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Pollstimol: Wirkung und Nebenwirkungen

Für wen lohnt sich ein Therapieversuch mit Pollstimol®? Was sind die aktiven Inhaltsstoffe des pflanzlichen Präparats? Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit? Und was sind mögliche Begleiteffekte? Diese und andere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Wirkung

Wem hilft Pollstimol?

Pollstimol® (früherer Namen: Cernilton®) ist ein pflanzliches Arzneimittel für Männer, das ohne Rezept in der Apotheke erhältlich ist. Es soll das Wasserlassen erleichtern, wenn eine Erkrankung der Vorsteherdrüse (Prostata) den Urinabfluss behindert. Zu den Prostatakrankheiten, auf die Pollstimol einen positiven Effekt haben soll, zählen:

  • die chronische Prostataentzündung, wenn sie nicht durch Bakterien bedingt ist (chronische abakterielle Prostatitis)
  • die gutartige Prostatavergrößerung (Benigne Prostatahyperplasie, BPH): Pollstimol kann im Anfangsstadium der BPH Linderung verschaffen.

Bevor Sie zu Pollstimol greifen, lassen Sie sich bitte von einem Facharzt für Urologie durchchecken; denn ist die BPH bereits weit fortgeschritten und staut sich der Urin in der Blase, ist Pollstimol keine geeignete Behandlungsoption.

Dasselbe gilt für Entzündungen der Prostata, die durch bakterielle Erreger verursacht werden; hier sollte unbedingt ein Antibiotikum zum Einsatz kommen, um Komplikationen zu vermeiden.

Pollstimol: Wirkmechanismus und Studien

Was bewirkt Pollstimol?

Die Wirkstoffe in Pollstimol sind Auszüge verschiedener Gräserpollen. Hierzu zählen Roggen-, Timothy-Gras- und Maispollen, wobei Roggenextrakt den größten Anteil ausmacht. Auf was genau die Heilkraft des pflanzlichen Präparates beruht, ist bisher nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass die Pollenmixtur antientzündlich und antiandrogen (= gegen männliche Hormone) wirkt. Chronische Entzündungen und die wachstumsfördernde Wirkung des Hormons Testosteron auf die Prostatadrüse werden somit gehemmt.

Zu den Symptomen, die durch die enthaltenen Gräserpollenextrakte gelindert werden sollen, zählen:

  • abgeschwächter Harnstrahl
  • Nachträufeln nach dem Wasserlassen
  • häufiger Harndrang
  • mäßige Restharnbildung (bis zu 150 ml Urin, der nach dem Toilettengang in der Blase zurückbleibt)
  • nächtlicher Urindrang (Nykturie)
Studien: Ist die Wirksamkeit von Pollstimol wissenschaftlich bewiesen?

Jein. Es gibt zwar durchaus einige Studien, welche die Wirkung von Pollstimol und Roggenpollen im Speziellen untersucht haben. Aber die Qualität und Resultate der Forschungsarbeiten sind nicht immer überzeugend. Zum Beispiel ist manchmal das Studiendesign nicht aussagekräftig genug oder die Teilnehmerzahl sehr gering. Auch finden Gräserpollen bisher nicht Einzug in die Liste pflanzlicher Medizinprodukte der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Präparate, die dort aufgeführt sind, wurden ausgiebig untersucht und können bezüglich ihrer Effektivität objektiv beurteilt werden.

Fazit

Somit lässt sich derzeit keine klare Aussage bezüglich der Wirksamkeit von Pollstimol treffen. Aber ausprobieren schadet nicht. Denn es gibt durchaus viele Anwender, die zufrieden mit dem Präparat sind und deren prostatabedingte Beschwerden sich bessern. Damit Sie sich aber selber eine Meinung zur Wirksamkeit des Pollenextraktes bilden können, stellen wir Ihnen die Ergebnisse einiger Forschungsarbeiten vor:

  • Die aussagekräftigste Studie stammt aus dem Jahr 1990; hier wurde die Wirkung von Pollstimol (damals noch unter dem Namen Cernilton bekannt) an 60 Probanden mit BPH sechs Monate lang getestet. Im Vergleich zu einem wirkungslosen Scheinmedikament (Placebo) reduzierte sich bei den Testpersonen die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibende Urinmenge (Restharn) und die Prostatagröße; eine Verbesserung des Harnstrahles konnte allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden. Die genannte Forschungsarbeit entspricht auch nicht mehr den heute üblichen Qualitätsstandards.
  • Erkenntnisse zur Effektivität von Maispollen wurden anhand von Tierexperimenten gewonnen. Nach der Verabreichung von Pollenauszügen an Mäuse und Schweine wurden positive Effekte auf den Harntrakt festgestellt. Insbesondere ließ sich eine Stärkung der Blasenmuskulatur und Entspannung der Harnröhre nachweisen.
  • In einer weiteren Studie nahmen 103 Teilnehmer Cernilton über zwölf Wochen ein. Es zeigte sich, dass die Therapie zur Reduktion des Restharns und der Häufigkeit des nächtlichen Wasserlassens führte.
  • Es gab auch Forschungsarbeiten mit Probanden, die an chronischer abakterieller Prostataentzündung oder Beckenschmerzsyndrom litten. So wurden im Rahmen einer Studie 15 Teilnehmer zwischen einem und 18 Monaten mit Cernilton (= Vorgänger von Pollstimol) therapiert. 13 der Probanden gaben an, dass die Beschwerden (z. B. Schmerzen beim Wasserlassen) komplett abgeklungen sind oder sich deutlich gebessert haben. Die meisten der Testpersonen erklärten, dass sie eine Symptombesserung erst nach dreimonatiger Anwendung bemerkten.

