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Hodenhochstand und Pendelhoden: Symptome und Behandlung

Woran erkennt man einen Hodenhochstand? Wann muss er behandelt werden? Wie läuft eine OP ab? In diesem Beitrag beantworten wir alle wichtigen Fragen dazu.

Einführung

Was ist ein Hodenhochstand? Und welche Formen gibt es?

Bei einem Hodenhochstand (Maldescensus testis) befinden sich einer oder beide Hoden nach der Geburt nicht in ihrer normalen Position im Hodensack. Wenn die Gefahr besteht, dass das dauerhaft (über das erste Lebensjahr hinaus) so bleibt, bedarf es einer möglichst frühzeitigen Behandlung.

Andernfalls drohen vor allem Fruchtbarkeitsstörungen sowie ein deutlich erhöhtes Hodenkrebsrisiko. Je nach Lageabweichung werden verschiedene Formen des Hodenhochstands unterschieden.

Welche Formen des Hodenhochstandes gibt es?

Es gibt den Hodenhochstand in verschiedenen Varianten:

  • Bauchhoden:
    Der Hoden befindet sich in der Bauchhöhle. Dort ist er nur schwer tastbar, aber mit bildgebenden Verfahren (Ultraschall, Kernspintomographie) oder einer Bauchspiegelung (Laparaskopie) meist lokalisierbar.
  • Leistenhoden:
    Der Hoden liegt im Leistenkanal, der Bauchraum und Hodensack miteinander verbindet. Die Keimdrüse kann dort als kleine Schwellung getastet, aber nicht in den Hodensack verschoben werden.
  • Gleithoden:
    Der Hoden sitzt oberhalb des Hodensacks. In dessen oberen Teil lässt er sich zwar ziehen, gleitet aber aufgrund seiner unter Spannung stehenden Aufhängung (zu kurzer Samenstrang) sofort wieder in den Leistenkanal zurück.
  • Pendelhoden:
    Der Hoden ist normal abgestiegen, pendelt aber aufgrund äußerer Reize (z.B. Kälte) zwischen Hodensack und Leistenkanal hin und her. In den meisten Fällen ist das nicht behandlungsbedürftig.

Ist ein Hodenhochstand gefährlich?

Eine unmittelbare Gefahr geht vom Hodenhochstand normalerweise nicht aus. Mögliche Folgen sind zwar ein Leistenbruch und eine Hodentorsion (Hodenverdrehung), aber das ist eher selten (bzw. der Leistenbruch besteht oft schon gemeinsam mit dem Hodenhochstand zur Geburt).

Gefahr: Unfruchtbarkeit und Hodenkrebs

Im Vordergrund des Bedrohungs-Szenarios, vor dem die Fachleute warnen, stehen vielmehr mögliche Schäden, die sich erst auf Dauer, d.h. im späteren Erwachsenenleben bemerkbar machen. Nämlich zum einen Unfruchtbarkeit und zum anderen ein 5- bis 10fach erhöhtes Hodenkrebsrisiko.

Deshalb wird heute überwiegend empfohlen, rechtzeitig mit einer Behandlung des Hodenhochstands zu beginnen, um die Fehllage und die damit häufig verbundenen hormonellen Störungen zu beheben. Was dabei „rechtzeitig“ bedeutet und wie hormontherapeutische und operative Maßnahmen mit- bzw. gegeneinander zu wichten sind, wird allerdings von Klinikern und Niedergelassenen oft nicht ganz einhellig beurteilt. Lassen Sie sich am besten vom Kinderarzt Ihres Vertrauens ausführlich über die alternativen Möglichkeiten beraten.

Wissenswertes zur Unfruchtbarkeit

Hodenhochstand und Unfruchtbarkeit: Wie hoch ist das Risiko?

Ein Hodenhochstand kann zur Unfruchtbarkeit führen; allerdings nur dann, wenn man nichts dagegen tut. Bei unbehandeltem Hodenhochstand hängt das Risiko einer späteren Unfruchtbarkeit Ihres Kindes unter anderem davon ab, ob nur einer oder beide Hoden von der Fehllage betroffen sind.

Bei einseitigem Hodenhochstand findet zu 83% eine normale Spermienentwicklung statt und das Risiko für eine spätere Unfruchtbarkeit beträgt 33%. Sind beide Hoden oben hängengeblieben, sinkt die Rate der Jungen mit normaler Spermienentwicklung auf nur noch 19%.

Aber wie gesagt: Bei rechtzeitiger Behandlung des Hodenhochstandes muss man sich um die spätere Fruchtbarkeit in der Regel keine Sorgen machen.

Wie hängt das Unfruchtbarkeitsrisiko vom Beginn der Behandlung ab?

Untersucht man das Hodengewebe eines Kindes mit Hodenhochstand unter dem Mikroskop, lassen sich erste Veränderungen gegenüber dem gesunden Zustand bereits im 2. Lebensjahr feststellen. Dabei handelt es sich u.a. um Kollagen-Einlagerungen im Bindegewebe, das die Samenkanälchen umgibt, und um eine Verdickung von deren Basalmembran. Diese Veränderungen betreffen bei einseitiger Hodenverlagerung auch den gegenüberliegenden, korrekt positionierten Hoden, während andere mikroskopische Auffälligkeiten nur in fehlplatzierten Hoden zu finden und damit rein lagebedingt sind.

Die geweblichen Abweichungen, die im späteren Leben des betroffenen Kindes für Fruchtbarkeitsstörungen verantwortlich sind, nehmen mit den Jahren zum, bis sie schließlich unumkehrbar werden. Wird die Behandlung wie empfohlen bis zum Ende des 1. Lebensjahres abgeschlossen, liegt die Wahrscheinlichkeit einer späteren Sterilität bei etwa 10%. Erfolgt die Therapie jedoch erst im 3.-4. Lebensjahr, steigt das Unfruchtbarkeitsrisiko für Ihr Kind bereits auf 50% an und nimmt mit fortschreitendem Alter weiter zu.

Ursachen

Wie kommt es zu einem Hodenhochstand?

Noch vor der Geburt wandert der in der Bauchhöhle angelegte Hoden normalerweise hinunter in den Hodensack. Da schon bei diesem normalen Hodenabstieg weitgehend ungeklärt ist, wie es überhaupt dazu kommt, gilt dies erst recht für die genauen Ursachen des gestörten Ablaufs. Wie meistens in solchen Fällen sprechen die Ärzte dann gern von einer multifaktoriellen Entstehung. Auf deutsch: Es kommen ganz viele Ursachen in Frage, die möglicherweise auch zusammenspielen.

