Von dem Hormon ADH hört man normalerweise nicht so oft. Beim Bettnässen kann es aber tatsächlich eine Rolle spielen. Das auch als Vasopressin bezeichnete antidiuretische Hormon (ADH) scheint eine wichtige Rolle bei der primären Enuresis nocturna zu spielen. Damit ist die Form des Bettnässens gemeint, bei der es gar nicht erst zu einer dauerhaften Trockenphase kommt, das kleine Problem also von vornherein auftaucht.
Der Zusammenhang ist folgender: Vasporessin wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet. Es hemmt die Wasserausscheidung und wirkt über die Steuerung des Wasserhaushalts im Körper auf die Blasenfüllung ein. Normalerweise sorgt der tageszeitlich geregelte Ausscheidungsrhythmus dieses Hormon dafür, dass sich die Blase nachts weniger füllt. Sowohl diese hormonelle Regulation als auch das Zusammenspiel zwischen Blasenkontrolle und Schlaftiefe ist bei der primären Enuresis offenbar noch unterentwickelt. Das kann anlagebedingt sein und ist in aller Regel ein vorübergehendes und harmloses Problem.
Quellen:
- S2k-Leitlinie: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen (2015). Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (www.awmf.org).



bis vor ca. 3 Wochen war mir nicht klar, dass ich Erwachsenen-ADS habe. Seit 2024 beschäftige ich mich intensiv damit und nun ist die Erwachsenen-ADS definitiv und klar diagnostiziert. Es erklärt so vieles.
Nun zu meiner eigentlichen Frage. Ich trage seit meinem 45sten Lebensjahr nachts Windeln, da ich schon einige Überraschungen erleben durfte. Meine Besuche bei Urologen und Fachärzten, Psychologen udgl. erbrachte bis dato keine erkennbaren Hinweise auf "mechanische" Probleme, wenn ich das hier mal so einfach beschreiben darf.
Ich habe nun gelesen, dass es bei Kindern/Jugendlichen sehr oft ein Zusammenspiel ADHS mit Enuresis gibt. Warum das so ist, weiß man nicht aber der Zusammenhang scheint offensichtlich. Kann es sein, dass nun meine ADS im Erwachsenenalter (sozusagen aus der Kindheit geschleppt) auch bei Enuresis zutreffend sein kann? Das besondere und auch leidlich schlimme ist, dass meine nächtliche Enuresis sporadisch ist. Klar ist nur, wenn ich viel trinke, zudem später, ist das Ergebnis am Morgen sehr wahrscheinlicher.
Ich freue mich auf ein Feedback...
Mit freundlichem Gruß aus der Eifel
Bernd
der Zusammenhang zwischen ADHS und Enuresis ist bei Kindern tatsächlich gut belegt: Kinder mit ADHS nässen deutlich häufiger ein als Gleichaltrige. Als Ursachen werden unter anderem eine verzögerte Reifung der Hirnareale, die für Blasenkontrolle und Weckreaktionen zuständig sind, sowie eine verminderte Reaktion auf Blasenfüllung im Schlaf diskutiert.
Für Erwachsene gibt es deutlich weniger wissenschaftliche Daten. Dennoch ist es denkbar, dass dieselben Mechanismen auch im Erwachsenenalter fortbestehen können. Vor allem, wenn das ADHS seit der Kindheit besteht und die Enuresis ebenfalls keine andere erkennbare Ursache hat, ist ein Zusammenhang durchaus möglich. Dass bei Ihnen urologische und andere Untersuchungen keine organische Ursache ergeben haben, spricht zumindest nicht dagegen.
Die Tatsache, dass das Einnässen nur sporadisch auftritt und insbesondere nach größeren Trinkmengen am Abend häufiger vorkommt, passt ebenfalls zu einer funktionellen Störung der nächtlichen Blasenwahrnehmung oder Weckreaktion. Das bedeutet nicht, dass die Blase krank ist, sondern dass das Gehirn im Schlaf auf die Blasenfüllung nicht zuverlässig reagiert.
Aber das lässt sich natürlich aus der Ferne nicht zuverlässig beurteilen.
Unabhängig davon sind Maßnahmen wie eine Einschränkung größerer Trinkmengen in den letzten zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen sinnvoll. Sollte die Enuresis belastend bleiben, kann auch eine Vorstellung in einer spezialisierten urologischen oder neuro-urologischen Sprechstunde sinnvoll sein, da dort weitere diagnostische Möglichkeiten (z.B. Blasentagebuch oder urodynamische Untersuchung) bestehen und gegebenenfalls auch eine medikamentöse Therapie, etwa mit Desmopressin, geprüft werden kann.
Viele Grüße, Dr. med. Jörg Zorn