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Vaskuläre Demenz

Was ist das Besondere an einer vaskulären Demenz? Was kann man gegen diesen durchblutungsbedingten Gedächtnisverlust tun? Fragen dazu beantworten wir im folgenden Beitrag.

Ursachen

Vaskuläre Demenz: Wenn die Blutgefäße langsam zuwachsen

Nicht jede Demenz ist eine Alzheimer-Demenz. In vielen Fällen des geistigen Abbaus im Alter stecken andere Ursachen dahinter, vor allem Durchblutungsstörungen. Ärzte sprechen dann von vaskulärer Demenz. Deren Entstehung haben Wissenschaftler aus Magdeburg jetzt etwas näher unter die Lupe genommen.

Erst ein kleiner Stau, dann ein massiver Versorgungsmangel

Es beginnt in den kleinsten Verästelungen der Blutgefäße. Dort bilden sich zu Beginn einer vaskulären Demenz winzige Ansammlungen von roten Blutkörperchen. Die nehmen dann langsam an Größe zu, bis sie irgendwann den Blutfluss in dem betroffenen Gebiet messbar beeinträchtigen. Da Mediziner für jedes körperliche Geschehen einen unaussprechlichen Begriff benötigen, nennen sie diese kleinen Gefäßverengungen Mikroangiopathien.

Das Problem entsteht spätestens dann, wenn diese Mikroangiopathien noch weiter wachsen und auch größere Blutgefäße verengen. Und wenn es sich um Gefäße handelt, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Dann kann es zu einem langsam zunehmenden Versorgungsmangel kommen, der irgendwann dazu führt, dass die ersten Zellen im Versorgungsgebiet absterben. Und damit beginnt die Demenz.

Gefäßverengungen früher erkennen

Mit dieser Erkenntnis verbindet sich aber auch eine Hoffnung: Im Gegensatz zum Alzheimer lässt sich diese Art der Demenz potentiell aufhalten. Man muss nur rechtzeitig erkennen, dass sich in den Hirngefäßen solche Veränderungen entwickeln. Und genau an diesen Möglichkeiten der Früherkennung wollen die Wissenschaftler der Universitätsklinik Magdeburg nun weiter arbeiten.

Behandlung

Welche Medikamente werden zur Behandlung einer vaskulären Demenz eingesetzt?

Eine vaskuläre Demenz beruht letztlich auf Durchblutungsstörungen im Gehirn. Sie kann durch viele kleine, oft unbemerkte Schlaganfälle ausgelöst werden, bei denen es aufgrund einer Gefäßverstopfung zur Minderdurchblutung umschriebener Hirnbereiche kommt. Die Ursache ist hier also eine völlig andere als beim Morbus Alzheimer.

Um der Entstehung von Blutgerinnseln und weiteren Schlaganfällen vorzubeugen (Sekundärprophylaxe), erhalten die Patienten gerinnungshemmende bzw. „blutverdünnende“ Medikamente, die die unerwünschte Verklumpung der Thrombozyten (Blutplättchen) verhindern. In Frage kommen zum Beispiel:

  • Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®, in geringerer Dosierung als bei der Schmerzbekämpfung)
  • Clopidogrel (z.B. Plavix®, Iscover®)
  • Ticlopidin (z.B. Tiklyd®).

Anpassung der Lebensweise wichtiger als Medikamente

Noch wichtiger, aber vielfach unbequemer als die medikamentöse Behandlung ist allerdings die Vermeidung gefäßschädigender Risikofaktoren und selbstgefährdender Verhaltensweisen wie z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel.

Ferner wird vermutet, dass auch die Medikamente, die bei der Alzheimer-Demenz helfen, bei Patienten mit vaskulärer Demenz oder Mischformen sinnvoll eingesetzt werden können. Eine abschließende wissenschaftliche Bewertung dieses Ansatzes liegt allerdings noch nicht vor.

Weitere Behandlungsansätze

Stimmt es, dass man eine Demenz auch mit Aspirin behandeln kann?

Das wird zumindest versucht, nämlich bei Demenz-Erkrankungen, die gefäßbedingt entstanden sind. Anders als beim Alzheimer entsteht die nachlassende Geisteskraft hier durch Durchblutungsstörungen.

Denn obwohl nicht ganz klar ist, ob Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®) die Beschwerden dieser sogenannten vaskulären Demenz (vas = Gefäß) verbessern kann, ist doch zumindest nachgewiesen, dass das Auftreten neuer Durchblutungskrisen durch diesen „Blutverdünner“ ver- bzw. gemindert wird – und damit auch das Fortschreiten der Gehirnschädigung bei einer vaskulären Demenz.

ASS wird üblicherweise als Tablette einmal täglich in einer Dosierung von 75-375 mg eingenommen. Zu stark darf die Blutverdünnung allerdings nicht ausfallen, denn sonst kann es zu Beschwerden des Magen-Darm-Traktes bis hin zu Magenblutungen und anderen Blutgerinnungsstörungen kommen.

Demenz: Wann kommt der Einsatz von Blutverdünnern wie Clopidogrel oder Ticlopidin in Frage?

Clopidogrel (z.B. Plavix®, Iscover®) und Ticlopidin (z.B. Tiklyd®) sind blutgerinnungshemmende Medikamente. Ihr Einsatz kommt bei einer vaskulären (gefäßbedingten) Demenz in Betracht, und zwar dann, wenn die ähnlich wirkende Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®) nicht vertragen wird.

Clopidogrel wird üblicherweise einmal täglich in Tablettenform (75 mg) eingenommen. Als häufigste Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Störungen zu beobachten, gelegentlich auch Kopfschmerzen.

Auch bei der Einnahme von Ticlopidin, die üblicherweise zweimal täglich in Tablettenform (250 mg) erfolgt, kann es zu Magen-Darm-Störungen kommen. Gelegentlich treten auch allergische Hautreaktionen auf. Gravierender ist aber die Gefahr schwerwiegender Blutbildveränderungen, weshalb das Blut in den ersten drei Monaten der Ticlopidin-Einnahme alle 14 Tage untersucht werden muss und viele Experten eher von einer Anwendung abraten.

Quellen:

  • Cerebral Blood Flow and Metabolism
  • Patientenleitlinie Demenz des medizinischen Wissensnetzwerks evidence.de der Universität Witten/Herdecke (aktuelle Version 06/2005)

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Autoren unseres Artikels
 
Dr. med. Jörg Zorn, Arzt

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Arzt

    Studium:
  • Universitätsklinik Marburg
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
    Berufliche Stationen:
  • Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg
  • Medizinischer Chefredakteur im wissenschaftlichen Springer-Verlag

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Dr. Hubertus Glaser, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gesundheit e.V. (DEUGE) und medizinischer Fachautor

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Dr. med. Monika Steiner, Ärztin / Gutachterin für medizinische Fortbildung

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Dr. med. Monika Steiner
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