Konkret bedeutet dies, dass neben anatomischen vor allem hormonelle, genetische und Umweltfaktoren beteiligt sein können:

  • Etwa zwei Drittel der zum Geburtszeitpunkt hochstehenden Hoden kommen bis zum Ende des 1. Lebensjahres doch noch an ihrem anatomisch vorgesehenen Bestimmungsort an (insbesondere Leistenhoden oft schon nach 3 Monaten) und weisen damit auf ein Unreifephänomen hin.
  • In erster Linie kommen hormonelle Störungen mütterlicher- und/oder kindlicherseits in Betracht, der Hodenhochstand ist also zu einem wesentlichen Teil als hormonelle Erkrankung aufzufassen.
  • Nur selten finden sich Fehlbildungen entlang des Wanderwegs des Hodens als Ursache eines krankhaften Hodenhochstands.
  • Ebenfalls selten sind die Keimdrüsen nicht richtig angelegt (z.B. beim Klinefelter-Syndrom) oder es liegen andere angeborene bzw. genetische Störungen vor. In diesen Fällen ist der Hodenhochstand meist nur Teil eines umfassenderen Krankheitsbildes, das mit Veränderungen auch an anderen Organen einhergeht.
  • Neben Umweltgiften spielen schließlich auch mütterliche Faktoren wie z.B. Diabetes mellitus oder Rauchen eine Rolle als Risikofaktoren.
  • Ein Leistenbruch bzw. dessen operative Versorgung können sowohl Folge als auch Ursache eines Hodenhochstands sein (sekundärer Kryptorchismus).

Wissenswertes zu den Ursachen

Welche hormonellen Störungen erhöhen das Risiko für einen Hodenhochstand?

Mittlerweile wird der Hodenhochstand in der Mehrzahl seiner Ausprägungen als hormonelle Erkrankung betrachtet. Zwei Hormone scheinen maßgeblich für den vollständigen Hodenabstieg während der embryonalen Entwicklung im Mutterleib zu sein: das von der Plazenta gebildete Schwangerschaftshormon humanes Choriongonadotropin (HCG) und das vor allem in den Gonadenanlagen des männlichen Embryos produzierte Geschlechtshormon Testosteron.

Bei einem Mangel an einem dieser beiden Hormone kann es zur Blockade oder Unterbrechung des Abstiegs und damit zum Hodenhochstand kommen. Bei zwei Drittel der Knaben mit Hodenhochstand wurde eine Unterfunktion der "hormonellen Hirn-Hoden-Achse" nachgewiesen. So nennen Ärzte eine fehlerhafte Zusammenarbeit zwischen den Schaltzentren im Gehirn und den Genitalanlagen. Wenn sie sich halbwegs verständlich ausdrücken. Sonst nennen sie das Geschehen auch gern hypogonadotroper Hypogonadismus.

Welche Umweltfaktoren erhöhen das Risiko für einen Hodenhochstand?

Zu den Risikofaktoren, die das Auftreten eines Hodenhochstands wahrscheinlicher machen, zählen u.a.:

  • Frühgeburt bzw. ein Geburtsgewicht unter 2,5 kg
  • funktionelle Schwäche des Mutterkuchens (Plazenta-Insuffizienz) mit verminderter Hormonsekretion (HCG)
  • mütterliche Faktoren: verminderter Östrogenspiegel, Rauchen, Diabetes mellitus
  • dauerhafte Umweltbelastung (z.B. chlororganische Verbindungen, Phthalate in Weichmachern)
  • (eventuell) Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft (vor allem im 2. Schwangerschaftsdrittel)
Wie kann man einem Hodenhochstand vorbeugen?

Gar nicht. Da es sich beim echten Hodenhochstand um eine Entwicklungsanomalie handelt, können Sie ihm nicht vorbeugen.

Durch eigene Kontrollen der Hodenlage Ihres Säuglings können Sie aber die kinderärztliche Betreuung unterstützen und im Fall des Falles für eine frühzeitige Behandlung sorgen, um schwere Komplikationen wie Unfruchtbarkeit und erhöhtes Hodenkrebsrisiko zu verhindern.

Symptome

Wie bemerke ich einen Hodenhochstand bei meinem Sohn?

Das Wickeln Ihres Kindes ist eine gute Gelegenheit, um gleichzeitig die körperliche Gesundheit Ihres Sprösslings in Augenschein zu nehmen. Bei einem Sohn gehören dazu auch der Kontrollblick und ein vorsichtiges Abtasten, ob sich beide Hoden da befinden, wo sie hingehören, nämlich im Hodensack. Natürlich nicht jeden Tag, aber ab und zu mal.

Ist der Hodensack leer, erscheint er klein und meist eingeschrumpelt. Bei einseitig fehlendem Hoden macht er einen „schiefen“ Eindruck. Der rechte Hoden ist übrigens häufiger als der linke fehl am Platz.

Im Zweifel zum Kinderarzt

Bei Abwesenheit eines oder beider Hoden ist es immer sinnvoll, den Kinderarzt aufzusuchen und ihm die eigenen Beobachtungen zur Hodenlage des Filius mitzuteilen. Die kann im Kindesalter sehr variabel und inkonstant sein. Deswegen sind folgende Fragen von Bedeutung: Waren die Hoden noch nie im Hodensack oder überwiegend schon? Wie ist es bei warmer Umgebung, z.B. beim Baden?

Häufig wird ein Hodenhochstand (erst) bei einer „U“-Vorsorgeuntersuchung vom Kinderarzt festgestellt. Da aber im Falle des Behandlungsbedarfs ein früher Therapiebeginn von Vorteil ist, um schwere Folgeschäden zu vermeiden, ist die Inspektion zuhause durchaus empfehlenswert.

Wissenswertes zu den Symptomen

Kann sich ein Hodenhochstand auch erst im Kindesalter entwickeln?

Ja, das ist möglich. Manche Jungen entwickeln nach den ersten Lebensjahren einen sogenannten sekundären Hodenhochstand, bei dem ein bereits abgestiegener Hoden wieder aufsteigt. Das kann beispielsweise als Komplikation nach einer Operation im Leistenkanal vorkommen (wegen Leistenbruch oder ähnlichem).

Desweiteren kann sich ein zunächst als nicht therapiebedürftiger Pendelhoden klassifizierter Befund doch als Gleithoden erweisen, der dringend zu behandeln ist. Ärzte nennen diesen "späten Hodenhochstand" im typischen Mediziner-Kauderwelsch "sekundärer Kryptorchismus".

Wie häufig kommt es beim Säugling zu einem sekundären Hodenhochstand nach Leistenhernien-OP?

Der sogenannte echte sekundäre Hodenhochstand ist eine bekannte Komplikation der Leistenbruch-Operation im Säuglingsalter. Dabei kommt es zu einer mechanischen Fixierung des Hodens in der Operationsnarbe. Die Häufigkeit dieses Schadens beträgt 0,5-2%. Eine rechtzeitige Korrektur ist erforderlich, da sonst bis zur Pubertät eine ähnlich starke Abnahme der Geschlechtszellen droht wie beim echten Hodenhochstand. Allerdings ist mit diesem Sekundärschaden erst nach einer längeren Zeitspanne zu rechnen und es wird empfohlen, mit den entsprechenden operativen Maßnahmen (Funikulo-Orchidolyse und Orchidopexie) mindestens drei, besser sogar sechs Monate abzuwarten.

Untersuchungen

Wie stellt der Arzt fest, ob ein Hodenhochstand vorliegt?

Die körperliche Untersuchung mit Anschauen und beidhändigem Abtasten der Hoden ist der erste und wichtigste diagnostische Schritt, den der Kinderarzt vornimmt. Von Vorteil ist dabei beispielsweise die Platzierung des Kindes im Schneidersitz in warmer Umgebung oder im warmen Wasserbad.

