Unter Schirmherrschaft der
Deutschen Gesellschaft für Gesundheit e.V.
Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Finasterid (Propecia, Proscar): Wirkung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Finasterid? Gegen was hilft es? Kann es wirklich Haarausfall verhindern? Welche Nebenwirkungen kann es haben? Im folgenden Beitrag finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen zu Finasterid.

Wirkung

Was ist Finasterid (Propecia®, Proscar®)?

Finasterid zählt zur Gruppe der sogenannten 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es wird zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (Proscar®) verwendet, aber auch bei einer bestimmten Form des Haarausfalls bei Männern (Propecia®).

Finasterid verkleinert die Prostata, verbessert den Harnfluss und hilft bei Beschwerden aufgrund der Prostatavergrößerung.

Bei einer speziellen Form des Haarausfalls, der auch als Haarausfall vom männlichen Typ oder als androgenetische Alopezie bezeichnet wird, wird der Haarausfall stabilisiert und der Haarwuchs sogar angeregt.

Medikamente, die Finasterid enthalten, sind z.B.:

  • Finahair®
  • Finamed®
  • Finapil
  • Finapuren
  • Finaristo
  • Finascar®
  • Finasterid-Generika
  • Finural®
  • Propecia®
  • Prosmin® 5 mg
  • Proscar-Generika

Wie wirkt Finasterid auf die gutartige Prostatavergrößerung (z.B. Proscar®)?

Die vergrößerte Prostata verhindert einen normalen Urinabfluss. Hier greift nun Finasterid ein. Es beeinflusst den Hormonhaushalt der Prostata und bewirkt somit, dass sie kleiner wird. Folglich bessern sich Beschwerden wie Pressen beim Wasserlassen oder ein schwacher Harnstahl.

Finasterid stopp auch eine weitere Größenzunahme der Prostata. Dadurch können weitere Probleme, z.B. das Entstehen von Blasensteinen, Blut im Urin (eine große Prostata blutet leichter) oder ein Harnverhalt (die Blase kann plötzlich gar nicht mehr entleert werden), verhindert werden.

Um zu verstehen, wie Finasterid genau wirkt, müssen wir uns die Wirkung von Hormonen anschauen:

Funktion und Größe der Prostata werden durch ein männliches Hormon, das Dihydrotestosteron (DHT) beeinflusst. Wird die Menge dieses Hormons reduziert, verkleinert sich die Prostata.

Wie gelingt das nun? Indem die Entstehung von DHT blockiert wird. DHT wird aus dem Hormon Testosteron hergestellt, und Finasterid hemmt genau diesen Prozess. Die Prostata wächst nicht mehr und wird sogar kleiner. Je größer die Prostata ist, umso eindrucksvoller ist der Effekt.

Wie wirkt Finasterid auf den Haarausfall (z.B. Propecia®)?

Es gibt eine besondere Art des Haarausfalls, die vor allem jüngere Männer unter dem 40. Lebensjahr betrifft (androgenetische Alopezie, Haarausfall vom männlichen Typ). Ursachen sind die Vererbung und hohe Mengen des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) in der Kopfhaut. DHT lässt die Haare nur für eine kurze Zeit wachsen und fördert den Haarverlust.

Wie soll nun Finasterid zur neuen Haarpracht verhelfen? Finasterid blockiert die Entstehung von DHT aus dem Hormon Testosteron.
Somit ist weniger DHT in der Kopfhaut vorhanden und die Haare haben wieder mehr Zeit zum Wachsen. Es wurde nachgewiesen, dass bei Männern, die 5 Jahre lang Finasterid einnahmen, der Ausfall verzögert wurde und bei etwa der Hälfte sogar neue Haare wuchsen.

Leider profitiert nicht jeder von Finasterid. Es wirkt nicht bei Geheimratsecken und auch nicht bei vollständigem Haarausfall.

Übrigens können auch Frauen an derselben Krankheit leiden; allerdings hilft Finasterid bei ihnen nicht.

Reduziert Finasterid Haarausfall auch bei Frauen in den Wechseljahren?

Nein, leider nicht! Der Wirkstoff Finasterid hat sich zwar in der Behandlung von anlagebedingtem Haarausfall bei Männern bewährt. Als Therapeutikum für Haarausfall bei Frauen nutzt das Arzneimittel hingegen nichts. Untersuchungen zur Wirkung gegen hormonell bedingten Haarausfall bei Frauen in den Wechseljahren wurden zwar gemacht, es zeigte sich jedoch keinerlei Effekt.

Therapiedauer

Wie lange muss man Finasterid zur Behandlung einer Prostatavergrößerung einnehmen?

