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Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Was genau ist eine akute lymphatische Leukämie (ALL)? Wie kommt es dazu? Welche Symptome sind typisch? Wie wird diese Art von Krebs behandelt? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zur ALL.

Einführung

ALL: Was ist das?

Lymphozyten außer Rand und Band

Bei der akuten lymphatischen Leukämie, die umgangssprachlich auch als Blutkrebs bezeichnet wird, kommt es zur Entartung und anschließend zur unkontrollierten Vermehrung von Lymphozyten im Blut. Lymphozyten sind eine Unterpopulation der weißen Blutkörperchen. Sie sind Träger des Immunsystems. Im gesunden Zustand vermehren sich Lymphozyten beispielsweise im Rahmen einer akuten Infektion, um die Immunabwehr zu stärken.

Diese Vermehrung ist aber streng reguliert. Bei der ALL hingegen kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Lymphozytenvorstufen, ohne dass ein Reiz, wie beispielsweise eine Infektion, vorliegt. Diese Vorläuferzellen der reifen Lymphozyten werden auch als Blasten bezeichnet und sind in Blut und Knochenmark normalerweise nur in einem sehr geringen Ausmaß zu finden.

Sind unreife Blutzellen immer gefährlich?

Nicht unbedingt. Junge, noch nicht endgültig ausdifferenzierte Zellen, die dem blutbildenden System angehören, werden auch als Blasten bezeichnet. Normalerweise entwickeln sich aus Stammzellen Blasten und diese differenzieren sich wiederum zu spezialisierten, voll funktionsfähigen Blutzellen aus. Bleibt die Entwicklung auf Höhe des Blasten stehen und vermehren sich diese krankhaft schnell, wird von einer Leukämie gesprochen.

In der Regel beträgt der Blastenanteil etwa 2-5%, im Rahmen einer Leukämie steigt der Anteil im peripheren Blut bzw. im Knochenmark definitionsgemäß auf über 20%.

Ursachen

Hat die ALL eine genetische Ursache?

Die ALL ist keine erblich bedingte Erkrankung, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden kann. Vielmehr kommt es im Laufe des Lebens zu genetischen Veränderungen im Knochenmark, die dann zu einer Entartung der weißen Blutzellen führen können.

Die Ursachen dieser Genmutationen sind noch nicht abschließend erklärt, es gibt jedoch bestimmte Risikofaktoren, die mit der Entstehung von ALL bzw. den ALL-typischen Genveränderungen einhergehen. Dazu zählen:

  • ionisierende Strahlung wie Röntgenstrahlung
  • bestimmte Chemotherapeutika
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)

In den meisten Krankheitsfällen lassen sich keine Risikofaktoren feststellen, die Krankheitsentstehung wird dann zufälligen Genmutationen zugeschrieben.

Kann ALL ansteckend sein?

Wie alle anderen Krebsformen ist auch eine ALL nicht ansteckend. Sie kann weder auf andere Menschen noch auf Tiere übertragen werden.

Wer ist von ALL betroffen?

Die akute lymphatische Leukämie hat zwei Häufigkeitsgipfel, betrifft jedoch vorwiegend Kinder zwischen dem 1. und dem 5. Lebensjahr. Der zweite Erkrankungsgipfel liegt um das 70. Lebensjahr. Männer sind insgesamt häufiger von einer ALL betroffen als Frauen.

Insgesamt ist die Erkrankung aber eher selten. Bei Kindern unter fünf Jahren werden pro Jahr etwa 5-6 Krankheitsfälle auf 100.000 Kinder verzeichnet, in der Gesamtpopulation wird pro Jahr eine ALL auf 100.000 Menschen diagnostiziert.

Symptome

ALL: Welche Symptome treten auf?

Im Rahmen der ALL kann es zu einer Reihe an Symptomen kommen, die sich in der Regel über einen recht kurzen Zeitraum entwickeln. Ursache für die Beschwerden sind zum einen die verminderte Anzahl an normalen Blutzellen im Blut, andererseits kann es zum Befall bestimmter Organe durch die entarteten Zellen kommen.

Typische Symptome einer ALL sind:

  • Blutarmut
  • Infektneigung
  • Blutungen
  • Schmerzen in Gelenken und Knochen
  • Appetitverlust
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Doppeltsehen
  • hängende Augenlider

Blässe und Schwäche – typische Zeichen einer ALL?

