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Hüftdysplasie: Symptome und Behandlung

Was bedeutet eine Hüftdysplasie für mein Kind? Geht das ohne Operation wieder weg? Mehr dazu in diesem Kapitel.

Basiswissen

Was ist eine Hüftdysplasie?

Die Hüftdysplasie zählt zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Etwa 1-4% aller Neugeborenen sind davon betroffen. Dank flächendeckender Früherkennungsmaßnahmen (Hüft-Ultraschall im Rahmen der U3) nimmt die Häufigkeit aber ab.

Es handelt sich um eine Reifungsstörung der Hüfte, deren Entwicklung bei Geburt noch nicht abgeschlossen ist. Der obere Teil des Hüftgelenks, die sogenannte Hüftgelenkspfanne, steht zu steil bzw. ist zu klein oder zu flach angelegt. Dadurch wird das Ende des Oberschenkelknochens, der Hüftkopf, nur ungenügend vom Pfannendach abgedeckt und hat zu wenig Halt.

Rutscht der Hüftkopf aus seinem natürlichen Lager heraus, spricht man von einer Hüftgelenkverrenkung (Hüftluxation). Die Übergänge zwischen Dysplasie und Luxation sind fließend. Zu 75% soll die linke Hüfte betroffen sein.

Häufigkeit

Wie oft entsteht eine Hüftdysplasie?

Wie häufig die Hüftdysplasie vorkommt, ist unter Ärzten etwas umstritten. Das hängt nämlich von ihrer Definition ab – also wie flach die Hüftgelenkspfanne in der Ultraschallmessung sein muss, um nicht als abnormer Befund gewertet zu werden. Darüber allerdings lässt sich trefflich streiten und demzufolge können die Häufigkeitsangaben mehr oder stark variieren.

Mancher Expertenmeinung zufolge sollen bis zu ein Drittel aller Neugeborenen betroffen sein. Dabei sind geografische Unterschiede festzustellen: Es gibt so etwas wie „Dysplasie-Nester“ (z.B. Sachsen, Böhmen). Allerdings kommt es erfreulicherweise in 80% der Fälle zu einer spontanen Rückbildung früher Anzeichen und zu einer gesunden Hüftentwicklung im weiteren Verlauf.

Fest steht: Die Hüftgelenksdysplasie ist die häufigste kinderorthopädische Störung. Aber „nur“ etwa 1-4% der Säuglinge müssen deshalb behandelt werden.

Risikofaktoren

Wann ist die Gefahr für eine Hüftdysplasie bei Babys besonders hoch?

Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die die Entstehung einer Hüftdysplasie begünstigen können. So spielt zum Beispiel das Geschelcht des Kindes eine Rolle, vor allem bei der Hüftluxation (Ausrenkung). Das Risiko ist zudem erhöht, wenn in einer Familie bereits Hüftdysplasien vorgekommen sind (altersbedingte Verschleißerscheinungen des Hüftgelenkes sind hier aber ohne Bedeutung).

Zu den Risikofaktoren der Hüftdysplasie zählen somit:

  • Geschlecht:
    bei Mädchen 4-7mal häufiger als bei Jungen (vor allem die Hüftluxation), vermutlich hormonell bedingt
  • Schwangerschaft und Geburt:
    Erstschwangerschaft, Fruchtwassermangel, Beckenendlage, Mehrlingsgeburt, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Lagerung des Kindes nach der Geburt (!)
  • Vorliegen anderer Fehlbildungen der unteren Extremitäten oder der Wirbelsäule
  • familiäre Veranlagung: Fälle von Hüftdysplasie in der näheren Verwandtschaft bekannt (altersbedingte Verschleißerscheinungen am Hüftgelenk spielen keine Rolle)

Kann man das Risiko beeinflussen?

