Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Tamsulosin (Omsula): Wirkung und Nebenwirkungen

Tamsulosin ist eines der wichtigsten Medikamente zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Warum wird es besonders gerne verschrieben? Wie wirkt Tamsulosin? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wirkung

Was ist Tamsulosin (Omsula®, Tadin®)?

Der Wirkstoff ist zur Behandlung von Männern mit gutartiger Prostatavergrößerung (BPH, benigne Prostatahyperplasie, benignes Prostatasyndrom) zugelassen und zählt mit anderen Vertretern seiner Wirkstoffklasse (Alfuzosin (UroXatral®), Silodosin (Urorec®), Doxazosin (Uriduct®) und Terazosin (Terenar®)) zum Mittel der ersten Wahl für dieses Anwendungsgebiet. Besonders Männer mit nur mäßig vergrößerter Prostatadrüse profitieren von Tamsulosin.

Medikamente, die Tamsulosin enthalten, sind z.B.:

  • Alna®
  • Duodart®
  • Ocas®
  • Omnic Ocas®
  • Omnic Tocas®
  • Omsula®
  • Pradif Ocas®
  • Prostacure®
  • Prostadil®
  • Prostazid®
  • Tadin®
  • Tamsu-astellas®
  • Tamsu-Q®
  • Tamsublock®
  • Tamsulosin – Generika
  • Tamsunar®

Wie wirkt Tamsulosin auf die gutartige Prostatavergrößerung (Omsula®, Tadin®)?

Tamsulosin bewirkt, dass sich die Muskeln der Harnröhre, Prostata und angrenzenden Blase (Blasenhals) entspannen. Als Folge wird der Urinabfluss deutlich verbessert. Beschwerden, wie Pressen beim Wasserlassen, ein schwacher Harnstrahl oder häufige Toilettengänge, lassen nach. Die Größe der Prostata bleibt unverändert.

Aber nicht nur Männern mit Prostatabeschwerden kann Tamsulosin helfen, es gibt auch noch andere Einsatzgebiete, bei denen auch Frauen von der Wirkung des Medikaments profitieren:

Schnellkurs: Was bewirkt Tamsulosin?

Tamsulosin blockiert Muskeln

Der Wirkstoff Tamsulosin zählt zu der großen Familie der α1-Blocker, genauer gesagt zu der Untergruppe der sogenannten α1A-Rezeptor-Blocker. Er besetzt spezielle Andockstellen an der glatten Muskulatur (α1A-Rezeptoren), die sich vor allem im Harntrakt befinden, und blockiert sie.

Entspanntes Wasserlassen

Körpereigene Botenstoffe, wie Noradrenalin, können sich nicht mehr an dieselben Rezeptoren binden. Das bewirkt eine Entspannung der Muskeln: Die Harnröhre weitet sich, und der Urin fließt besser ab.

Tamsulosin kann aber mehr …

Tamsulosin ist in Deutschland offiziell nur zur Therapie von Männern mit BPH zugelassen. Es ist aber belegt, dass das Medikament auch bei der Behandlung anderer Krankheiten gut wirkt, sowohl bei Männern wie auch bei Frauen:

Nierensteine: Tamsulosin erleichtert den Weg

Der Wirkstoff unterstützt das Austreiben von Harnleitersteinen (kleine Nierensteine, die in den Harnleiter gerutscht sind). Denn der Harnleiter wird entspannt und dadurch weiter. Dadurch lässt sich bisweilen eine operative Steinentfernung vermeiden.

Hilfe bei neurologischer Störung

Auch hilft es Betroffenen, die an einer sogenannten neurogenen Blasenentleerungsstörung leiden. Dank Tamsulosin wird für sie das Wasserlassen deutlich leichter.

Off-Label-Use

Auch wenn keine Zulassung von der zuständigen Arzneimittel-Behörde vorliegt, dürfen Ärzte Tamsulosin zur Behandlung dieser beiden Erkrankungen einsetzen. Dies wird als Off-Label-Use bezeichnet.


Therapiedauer: Wie schnell und wie lange wirkt Tamsulosin?

Ein Effekt tritt sehr schnell ein, schon nach wenigen Tagen entfaltet Tamsulosin seine volle Wirkung. Auch hat Tamsulosin eine sehr gute Langzeitwirkung; eine Tablette täglich ist ausreichend. Der Wirkstoff wird konstant über 24 Stunden langsam freigesetzt.

Dauerhafte Therapie

Meistens wird Tamsulosin langfristig eingenommen: Das Wasserlassen wird leichter, weil Tamsulosin die Harnröhre entspannt. Sobald Sie die Tabletten nicht mehr einnehmen, kommt es erneut zur Engstellung der Harnröhre. Nach wenigen Tagen treten leider erneut Ihre ursprünglichen Symptome auf. Die Behandlung mit Tamsulosin muss also fortgesetzt werden, selbst wenn Ihre Beschwerden verschwunden sind.

