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Kammerflimmern: Ursachen und Überlebenschancen

Wie erkenne ich Kammerflimmern? Welche Auslöser gibt es? Kann ich das Auftreten von Kammerflimmern vermeiden und wie sind meine Überlebenschancen? Und was ist Kammerflattern?

Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie im folgenden Text.

Was ist Kammerflimmern?

Beim Kammerflimmern handelt es sich um sehr schnelle, unkoordinierte und chaotische Kontraktionen des Herzmuskels. Das Herz schlägt über 350 mal pro Minute. Eine Blutförderung ist überhaupt nicht mehr möglich, so dass es zum Kreislaufstillstand kommt. 

Unbehandelt endet das Kammerflimmern innerhalb weniger Minuten tödlich. Man spricht vom funktionellen Herzstillstand. Kammerflimmern ist eine Notfallsituation, die sofortige therapeutische Maßnahmen verlangt. Wiederbelebungsmaßnahmen und eine elektrische Defibrillation sind nötig, um den Kreislauf aufrecht zu erhalten und das Herz wieder in den Takt zu bringen.

Was ist Kammerflattern?

Auch beim Kammerflattern ist die Erregung des Herzmuskels durcheinander geraten und kreist unkoordiniert. Im Gegensatz zum Kammerflimmern geschieht dies aber etwas "langsamer" mit einem Herzschlag zwischen 250 und 350 Kontraktionen der Kammern pro Minute. (Normal sind 60-100 Schläge pro Minute). Unter Umständen schaffen Herz und Körper es dabei, für eine Zeit lang noch einen Kreislauf aufrecht zu erhalten.

Auch hier droht aber wie beim Kammerflimmern jederzeit ein Kreislaufstillstand, bei dem lebenswichtige Organe wie das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Ohne sofortige Rettungsmaßnahmen kommt es innerhalb kürzester Zeit zum Tod. Kammerflattern ist wie Kammerflimmern eine Notfallsituation, die sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Kreislaufs und der raschen Defibrillation des Herzens bedarf.

Welche Ursachen hat Kammerflimmern?

Häufig ist eine Mangelversorgung des Herzmuskels mit Blut die Ursache des Kammerflimmerns. Auslösend können somit Erkrankungen des Herzens sein, wie die koronare Herzerkrankung, ein Herzinfarkt und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Auch andere Herzmuskelerkrankungen wie Herzmuskelentzündungen oder krankhaft verdickte Herzwände bei der sogenannten HOCM (Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie) gehen mit einem erhöhten Risiko für bösartige Rhythmusstörungen und plötzlichem Herztod einher.

In selteneren Fällen können auch folgende Ursachen eine Rolle spielen:

  • Ungleichgewicht der Blutsalze (Elektrolyte)
  • Medikamente
  • Stromschläge
  • Wasser-Unfall mit drohendem Ertrinken

Die meisten Menschen, die Kammerflimmern bekommen, leiden aber an einer zugrundeliegenden Herzkrankheit. Unter anderem deshalb ist das möglichst frühe Erkennen von Herzkrankheiten so bedeutsam.

Wie macht sich Kammerflimmern bemerkbar?

Beim Flimmern der Herzkammern wird kein Blut mehr gefördert. Der Betroffene bricht zusammen und ist bewusstlos. Es lässt sich kein Blutdruck und Puls messen, die Betroffenen sind sehr blass und weisen weite Pupillen auf.

Trifft man auf solch eine Situation, ist sofortiges Handeln gefragt

Falsch machen kann man kaum etwas, und Nichthandeln ist der größte Fehler. Die wichtigsten Sofortmaßnahmen: Notarzt rufen und mit Herzmassage beginnen. Mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herzdruckmassage) lässt sich die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken und möglicherweise das Leben des Betroffenen retten.

Ohne sofortige Notfallmaßnahmen entwickeln sich aufgrund des Sauerstoffmangels Krämpfe, nach fünf Minuten führt der Sauerstoffmangel im Gehirn zu nicht rückgängig zu machenden Schäden. Bei Kreislaufstillstand tritt innerhalb kürzester Zeit der Tod ein.

Reichen bei Kammerflimmern Wiederbelebungsmaßnahmen wie Beatmung und Herzdruckmassage aus?

Steht kein Defibrillator ("Elektroschock-Gerät") zu Verfügung, kann man auch mit normalen Wiederbelebungsmaßnahmen den Blutkreislauf über kürzere Zeit aufrecht erhalten. Allerdings kann eine Herzdruckmassage das Kammerflimmern nicht beenden, so dass diese Hilfe häufig nicht ausreicht, um den Betroffenen am Leben zu erhalten.

Eine Herzmassage ist also im Zweifel richtig – sie ändert aber nichts daran, dass so rasch es geht professionelle Hilfe geholt werden muss. Steht ein sogenannter Laien-Defibrillator zur Verfügung (also ein Elektroschock-Gerät, das auch von Nicht-Rettungskräften angewandt werden kann), sollte dieses benutzt werden, um das Kammerflattern oder Kammerflimmern zu beenden. 

Wie ist die Prognose bei Kammerflimmern?