Von der ermittelten – oder nicht definierbaren – Hodenlage hängt das weitere diagnostische Vorgehen ab. In Frage kommen prinzipiell:

  • Laboruntersuchungen: zum Nachweis von Testeron-produzierendem Hodengewebe
    • HCG-Stimulationstest
    • alternativ: Messung von Inhibin-B
      (Vorteil: einmalige Blutentnahme, Nachteil: speziell qualifiziertes Labor erforderlich, evtl. falsch negativer Befund bei bestimmter Felhbildung möglich)
  • bildgebende Untersuchungsverfahren: Sonographie, Magnetresonanztomographie (MRT)
    (wegen unzureichender Sensitivität nicht routinemäßig beim Hodenhochstand)
  • operative Untersuchung: meist in Form einer Bauchspiegelung
    (heute bevorzugte Methode zur Hodenlokalisation bei nicht tastbarem Hoden)

Wie geht der Arzt vor, wenn der Hoden nicht tastbar ist?

Wenn auf beiden Seiten kein Hoden tastbar ist, überprüft der Arzt üblicherweise mit einem Hormonstimulationstest zunächst, ob überhaupt (hormonproduzierendes) Hodengewebe vorhanden ist. In diesem Fall erfolgt anschließend durch bildgebende Verfahren und/oder eine Bauchspiegelung die Lokalisierung des bzw. der Hoden. Die Bauchspiegelung ermöglicht gleichzeitig die Beurteilung der Keimdrüsengestalt, der Samenstrangbeschaffenheit und möglicher krankhafter Erscheinungen. Zudem kann in gleicher Sitzung von der Diagnostik in die (beginnende) operative Behandlung übergegangen werden.

Wissenswertes zu den Untersuchungen

Was ist ein Hodenprotokoll?

Es hört sich ein bisschen merkwürdig an, aber es steckt nichts Schlüpfriges dahinter. Ein Hodenprotokoll ist eine Art Tagebuch bei Verdacht auf Hodenhochstand.

Wenn bei Ihrem Sohn ein fraglicher ein- oder beidseitger Hodenhochstand vorliegt, kann das sogenannte Hodenprotokoll für die Festlegung des therapeutischen Vorgehens von entscheidender Bedeutung sein, also vor allem für die Beantwortung der Frage, ob operiert werden muss oder nicht. Dazu erhalten Sie von der behandelnden Klinik (oder im Internet als Download) ein Formblatt, in das Sie mindestens morgens und abends eintragen, ob der betreffende Hoden bei Ihrem Sprössling tastbar ist und wo (im Hodensack oder in der Leiste). Die Beobachtungsdauer sollte mindestens drei Wochen betragen.

Wann sind bei Verdacht auf Hodenhochstand Ultraschall oder MRT sinnvoll?

Bildgebende Untersuchungsverfahren wie Ultraschall (Sonographie) und Magnetresonanztomographie (MRT) werden beim Hodenhochstand nicht routinemäßig eingesetzt, da ihre Sensitivität in diesem Anwendungsbereich nicht besonders hoch ist – die fehlplatzierten Hoden also in einem Teil der Fälle nicht erkannt werden.

Zur Beantwortung konkreter Fragestellungen mit dem Ziel der weiteren Diagnostik- und Therapiesteuerung kann ihr Einsatz aber durchaus sinnvoll und hilfreich sein. Etwa um zu beurteilen, ob als nächster Schritt eine Operation erfolgen muss.

Mit folgenden Trefferquoten kann auf der Suche nach hochstehenden Hoden gerechnet werden:

Sonographie mit hochauflösendem Schallkopf (>7,5MHz) bei nicht tastbaren, im Leistenkanal oder im Bauch liegenden Hoden:

  • korrekte Klassifikation: 84%
  • Sensitivität*: 76%
  • Spezifität**: 100%
  • Größe und Gewebestruktur von identifizierbaren Hoden beurteilbar, ferner Untersuchung der gleichseitigen Niere möglich

Magnetresonanztomographie (MRT) bei der Suche nach einem nicht tastbaren Bauchhoden:

  • korrekte Klassifikation: 85%
  • Sensitivität*: 86%
  • Spezifität**: 79%

* Die Sensitivität gibt die Sicherheit an, mit der ein vorhandener Hodenhochstand tatsächlich erkannt wird.

** Die Spezifität gibt die Sicherheit an, mit der ein nicht vorhandener Hodenhochstand tatsächlich als abwesend erkannt wird.

Wann ist bei Hodenhochstand eine Hodenbiopsie notwendig?

Wenn bei einem Kind ein Hodenhochstand festgestellt wurde, ist eine Hodenbiopsie (Gewebeentnahme) nach den derzeitigen Leitlinien sinnvoll bei Verdacht auf:

  • Ovotestis (Keimdrüse mit Hoden- und Eierstocksgewebe bei Hermaphroditismus)
  • Fehlbildung (Gonadendysgenesie) oder
  • Tumor

Darüber hinaus erscheint den deutschen Leitlinienverfassern die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Hoden nur bei wissenschaftlichen und speziellen Fragestellungen angebracht. Es gibt allerdings auch Expertenmeinungen, die den routinemäßigen Einsatz der Hodenbiopsie – etwa im Rahmen der Hodenhochstand-Operation (Orchidopexie) – empfehlen, da sich damit das spätere Unfruchtbarkeitsrisiko beurteilen lasse.

Welche Gefahr besteht bei einer Hodenbiopsie?

Bei korrektem Vorgehen der Hodenbiopsie ist die Gefahr einer anschließenden Verkümmerung der Keimdrüse, etwa als Folge einer versehentlichen Verletzung der Blutgefäße, sehr gering. Die offene Hodenbiopsie (bei sichtbarem, ggf. operativ freigelegtem Hoden) ist dabei sicherer als die geschlossene Nadelbiopsie. Die entnommene Gewebeprobe sollte eine Größe von ca. 2 mm haben. Die Narbe nach offener Biopsie entspricht etwa 0,2-4% des Hodenvolumens und beeinträchtigt die künftige Fortpflanzungsfunktion normalerweise nicht.

Wann ist bei Hodenhochstand eine genetische Abklärung erforderlich?

Da der (echte) Hodenhochstand nicht nur als isoliertes Phänomen, sondern auch als Teilbefund bei zahlreichen genetisch bedingten Krankheiten bzw. Syndromen auftreten kann, sind in jedem Fall folgende Fragen zu klären:

  • Bestehen andere Auffälligkeiten, insbesondere bezüglich der körperlichen bzw. geweblichen Gestalt oder einer psychomotorischen Entwicklungsstörung?
  • Gibt es weitere Personen mit Hodenhochstand oder Genitalfehlbildungen in der Familie? Dabei sollte der Familienstammbaum bis zu den Urgroßeltern berücksichtigt werden.

Können beide Fragen verneint werden, ist eine weiterführende genetische Abklärung normalerweise nicht erforderlich.

Behandlung allgemein

Warum sollte ein Hodenhochstand behandelt werden?

Zu den möglichen Folgen eines unbehandelten Hodenhochstands zählen Unfruchtbarkeit, Leistenbruch und Hodentorsion. Für betroffene Kinder ist das Risiko, im späteren Erwachsenenleben (überwiegend im Alter von 20-40 Jahren) an Hodenkrebs zu erkranken, etwa 5- bis 10fach erhöht. Die Gefahr ist dann absolut betrachtet immer noch gering, aber allemal ein Grund, den Hodenhochstand zu behandeln.

