Navigator-Medizin.de
alle Fragen, alle Antworten
   X   

Krankheiten von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Medikamente von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Diagnostik & Laborwerte von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Therapieverfahren von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Gesundheitsthemen von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Ipratropium (Atrovent): Wirkung & Nebenwirkungen

Atrovent® (Wirkstoff Ipratropiumbromid) ist ein Lungenmittel, das als Spray oder mit einem Inhalationsapparat eingeatmet wird und die Bronchien der Lunge entspannt. Ärzte verschreiben es bei COPD (chronisch obstruktiver Lungenkrankheit) und zum Teil auch bei Asthmaattacken.

Was ist Atrovent (Ipratropiumbromid)?

Atrovent® gehört in die Wirkstoffgruppe der Bronchodilatatoren. Es entspannt einen Abschnitt der Lungenwege, die Bronchien, die bei COPD oder Asthma verkrampfen und dabei zu akuter und chronischer Luftnot führen können. Sein Inhaltsstoff ist Ipratropiumbromid.

Medikament gegen Luftnot

Atrovent® ist in verschiedenen Darreichungsformen auf dem Markt, zum einen als klassisches Lungenspray und zum anderen als Fertiglösung für Verneblerapparate. Zu den käuflichen Mitteln gehören:

  • Atrovent® N Dosier-Aerosol (Lungenspray)
  • Atrovent® 250 µg / 2 ml Fertiginhalt für Vernebler
  • Atrovent® 500 µg / 2 ml Fertiginhalt für Vernebler
  • Atrovent LS Lösung für Vernebler

Andere Präparate mit Ipratropiumbromid

Atrovent® ist das Ipratropiumprodukt der Firma Boehringer Ingelheim. Andere Firmen haben vergleichbare Produkte mit demselben Wirkstoff. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • Iprabronch® (Inhalationslösung)
  • Ipratropium Teva® (Inhalationslösung)
  • Ipratropiumbromid Hexal® Dosier-Aerosol (Spray)

Außerdem gibt es feste Kombinationen mit anderen Bronchodilatatoren wie zum Beispiel Fenoterol oder Salbutamol. Sie ergänzen den Effekt von Ipratropiumbromid, da sie zusätzlich noch über einen anderen Weg die Luftwege entspannen können. Bei akuten Anfällen von Luftnot werden sie häufig zusammen verabreicht.

Zwei Darreichungsformen: Dosier-Aerosol (Spray) und Vernebler

Atrovent® wird wie gesagt als Spray oder als Lösungsmittel für Verneblerapparate verkauft. Prinzipiell gelangt das Mittel über beide Darreichungsformen gut in die Lunge. Wichtig ist beim Spray, dass Sie die richtige Atemtechnik anwenden, damit der Stoff vollständig das Gewebe erreicht.

In einigen Fällen sowie bei schwerer, akuter Luftnot wählen Mediziner daher unter Umständen den Vernebler, bei dem Sie die Fertiglösung mit Hilfe einer Atemmaske (oder ggf. eines Mundstückes) einatmen.

Medikament bei leichtgradiger COPD und Asthmaattacken

Atrovent® ist für Menschen mit COPD und Asthma zugelassen. Mediziner verschreiben es im Anfangsstadium einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit als Bedarfs- und Dauermedikament. Als Spray nehmen Sie es bis zu 4 mal täglich ein.

Auch bei akuten COPD-Beschwerden und im Rahmen einer Asthmaattacke hilft Atrovent®. Oft wird es dann über einen Vernebler gegeben und mit Mitteln wie Salbutamol kombiniert.

Wenngleich Atrovent® zur Akutbehandlung von Luftnotattacken bei Asthma zugelassen ist, spielt es im Therapieschema der Asthmabehandlung eine eher untergeordnete Rolle. Im Gegensatz zur COPD-Behandlung kommen hier v.a. Kortisonsprays früh zum Einsatz.

Wie wirkt Atrovent (Ipratropiumbromid)?

Ipratropiumbromid gehört in die Gruppe der sogenannten kurzwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten. Sie besetzen in der Lunge ausgewählte Andockstellen, die Muskarinrezeptoren. Dies führt dazu, dass sich die Bronchialmuskulatur entspannt, die Bronchien öffnen und die Atmung wieder leichter fällt.

Kurzwirksame Blockade von Muskarinrezeptoren

Die Wirkung von Atrovent® setzt relativ schnell ein, meist innerhalb einer Viertelstunde. Der Effekt hält jedoch nur circa 6 Stunden an. Mediziner sprechen daher von einem kurzwirksamen Mittel, einem sogenannten SAMA (short acting muscarinic antagonist).

Neben SAMAs gibt es LAMAs (long acting muscarinic antagonists), die länger als 6 Stunden wirken und nur einmal am Tag eingenommen werden. Sie enthalten Stoffe wie Glycopyrroniumbromid oder Tiotropiumbromid. Seebri® oder Spiriva® sind zwei Beispiele.

Anzeige

Klassischerweise verschreiben Mediziner diese Mittel als Dauermedikament (alleine oder in Kombination mit anderen Sprays) ab einer COPD Stadium GOLD B.