Tritt Kammerflimmern auf, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ohne Hilfe besteht im Prinzip keine Chance zu überleben, denn bei Kammerflimmern handelt es sich um einen funktionellen Herzstillstand. Es kommt innerhalb weniger Minuten zum Tod.

Bei einer Reanimation und Defibrillation durch einen Rettungsdienst beträgt die Überlebenschance 8-10%, da häufig viel Zeit vergeht, bis Hilfe eintrifft. Die Überlebenswahrscheinlichkeit steigt deutlich, wenn Defibrillatoren zugänglich sind, die von Laien bedient werden können. Es überlebt dann etwa die Hälfte der Betroffenen.

Allgemein ist das Risiko für ein erneutes Auftreten von Kammerflimmern nach solch einem Ereignis erhöht. Wichtig ist daher, eine mögliche zugrundeliegende Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln. 

Kann man sich vor Kammerflimmern schützen?

Viele Fälle von Kammerflimmern und plötzlichem Herztod ließen sich vermeiden, wenn zugrundeliegende Erkrankungen rechtzeitig diagnostiziert und behandelt würden. Ein weiterer Aspekt der schlechten Prognose ist die häufig fehlende Hilfe durch die Menschen in unmittelbarer Nähe. Auch Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen können die Sterblichkeit senken.

Wer ein Kammerflimmern überlebt hat, bekommt in der Folge häufig Medikamente und/oder einen implantierbaren Defibrillator ("Kardioverter Defibrillator" ICD), um ein wiederholtes Auftreten von Kammerflimmern zu verhindern. Eine weitere Möglichkeit ist die Stilllegung von Herzmuskelgewebe durch Verödung (Katheterablation). 

Ist Kammerflimmern gleichbedeutend mit "Plötzlicher Herztod"?

Der Begriff "Plötzlicher Herztod" wird oft synonym mit dem Begriff Kammerflimmern verwendet. Man spricht auch vom Sekundentod (englisch: Sudden Cardiac Death). Tatsächlich ist der plötzliche Herztod meist Folge eines Kammerflimmerns, das einem funktionellen Herzstillstand entspricht.

Sollte man nach dem Überleben von Kammerflimmern einen Defibrillator anschaffen? 

Viele Betroffene und auch Angehörige sind natürlich verunsichert und ängstlich, nachdem ein Kammerflimmern überlebt wurde. Verschiedene Maßnahmen können aber die Wahrscheinlichkeit senken, dass es zu einem erneuten Kammerflimmern kommt.

An erster Stelle steht die Behandlung einer möglichen ursächlichen Grunderkrankung (z.B. koronare Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörung). Zum anderen gibt es Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussen. Einige Patienten erhalten einen sogenannten "Cardioverter Defibrillator" (kurz auch Defi oder ICD genannt), der im Brustbereich implantiert wird. Er kann selbstständig einen zu hohen und bedrohlichen Herzschlag erkennen und diesen mit einem Stromstoß unterbrechen.

Erste-Hilfe-Defibrillator wie die automatisierten externen Defibrillatoren (AED) sind Geräte für öffentliche Räume wie beispielsweise Flughäfen. Sie können Leben retten und es ist wichtig, dass jeder von uns sich traut, im Notfall einen solchen AED auszupacken und zu nutzen. Ein AED "spricht" und erklärt jeden Schritt, den Sie tun müssen, um als Laie eine bewusstlose Person zu reanimieren, die nicht mehr atmet und einen Kreislaufstillstand hat, bis ein Rettungsdienst eintrifft. AEDs sind aber keine Geräte für zu Hause. 

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse einen Defibrillator für zu Hause?

Es gibt verschiedene Formen von Defibrillatoren. Zu ihnen zählen unter anderem kleine Geräte, die direkt in den Körper von Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod eingebaut werden. Wann ein Betroffener einen solchen Defibrillator (kurz auch Defi oder ICD) benötigt, entscheiden die behandelnden Ärzte und Kardiologen. In solchen Fällen zahlt eine Krankenkasse die Kosten. Ein Defi wird oft in einer Klinik eingebaut, manchmal auch ambulant. 

Daneben gibt es aktuell (Stand 2019) sogenannte Life-Vests, tragbare Defis, die ähnlich wie eine Schwimmweste angelegt werden und vorübergehend bei "Hochrisikopatienten" genutzt werden. Bei ihnen ist noch nicht abschließend geklärt, ob sie langfristig einen eingebauten Defibrillator (ICD) benötigen oder nicht. Hier gestaltet sich der Prozess der Kostenübernahme aktuell etwas komplizierter. Meist entscheiden die Krankenkassen von Fall zu Fall, das heißt abhängig von den ärztlichen Empfehlungen und dem aktuellen Stand der Behandlungsleitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften. 

Größere, externe Defibrillatoren wie die AEDs (automatisierte externe Defibrillatoren), die Sie von Flughäfen kennen, sind wie gesagt keine Lösung für zu Hause sondern Notfallgeräte für öffentliche Räume.  

Autorin: 

Quelle:

  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019; ISBN 978-3-9814660-8-9
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