfidera®, insbesondere nach den ersten Tabletten, zu befürchten und werden nach der Eingewöhnungsphase geringer.

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Wer mit dem vorgegebenen Schema zurechtkommt, erreicht innerhalb eines Monats die endgültige Dosis von 480 mg pro Tag. Diese Zieldosierung wird dann gesplittet auf zwei Einnahmen täglich (morgens und abends) von je einer Tablette zu 240 mg.

Dosisanpassungen möglich, aber bitte in Abstimmung mit Arzt oder Ärztin

Wenn Sie trotz der im Beipackzettels beschriebenen langsamen Dosissteigerung starke und sehr belastende Nebenwirkungen bekommen, können Sie auch versuchen, länger bei niedrigeren Dosierungen zu bleiben, bis sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnt hat. Das sollten Sie aber unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin abstimmen. Plötzliche zu große Dosissteigerungen, die nicht dem vorgesehenen Behandlungsschema entsprechen, sollten Sie unbedingt vermeiden.

Kann man Dimethylfumarat (Tecfidera) von heute auf morgen absetzen?

Ja, das MS-Medikament Dimethylfumarat (Tecfidera®) kann ohne weiteres von heute auf morgen abgesetzt werden. Das ist manchmal sogar notwendig, zum Beispiel aus Gründen der Unverträglichkeit. Auch wenn die weißen Blutzellen (v.a. die Lymphozyten) in den Kontrolluntersuchungen zu stark dezimiert sind, kann ein sofortiger Abbruch erforderlich sein.

Schneller Wirkungsverlust bei Abbruch von Tecfidera

Beim Absetzen ist allerdings zu bedenken, dass der Wirkstoff im Körper schnell abgebaut wird. Die Schutzwirkung (Dimethylfumarat hat entzündungshemmende bzw. das Immunsystem verändernde Eigenschaften) erlischt also recht unmittelbar nach dem Absetzen.

Es lohnt sich daher unbedingt, im Falle eines Einnahme-Stopps mit dem behandelnden Arzt zu sprechen, um ggf. direkt auf ein alternatives verlaufsmodifizierendes MS-Medikament zu wechseln.

Anfangsdosis schrittweise steigern

Übrigens, während nichts gegen ein abruptes Therapieende spricht, muss im Gegensatz dazu Dimethylfumarat zu Beginn der Behandlung in seiner Dosis langsam gesteigert werden. Die schrittweise Dosierung verringert vor allem das Auftreten von Nebenwirkungen wie Hitzegefühl und Magen-Darm-Beschwerden. Hier gilt also nicht die Regel "von heute auf morgen".

Welche Nebenwirkungen können unter Fumarsäureestern auftreten?

Besonders in den ersten Wochen der Behandlung mit Fumarsäureestern (Tecfidera®, Fumaderm®, Skilarence®) kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen, die sich mit der Zeit aber oftmals bessern. Dabei kommen zwei Nebenwirkungen besonders häufig vor (über 10% der Behandelten): Magen-Darm-Beschwerden und Flush. Der Flush ist eine Hautsymptomatik mit ausgeprägter Hautrötung, Hitzegefühl und weiteren Missempfindungen.

Häufige (unter 10%) bis sehr häufige (über 10% der Anwender) Nebenwirkungen von Fumarsäureestern im Überblick:

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  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Hautrötung mit Brennen und Wärmegefühl
  • Juckreiz
  • Veränderung von Blutwerten (erniedrigte weiße Blutkörperchen, erhöhte Leberwerte) und Urinwerten

Selten, aber gefährlich: Abfall der weißen Blutkörperchen

Unter der Einnahme von Fumarsäureestern kann es zu einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin kommen. Typisch unter der Behandlung ist zudem ein Abfall weißer Blutkörperchen (Leukozyten) und hierbei insbesondere die Erniedrigung der Lymphozyten, einer Untergruppe der Leukozyten. Fallen diese unter einen Wert von 500 pro Mikroliter, kann das gefährlich werden, denn es besteht dann eine erhöhte Infektionsgefahr.

In sehr seltenen Fällen kann sich daraus sogar eine schwere Erkrankung des zentralen Nervensystems entwickeln, die sogenannte progressive multifokale Leukenzephalopathie, kurz PML.