Meistens wird Finasterid dauerhaft eingenommen: Die Prostata schrumpft, weil Finasterid in den Hormonhaushalt eingreift. Sobald Sie aufhören, die Tabletten einzunehmen, steigt das von Finasterid ausgebremste Hormon DHT wieder an. Deshalb kehren nach einigen Monaten leider auch Ihre ursprünglichen Beschwerden zurück.

Folglich wird Finasterid normalerweise durchgehend genommen, solange Ihre Beschwerden dadurch besser werden. Manchmal wird es aber nur kurzzeitig eingesetzt, z.B. um die Zeit bis zur geplanten Prostataoperation zu überbrücken.

Leider dauert es recht lange, bis man einen Effekt durch Finasterid merkt. Erst nach etwa 1 Jahr tritt eine deutliche Besserung ein. Man muss also geduldig sein.

Wie lange muss man Finasterid zur Behandlung des Haarausfalls einnehmen?

Zur Behandlung des männlichen Haarausfalls wird Finasterid dauerhaft eingenommen.

Erst nach 3 bis 6 Monaten sehen Sie einen positiven Effekt. Wird das Medikament aber abgesetzt, hört auch die Wirkung mit der Zeit auf. Nach etwa 1 Jahr ist dann der Ausgangszustand wieder hergestellt.

Zur Therapie des Haarausfalls ist die Dosis von Finasterid deutlich niedriger als bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Wer jetzt hofft, ´viel bringt viel´, der wird leider enttäuscht. Eine größere Menge, als das empfohlene 1 mg täglich, bewirkt keinen besseren Haarwuchs.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen kann Finasterid haben?

Wie alle Arzneimittel kann auch Finasterid Nebenwirkungen verursachen. Welche das sind, und ob sie überhaupt auftreten, ist individuell ganz verschieden. Bleibende negative Effekte sind zum Glück eine Seltenheit. Gewöhnlich wird das Medikament gut vertragen.

Ob Finasterid nun zur Behandlung der Prostatavergrößerung oder des Haarausfalls genommen wird, die Nebenwirkungen sind recht gleich. Allerdings ist die Häufigkeit und Schwere der unerwünschten Effekte verschieden. Das beruht auf der unterschiedlichen Dosis: Weil beim Haarausfall nur eine kleinere Menge Finasterid eingenommen wird, sind hier die Nebenwirkungen meistens selten (0,1-1% der Anwender betroffen) und verschwinden, wenn die Behandlung beendet wird.

Nebenwirkungen bei der Einnahme von Finasterid bei gutartiger Prostatavergrößerung (Proscar®):

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Erektionsstörungen und verminderter Sexualtrieb. Diese Beschwerden treten in der Regel am Anfang der Behandlung auf und sind meist nur vorübergehend.

Häufige Nebenwirkungen sind (1-10% der Anwender betroffen):

  • Erschwerte Erektion (Erektionsstörung)
  • weniger Interesse an Sexualität (Libidoverlust)
  • Probleme beim Samenerguss (Ejakulationsstörung, weniger Sperma)

Gelegentliche Nebenwirkungen sind (0,1-1% der Anwender betroffen):

  • Schmerzen und Vergrößerung der männlichen Brust
  • Probleme beim Samenerguss
  • Depression

Sehr selten (weniger als 0,01% der Anwender betroffen) kommt es zum Ausfluss aus der männlichen Brust oder Bildung von Knoten im Brustgewebe.

Weitere Nebenwirkungen können sein:

  • Allergien (z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Wassereinlagerungen im Gesicht, Schluck- und Atembeschwerden)
  • Schmerzen und Veränderung der männlichen Brust (z.B. Vergrößerung oder Brustkrebs)
  • Hodenschmerzen
  • Herzklopfen (Palpitationen)
  • dauerhafte Erektionsstörung, Libidoverlust oder Ejakulationsstörung (trotz Absetzen von Finasterid)
  • Unfruchtbarkeit des Mannes
  • Anstieg der Leberwerte
  • Angststörung

Schauen Sie am besten auch in den Beipackzettel. Dort sehen Sie ganz ausführlich, welche unerwünschten Effekte auftreten können.

Worauf sollten Sie bei der Behandlung mit Finasterid achten?

Wurde Ihnen Finasterid verschrieben, gibt es einige Besonderheiten, die Sie beachten sollten. Das soll Ihnen helfen, frühzeitig ernste Auswirkungen zu erkennen oder sogar ganz zu vermeiden.

