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Autismus und Asperger-Syndrom: Symptome und Behandlung

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Was versteht man unter Autismus? Wie kommt es zu der Erkrankung? Und ist eine Behandlung möglich? Mehr dazu in diesem Kapitel.

Basiswissen

Was bedeutet Autismus?

Unter Autismus versteht man eine seltene, tiefgreifende Persönlichkeitsstörung, die sich vor allem in der Unfähigkeit zum Aufbau zwischenmenschlicher Kontakte äußert. Als Hauptformen unterschieden werden der frühkindliche Autismus (Kanner-Syndrom), der sich bei etwa 2 von 1.000 Kindern schon im Sozialverhalten als Säugling bemerkbar macht, und das Asperger-Syndrom, das als mildere Variante im Kindergarten- oder Grundschulalter beginnt.

Das übergeordnete Ziel aller Bemühungen um die betroffenen Kinder besteht in der Förderung ihrer Fähigkeiten und Stärken und der Unterstützung ihrer Entwicklung. Auch die Eltern bedürfen häufig einer Unterstützung zur Bewältigung dieser herausfordernden Lebenssituation.

Ist Autismus eine Behinderung?

Es gibt Menschen mit Autismus, die ein relativ eigenständiges Leben führen. Doch viele Autisten sind durch ihre Symptome auch auf längere Sicht auf fremde Hilfe, teils sogar intensive Betreuung angewiesen, um ihren Alltag zu meistern. Das gilt vor allem, wenn die Erkrankung früh begonnen hat (frühkindlicher Autismus).

Autismus kann in seinen Auswirkungen also eine Behinderung sein. Damit können Autisten gemäß Sozialgesetzbuch einen Behindertenausweis beantragen und erhalten so Unterstützung vom Staat. Je nach Schwere der sozialen Anpassungsschwierigkeit wird ihnen ein Grad der Schwerbehinderung zwischen 10 und 100 zugesprochen. Je stärker die Beeinträchtigung eines Menschen mit Autismus ist am öffentlichen Leben teilzuhaben, desto höher wird der Behindertengrad zugesprochen. Und umso mehr Hilfe braucht dieser Mensch bei der Bewältigung des Alltags.

Keine geistige Behinderung

Oft liest man, Autismus sei eine „geistige Behinderung“ – was schlichtweg falsch ist. Unter einer geistigen Behinderung versteht man gemeinhin eine verminderte Intelligenz. Diese kann bei Menschen mit frühkindlichem Autismus auftreten, muss es aber nicht. Der klassische Intelligenztest setzt ein sprachliches Verständnis voraus, was vielen Kindern mit frühkindlichem Autismus fehlt. Bei nichtsprachlichen Intelligenztests schneiden sie wesentlich besser ab. Möglicherweise wird ihre Intelligenz also unterschätzt.

Außerdem gibt es auch Autisten mit einer extrem hohen Inselbegabung, zum Beispiel in Bezug auf Zahlen. In Spielfilmen wird dieses Phänomen zwar gern etwas überzeichnet, ganz so oft kommt das dann doch nicht vor, aber es zeigt schon, dass eine geistige Behinderung im klassischen Sinne nicht vorliegt.

Was ist ein Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist eine bestimmte Form von Autismus. Oder wie die Experten sagen, eine Form der Autismus-Spektrum-Störung. Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus treten die ersten Symptome beim Asperger-Syndrom erst nach dem dritten Lebensjahr auf, meist sogar erst im Schulalter.

Symptome und Anzeichen des Asperger-Syndroms

Zu den Hauptsymptomen von Asperger-Autisten gehören Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Der Kontakt zu anderen Menschen fällt diesen Kindern sehr schwer. Sie haben Probleme, die Mimik und Gestik des Gegenübers zu deuten und sind auch selbst nicht in der Lage Gefühle zu zeigen – obwohl sie durchaus welche haben.

Typisch für Menschen mit Asperger-Syndrom sind auch stereotype Verhaltensweisen, z.B. zwanghaftes Wiederholen bestimmter Handlungen, und häufig auch Spezialinteressen. Gleichzeitig sind die berühmten Sonderbegabungen autistischer Kinder vor allem beim Asperger-Syndrom anzutreffen – längst nicht in jedem Fall, aber deutlich häufiger als bei anderen Autismus-Varianten und auch häufiger als in der "Normalbevölkerung". Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus (der früher auffällig wird) ist die Intelligenz bei Menschen mit Asperger-Syndrom jedenfalls selten herabgesetzt, mitunter nur etwas einseitig gelagert.

Prognose günstiger

Im Gegensatz zu Menschen mit frühkindlichem Autismus haben solche mit Asperger-Syndrom meist keine sprachlichen Probleme. Dafür sind sie häufig ungeschickt und zeigen motorische Schwächen sowie Koordinationsstörungen.

Insgesamt ist die Prognose von Kindern mit Asperger-Syndrom vergleichsweise günstig. Heilbar ist zwar auch diese Form des Autismus nicht. Aber es gelingt den Kindern bei geeigneter therapeutischer Begleitung oft, ein halbwegs normales Leben zu führen. Allerdings ist auch das individuell sehr unterschiedlich, eine pauschale Prognose oder Vorhersage ist leider nicht möglich.

Was ist bei Autismus ein Kanner-Syndrom?

Das Kanner-Syndrom ist eine andere Bezeichnung für den frühkindlichen Autismus. Diese Form des Autismus beginnt bereits vor dem dritten Lebensjahr und äußert sich oft in einer gestörten Sprachentwicklung. Hinzu kommt eine Unfähigkeit, soziale Kontakte aufzunehmen, was sich durch eine starke Abkapselung äußert, auch von den Eltern.