Durch die ungehemmte Vermehrung von Blasten im Knochenmark kommt es in der Folge zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie). Da die roten Blutzellen für den Transport von Sauerstoff im Körper zuständig sind, führt eine Anämie folglich zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Dieser zeigt sich in typischen Beschwerden wie Müdigkeit, Luftnot, Leistungsabfall, Unwohlsein, Schwäche und Blässe.

Ist Nachtschweiß ein Zeichen für Leukämie?

Nicht zwangsläufig. Nachtschweiß tritt zwar im Verlauf der meisten Leukämieformen auf, kann aber auch Symptom vieler anderer Erkrankungen sein. dazu zählen zum Beispiel viele Infektionskrankheiten, eine Schilddrüsenüberfunktion, rheumatische Erkrankungen und andere Krebsleiden. Nicht selten ist zeitweiser Nachtschweiß auch völlig harmlos und hat keine Erkrankung als Ursache.

Häufiges Nasenbluten – Hinweis auf ALL?

Da auch Blutplättchen (Thrombozyten) im Rahmen einer ALL vermindert produziert werden (Thrombozytopenie), kann es zu einer verstärkten Blutungsneigung und häufigem Nasenbluten kommen. Aber auch punktförmige Hauteinblutungen, sogenannte Petechien, viele blaue Flecke oder verlängerte Blutungszeiten bei kleinen Verletzungen oder nach Zahnarztbesuchen können Hinweise auf eine Thrombozytopenie sein. Diese tritt aber nicht nur im Rahmen einer ALL auf, sondern kann auch bei anderen Blutkrebsformen vorkommen.

Welche Organe können von ALL befallen sein? Und welche Symptome treten dann auf?

Gelangen Blasten aus dem Knochenmark in die Blutbahn, können sie von dort aus viele weitere Organe befallen und Beschwerden verursachen. Typischerweise kommt es zu einer Schwellung von Milz und Leber, was mit einem Druck- oder Schmerzgefühl im linken bzw. im rechen Oberbauch einhergehen kann. Aber auch Lymphknoten können von Blasten befallen werden und in Folge anschwellen. Vielfach wird dann eine Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich festgestellt.

Kommt es zum Befall des Rückenmarks oder des Gehirns, können starke Kopfschmerzen, Doppelbilder, ein herabhängendes Augenlid oder Mundwinkel die Folge sein. Auch Konzentrationsschwäche und Empfindungsstörungen im Gesichtsbereich können auftreten.

Seltener kommt es zum Befall von Brustdrüsen oder Hoden, Haut und Schleimhäuten. Ein Befall dieser Organe tritt eher im Zusammenhang mit einem Rezidiv (Rückfall) der Erkrankung auf.

Warum leiden Kinder mit ALL unter erhöhter Infektanfälligkeit?

Obwohl sich im Rahmen der ALL Zellen des Immunsystems ungehemmt vermehren, verliert die körpereigene Abwehr an Leistungskraft. Der Grund dafür ist, dass die im Rahmen der ALL vermehrten weißen Blutzellen unreif sind und keine Funktion übernehmen. Gesunde, reife Zellen des Immunsystems sind damit Mangelware, was zu einer gesteigerten Infektneigung und, vor allem in den Wintermonaten, ständigen Infektionen der oberen Atemwege führen kann.

Warum will mein Kind ständig getragen werden?

Oftmals fallen Kinder mit einer ALL dadurch auf, dass sie ständig auf den Arm und getragen werden wollen. Gerade Kinder, die noch nicht sprechen können, sind weinerlich und scheinbar nur auf dem Arm eines Elternteils zufrieden. Der Grund dafür ist die Ausbreitung von Blasten (unreife Blutzellen) in den Knochen, was mit sehr starken Gelenk- und Knochenschmerzen einhergehen kann, die nur durch körperliche Schonung etwas reduziert werden.

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Diagnostik

ALL: Wie wird die Diagnose gestellt?

Blutabnahme und weitere Untersuchungen

In der Regel beginnt die Diagnostik mit einem ausführlichen Erstgespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung sowie einer Blutentnahme. In vielen Fällen zeigt sich während einer Routineuntersuchung des Blutes eine extreme Zunahme der weißen Blutkörperchen, die dann weiter abgeklärt werden muss. Steht der Verdacht einer ALL im Raum, sollten weiterhin folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

Was möchte der Arzt während des Erstgespräches wissen?