Etwa 1-4% aller Neugeborenen kommen mit einer Reifungsstörung ihres Hüftgelenks auf die Welt, Mädchen etwa 4-7mal häufiger als Jungen. Weil die Hüftgelenke Ihres Kindes in den ersten Lebensmonaten noch sehr leicht formbar sind, können Sie einiges für deren gesunde Entwicklung tun:

  • Günstige Lagerung nach der Geburt: in Hüftbeugung. Ungünstig: Streckung (erleichtert eine Verrenkung) und Bauchlage.
  • Legen Sie Ihr waches Baby häufig auf den Rücken, damit es frei strampeln kann;
  • Wickeln Sie es breit: Legen Sie dazu eine zusätzliche, doppelt gefaltete Windel oder ein Moltontuch, jeweils etwa 15 cm breit, ins Wickelpaket, um für eine angemessen gespreizte Haltung der Beinchen zu sorgen.
  • Auch die Position im Tragetuch oder Tragesack mit breit gespreizten Beinchen ist günstig für Ihr Baby. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass seine Wirbelsäule nicht durchhängt, sondern gestützt ist, die Beinchen sich also in gebeugter Hüftstellung befinden und nicht lose herabhängen.

Diagnose

Wie wird eine Hüftdysplasie festgestellt?

Worauf Sie beim Wickeln Ihres Neugeborenen achten sollten: Lassen sich die Beinchen gut und gleichmäßig spreizen? Erscheinen beide Beinchen gleich lang und verlaufen die typischen Falten (vorne und vor allem am Po hinten) links und rechts symmetrisch auf gleicher Höhe? Letzteres trifft allerdings auch bei einer beidseitigen Hüftdysplasie (15% der Fälle) zu, außerdem sind die meisten Reifungsstörungen mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Falls Sie aber entsprechende Anzeichen einer (ausgeprägteren) Hüftdysplasie feststellen, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf hinweisen.

Spätestens mit dem sogenannten Hüft-Screening per Ultraschall im Rahmen der U3 fällt ein abweichender Befund auf und wird ärztlich dokumentiert. Häufig erfolgt eine solche Ultraschallkontrolle (Hüft-Sono) bereits in den ersten Lebenstagen im Krankenhaus. Da die Sonografie für Ihr Kind vollkommen unschädlich ist, sind möglichst frühzeitige und im weiteren Verlauf wiederholte Kontrollen nur zu begrüßen.

Allerdings kann leider keine noch so gute Diagnostik eine 100%ige Sicherheit bieten. Behalten Sie deshalb die gesunde Hüft- und Skelettentwicklung Ihres Kindes auch weiterhin im Auge. Bei Leistenschmerzen im späteren Alter sollte man (vor allem als Arzt) nicht nur an die klassische Blinddarmentzündung denken, sondern auch an eine Hüftdysplasie.

Therapie

Muss eine Hüftdysplasie behandelt werden?

Ja, denn unbehandelt drohen bleibende Folgeschäden, die Ihrem Kind im späteren Leben erheblich zu schaffen machen können: Die dauerhafte Fehlstellung kann heftige Schmerzen, einen frühzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) und in der Folge die Notwendigkeit zu aufwändigen Operationen bis hin zum künstlichen Hüftgelenk verursachen.

Bei rechtzeitiger Behandlung sehr gute Prognose

Je später diese Entwicklung entdeckt wird, desto schwieriger ist eine erfolgreiche Behandlung. Und umgekehrt: Möglichst frühzeitig zu Lebensbeginn erkannt, sind die meisten Hüftdysplasien mehr oder weniger leicht korrigierbar. Das beste Mittel zur Früherkennung ist dabei die Ultraschalluntersuchung, deren Aussagekraft allerdings ab dem 6. Lebensmonat abnimmt.

Wie wird eine Hüftdysplasie beim Säugling behandelt?

Ziel der Behandlung einer Hüftdysplasie ist die Nachreifung der zu flachen, zu kleinen oder zu steilen Hüftgelenkpfanne. Das Prinzip besteht in der Beugung und Spreizung der Oberschenkel, wodurch der Hüftkopf entlastet wird. Er wird dadurch mittig in die Pfanne gedrückt und deren angemessene Ausformung wird gefördert.

Als sehr hüftkopfschonend hat sich eine Hüftbeugung um ca. 120° und Beinspreizung um etwa 50° erwiesen. Die Behandlungsdauer hängt vom Alter des Kindes und der Hüftgelenkssituation ab. Bei über 90% der Kinder mit einfacher Hüftdysplasie führt das 3- bis 6-monatige Tragen einer Spreizhose dazu, dass sich die Hüfte noch normal entwickelt.