Außerdem drohen Sekundärschäden, die von den fehlplatzierten Hoden ausgehen können:

  • erhöhte Temperatur: Im Hodensack beträgt die Gewebetemperatur etwa 33 °C, worauf die normale Samenzellbildung abgestimmt ist. Verbleibt der Hoden im deutlich wärmeren Bauchraum (ca. 37 °C), kann dies – als aufgepropfter Sekundärschaden einer meist bereits bestehenden hormonellen Störung – zu einer verminderten und stärker fehlerbehafteten Spermienproduktion und schließlich zur Unfruchtbarkeit führen.
  • anatomische Belastung: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 65% kommt es zu einem Leistenbruch. Häufig ist er ebenso wie der Hodenhochstand allerdings bereits bei Geburt vorhanden, was die Häufigkeit etwas relativiert.
  • ungünstige Bewegungen bzw. Beweglichkeit: Vor allem beim Gleit- und Leistenhoden besteht zusätzlich die Gefahr einer Hodenverdrehung (Hodentorsion).
  • Abgesehen von diesen anatomisch bedingten, direkten Folgewirkungen ist zu bedenken und zu verstehen, dass es sich beim Hodenhochstand in den meisten Fällen um eine hormonelle Erkrankung handelt, die es entsprechend zu behandeln gilt.

Wie wird ein Hodenhochstand behandelt?

Das hängt vom Alter Ihres Kindes und von der Art (und damit der Ursache) des Hodenhochstands ab. In den ersten sechs Lebensmonaten wird zunächst abgewartet, ob der Hoden noch an seinen vorgesehenen Platz absteigt.

Hormontherapie und OP

Ist dies nicht der Fall, wird bei Bauchhoden, Leistenhoden oder Gleithoden mit einer Hormontherapie begonnen. Führt die Hormontherapie nicht zum gewünschten Abstieg der Keimdrüse(n), wird die Verlagerung in den Hodensack operativ vorgenommen. Auf die vorherige Hormontherapie wird verzichtet, wenn es sich um eine rein anatomisch bedingte Hoden-Fehllage handelt oder wenn Sie sich als Eltern nach bzw. trotz umfassender Information dagegen entschieden haben sollten.

Noch nicht einhellig ist die Expertenmeinung bezüglich einer hormonellen Behandlung im Anschluss an die chirurgische Lagekorrektur. Die wissenschaftlichen Hinweise auf deren fruchtbarkeitsfördernde Wirksamkeit scheinen sich allerdings zu verdichten. Konsens besteht dagegen hierzulande in der Einschätzung, dass mit der Behandlung des Hodenhochstands frühzeitig begonnen werden sollte, um schwere Folgeschäden – insbesondere die spätere Unfruchtbarkeit – zu vermeiden.

Wissenswertes zur Behandlung

Muss ein Pendelhoden behandelt werden?

Nein, beim Pendelhoden hat ein normaler Hodenabstieg in den Hodensack stattgefunden, es liegt also kein krankhafter Zustand vor, der behandlungsbedürftig wäre. Durch einen stark ausgeprägten Muskelreflex kann der Hoden aber bei äußeren Reizen (z.B. Kälte) bis ans obere Ende des Hodensacks oder in den Leistenkanal gezogen werden und auf diese Weise hin- und herpendeln.

Für eine gesunde (Geschlechts-) Entwicklung ohne Behandlungsbedürftigkeit ist entscheidend, dass sich die Hoden überwiegend an ihrem richtigen Platz im Hodensack befinden. Und das ist beim Pendelhoden normalerweise der Fall.

In warmer Umgebung (z.B. Bett, Badewasser) können Sie die Keimdrüsen Ihres Sohnes in den Hodensäcken spüren. Aber seien Sie dabei behutsam.

Muss ein Gleithoden behandelt werden?

Ja. Der Gleithoden ist eine Form des Hodenhochstands, die behandlungsbedürftig ist, da es sonst für die betreffende Keimdrüse auf Dauer zu warm wird.

Ein Gleithoden bedeutet, dass der Hoden irgendwo zwischen Leiste und Hodensack positioniert ist, also nicht in seinem zugedachten Zuhause, nämlich komplett im Hodensack. Der Arzt kann den Hoden meist ertasten und durch manuelles Ausstreifen leicht in die normale Lage bringen. Allerdings gleitet er danach sofort wieder zurück, daher der Name. Deshalb muss therapeutisch für sein dauerhaftes Verweilen in korrekter Lage gesorgt werden.

Wie wird bei Leistenbruch und Hodenhochstand beim Neugeborenen vorgegangen?

Werden bei einem Neugeborenen gleichzeitig eine Leistenhernie und ein Hodenhochstand diagnostiziert, wird beides operativ versorgt. Während bei der Leistenbruch-Operation (Herniotomie) normalerweise keine Probleme zu erwarten sind, ist die Hodenoperation etwas verzwickter.

Aufgrund der zarten Strukturen besteht eine erhöhte Atrophie-Gefahr (Gefahr des Gewebe-Absterbens) beim Versuch, den fehlplatzierten Hoden zu mobilisieren. Deshalb kann es sein, dass der Operateur auf eine umfassende Loslösung des Hodens mit Anhang (Funikulo-Orchidolyse) sowie dessen Fixierung am richtigen Ort im Hodensack (Orchidopexie) zunächst verzichtet. Alternativ setzt er dann zur Durchführung dieser Maßnahme eine zweite Operation an, normalerweise noch vor dem ersten Geburtstag des Kindes.

Warum wird zur Behandlung eines Hodenhochstands bereits im 1. Lebensjahr geraten?

Zwar mag es immer noch den einen oder anderen Arzt geben, der es mit einer frühzeitigen Behandlung des Hodenhochenstands nicht so genau nimmt. Doch in der Fachwelt herrscht ein relativ einmütiges Meinungsbild vor, dass dies im Regelfall inerhalb der ersten zwei Lebensjahre geschehen sollte.

Die gemeinsamen Leitlinien der Kinderchirurgen, Urologen und Kinder- und Jugendmediziner empfehlen sogar, mit der Therapie ab dem 7. Lebensmonat zu beginnen – wenn mit einem spontanen Hodenabstieg kaum noch gerechnet werden kann – und sie bis zum Ende des 1. Lebensjahres abzuschließen. Der Grund dafür ist, dass anschließend sowohl die Unfruchtbarkeitsrate als auch das Risiko einer malignen Entartung (Hodenkrebs) im späteren Erwachsenenalter steigt.

Hormontherapie

Hodenhochstand beim Kind: Warum überhaupt eine Hormontherapie?

Beim Wort Hormontherapie werden nicht wenige Eltern von Unbehagen gepackt. Verständlich, in diesem Fall aber nach unserer Einschätzung nicht ganz berechtigt. Mit der Hormontherapie bei Hodenhochstand werden vor allem zwei Ziele verfolgt:

  • Sie soll den Abstieg des oben zurückgebliebenen Hodens anregen und damit möglicherweise die Operation ersparen (präoperative Hormontherapie).
  • Sie soll die Reifung und Vermehrung der Keimzellen stimulieren und damit zur Verbesserung der Fruchtbarkeitschancen im späteren Leben beitragen (prä- und postoperative Hormontherapie).