Die Gefahr für diese lebensbedrohliche Störung besteht vor allem bei einem über lange Zeit unbemerkten Abfall der weißen Blutzellen. Das Blutbild wird deshalb nicht nur vor Beginn der Behandlung, sondern auch während der Therapie in regelmäßigen Abständen überprüft. Auch regelmäßige Urinuntersuchungen sind wichtig.

Psoriasis: Was tun bei Nebenwirkungen unter Fumaderm?

Bei der Behandlung mit Fumaderm® kommt es häufig zu lästigen, aber in der Regel harmlosen Nebenwirkungen. Diese sind meist vorübergehend und äußern sich vorwiegend durch Magen-Darm-Beschwerden, Gesichtsrötungen mit Hitzewallungen oder Veränderungen der Blutwerte.

Die systemische (innerliche) Therapie mit Fumarsäureestern ist in Deutschland seit 1994 zugelassen. Das im Fumaderm® initial und im Fumaderm® enthaltene Gemisch aus Fumarsäureestern mit dem Hauptwirkstoff Dimethylfumarat wird bei der mittelschweren bis schweren Psoriasis vom Plaque-Typ eingesetzt.

Nebenwirkungen häufig zu Beginn

Bereits nach vier bis acht Wochen sorgt die Therapie mit Fumaderm® bei den meisten Betroffenen für einen Rückgang der entzündungsbedingten Rötungen und für eine Abnahme der Überproduktion an Hautschuppen. Bei manchen kann es aber auch drei bis sechs Monate dauern, bis ein entsprechender Therapieerfolg zu verzeichnen ist.

Zu diesem Zeitpunkt quälen sich viele Psoriatiker bereits mit den Nebenwirkungen der Therapie. Am häufigsten treten hierbei eine sogenannte Flush-Symptomatik mit Gesichtsrötung und Wärmegefühl sowie Magen-Darm-Beschwerden auf. Letztere sind für die Betroffenen besonders unangenehm und im Alltag einschränkend.

Beruhigend für Sie zu wissen ist, dass diese Nebenwirkungen vor allem zu Beginn der Behandlung auftreten und mit fortschreitender Behandlungsdauer häufig zurückgehen. Auch eine Dosisverringerung sorgt meist für eine deutliche Besserung der Symptome.

Flush – das Gesicht ist rot und heiß

Beim "Flush" handelt es sich um eine kurzzeitig auftretende Rötung der Haut, die mit einem Hitzegefühl einhergehen kann. Meist treten diese Symptome etwa vier bis fünf Stunden nach Einnahme der Tabletten ein. Obwohl bei jedem Menschen sehr individuell, dauert der Flush bei den meisten nur einige Minuten.

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Bei den ersten Anzeichen von Flush-Symptomen kann die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS 500, Aspirin®) helfen. Darauf sollten Sie jedoch nur in Ausnahmesituationen zurückgreifen. Die dauerhafte Einnahme von ASS 500 bringt wiederum andere Probleme mit sich und steht hier daher in einem ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis.

Der Bauch grummelt und schmerzt

Die unter einer Fumaderm®-Therapie häufig auftretenden Magen-Darm-Beschwerden können unterschiedliche Ausprägungen haben. Diese reichen von Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit bis hin zu Oberbauchkrämpfen, Durchfällen und Verstopfung.

Die Beschwerden treten vorwiegend zu Beginn der Behandlung auf und bilden sich im weiteren Behandlungsverlauf häufig zurück. Allerdings trifft das nicht bei jedem Menschen zu und führt bei manchem auch zum Abbruch der Therapie.

Neben der bereits erwähnten Dosisverringerung zur Verbesserung der Beschwerden ist es wichtig, die Tabletten entweder zu oder nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Die Einnahme mit Milch kann die Magen-Darm-Verträglichkeit ebenfalls verbessern.

Regelmäßige Laborkontrollen

Vor Beginn einer Behandlung mit Fumaderm® führt Ihr Arzt einige Blutuntersuchungen sowie eine Urinuntersuchung durch. Das ist wichtig, um mögliche Vorerkrankungen auszuschließen und um Ausgangswerte zu haben. Bei Frauen im gebärfähigen Alter gehört auch ein Schwangerschaftstest dazu.

