Unter Schirmherrschaft der
Deutschen Gesellschaft für Gesundheit e.V.
Navigator-Medizin.de
   X   

[Krankheiten von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Medikamente von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Diagnostik & Laborwerte von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Therapieverfahren von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Gesundheitsthemen von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

[Symptome von A bis Z]

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Baricitinib (Olumiant): Wirkung und Nebenwirkungen

Was ist Baricitinib (Olumiant®) für ein Medikament? Wie wirkt es bei der atopischen Dermatitis (Neurodermitis)? Welche Nebenwirkungen können eintreten? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zum Wirkstoff Baricitinib.

Wirkung

Wie wirkt Baricitinib (Olumiant)?

Gezielt gegen die Entzündung

Baricitinib (Handelsname Olumiant®) ist ein ein sogenannter Januskinasen-Inhibitor. Das heißt übersetzt, der Wirkstoff hemmt bestimmte Eiweiße (Proteine), die an Entzündungsvorgängen im Körper beteiligt sind.

Ihren Namen haben die Januskinasen (JAK) von Janus, dem römischen Gott der Türen und Tore mit seinen zwei Gesichtern in jede Richtung. Die Januskinasen liegen am Eingang der Zelle und leiten Signale, die von außen an die Zelle gelangen, nach innen weiter. Dadurch wird eine ganze Kaskade an Reaktionen in Gang gesetzt, die letztlich die Entzündung anfachen.

Indem Baricitinib diese Türwächter blockiert, greift es ins Immunsystem ein und dämmt die Entzündungsreaktion. Dabei nimmt es sich ganz gezielt nur bestimmte Januskinasen vor, nämlich vorwiegend JAK1 und JAK2. Dazu muss man wissen: Je ausgewählter das Ziel, umso präziser auch die Wirkung.

Schneller und anhaltender Wirkungseintritt

Konkret bedeutet das: Baricitinib verbessert nicht nur deutlich und anhaltend die Hauterscheinungen der Neurodermitis; es wirkt vor allem auch schnell gegen typische Begleitsymptome wie Juckreiz und Schlafstörungen.

Für wen ist Olumiant geeignet?

Tablette für die Langzeitanwendung

Olumiant® hat seit November 2020 die Zulassung für die Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis (Neurodermitis) bei Erwachsenen. Das Arzneimittel wird bereits seit 2017 in der Therapie der rheumatoiden Arthritis eingesetzt.

Bei der atopischen Dermatitis kommt das Medikament dann in Frage, wenn eine topische Therapie (auf der Haut) allein nicht ausreicht. Die äußerliche Behandlung mit Kortison kann dabei weitergeführt oder ganz abgesetzt werden.

Für besonders Geplagte

Baricitinib hilft aber nicht nur gegen die Hautbeschwerden. Es wird auch dann eingesetzt, wenn die Begleitsymptome der atopischen Dermatitis nicht in den Griff zu bekommen sind.

Mehr als vielleicht manch andere Hauterkrankung beeinträchtigt die atopische Dermatitis den Alltag der Betroffenen nämlich auf vielfältige Weise. Neben den klassischen Hautekzemen sind hauptsächlich der permanente Juckreiz und die Schmerzen sowie der damit einhergehende Schlafmangel und die eingeschränkte Leistungsfähigkeit stark belastend.

In den bisherigen Studien zeigte sich zudem unter der Behandlung mit Baricitinib von Anfang an eine schnelle Juckreizverbesserung sowie damit einhergehend ein besseres Durchschlafen. Ein positiver Effekt, der sich vor allem auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt.

Einnahme

Wie wird Olumiant eingenommen?

Einfach – 1 Tablette, 1x täglich

Olumiant® wird als Tablette einmal täglich eingenommen – und zwar unabhängig von den Mahlzeiten und der Tageszeit. Die empfohlene Dosis beträgt in der Regel 4 mg Baricitinib täglich.