Wichtig: richtige Atemtechnik

Wenn Sie Atrovent® als Dosier-Aerosol (Spray) nutzen, ist es wichtig, dass Sie die richtige Atemtechnik verwenden. Wenngleich Beipackzettel von Medikamenten oft zu Verwirrung und Angst führen können, macht es in diesem Fall viel Sinn, hier doch einmal genauer hinzuschauen. Richtung Ende der Beipackinformation finden Sie nämlich eine Anleitung, in der Regel auch mit Bildern, wie das Spray im Einzelfall benutzt wird.

Meist sollen anfangs 1-2 Probestöße in die Luft abgegeben werden. Sie selbst müssen dann nach einem tiefen Atemzug vollständig ausatmen und dann erst das Mundstück ansetzen und fest mit Ihren Lippen umschließen.

Während Sie von oben auf die Kartusche drücken und dadurch den Wirkstoff freigeben, müssen Sie tief einatmen und dann einige Sekunden die Luft anhalten. In dieser Zeit verteilt sich der Stoff in der Lunge. Danach atmen Sie langsam wieder aus.

Welche Nebenwirkungen können bei Atrovent auftreten?

Wenn ein Medikament auf den Markt kommt, verfolgen klinische Prüfungen und  Arzneimittelüberwachung, inwiefern unerwünschte Effekte auftreten. Forscher teilen das Auftreten in Gruppen nach Häufigkeiten ein.

Sie sprechen von sehr häufig auftretenden Nebenwirkungen, wenn bei mehr als 10% der Menschen, die dieses Medikament einnehmen, ein unerwünschter Effekt auftritt. Von häufigen bzw. gelegentlichen Nebenwirkungen sprechen sie, wenn 1-10% bzw. 0,1-1% der Personen betroffen sind.

Häufig auftretende Nebenwirkungen

Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen (1-10%) von Atrovent® zählen beispielsweise:

  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Husten und Irritation des Rachenraumes
  • Mundtrockenheit und Geschmacksstörung
  • Magen-Darm-Beschwerden und Übelkeit

Diese unerwünschten Nebeneffekte treten typischerweise bei Medikamenten auf, die wie Atrovent® den Muskarinrezeptor blockieren.

Gelegentliche und seltene Nebenwirkungen

Zu den gelegentlich unter Atrovent® auftretenden Nebenwirkungen (0,1-1%) gehören unter anderem:

  • anaphylaktische, schwere allergische Reaktionen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • verschwommenes Sehen (Akkomodationsstörungen durch erschwertes "Scharfstellen")
  • Anstieg des Augeninnendruckes (Glaukom)
  • Hornhautschwellung
  • Herzstolpern/-rasen
  • Luftnot durch paradoxen Bronchospasmus (Verkrampfung der Atemwege)
  • Schwellung im Rachenraum und trockener Rachen
  • Obstipation (Verstopfung) und Bauchschmerzen
  • Ausschlag im Mundraum
  • Hautausschlag, Juckreiz und Schwellung der Schleimhäute (Angioödem)
  • Harnverhalt

Menschen, die allergisch oder überempfindlich auf Atrovent® reagieren, müssen das Mittel unverzüglich absetzen. Noch kurz zu erwähnen bleiben seltene Nebenwirkungen, die Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Quaddelbildung der Haut (Urtikaria) umfassen.

Paradoxer Bronchospasmus

Paradoxer Bronchospasmus bedeutet, dass die Atemwege beim Inhalieren (Einatmen) von Atrovent® verkrampfen statt zu entspannen. Das Lungengerüst reagiert also paradox auf das Medikament. In einem solchen Fall verschlimmert sich die Luftnot akut, und Mediziner müssen das Mittel sofort absetzen bzw. durch eine andere Therapie ersetzen.

Augeninnendruck und Wasserlassen

Negative Effekte an Augen und Probleme beim Wasserlassen sind typisch für Mittel dieser Substanzklasse, besonders bei Vorerkrankungen an den Organen. Hierzu zählt zum Beispiel das Engwinkelglaukom, das mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht und sich unter Atrovent® akut verschlechtern kann.

Anzeige

Bei Männern mit vergrößerter Prostata kann Atrovent® einen Harnverhalt auslösen. Die Urinproduktion läuft weiter, der Harn sammelt sich in der Blase, das Wasserlassen ist jedoch unmöglich. Wenn sich mehrere Liter Urin ansammeln, kann dies sehr schmerzhaft sein. Ein Blasenkatheter kann, wenn das Problem erkannt wird, aber schnell Abhilfe schaffen. Arzneimittel dieser Wirkstoffgruppe müssen im Verlauf dann aber gemieden werden.

Welche Wechselwirkungen können bei Atrovent mit anderen Medikamenten auftreten?

Atrovent® ist insgesamt ein gut verträgliches Arzneimittel, wenn Sie die oben genannten Punkte beachten. Während Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen und erhöhte Herzfrequenz auftreten können, sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eher selten. Bei sonst guter Verträglichkeit sind schwere Probleme mit Überdosierungen ebenfalls nicht bekannt.

Autorin: 

Quellen:

  • Rote Liste Fachinformation. Boehringer Ingelheim Atrovent® N Dosier-Aerosol.
  • Rote Liste Fachinformation. Boehringer Ingelheim Atrovent® 250 μg/2 ml Fertiginhalt.

Inhaltsverzeichnis Top