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, um gemeinsam Alternativen oder Lösungswege zu erörtern, wenn Sie erwägen, das Medikament abzusetzen.

Nebenwirkungen

Welche unerwünschten Effekte können unter Tamsulosin (Omsula®, Tadin®) auftreten?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehört ein Schwindelgefühl. Die Ursache ist ein Blutdruckabfall. Vor allem an den ersten 8 Tage nach Therapiebeginn ist das Risiko am höchsten. Verglichen mit anderen α1-Blockern tritt dieser Effekt allerdings bei Tamsulosin und seinen nahen Verwandten Alfuzosin (UroXatral®) und Silodosin (Urorec®) relativ selten auf.

Normalerweise wird das Medikament aber gut vertragen, und durch eine Dosisreduktion von Tamsulosin können viele Nebenwirkungen vermieden werden. Spätestens, wenn die Behandlung beendet wird, sollten die negativen Begleiterscheinungen vergehen.

Schnellkurs: Nebenwirkungen von Tamsulosin

Die häufigsten und typischen Nebenwirkungen von Tamsulosin sind (1 bis 10% der Anwender betroffen):

  • Schwindelgefühl
  • Ejakulationsstörung (verminderter oder trockener Samenerguss)

Gelegentliche Begleiterscheinungen sind (0,1 bis 1% der Anwender betroffen):

  • Kopfschmerzen
  • Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Laufende oder verstopfte Nase
  • Blutdruckabfall beim Aufstehen, der zu Benommenheit führen kann
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Hautausschlag mit Juckreiz
  • Schwächegefühl

Seltene Nebenwirkungen (0,01% bis 0,1% der Anwender sind betroffen):

Wassereinlagerungen in der Haut (Angioödem) oder Ohnmachtsanfälle können auftreten.

Sehr seltene Begleiterscheinungen (Häufigkeit weniger als 0,01%):

Eine der seltensten, aber auch unangenehmsten Effekte ist die lang anhaltende, schmerzhafte Erektion (Priapismus). Auch schwere allergische Reaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom) treten auf, sind aber zum Glück eine Seltenheit.

Lesen Sie am besten auch den Beipackzettel. Dort werden alle möglichen Komplikationen ganz ausführlich erläutert.


Worauf sollten Sie bei der Behandlung mit Tamsulosin achten?

Nicht nur Nebenwirkungen können unangenehm werden. Auch andere Besonderheiten, die typisch für Tamsulosin sind, sollten Sie kennen, um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (z.B. Diclofenac) und weitere Probleme zu verhindern. Hätten Sie etwa gedacht, dass sich Tamsulosin und Augenoperationen gar nicht vertragen?

Tamsulosin: Augenoperation, Leberschäden und Co.

Auswirkung auf die Augen

2005 wurde erstmals beschrieben, dass Tamsulosin eine besonders bewegliche Regenbogenhaut verursachen kann (Floppy-Iris-Syndrome). Diese Überbeweglichkeit kann sogar dauerhaft bestehen bleiben.

Achtung bei geplanter Augen-OP

An sich ist das Phänomen nicht besorgniserregend, und Sie werden es selber kaum merken. Falls Sie aber wegen grauem Star (Katarakt) am Auge operiert werden müssen, wird der Eingriff für den operierenden Arzt deutlich komplizierter.

Steht eine Augenoperation bei Ihnen an, informieren Sie bitte vorher Ihren Augenarzt, dass Sie Tamsulosin einnehmen. Er wird mit Ihnen besprechen, ob Sie z.B. die Einnahme von Tamsulosin pausieren sollen oder die OP verschoben werden muss.

Wann sollte man Tamsulosin nicht einnehmen?

Leidet man unter niedrigem Blutdruck, sollte man auf ein anderes Arzneimittel ausweichen.

Auch bei bekannter Allergie gegen Tamsulosin sind Präparate, die den Wirkstoff beinhalten (z.B. auch das Kombinationspräparat Duodart®), unbedingt zu meiden.

Vorsicht bei Leberproblemen:

Tamsulosin kann die Leberfunktion verschlechtern. Das ist vor allem ein Problem, wenn bei Ihnen bereits eine schwere Lebererkrankung bekannt ist. Dann sollten Sie das Medikament besser nicht einnehmen und mit Ihrem Arzt über eine alternative Behandlung sprechen.

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt es?

Bei einigen Medikamenten sollte man vorsichtig sein und sie nicht zusammen mit Tamsulosin einnehmen. Dazu zählen Ketoconazol (Ketoconazole Hrav®), Erythromycin-Generika, Diclofenac-Generika und Warfarin (Coumadin®).

Andere Medikamente werden sogar absichtlich mit Tamsulosin kombiniert:

Zur intensivierten Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung wird Tamsulosin gerne mit Dutasterid (Avodart®, Duodart®) oder Finasterid (Proscar®) gemeinsam verabreicht.


Autorin:
Inhaltsverzeichnis Top
Anzeige
Anzeige
Anzeige