Während der Anamnese wird Ihr behandelnder Arzt vor allem erfragen, ob bei Ihnen oder Ihrem Kind krankheitstypische Beschwerden vorliegen. Typischerweise fallen viele Atemwegsinfektionen in der nahen Vergangenheit auf. Weiterhin werden Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsabfall, Oberbauchschmerzen, eine erhöhte Blutungsneigung, die sich durch häufiges Nasenbluten oder viele blaue Flecke äußert, beschrieben.

Liegt bei Diagnosestellung bereits ein Befall des zentralen Nervensystems (ZNS) vor, können auch Kopfschmerzen, Erbrechen, Lethargie und Gesichtslähmungen hinzukommen. Fast immer finden sich in der Anamnese Fieber, Abgeschlagenheit und Nachtschweiß.

Kann man eine ALL „von außen“ erkennen?

Die akute lymphatische Leukämie ist keine Blickdiagnose. Dennoch kann ein erfahrener Arzt im Rahmen einer körperlichen Untersuchung erste Hinweise auf das Vorliegen der Erkrankung bekommen.

Typisch für Kinder ist, dass sie aufgrund starker Knochenschmerzen das Laufen verweigern und immer getragen werden wollen. Vielfach fallen auch eine starke Schwellung von Milz und Leber, sowie eine nicht schmerzhafte Vergrößerung der Lymphknoten auf. Da diese Symptome auch im Rahmen anderer, nicht bösartiger Erkrankungen vorkommen können, muss immer weiter untersucht werden.

Warum braucht es eine Blutentnahme?

Eine gründliche Untersuchung des Blutes ist wichtigster Bestandteil der ALL-Basisdiagnostik. Dabei lassen sich charakteristische Veränderungen erkennen: Typischerweise zeigen sich eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und der roten Blutkörperchen (Anämie). Die weißen Blutkörperchen können in unterschiedlicher Weise verändert sein: neben einer normalen Zellzahl können die Leukozyten erhöht oder vermindert sein. Sie sind damit kein sensitiver Marker für eine akute Leukämie.

Neben den veränderten Zellreihen sind häufig auch LDH und Harnsäure im Blut erhöht. Diese Werte zeigen einen erhöhten Zellumsatz an und treten bei vielen bösartigen Erkrankungen auf.

Warum wird mein Blut unter dem Mikroskop beurteilt?

Ein sehr wichtiger Bestandteil der Leukämiediagnostik ist neben der Blutentnahme der Blutausstrich. Dabei wird ein Tropfen Blut auf einer Glasplatte dünn ausgestrichen und unter dem Mikroskop beurteilt. 

Bei einer akuten lymphatischen Leukämie finden sich typischerweise unreife Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen, sogenannte Blasten. Typisch für die ALL ist weiterhin der sogenannte „Hiatus Leukaemikus“. Darunter versteht man das Vorkommen von unreifen Blasten und reifen Zellstufen weißer Blutkörperchen im Blut, während mittelreife Formen fehlen. Der Hiatus Leukaemikus kommt neben der ALL auch bei der AML vor.

Muss eine Knochenmarkpunktion durchgeführt werden?

Eine Punktion des Knochenmarks ist fester Bestandteil der Leukämie-Diagnostik. Die Knochenmarkpunktion wird unter Vollnarkose oder in Lokalanästhesie am Beckenkamm durchgeführt. Das so gewonnene Knochenmark wird für eine Reihe an Untersuchungen verwendet.

Zu viele Blasten im Knochenmark

Bei der ALL kann eine verstärkte Anzahl von weißen Blutzellen im Knochenmark festgestellt werden (Hyperzellularität). Typischerweise sind diese Zellen unreife Vorstufen der weißen Blutzellen, sogenannte Blasten, die sich alle sehr ähnlich sehen. Bei einem Anteil von über 25% Blasten im Knochenmark ist die Diagnose ALL gesichert. Aus diesem Grund ist die Entnahme und Analyse von Knochen so wichtig.

Warum wird bei der diagnostischen Abklärung oft auch eine Lumbalpunktion gemacht?

Bei der ALL kann es zu einer Infiltration des Nervengewebes kommen. Die Lumbalpunktion, bei der Rückenmarksflüssigkeit entnommen und untersucht wird, ist eine Standardmethode, einen möglichen Befall des Nervengewebes aufzudecken oder auszuschließen.