Wie wird die Hormontherapie bei Hodenhochstand durchgeführt?

Die Hormonbehandlung bei Hodenhochstand (Bauchhoden, Leistenhoden oder Gleithoden) beginnt ab dem 6. Lebensmonat, eventuell sogar schon ab dem 3. Monat. Die Behandlung dauert sieben Wochen und erfolgt üblicherweise als Kombinationsbehandlung mit den beiden Hormonen LH-RH und HCG.

Leider gibt es eine unüberschaubare Vielzahl an Behandlungsprotokollen für diese „präoperative“ Hormontherapie. Die aktuellen Experten-Leitlinien setzen dem deshalb bewusst ein vereinfachtes Schema entgegen:

  • 1.-4. Woche: LH-RH 3 x 400 μg täglich (als Nasenspray, z.B. Kryptocur®: 3x täglich je ein Sprühstoß von 200 μg in jedes Nasenloch)
  • 5.-7. Woche: HCG 1 x 500 I.E. wöchentlich (Predalon®, wird intramuskulär gespritzt; kein Vorteil für höhere HCG-Dosen bewiesen)

Zwar ist prinzipiell auch die alleinige Gabe eines dieser beiden Hormone über vier Wochen möglich, neuere Untersuchungen sprechen der Kombinationstherapie aber eine höhere Wirksamkeit zu. Anschließend wird abgewartet, ob es zum gewünschten Hodenabstieg kommt.

Ziel: Reguläre Hodenlage nach dem 1. Lebensjahr

In der Mehrzahl der Fälle kommt es nicht dazu. Dann sollte so rechtzeitig operiert werden, dass mit Abschluss des 1. Lebensjahres beide Hoden an ihrem anatomisch korrekten Platz im Hodensack liegen. Wird der Hodenhochstand erst spät bemerkt, so dass dieser Zeitplan nicht eingehalten werden kann, soll nach Ansicht der Leitlinien-Autoren auf die Hormontherapie zugunsten einer möglichst raschen Operation verzichtet werden.

Wissenswertes zur Hormontherapie

Was genau ist durch die Hormontherapie beeinflussbar?

Da nur ein geringer Anteil der hochstehenden Hoden im Anschluss an eine Hormontherapie den Weg in den Hodensack findet, in den meisten Fällen also ohnehin operiert werden muss, könnte man auf den Gedanken kommen, die Hormontherapie gleich wegzulassen. Der Versuch, die (in der Regel in zwei Terminen stattfindende) Operation samt Risiken zu vermeiden, ist aber nur ein Grund für die Hormongabe.

Der andere, möglicherweise noch wichtigere Aspekt ist die Umwandlung von unreifen Geschlechtszellen (Gonozyten) in Spermatogonien, die normalerweise um den 3.-4. Lebensmonat herum in den Hoden erfolgt und entscheidende Bedeutung für die spätere Fruchtbarkeit Ihres Kindes hat. Dieser Schritt ist bei liegengebliebenen Hoden aufgrund der hormonellen Grunderkrankung oft gestört – zu einem gewissen Grad gilt das sogar für die normal abgestiegenen Hoden auf der anderen Seite.

Und genau an diesem Punkt kann durch die therapeutische Gabe der Hormone LH-RH und HCG das Geschehen – und damit die spätere Fruchtbarkeit – positiv beeinflusst werden. Untersuchungen weisen darauf hin, dass mit der Kombination aus Hormontherapie (LH-RH + HCG) und Operation vor dem 12. Lebensmonat die besten Resultate erzielt werden können, d.h. eine möglichst hohe Zahl an Samenvorläuferzellen (Spermatogonien) und eine möglichst niedrige Rate an Gewebeschwund bei den betroffenen Hoden.

Nicht hormonell beeinflussbar und deshalb kein Fall für die Hormonbehandlung ist ein Hodenhochstand bei sogenannter Hodenektopie, bei begleitendem Leistenbruch oder nach Leistenbruch-Operation.

Warum wird nach dem 1. Lebensjahr keine Hormontherapie mehr empfohlen?

Bei Untersuchungen des Hodengewebes von Kindern, die nach dem 1. Geburtstag mit dem Hormon HCG behandelt wurden, wurden Entzündungsbefunde und vermehrter Zelltod (Apoptose) festgestellt. Möglicherweise liegt dies daran, dass die im Keimdrüsengewebe nach dem 1. Lebensjahr vorwiegend vorhandenen Keimzellen empfindlich gegenüber HCG sind. Aus diesem Grund wird in Deutschland die Hormontherapie nach dem 1. Lebensjahr nicht mehr empfohlen.

Wie wirksam ist die Hormontherapie bei Hodenhochstand?

Bezüglich des Hodenabstiegs ist die Hormontherapie bestenfalls in einem Drittel, mindestens aber in einem Fünftel der Fälle wirksam (20-30%). Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:4 (25%) kommt es zu einem erneuten Hochstand des zunächst abgewanderten Hodens.

Aufgrund dieser bescheiden anmutenden Erfolgsaussichten raten manche Ärzte auch gleich zur Operation. Dabei sollte aber das zweite Behandlungsziel der Hormontherapie nicht übersehen werden, dass in der Verbesserung der späteren Fruchtbarkeitschancen besteht. Und zwar durch Vermehrung und Reifung der Keimzellen, auch unabhängig vom Hodenabstieg. Das Konzept dieses therapeutischen Ansatzes ist allerdings noch nicht so weit ausgereift, dass es allgemein akzeptiert wäre.

Bei hohem Unfruchtbarkeits-Risiko haben einige Studien gute Ergebnisse mit einer sechsmonatigen Hormonbehandlung nach der Operation nachgewiesen. Die Fruchtbarkeitsrate konnte dadurch erheblich gesteigert werden. Die deutschen Leitlinien-Experten halten die Datenlage aber für unzureichend, um daraus eine allgemeine Empfehlung abzuleiten. Sie empfehlen hier die individuelle Absprache zwischen dem behandelnden Arzt und den Eltern.

Hodenhochstand: Welche Nebenwirkungen können unter einer Hormontherapie auftreten?

Mit schweren Nebenwirkungen ist bei einer fachgerecht durchgeführten Hormontherapie nicht zu rechnen. Wahrscheinlich empfindet Ihr Kind nur die dreimaligen Spritzen als unangenehm, die üblicherweise in den Oberschenkel erfolgen.

In seltenen Fällen kann es als Folge der Hormonzufuhr und der dadurch gesteigerten Produktion männlicher Geschlechtshormone zur Virilisierung (Vermännlichung) und mitunter auch zu aggressivem Verhalten bei Ihrem Sprössling kommen. Das wird unter dem Hormon HCG ausgeprägter beobachtet als unter den sogenannten LHRH-Analoga.

Operation

Wann und wie wird ein Hodenhochstand operiert?

Zunächst zum Wann: Wenn es nach angemessener Wartezeit, d.h. nach den ersten sechs Lebensmonaten, und einer anschließenden Hormontherapie nicht zum Hodenabstieg gekommen ist, sollte dieser operativ vorgenommen werden. Und zwar bis zum Ende des 1. Lebensjahres. So jedenfalls sehen es die aktuellen Leitlinien vor.