Durch die therapiebegleitenden, regelmäßig durchgeführten Blut- und Urinuntersuchungen kann Ihr Dermatologe frühzeitig Veränderungen feststellen, die auf mögliche Nebenwirkungen hinweisen. Bei einigen Psoriatikern kommt es unter Fumaderm® vorwiegend zu einer Veränderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Aber auch die Nierenwerte können sich verändern, was u.a. über die Urinuntersuchungen festgestellt werden kann. Falls erforderlich, wird Ihr behandelnder Arzt entscheiden, ob ggf. die Dosis reduziert oder die Therapie beendet werden muss.

Tecfidera: Was kann man gegen Magen-Beschwerden tun?

Magen-Darm-Beschwerden treten unter der Behandlung mit Dimethylfumarat (Tecfidera®) recht häufig auf. Typisch sind Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder auch Durchfall.

Den Magenbeschwerden lässt sich erfahrungsgemäß aber mit relativ einfachen Mitteln begegnen: Viele Anwender haben gute Erfahrungen damit, vor oder gleichzeitig mit der Einnahme von Dimethylfumarat Milchprodukte wie Joghurt oder Quark zu sich zu nehmen. Sinnvoll ist auch, die Tabletten nicht auf nüchternen Magen einzunehmen.

Magensäureblocker als Schutz

Vor Magenschmerzen bewahren kann auch die vorübergehende Einnahme von Protonenpumpenhemmern. Das sind Medikamente, die die Magensäure hemmen. Typische Vertreter sind Pantoprazol oder Esomeprazol, es gibt aber noch zahlreiche weitere. Diese Medikamente werden auch in anderen Situationen, in denen es um Magenschutz geht, verordnet, zum Beispiel begleitend zu ASS, Ibuprofen oder Diclofenac, oder auch bei einem Magengeschwür.

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Wenn das alles nicht hilft, ist eine weitere Option, die Dosis von Tecfidera® erst einmal wieder zu reduzieren. Manche Anwender brauchen einfach mehr Zeit, um mit einer steigenden Dosis von Fumarsäureestern zurechtzukommen.

Nebenwirkung von MS-Medikamenten: Was ist ein Flush?

Ein Flush ist eine Nebenwirkung, die bei vielen MS-Medikamenten auftreten kann – besonders häufig zum Beispiel unter Fumarsäureestern wie dem Dimethylfumarat (Tecfidera®). Typisch sind ausgeprägte Hautrötungen, verbunden mit Hitzegefühl und Brennen.

Im Falle von Dimethylfumarat tritt der Flush meist einige Zeit nach der Einnahme der Tabletten auf: Die Haut vor allem des Gesichts, des Halses und Dekolletés rötet sich plötzlich, fühlt sich heiß an und „britzelt“, wie viele das nennen. Gemeint ist damit eine Missempfindung. Die Beschwerden können sich manchmal auch auf andere Körperbereiche erstrecken.

Vor allem die "Frager und Glotzer" können nerven

Zu dem unangenehmen Gefühl kommt für viele Betroffene erschwerend hinzu, dass die Hautrötungen sehr auffällig sein können und Andere einen darauf ansprechen (etwa bei der Arbeit). Der Flush vergeht aber meist schnell wieder. Allerdings kann er bei jeder Medikamenteneinnahme erneut auftreten.

Die einzige gute Nachricht: Ein Flush ist nicht gefährlich.

Was hilft gegen die Flush-Symptomatik unter Tecfidera?

Der sogenannte Flush ist eine recht häufige Nebenwirkung von Dimethylfumarat (Tecfidera®). Typisch sind Hautrötungen mit Brennen und Hitzegefühl. Wenn Sie stark unter solchen Flushs leiden, kann sich der Versuch einer Dosisreduktion lohnen. Gerade zu Beginn der Behandlung ist es durchaus möglich, die Dosis etwas langsamer zu steigern als das in der Packungsbeilage beschrieben ist.