Wichtig für die weitere Behandlung

Bei der Untersuchung wird eine kleine Nadel in den Rückenmarkskanal gestochen und Rückenmarksflüssigkeit entnommen. Werden Blasten in der Rückenmarksflüssigkeit gefunden, muss die Therapie dementsprechend angepasst werden.

Werden Röntgen und CT nötig sein?

Da eine akute lymphatische Leukämie viele Organe befallen kann, sind im Einzelfall Untersuchungen wie Röntgen oder Computertomographie erforderlich, um die genaue Ausbreitung der Erkrankung im Körper zu bestimmen. Häufig wird mit einem Röntgen des Brustkorbes und einer Ultraschalluntersuchung des Bauches begonnen. Zeigen sich hierbei Auffälligkeiten, folgt oftmals eine CT der betreffenden Region, um ein dreidimensionales Bild zu erhalten.

Wie lange dauert es bis zur Diagnose?

Die Diagnose ALL kann nicht anhand einer einzigen Untersuchung gestellt werden. Vielmehr ist es wichtig, dass die Ergebnisse aller Untersuchungen zusammengetragen und gemeinsam beurteilt werden. Erst die Kombination aus Blutuntersuchung, Knochenmarkpunktion, Lumbalpunktion und bildgebenden Verfahren kann zur Diagnose führen. Aus diesem Grund kann es einige Tage bis Wochen dauern, bis sich aus unklaren Symptomen ein Krankheitsbild zusammensetzt.

Verdacht auf Leukämie (ALL): Was kann es noch sein?

Da eine akute lymphatische Leukämie sehr heterogene Symptome aufweist, müssen verschiedene alternative Diagnosen bedacht und vor Therapiebeginn ausgeschlossen werden. Vor allem eine Erhöhung der Leukozyten (weißen Blutkörperchen) im Blut tritt bei vielen Erkrankungen auf. Gedacht werden sollte besonders an:

  • Infektionen
  • rheumatische Erkrankungen 
  • Kollagenosen (spezielle Bindegewebserkrankungen)
  • Medikamenten-bedingte Veränderungen des Blutbildes (z.B. Kortison )

Es kommen aber Leukämie-ähnliche Erkrankungen in Betracht:

  • Polyzytämia vera
  • essentielle Thrombozytämie
  • primäre Myelofibrose
  • chronische Neutrophilenleukämie

Formen der ALL

Welche Klassifikationen und Formen der ALL gibt es?

Abhängig davon, auf welcher Entwicklungsstufe des Lymphozyten die Entartung stattfindet, entstehen verschiedene Formen der ALL. Das Wissen darüber, um welche Form es sich jeweils handelt, ist entscheidend, um eine verlässliche Aussage über die Prognose und den Verlauf der Krankheit zu treffen. Auch die Wahl der entsprechenden Behandlungsstrategie hängt maßgeblich davon ab, um welche Variante der ALL es sich handelt.

Es gibt verschiedene Systeme bzw. Klassifikationen, um die ALL in Gruppen einzuteilen. Ein älteres System ist das der FAB-Gruppe (French-American-British). Es gliedert die Unterformen der ALL nach der Morphologie, also der Form der Blutzellen.

Klassifikation nach FAB

  • Der L1-Typ hat gleichförmige, kleine Vorläuferzellen mit wenig Zytoplasma (Zellwasser) und kann sowohl T-Lymphozyten wie auch B-Lymphozyten betreffen. Dieser Subtyp kommt überwiegend bei Kindern vor.
  • Der L2-Typ besitzt größere Vorläuferzellen mit etwas vermehrtem Zytoplasma und betrifft hauptsächlich T-Lymphozyten. An diesem Subtyp erkranken größtenteils Erwachsene.
  • Beim L3-Typ finden sich große Blasten mit sehr auffälligen Nucleoli (Kernkörperchen), stark basophilem Zytoplasma und vielen zytoplasmatischen Vakuolen. Dieser Typ, auch Burkitt-Lymphom genannt, betrifft ausschließlich B-Lymphozyten und ist sehr selten. Vermutlich wird er durch Viren verursacht.