Einnahme

Wie lange muss ich Pollstimol anwenden, bis eine Wirkung eintritt?

Das ist individuell verschieden. Eine genaue Zeitangabe, ab wann sich Ihre Beschwerden bessern, gibt es leider nicht. Manche bemerken einen kräftigeren Harnabfluss nach einigen Wochen, andere erst nach monatelanger Einnahme. Und bei einigen lässt sich trotz zuverlässiger und konstanter Anwendung keine Besserung erzielen. Wie lange soll man also die Pollenmixtur zu sich nehmen, um relativ sichergehen zu können, dass eine Wirkung auftritt?

Pollenextrakt: nichts für Ungeduldige

Als groben Richtwert können Sie sich an mindestens drei Monate halten. In einer Studie, in der Männern das Präparat langfristig verabreicht wurde, berichteten die meisten Probanden von ersten Effekten nach einem dreimonatigen Zeitraum. Auch der Hersteller des pflanzlichen Arzneimittels empfiehlt eine Anwendung von mindestens drei Monaten, um eine Abnahme der Beschwerden zu erreichen.

Dementsprechend ist es plausibel, den Pollenextrakt zumindest über diesen Zeitraum regelmäßig einzunehmen; etwas Ausdauer ist also gefragt, aber vielleicht können Sie so eine medikamentöse Therapie (und mögliche hierdurch bedingte Nebenwirkungen) vermeiden oder zumindest aufschieben.

Anwendungsempfehlung: Dosierung und Höchstdauer

Wie oft muss ich Pollstimol nehmen?

Sie sollten dreimal täglich jeweils drei Kapseln des Pollenextrakts zu den Mahlzeiten mit etwas Wasser einnehmen. Falls Sie aufgrund einer gutartigen Prostatavergrößerung das Präparat anwenden, können Sie die Dosis auch etwas reduzieren. Zur Verbesserung des Harnabflusses sollen bereits drei Kapseln morgens und abends genügen.

Wie lange kann ich Pollstimol höchstens nehmen?

Es gibt keine zeitliche Beschränkung, wie lange Sie Pollstimol anwenden dürfen. Sie können das Arzneimittel also durchaus dauerhaft einnehmen, falls Sie mit der Wirkung des Präparates zufrieden sind.

Verträgt sich Pollstimol mit anderen Medikamenten?

Ja, es sind keine Arzneimittel bekannt, deren Wirkung durch das Gräserpollenextrakt beeinträchtigt wird.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können unter Pollstimol auftreten?

Die Mehrheit der Anwender verträgt das natürliche Präparat ausgesprochen gut. Dennoch sind unerwünschte Begleiteffekte nicht gänzlich auszuschließen.

Magen-Darm-Probleme und Allergien

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Hiervon betroffen sind höchstens ein Prozent der Anwender. Weitere sehr seltene Beschwerden sind allergische Hautreaktionen wie etwa Ausschlag, Juckreiz und Hautrötung (weniger als einer von 10.000 Nutzern betroffen).

Wann nicht?

Wer sollte kein Pollstimol einnehmen?

Männer, die an einer Graspollenallergie leiden, sollten auf das pflanzliche Arzneimittel verzichten.

Vorsicht ist auch angesagt, falls Sie keinen Milchzucker vertragen (Laktoseintoleranz). Denn in den Kapseln ist in geringer Menge der Zuckerstoff Lactose vorhanden. Möglich Folgen einer Behandlung mit Pollstimol könnten für Betroffene Magen-Darm-Beschwerden wie etwa Blähungen sein.

Quellen:

  • Gebrauchsinformation: Pollstimol® Hartkapseln (2020). Herausgeber: Biokirch GmbH. www.strathmann.de.
  • Fürst, R. Zündorf, I. Benignes Prostatasyndrom: Damit es wieder richtig läuft (2019). www.pharmazeutische-zeitung.de.
  • Lynch, D M. Rye Grass Pollen for Benign Prostatic Hyperplasia, Prostatitis and Prostatodynia (2003). www.reliasmedia.com.
  • Buck AC, Rees RW, Ebeling L. Treatment of chronic prostatitis and prostatodynia with pollen extract. Br J Urol. 1989 Nov;64(5):496-9. doi: 10.1111/j.1464-410x.1989.tb05285.x. PMID: 2692777.
  • Kimura M, Kimura I, Nakase K, Sonobe T, Mori N. Micturition activity of pollen extract: contractile effects on bladder and inhibitory effects on urethral smooth muscle of mouse and pig. Planta Med. 1986 Apr;(2):148-51. doi: 10.1055/s-2007-969102. PMID: 3725935.
  • Becker H, Ebeling L. Konservative therapie der benignen prostata-hyperplasie (BPH) mit Cernilton N. Urologe B 1988;28:301-306.
  • Buck AC, Cox R, Rees RW, Ebeling L, John A. Treatment of outflow tract obstruction due to benign prostatic hyperplasia with the pollen extract, cernilton. A double-blind, placebo-controlled study. Br J Urol. 1990 Oct;66(4):398-404. doi: 10.1111/j.1464-410x.1990.tb14962.x. PMID: 1699628.

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