In schwereren Fällen wird ein Gipsverband erforderlich, sehr selten ein operativer Eingriff. Außerdem ist die zusätzliche Anwendung spezieller Hüftschienen oftmals notwendig. Je rascher die Reifungsstörung erkannt und mit einer Behandlung begonnen wird, desto kürzer ist in der Regel die Behandlungsdauer und desto höher die Chance, operative Maßnahmen vermeiden zu können.

Die Behandlungsmaßnahmen im Überblick:

  • Breitwickeln:
    bei gering ausgeprägter Hüftdysplasie, oder bei schon kurz nach der Geburt erkannter Hüftdysplasie. Handtuch etwa 15 cm breit falten und zwischen Körper und Strampelanzug über der Windel einlegen, alternativ zusätzliche Windel über die eigentliche Windel ziehen. Manche Ärzte und Hebammen raten allerdings vom Breitwickeln ab.
  • Spreizhose:
    die klassische Behandlungsmaßnahme. Sie besteht aus einem Schultergurt, einem Leibgurt, der geknöpft ist, und zwei gepolsterten Beingurten. Wird über der Kleidung getragen und nur zum Wickeln und Baden abgenommen. Mit einer Spreizhose werden die Beine besser fixiert als beim Breitwickeln.
  • Pavlik-Bandage:
    Durch Zügel werden die Kräfte der Beine so umgeleitet, dass die Strampelbewegungen des Babys den Hüftkopf in Richtung Pfanne drücken. Die Pavlik-Zügel bestehen aus einem Brustgurt und zwei Unterschenkelgurten. Sie müssen vom Kinderorthopäden ausgemessen und regelmäßig kontrolliert werden
  • Der Hüftgips:
    strengste Form der Ruhigstellung, bei schweren Fällen. Reicht meist vom unteren Rippenbogen bis zum Unterschenkel der Säuglinge und besitzt eine Aussparung im Bereich der Windel.
  • Operation:
    in seltenen Fällen bei sehr schlechten und instabilen Hüften erforderlich.

Was ist eine Spreizhose und wie lange muss sie bei einer Hüftdysplasie getragen werden?

Die Spreizhose ist eine Art Schiene, die bei Säuglingen mit Hüftgelenksdysplasie dafür sorgt, dass das Baby die Hüftgelenke gebeugt und abgespreizt hält. Das verstärkt den Druck des Oberschenkel-Kopfes auf die Hüft-Pfanne, wodurch ein "Auswachsen" der Hüftdysplasie gefördert wird.

In der Regel reicht das Anlegen der Spreizhose über einen Zeitraum von 3-6 Monaten aus, um einen optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten. Je häufiger Sie Ihrem Kind die Spreizhose anziehen, desto günstiger sind die Heilungsaussichten. In den meisten Fällen kann mit dieser Maßnahme ein operatives Eingreifen vermieden werden.

Nur solange das Kind noch nicht steht

Allerdings ist es mit dem Einsatz der Spreizhose vorbei, sobald Ihr Kind zu stehen beginnt, also üblicherweise etwa im 8.-10. Lebensmonat. Wenn sich das betroffene Hüftgelenk bis zu diesem Zeitpunkt nicht normal entwickelt hat, sind weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig, im ungünstigsten Fall eine Operation. Auch deshalb sollte eine Hüftgelenksdysplasie so frühzeitig wie möglich festgestellt (und behandelt) werden, worauf im Rahmen des frühkindlichen Vorsorgeprogramms großer Wert gelegt wird.

Wann muss ein Kind wegen einer Hüftdysplasie operiert werden?

Die operative Korrektur einer Hüftdysplasie ist nur dann erforderlich,

  • wenn nicht-operative Methoden wie z.B. das Tragen einer Spreizhose, Bandagen, Schienen oder Gips nicht zum erwünschten Behandlungserfolg geführt haben;
  • oder wenn die richtige Platzierung des ausgerenkten Gelenks ohne Operation nicht möglich ist;
  • oder wenn aufgrund der Fehlstellung ein frühzeitiger Verschleiß (Arthrose) des betroffenen Gelenks zu erwarten ist.

Fazit: Bei frühzeitiger Diagnosestellung einer Hüftdysplasie kann eine Operation in den meisten Fällen vermieden werden.

Quellen:

  • Muntau A. Intensivkurs Pädiatrie. 3. Auflage. Urban & Fischer

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