Für bestimmte Personen wird Olumiant® dagegen in der 2mg-Dosierung empfohlen, wie zum Beispiel für ältere Menschen ab dem 75. Lebensjahr.

Baricitinib: Wieso muss ich öfter zur Blutentnahme?

Infektionsgefahr ausschließen

Wie oben beschrieben greift Baricitinib nicht unerheblich ins Immunsystem ein. Dadurch wird die Abwehr des Körpers insgesamt geschwächt. Deshalb ist es wichtig, womöglich schlummernde Infektionen wie Tuberkulose und Hepatitis auszuschließen, die durch die Einnahme von Olumiant® entfacht werden könnten.

Außerdem müssen die Abwehrzellen im Blut bestimmt werden. Sind sie stark erniedrigt, darf die Therapie nicht begonnen bzw. muss ggf. unterbrochen werden.

Leber und Nieren überprüfen

Schließlich muss die Funktion von Leber und Nieren, die das Medikament im Körper verarbeiten und ausscheiden, überprüft werden.

In der Regel wird Ihnen daher vor der Behandlung mit Baricitinib sowie 12 Wochen nach Therapiebeginn Blut abgenommen.

Wann darf Olumiant nicht eingenommen werden?

In folgenden Fällen sollte man von einer Behandlung mit Olumiant® absehen:

  • bei einer schwerwiegenden Überempfindlichkeit gegenüber Baricitinib oder einer der weiteren Bestandteile des Arzneimittels
  • bei einer Schwangerschaft

Zudem darf eine Therapie in folgenden Fällen nicht eingeleitet bzw. sollte unterbrochen werden:

  • erniedrigte Anzahl an Entzündungszellen
  • erniedrigter Hämoglobin-Wert (roter Blutfarbstoff)
  • schwere Funktionsstörung von Leber oder Nieren

Schwangerschaft und Stillzeit

Olumiant® ist während einer Schwangerschaft nicht erlaubt. Frauen im gebärfähigen Alter sollten sowohl während der Behandlung mit Olumiant® als auch nach Beendigung der Therapie für mindestens eine weitere Woche sicher verhüten.

Da ein Risiko für Säuglinge nicht ausgeschlossen werden kann, sollte Olumiant® während der Stillzeit ebenfalls nicht angewendet werden.

Wichtige ergänzende Hinweise

  • Impfungen mit Lebendimpfstoffen während oder unmittelbar vor der Therapie mit Olumiant® werden nicht empfohlen.
  • Bei Hinweisen auf eine Infektion muss die Therapie ggf. unterbrochen werden.
  • Olumiant® darf bei Betroffenen mit Risikofaktoren für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien nur mit Vorsicht angewendet werden.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen kann Baricitinib haben?

Meist betrifft es die oberen Atemwege

Eine sehr häufige unerwünschte Nebenwirkung von Baricitinib ist die Entzündung von Nase und Rachen (Nasopharyngitis). Auch andere Infektionen (z.B. mit Herpes simplex) sind möglich. Zudem kann es unter Olumiant® zu Kopfschmerzen und veränderten Blutwerten kommen.

In der Regel sind diese Nebenwirkungen jedoch nicht so stark, dass das Medikament abgesetzt werden muss. Schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten nach bisherigen Erfahrungen nicht auf.

Wechselwirkungen eher selten

Olumiant® ist recht unkompliziert in Bezug auf andere Medikamente. Arzneimittelwechselwirkungen sind kaum relevant. Allerdings sollte der Wirkstoff sicherheitshalber nicht mit anderen wirksamen Immunsuppressiva (Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken) kombiniert werden.

Baricitinib kann in einer niedrigeren Dosierung von 2 mg auch bei einer eingeschränkten Nierenfunktion gegeben werden.

Quellen:

  • Europäische Arzneimittel-Agentur: Fachinformation Olumiant®. Online unter www.ema.europa.eu (zuletzt aufgerufen am 18.11.2020).

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

Kommentar schreiben

Inhaltsverzeichnis Top