Im Zweifelsfall bzw. bei verspäteter Diagnosestellung und in allen Fällen, bei denen es sich um einen nicht hormonell bedingten Hodenhochstand handelt, ist die unmittelbare Operation (ohne vorherige Hormonbehandlung) notwendig. 

Wie wird eine Operation des Hodenhochstands durchgeführt?

Und nun zum Wie: Mit einer Orchidopexie. Der medizinische Fachbegriff Orchidopexie ist terminologisch aus den altgriechischen Wörtern für Hoden (Orchis) und Anheften (Pexis bzw. medizinisch Pexie) abgeleitet. Gemeint ist damit die operative Fixierung des Hodens im Hodensack, die als Behandlungsmaßnahme bei Hodenhochstand und Hodentorsion dient.

Bei einer Orchidopexie näht der Chirurg den freigelegten Hoden an den ihn umhüllenden Hautschichten am Hodensack fest. Der Eingriff erfolgt üblicherweise in Vollnarkose und dauert etwa 20 Minuten. Ihr Kind kann im Normalfall prinzipiell noch am selben oder am nächsten Tag wieder nach Hause gehen. Da aber nach der Operation Schmerzen auftreten können und Bettruhe die Wundheilung unterstützt, hat sich ein zweitägiger stationärer Aufenthalt in der Kinderklink bewährt.

Hodenhochstand: Welche Risiken birgt eine Operation?

Abgesehen von den allgemeinen Operationsrisiken können bei der operativen Behandlung des Hodenhochstands in seltenen Fällen der Samenleiter, die Nerven oder die Gefäßversorgung des Hodens beschädigt werden. Eine schwerwiegende Komplikation ist die Verkümmerung (Atrophie) des Hodens.

Zu den häufigsten Komplikationen nach der operativen Behandlung des Hodenhochstands zählen:

  • Hodenatrophie:
    • nach Standard-Operation: 1%
    • nach Durchtrennung der Hodenarterie (Fowler-Stephens-OP): ca. 20-30%
    • nach mikrovaskulärer Autotransplantation: ca. 20-30%
  • Rezidiv (erneutes Hochwandern des Hodens): 1-5%
  • Durchtrennung des Samenleiters (Ductus deferens)
  • Beschädigung des Nervus ilioinguinalis

Wissenswertes zur Operation

Wie läuft die OP bei Hodenhochstand im Detail ab?

Wer es noch genauer wissen will und diesbezüglich nicht zu zart besaitet ist, kann im folgenden auch noch tiefer einsteigen. Der Chirurg präpariert zunächst den fehlplatzierten Hoden einschließlich Samenstrang frei und macht beide verschieblich (Funikuloorchidolyse). Anschließend erfolgt die Verlagerung in den Hodensack, wo der Hoden sicherheitshalber fixiert wird, um ein erneutes Hochwandern zu verhindern (Orchidopexie).

Der Eingriff erfolgt entweder offen oder minimalinvasiv per „Schlüsselloch“-Technik. Liegt der Hoden Ihres Säuglings im Bauch, kann ein zweizeitiges Operationsverfahren erforderlich werden, bei dem zweimal operiert werden muss.

Operationstechnisch wird aus Gründen der besseren Narben-Kosmetik und des übersichtlicheren Zugangs für die Erkundung der Bauchhöhle statt der sogenannten steilen Inzision ein querer Schnitt im Bereich der Bauchhautfalte empfohlen. Außerdem gehört die Verwendung optischer Hilfen (Lupenbrille) zum Grundstandard für diese anspruchsvolle Säuglingsoperation, bei der durch eine möglichst spannungsfreie Hodenverlagerung ein optimales funktionelles und kosmetisches Ergebnis angestrebt wird. Auch ein angeborener Leistenbruch bzw. der offene Leistenkanal, der sich erst nach erfolgtem Hodenabstieg verschließt, wird bei dieser Gelegenheit operativ mit versorgt.

Welche Operationsverfahren bei Hodenhochstand gibt es?

Für die chirurgische Lagekorrektur bei Hodenhochstand wurden verschiedene Operationstechniken entwickelt. Ihr erfolgreicher Einsatz hängt zum einen von der Erfahrung und Fertigkeit des Chirurgen ab, zum anderen vor allem von der Position des Hodens und der damit verbundenen Frage, wie eine ausreichende Gefäßlänge bzw. Gefäßversorgung dargestellt werden kann.

Entscheidend: Wo sitzt der Hoden?

Wenn sich der Hoden im Leistenbereich oder bereits am Übergang in den Hodensack befindet und der Gefäßstiel eine ausreichende Länge aufweist, reicht in 95% der Fälle das Standardverfahren mit Loslösung (Orchidolyse) und Anheftung (Orchidopexie) in einer Unterhautfalte des Hodensacks aus.

Aufwändiger gestaltet sich das Vorgehen beim Bauchhoden. Ist der Hoden nicht tastbar, spielt es nach derzeitiger Einschätzung in der Fachliteratur für das Ergebnis keine Rolle, ob die Suche und anschließende operative Versorgung über einen „klassischen“ offenen Zugang von der Leiste aus erfolgt oder per „Schlüsselloch“-Technik. Allerdings ist mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 5% damit zu rechnen (und von vorneherein zu berücksichtigen), dass aufgrund der individuellen Situation während der OP von dem einen auf das andere Verfahren gewechselt werden muss.

Verschiedene Verfahren und ihre Erfolgsquoten

Abhängig von der Gefäßsituation kommen verschiedene Eingriffsarten bzw. -modifikationen zum Einsatz:

  • Fowler-Stephens-Manöver (ein- oder zweimaliger Eingriff, publizierte Erfolgsrate 77%)
  • modifiziertes Verfahren nach Koff und Sethi (publizierte Erfolgsrate 93%)
  • Autotransplantation (erhöhter operativer Aufwand, Einsatz mikrochirurgischer Technik limitiert durch abnehmenden Gefäßdurchmesser im frühen Operationsalter, publizierte Erfolgsrate 85%)

In den meisten kinderchirurgischen Häusern wird die Schlüsselloch-Suche nach dem nicht tastbaren Hodens und dessen chirurgische Verlagerung mit Unterbindung der Hodengefäße in zwei Sitzungen (zweizeitige Fowler-Stephens-Operation) bevorzugt.

Langfristiger Erfolg der OP zweifelhaft

Trotz operativer Fixierung kommt es in bis zu 5% der Fälle zu einem erneuten Hochwandern des verlagerten Hodens. Und die OP-Ergebnisse sind bezüglich der Fruchtbarkeit im Erwachsenenalter enttäuschend, obwohl heute bereits frühzeitig operiert wird. Zwar sorgt die Operation für die notwendige anatomische Korrektur, an den grundlegenden Mechanismen eines hormonell bedingten Hodenhochstands wird damit jedoch nichts verändert.

Wie wird bei Leistenbruch und Hodenhochstand beim Neugeborenen vorgegangen?

Werden bei einem Neugeborenen gleichzeitig ein Leistenbruch-OP und ein Hodenhochstand diagnostiziert, wird beides operativ versorgt. Während bei der Leistenbruch-OP (Herniotomie) normalerweise keine Probleme zu erwarten sind, besteht aufgrund der zarten Strukturen eine erhöhte Schädigungs-Gefahr beim Versuch, den fehlplatzierten Hoden zu mobilisieren.