In einer amerikanischen Studie konnte außerdem nachgewiesen werden, dass auch Acetylsalicylsäure (ASS, auch bekannt als Aspirin®) die Beschwerden lindern kann. ASS sollte gleichzeitig mit Dimethylfumarat eingenommen werden. Zu bedenken ist aber, dass auch ASS zu Magenbeschwerden führen kann. Ein Vorgehen also, das (falls Sie aufgrund der Einnahme von Dimethylfumarat eh schon mit Magenproblemen zu kämpfen haben) evtl. nicht ganz so geeignet ist. Da ASS außerdem die Funktion der Blutplättchen beeinflusst und die Blutgerinnung hemmt, ist eine dauerhafte Einnahme eher nicht zu empfehlen.

Tecfidera (Fumarsäurester): Wie oft sollte man das Blutbild kontrollieren lassen?

Unter der Behandlung mit Dimethylfumarat (Tecfidera®) kann es in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Infekten kommen, die auf eine zu starke Unterdrückung des Immunsystems zurückzuführen sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt deshalb, bei Einnahme von Fumarsäure das Blutbild regelmäßig kontrollieren zu lassen.

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Seltene, aber ernstzunehmende Gefahr: progressive multifokale Leukenzephalopathie

Zum Hintergrund: Unter der Behandlung mit Dimethylfumarat kam es bereits in einigen Fällen zu einer gefährlichen Infektionskrankheit des zentralen Nervensystems, der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML). Diese virale Infektion ist lebensbedrohlich. Eine Gefahr besteht vor allem, wenn die weißen Blutzellen (und zwar insbesondere die Untergruppe der Lymphozyten) unter einem Wert von 500/Mikroliter sinken.

Die Empfehlungen, in welchem Abstand die Blutwerte kontrolliert werden sollten, gehen allerdings auseinander. Das Kompetenznetzwerk Multiple Sklerose (KKNMS) rät alle sechs bis acht Wochen zu regelmäßigen Kontrollen.

Autoren: , Dr. med. Sonia Trowe & Dr. med. Jörg Zorn

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, Download: http://www.awmf.org, Zugriff Juni 2019.
  • Rote Liste Service GmbH, Fachinformation Fumaderm®, Skilarence®, Tecfidera®.
  • Fumarsäureester: PML in der Psoriasis-Behandlung. In: Dt. Ärzteblatt. 26. April 2013, www.aerzteblatt.de, abgerufen im Juni 2019.

Kommentare: Archiv

Tecfidera
Dienstag, den 05. Dezember 2017 um 10:16 Uhr
Ich bin nach 9 Jahren Beta-Interferon schnell und gespannt auf Tecfidera umgestiegen. Seit Mai 2014 nehme ich dieses Mittel. Ich bin seit dem unglaublich erleichtert, Fatigue ist kaum noch, genauer nach Überbelastung mich einschränkend. Einen Flush habe ich etwa 2-4x in der Woche, in entspannten Zeiten seltener. Ich weise ggf. meine Mitmenschen kurz darauf hin, dass diese Reaktion Medikamenten-bedingt ist und ohne Probleme nach einer halben Stunde vorüber ist. Magenbeschwerden habe ich bislang nicht gehabt. Ich fühle mich deutlich leistungsfähiger und erleichtert. Eine vermehrte Darmaktivität ist für mich keine Belastung. Überaus ärgerlich ist der unverschämte Preis dieses eigentlich bereits über Psoriasis etablierten Medikaments.
 
Tec
Mittwoch, den 04. Januar 2017 um 11:25 Uhr
Traurig, dass Ärzte nichts vom schonenden Einschleichen halten, was die Verträglichkeit positiv beeinflusst. Traurig, dass kein Arzt erklärt, dass die Wirksamkeit erst nach 1 Jahr so hoch ist, um vor Schüben zu schützen. Leider erfährt man in Selbsthilfegruppen mehr über Sinn & Unsinn des Medikamentes.
Bei den meisten Ärzten heißt es nur.... Halten Sie durch! Um evtl. ein anderes Medikament zu versuchen.
 
Nebenwirkungen unter Tecfidera
Dienstag, den 10. Mai 2016 um 15:04 Uhr
Ich nehme Tecfidera seit November 2015. Vorher 2003-2015 Rebif 22 Injektionen, danach 3 Monate Aubagio. Mit Tecfidera hab ich nicht nur mehrmals täglich Flushs, sondern auch mehrfach täglich ein Angioödem. Aber ich halte durch, denn alles vorher war schlimmer.
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