Die Unterteilung der FAB spielt allerdings nur beim L3-Typ eine Rolle. Wichtiger und therapeutisch relevanter ist eine Unterteilung der ALL nach genetischen Aspekten. Das System der WHO (World Health Organization) von 2008 gliedert die verschiedenen Formen der ALL nach molekulargenetischen Kriterien der lymphatischen Vorläuferzellen.

Klassifikation der WHO

  • B-lymphatische Leukämie
    • B-lymphatische Leukämie, nicht näher spezifiziert
    • B-lymphatische Leukämie mit wiederkehrenden genetischen Abnormalitäten
      • B-lymphatische Leukämie mit Translokation zwischen Chromosom 9 und 22; BCR-ABL1
      • B-lymphatische Leukämie mit Translokation in Chromosom 11; MLL
      • B-lymphatische Leukämie mit Translokation zwischen Chromosom 12 und 21; BCR-ABL1
      • B-lymphatische Leukämie mit Hyperdiploidie
      • B-lymphatische Leukämie mit Hypodiploidie (hypodiploide ALL)
      • B-lymphatische Leukämie mit Translokation zwischen Chromosom 5 und 14; IL3-IGH
      • B-lymphatische Leukämie mit Translokation zwischen Chromosom 1 und 19; TCF3-PBX1
  • T-lymphatische Leukämie/B-lymphatisches Lymphom

Behandlung

ALL: Wie wird die Erkrankung behandelt?

Die akute lymphatische Leukämie ist eine schwere Erkrankung, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen bis Monate zum Tode führen würde. Daher ist eine Behandlung zwingend notwendig.

Ein weiterer Grund, der für die Therapie spricht, sind die sehr guten Heilungsaussichten. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei über 80%. Ziel der Therapie ist die vollständige Remission, die definiert ist über eine Normalisierung des Blutbildes und einen Blastenanteil im Knochenmark von unter 5%.

Behandlung in spezialisierten Kliniken

Die Diagnose ALL erfordert immer einen stationären Krankenhausaufenthalt. Typischerweise erfolgt die in einer Abteilung für Hämato-Onkologie, die spezialisiert ist auf Krebs- und Blutkrebserkrankungen.

Wann sollte die Therapie begonnen werden?

Es ist wichtig, dass nach Diagnosestellung keine Zeit mehr verstreicht, in der sich die Erkrankung weiter im Körper ausbreiten kann. Bereits eine Therapieverzögerung von wenigen Tagen kann die Prognose der Erkrankung verschlechtern. Daher wird in der Regel unmittelbar nach der Diagnosestellung mit der Therapie begonnen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die wichtigste Säule der ALL-Therapie ist die Chemotherapie. Sie wird immer begleitet von einer Behandlung (Linderung) der Nebenwirkungen, der sogenannten supportiven Therapie.

Im Einzelfall werden weiterhin eine Strahlentherapie oder eine Knochenmarktransplantation zur Behandlung einer ALL eingesetzt. Chemotherapie, Strahlentherapie und Knochenmarktransplantation verfolgen alle das Ziel, alle Leukämiezellen im Körper vollständig abzutöten. Das Knochenmark soll wieder seine ursprüngliche Funktion aufnehmen und für eine zuverlässige Blutbildung verantwortlich sein.

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Welche Chemotherapie ist bei ALL notwendig?

Typischerweise setzt sich eine Chemotherapie bei ALL aus einer Induktionstherapie (Akutbehandlung zum Start) und einer Postremissionstherapie (Behandlung nach ersten Erfolgen) zusammen. Einige Autoren sprechen auch von Induktionstherapie, Konsolidierungstherapie und Erhaltungstherapie. Damit gliedert sie sich in verschiedene Phasen, die einerseits Chemotherapie-Zyklen andererseits aber auch Pausen enthalten. 

Induktionstherapie

Im Rahmen der Induktionstherapie wird mit aggressiven Chemotherapeutika behandelt, um die komplette Remission (Rückbildung der Leukämiezellen) schnellstmöglich zu erreichen. Da in der Regel ein einziges Chemotherapeutikum nicht ausreicht, um alle Blasten zu vernichten, werden heutzutage mehrere Medikamente miteinander kombiniert. Dies führt einerseits dazu, dass die Leukämiezellen innerhalb von 4-6 Wochen deutlich zurückgedrängt werden, andererseits kommt es häufig zu schweren Nebenwirkungen. Die Dauer der Induktionstherapie beträgt in der Regel vier bis sechs Wochen.