Deshalb kann es sein, dass der Operateur auf eine umfassende Loslösung des Hodens mit Anhang sowie dessen Fixierung am richtigen Ort im Hodensack zunächst verzichtet und zur Durchführung dieser Maßnahme eine zweite Operation, normalerweise noch vor dem ersten Geburtstag des Kindes, ansetzt.

Was ist eine Orchidofunikulolyse?

Auf jeden Fall nicht ganz einfach auszusprechen. Abgesehen davon aber kein Grund, vor Ehrfurcht gegenüber dem medizinischen Fachjargon in den Boden zu versinken oder aus Verständnismangel geistig abzuschalten. Es handelt sich schlicht um das chirurgische Freilegen und Verschieblichmachen (Mobilisierung) von Hoden und Samenstrang im Rahmen der Behandlung eines Hodenhochstands.

Zumeist wird das Vorgehen kombiniert mit einer anschließenden Fixierung des Hodens am Hodensack (Orchidopexie).

Übrigens: Um sich das Wort gut merken zu können, brauchen Sie sich als medizinisch vorgebildeter Altphilologe nur die Herleitung des zusammengesetzten Begriffs vergegenwärtigen: griech. Orchis = Hoden, lat. Funiculus spermaticus = Samenstrang, griech. Lysis = (Los-) Lösung. Aber das nur am Rande.

Wann muss ein hochstehender Hoden entfernt werden?

Ist die Hormonbehandlung erfolglos geblieben und liegt der hochstehende Hoden (oder beide) an einer sehr ungünstigen Stelle, muss man – insbesondere bei älteren Kindern (über 6 Jahre) – die operative Entfernung eines Hodens in Erwägung ziehen. Natürlich muss das Für und Wider einer solchen Orchiektomie vorher ausführlich mit den Eltern besprochen werden.

Aus medizinischer Sicht erscheint diese Maßnahme umso eher notwendig,

  • je unwahrscheinlicher die Fruchtbarkeit des betroffenen Hodens ist,
  • je kleiner und fehlentwickelter der Hoden ist,
  • je höher der Hoden lokalisiert ist,
  • je älter Ihr Kind ist (Pubertät),
  • je ausgeprägter eine Hoden-Nebenhoden-Fehlposition vorliegt
  • und bei einseitigem Befund.

Nachsorge

Was ist zur Nachsorge bei behandeltem Hodenhochstand zu beachten?

Wird Ihr Sohn wegen Hodenhochstand operiert, ist unmittelbar nach dem Eingriff Bettruhe zur Unterstützung der Wundheilung angesagt. Ob Sie dafür einen (in der Regel zweitägigen) stationären Klinikaufenthalt bevorzugen oder Ihr Kind lieber selbst zuhause betreuen möchten, sollten Sie sich überlegen, wenn Sie darüber entscheiden, den Eingriff ambulant oder stationär vornehmen zu lassen.

Da es auch nach erfolgter (hormoneller und/oder operativer) Therapie zu einem erneuten Hodenhochstand oder zur Verkümmerung (Atrophie) des Hodens kommen kann, wird eine dreimonatige Nachkontrolle über ein Jahr empfohlen. Auch in der entprechenden Leitlinie der Fachgesellschaften wird die Nachsorge gefordert und genau beschrieben.

Für das Erwachsenenalter gibt es allerdings keine eindeutige Empfehlung, obwohl bekannt ist, dass ein Hodenhochstand trotz „erfolgreicher“ Behandlung langfristige Konsequenzen für die Hodenfunktion und die Entwicklung eines Hodenkarzinoms nach sich ziehen kann. Das gilt insbesondere für Jungen, die erst spät behandelt wurden. Hier ist dann vor allem die Selbstkontrolle wichtig, über die Sie Ihren Sohn beizeiten aufklären sollten.

Wissenswertes zur Nachsorge

Kann es trotz Behandlung erneut zu einem Hodenhochstand kommen?

Ja, die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt nach einer hormonellen Therapie etwa 25% und auch nach einer Operation noch bis zu 5%. Deshalb sollte die Hodenlage auch nach einer erfolgreichen Behandlung noch ein Jahr lang etwa alle drei Monate kontrolliert werden.

Das wird Ihnen Ihr Arzt aber auch sagen und auf diese Kontrolluntersuchungen drängen. Sie sollten sich deswegen nicht zu viele Sorgen machen, weil auch ein erneuter Hodenhochstand gut behandelbar ist. Wichtig ist nur, dass Sie das Problem nicht zu voreilig komplett abhaken und die Termine einhalten, um ganz auf der sicheren Seite zu sein.

Stimmt es, dass auch bei behandeltem Hodenhochstand das Risiko für späteren Hodenkrebs erhöht ist?

Nach bisherigen Beobachtungen vermuten die Experten, dass dem so ist. Wenn Ihr Kind einen Hodenhochstand hatte, bleibt sein Hodenkrebsrisiko auch nach erfolgter Behandlung erhöht. Allerdings muss zur Beruhigung auch gesagt werden, dass die Wahrscheinlichkeit insgesamt gering ist.

Trotzdem sollte Ihr Sohn ab dem Jugendalter seine Hoden regelmäßig selbst untersuchen. Etwaige Auffälligkeiten – insbesondere eine schmerzlose Vergrößerung des Hodens sowie eine Veränderung der Hodenkonsistenz – sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Klären Sie Ihren Sohn beizeiten darüber auf – natürlich, ohne ihm dabei unnötig Angst zu machen. Denn bei aufmerksamer Eigenbeobachtung stehen die Chancen auf frühzeitige Entdeckung und erfolgreiche Behandlung des nur eventuell auftretenden Hodenkrebses gut.

Nicht alle Studien zeigen ein erhöhtes Risiko

Die Datenlage ist im übrigen auch uneinheitlich, manche Untersuchungen (u.a. aus den USA) bestätigen, dass mit der frühzeitigen Behandlung des Hodenhochstands (vor dem 11.-13. Lebensjahr) ein weiteres Ansteigen des Hodenkrebsrisikos verhindert werden kann, andere hingegen nicht. Die letztere Schlussfolgerung könnte allerdings zumindest teilweise darauf beruhen, dass bei den beobachteten Jungen die Lagekorrektur zu spät vorgenommen wurde. Heute wird deshalb dringend empfohlen, die hormonelle und/oder operative Behandlung des Hodenhochstands bis zum Ende des 1. Lebensjahres zum Abschluss zu bringen.

Wissenswertes

Wie häufig kommt der Hodenhochstand vor?

Gar nicht so selten: Der Hodenhochstand ist die häufigste genitale Fehlbildung bei Jungen und tritt bei immerhin etwa 3% (1-6%) der reifen männlichen Neugeborenen auf. Bei Frühgeborenen wird die Lageabweichung sogar bei fast jedem Dritten (bis zu 30%) festgestellt, bei einem Geburtsgewicht von weniger als 900 g praktisch ausnahmslos (100%).