Einfluss auf den PSA-Wert

Unter der Einnahme von Finasterid fällt der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen). Er beträgt dann etwa nur die Hälfte Ihres normalen Wertes. Eigentlich ist das harmlos. Es ist aber wichtig, dass Sie diesen Zusammenhang kennen.

Wenn sie nämlich zur Prostatakrebsvorsorge gehen, oder auch wegen eines Prostatakarzinoms behandelt werden, wird der PSA-Wert gemessen. Allerdings kann Ihr Arzt ihn nur richtig deuten, wenn Sie ihn über Ihre Finasterid-Einnahme informiert haben.

Der PSA-Wert sollte auch vor und während der Behandlung mit Finasterid gemessen werden, damit Ihr Arzt Veränderungen, die eventuell später auftreten, richtig interpretieren kann.

Achtung bei Veränderungen der Brust

Bemerken Sie irgendeine Veränderung an Ihrer Brust, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Es kann sich um eine harmlose Brustschwellung handeln, die manchmal bei der Einnahme von Finasterid auftreten kann. Aber auch eine ernsthafte Erkrankung wie Brustkrebs muss ausgeschlossen werden; in Studien wurde nämlich über Fälle von Brustkrebs bei Männern berichtet, die Finasterid einnahmen.

Seien Sie also aufmerksam und scheuen Sie sich nicht, Ihren Arzt anzusprechen.

Gefahr für Frauen und Kinder

Frauen oder Kinder sollten jeden Kontakt mit Finasterid vermeiden, da es ihren Hormonhaushalt stört. Der Wirkstoff kann auch über die Haut aufgenommen werden; es kann schaden, eine beschädigte oder zerbrochene Tablette sogar nur anzufassen. Ganze Tabletten sind kein Problem, da sie mit einer Schutzschicht überzogen sind.

Wenn Sie Finasterid einnehmen, befindet es sich auch in Ihrem Sperma. Darum sollten Sie Kondome verwenden, besonders wenn Ihre Partnerin schwanger ist. So vermeiden Sie, dass auch das ungeborene Kind mit dem Wirkstoff in Kontakt kommt und dadurch möglicherweise Schäden erleidet.

Vorsicht bei Leberproblemen

Falls Sie an einer schweren Leberstörung wie z.B. einer Leberzirrhose leiden, müssen Sie vorsichtig sein. Finasterid kann die Leber nämlich zusätzlich schädigen. Wenn bei Ihnen Leberprobleme bekannt sind, sollten Sie vor der Therapie mit Finasterid mit Ihrem Arzt reden, ob dieser Wirkstoff für Sie geeignet ist oder Sie lieber eine Alternative wählen sollten.

Noch ein Extra-Tipp:
Mit den richtigen Mikronährstoffen können Sie viel für Ihre Gesundheit tun.
Unsere Empfehlungen dazu finden Sie hier.

Quellen:

  • Gelbe Liste (2019) Finasterid - Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen: www.gelbeliste.de (letzter Zugriff: 04.05.2020).
  • GELBE LISTE Gebrauchsinformation: Information für Anwender; Finasterid - 1 A Pharma®1mg Filmtabletten, 2019 (1 A Pharma GmbH).
  • GELBE LISTE Gebrauchsinformation: Information für Anwender; Finasterid - 1 A Pharma®5mg Filmtabletten, 2019 (1 A Pharma GmbH).
  • Gravas S. et al (2020) EAU Guidelines: Management of Non-Neurogenic Male LUTS: www.EAU Guidelines.org (letzter Zugriff: 27.04.2020).
  • Höfner K. et al (2014) AWMF Leitlinie Zur Therapie Des Benignen Prostatasyndroms Der Qualität S2e, Düsseldorf: Arbeitskreis Benignes Prostatasyndrom der Akademie der Deutschen Urologen Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
  • Manski, D. Urologielehrbuch.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

Kommentar schreiben

Navigations-Menü & weitere Artikel zum Thema Top
 naturstoffe=

Navigator-Medizin.de
Gibt es Naturstoffe, die vor Krebs schützen?

12 Heilpflanzen, die unser Ärzte-Team empfiehlt

Sie glauben an die Wirksamkeit von Heilpflanzen? Wir auch! Dabei gibt es aber Unterschiede – nicht alles, was aus der Natur ist, ist automatisch gut.

Wir möchten Ihnen 12 Arzneipflanzen vorstellen, deren Wirkung mittlerweile auch in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde. Gegen Krebs, aber auch viele weitere Erkrankungen. Und die meisten dieser Naturstoffe kann man als Kombinationspräparate bekommen.

Mehr dazu lesen Sie hier!