Postremissionstherapie (Konsolidierungstherapie, Erhaltungstherapie)

Um den ersten Behandlungserfolg zu erhalten, schließt sich eine Konsolidierungstherapie und Erhaltungstherapie an. Diese dauert Monate bis Jahre an und dient dazu, das Wiederaufflammen der Erkrankung zu verhindern. Dieser Behandlungsabschnitt muss nicht vollständig im Krankenhaus durchgeführt werden, in der Regel kann er ambulant erfolgen.

Wie lange wird die Chemotherapie bei ALL fortgeführt?

In der Regel dauert die primäre Behandlung zwei Jahre. Bei neu diagnostizierter akuter lymphatischer Leukämie beginnt man die Behandlung meist mit zwei Zyklen einer hochdosierten Chemotherapie. Diese einleitende Behandlung nennt man auch Induktionschemotherapie.

Danach folgen dann Konsolidierungstherapie und Erhaltungstherapie. Sie laufen mindestens über anderthalb Jahre.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man während der Chemotherapie rechnen?

Da Chemotherapeutika Zellgifte sind, werden nicht nur Krebszellen von dem Medikamenten angegriffen, sondern auch gesunde, sich schnell vermehrende Zellen.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:

  • Magen-Darm-Störungen mit Übelkeit und Erbrechen
  • Haarausfall
  • Beeinträchtigung der Funktion einzelner Organe, insbesondere Niere, Leber, Lunge und Nervensystem
  • Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit

Wie wird der Erfolg der Chemotherapie beurteilt?

Um zu beurteilen, ob die Therapie anschlägt, werden in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durchgeführt. Zum einen wird circa ein- bis zweimal wöchentlich Blut abgenommen und zu Diagnostik ins Labor geschickt, zum anderen werden auch in regelmäßigen Abständen Knochenmarkpunktionen zur Untersuchung der Knochenmarksfunktion durchgeführt. Wurde bei der Diagnosestellung festgestellt, dass weitere Organe betroffen sind, werden auch diese regelmäßig nachuntersucht.

Stimmt es, dass bei der ALL häufig auch bestrahlt wird?  

Ja. Und zwar der Hals- und Kopfbereich. Das hängt damit zusammen, dass die entarteten Bluzellen bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) nicht selten auch das Gehirn befallen. Um dem zu begegnen, wird an die anfängliche Chemotherapie häufig eine Strahlentherapie angeschlossen. Dabei werden in mehreren Sitzungen der Schädel und die Halsregion bestrahlt.

Die Bestrahlung ist aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen wird das Gehirn vor einer starken Blasten-Vermehrung geschützt, andererseits dient die Schädelbestrahlung auch der Prävention eines Erkrankungsrückfalls. Denn Blasten, die durch die Chemotherapie nicht abgetötet werden, können sich nach Abschluss der Behandlung weiterhin ungehemmt vermehren und die Erkrankung erneut aufflammen lassen.

Alternativ: Medikamente direkt ins Rückenmark

Alternativ, manchmal auch zusätzlich, können die Chemotherapie-Wirkstoffe auch direkt ins Nervenwasser (Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, auch Liquor genannt) verabreicht werden. Dadurch gelangen sie auch ins Gehirn. Über den Blutweg ist das nicht zuverlässig möglich.

Verlauf und Prognose

Was tun bei einem Rückfall oder wenn die Leukämiezellen trotz Chemotherapie nicht vollständig verschwunden sind?

Leider gelingt es mit der Chemotherapie nicht immer, die akute lymphatische Leukämie dauerhaft zurückzudrängen. Es kommt dann irgendwann zu einem Rezidiv – dem Wiederauftreten von Leukämiezellen. Manchmal bleiben auch trotz der intensiven, anfänglichen Chemotherapie restliche Leukämiezellen im Körper zurück.

Neue Chemo oder Stamzelltransplantation

Tritt ein solcher Rückfall auf, wird in der Regel eine weitere, sehr hochdosierte Chemotherapie angesetzt. Das Ziel dieser Behandlung ist es, alle verbliebenen oder neu aufgetretenen Leukämiezellen im Körper zu vernichten. Alternativ kommt in manchen Fällen auch eine Ganzkörperbestrahlung mit anschließender Gabe von Blutstammzellen (sogenannte Stammzelltransplantation, um das Knochenmark mit neuen Blutzellen zu versorgen) in Betracht.

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