Nach dem Ende des 1. Lebensjahres beträgt die Vorkommensrate dieser Anomalie, die oft erst im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung vom Kinderarzt festgestellt wird, nur noch etwa 0,7-1%. Das bedeutet, dass im ersten Lebensjahr etwa 2 von 3 oben liegengebliebenen Hoden schlussendlich doch noch an ihren vorgesehenen Platz im Hodensack gelangen.

Wissenswertes zu Hodenhochstand und Co.

Was ist eine Hodenretention?

Die Hodenretention (Retentio testis) bezeichnet den unvollständigen Abstieg des Hodens auf seinem entwicklunsgbiologischen Weg vom Anlageort in der Bauchhöhle durch den Leistenkanal bis in den Hodensack. Der Hoden kann dabei praktisch überall auf der Wegstrecke liegenbleiben und sich erst später, meist im Laufe der ersten 3-6 Lebensmonate, an seinen Zielort weiterbewegen. Manchmal aber auch gar nicht mehr.

Im letzteren Fall handelt es sich um einen dauerhaften und damit behandlungsbedürftigen Hodenhochstand. Je nach Lokalisation des Hodens werden unterschieden:

  • präskrotale Hodenretention (oberhalb des Hodensacks)
  • inguinale Hodenretention (Leistenhoden)
  • abdominelle Hodenretention (Bauchhoden)

Warum ist es wichtig, eine Hodenretention von einer Hodenektopie zu unterscheiden?

Wegen des richtigen Vorgehens bei der Behandlung. Denn das hängt von der Ursache der Hodenfehlplatzierung ab. Während es sich beim echten Hodenhochstand in erster Linie und überwiegend um eine Hormonstörung handelt, wird für die Hodenektopie eine ausgeprägte Fehllage des sogenannten Gubernaculum testis verantwortlich gemacht. Eine Hormontherapie hat in diesem Fall der anatomischen Fehlleitung keine Aussicht auf Erfolg.

Was ist eine Hodendystopie?

Von Dystopie sprechen Mediziner, wenn sich ein Gewebe oder Organ am falschen Ort im Körper befindet. Die Hodendystopie bezeichnet damit die ein- oder beidseitige Lageanomalie der männlichen Keimdrüse(n).

Im Unterschied zur sogenannten Hodenektopie entspricht die Fehlplatzierung aber immerhin einem Ort auf der entwicklungsbiologisch für den Hodenabstieg vorgesehenen Wegstrecke.

Zu den anderen häufig verwendeten Begrifflichkeiten mit gleicher bzw. ähnlicher Bedeutung zählen:

  • Hodenhochstand
  • Nondescensus testis bzw. Maldescensus testis
  • Hodenretention
  • Hodenektopie
  • Kryptorchismus (in verallgemeinerter Auslegung)
Was ist eine Hodenektopie?

Die Hodenektopie ist eine Form des Hodenhochstands. Die fehlplatzierte Keimdrüse ist dabei auf ihrem – entwicklungsbiologisch durch das bandförmige Gubernaculum testis vorgegebenen – Abstiegsweg nicht nur liegengeblieben, sondern hat sich völlig verirrt. Mediziner sprechen entweder von Dystopie oder von Ektopie, wenn sich Körpergewebe an eine ungewöhliche Stelle verlagert hat.

Je nach lateinisch formulierter Fundstelle unterscheidet der Arzt die

  • epifaszial-inguinale Hodenektopie (im Leistenbereich oberhalb der Faszie)
  • femorale Hodenektopie Hodenektopie (im Oberschenkelbereich)
  • perineale Hodenektopie Hodenektopie (im Afterbereich)
  • transverse Hodenektopie (quer zur Körperachse verschoben)
  • penile (im Penisbereich) oder penodorsale (auf dem Penisrücken) Hodenektopie

Was ist die häufigste Form der Hodenektopie – und womit kann sie verwechselt werden?

Am häufigsten (ca. 70%) findet sich die fehlplatzierte Gonade bei einer Hodenektopie inguinal-epifaszial, also im Leistenbereich unter der äußeren Gewebehülle (Epifaszie). Beim Abtasten im Rahmen der elterlichen oder ärztlichen Untersuchung kann dieser Befund mit einem echten (retinierten) Leistenhoden verwechselt werden.

Was wird bei einem verkümmerten Hoden (Hodenrudiment) im Kindesalter empfohlen?

Ein verkümmerter (atropher) oder nicht wachsender Hoden wird als Hodenrudiment bezeichnet. Zwar ist die Entscheidungsgrundlage, wie damit verfahren werden sollte, aus wissenschaftlicher Sicht noch unklar. Meistens wird aber die Entfernung empfohlen, um die Möglichkeit einer späteren Krebsentwicklung auszuschließen, falls sich noch Hodenrestgewebe in dem Rudiment befinden sollte.

Mit einer solchen Entartung ist normalerweise erst nach abgeschlossener Pubertät zu rechnen, so dass Sie mit der Operation bis zum Pubertätsalter warten können. In Kombination mit der Entfernung des Rudiments kann dann ggf. eine Hodenprothese eingesetzt werden, die nicht mehr (aus Wachstumsgründen) gewechselt werden muss. Und Ihr Sohn hat als Patient in diesem Alter die Möglichkeit, sich mit eigener Entscheidung in das Behandlungsgeschehen einzubringen.

Noch mehr Wissenswertes

Was ist eine Hoden-Nebenhoden-Dissoziation?

Die Hoden-Nebenhoden-Dissoziation ist ein möglicher Begleitbefund bei Hodenhochstand und beschreibt vereinfacht gesprochen eine Trennung dieser beiden Schwesterorgane. Sie ist umso stärker ausgeprägt, je weniger der Hoden bei seinem Abstieg vorangekommen ist.

Zur Erklärung: Der Nebenhoden entwickelt sich embryonal aus dem sogenannten Wolffschen Gang. Wenn diese räumliche Verbindung unterbrochen wird, entsteht eine Hoden-Nebenhoden-Dissoziation. Sie erhöht die Gefahr einer späteren Unfruchtbarkeit durch den Hodenhochstand. Vermutlich vermindert diese anatomische Fehllage auch die Erfolgschancen einer Hormontherapie.

Was ist ein Kryptorchismus?

Gemäß der Bedeutung des griechischen Wortes kryptos (verborgen) bezeichnet dieser medizinische Fachbegriff den Zustand der Nichtauffindbarkeit eines oder beider Hoden. Die fehlende Keimdrüse liegt dann in der Regel im Bauchraum – medizinlateinisch beschrieben als Retentio testis abdominalis oder Nondescensus testis, auf Deutsch Bauchhoden.

Häufig ist damit aber auch der unvollendete Abstieg gemeint, bei dem sich der liegengebliebene Hoden irgendwo auf dem embryonalen Wanderweg zwischen Bauchraum und Hodensack befindet. In der urologischen Praxis wird der Kryptorchismus-Begriff gelegentlich noch großzügiger gefasst und für alle Anomalien verwendet, bei denen der Hoden nicht vorwiegend an seinem Bestimmungsort, also im Hodensack anzutreffen ist.

Davon abzugrenzen ist die Anorchie, bei der eine Hodenanlage als solche fehlt.

Quellen:

  • Schmelz H, Sparwasser C, Weidner W. Facharztwissen Urologie, 3. Auflage (2014). Verlag: Springer.

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