Erstes Anzeichen meist eine gestörte Sprachentwicklung

Im Gegensatz zu Kindern mit Asperger-Syndrom haben Kanner-Autisten oft auch auf lange Sicht ausgeprägte Sprachprobleme. Circa ein Drittel der betroffenen Kinder kann sogar zunächst gar nicht sprechen. Manchmal kommt es aber auch nach anfänglich normaler Sprachentwicklung zum Verlust der bereits gelernten kommunikativen Fähigkeiten.

Zudem sind bei Kindern mit Kanner-Autismus die Kommunikationsfähigkeiten und das Sozialverhalten stark beeinträchtigt. Auffällig ist, dass die Kinder kaum Blickkontakt zu anderen Menschen aufnehmen oder gar halten können. Oft zeigen sie stereotype Verhaltensweisen, wie das Wedeln mit dem Arm. Auch das heftige Reagieren auf kleine Veränderungen der täglichen Routine gehört zu dieser Form des Autismus.

Der Name der Erkrankung geht auf Leo Kanner zurück. Der in die USA ausgewanderte österreichische Arzt beschrieb diese frühkindliche Autismus-Variante in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts als Erster. Kanner war darüber hinaus ein Mitbegründer der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den Vereinigten Staaten.

Ursachen

Was ist die Ursache von Autismus?

Die genaue Ursache von Autismus ist noch nicht abschließend geklärt. Zum einen sind bereits über 100 Gene bekannt, die möglicherweise mit der Autismus-Spektrum-Störung zusammen hängen. Dass es so vielfältige Ausprägungen des Autismus gibt, könnte daraus zurückzuführen sein, dass es zahlreiche, unterschiedliche Kombinationen von genetischen Abweichungen gibt, die zu Autismus führen.

Zum anderen scheinen Autisten ein anders verschaltetes Gehirn zu haben. Sie haben eine sogenannte atypische Konnektivität. Die Nervenzellen des Gehirns sind nicht so stark miteinander vernetzt, wie sonst üblich. An bestimmten Stellen des Gehirns sind sie teils aber auch stärker miteinander verbunden. Das würde auch die veränderte Wahrnehmung autistischer Menschen erklären.

Beide genannten Ursachen schließen sich nicht gegenseitig aus, denn die veränderten Gene könnten möglicherweise auch zu einem veränderten Aufbau des Gehirns führen.

Autismus durch Impfen oder falsche Erziehung: wahrscheinlich Unsinn

Desöfteren hört man, Impfungen führen zu Autismus. Dafür gibt es keinen einzigen Hinweis. Dieses Gerücht beruht auf einer höchst fragwürdigen und vermutlich gefälschten Studie mit 12 Kindern. Mittlerweile untersuchte man 95.000 Kinder auf einen möglichen Zusammenhang – und fand keinen.

Auch die Erziehung oder mangelnde Zuneigung der Eltern führt nicht zu autistischen Kindern. Diese Theorie stammt von Leo Kanner, der als erster frühkindlichen Autismus beschrieb, und entstand in einer Zeit, in der man noch nicht wusste, wie ein Gen überhaupt aussieht. Heutzutage gilt sie als widerlegt.

Symptome

Welche Symptome hat ein Kind mit Autismus?

Kinder mit Autismus fallen häufig durch ungewöhnliches Verhalten auf. Beginnen tut das je nach Autismus-Form im Vorschulalter, teilweise schon Ende des ersten Lebensjahres, oder im frühen Schulalter. Der Grund für diese Verhaltensauffälligkeiten liegt darin, dass die betroffenen Kinder ihre Umwelt anders wahrnehmen und die Informationen anders als üblich verarbeiten. Das führt unter anderem zu Beeinträchtigungen in zwischenmenschlichen Kontakten.

Autisten haben Probleme, Gestik und Mimik anderer Menschen richtig zu deuten und können sich nicht in die Gedankenwelt Anderer hinein versetzen. Zudem halten sie häufig nur flüchtig Blickkontakt und verhalten sich eher schüchtern. Das erschwert mitunter den Aufbau von Beziehungen zu anderen Personen. Das bedeutet aber nicht, dass die betroffenen Kinder kein Interesse am Kontakt haben. Sie wissen nur einfach nicht, wie das soziale Miteinander funktioniert.

Mitunter auch größere Probleme mit der Sprache

Beim frühkindlichen Autismus kommt noch hinzu, dass viele Kinder gar nicht oder nicht normal sprechen können. Das erschwert die Kommunikation noch zusätzlich. Aufgrund der gestörten Sprachentwicklung schneiden Kinder mit frühkindlichem Autismus auch schlechter im klassischen Intelligenztest ab – aber nur, weil diese Tests auf Sprachverständnis basieren.

Autisten mit Asperger-Syndrom hingegen haben in der Regel keine Probleme mit der Sprache.

Wiederkehrende Bewegungen oder auch Wert auf starre Routine-Abläufe

Zudem zeigen Autisten oft wiederkehrende, stereotype Verhaltensweisen, wie das Wedeln mit dem Arm oder Hin- und Herschaukeln des Körpers. Sie können aber auch darauf beharren, alltägliche Abläufe ganz strikt und immer auf dieselbe Art und Weise durchzuführen. Wird diese Routine unterbrochen, können sie zum Teil heftig auf diese Änderung reagieren. Da man Kindern ihren Autismus meist nicht ansieht, denken Außenstehende oft, das Kind sei „einfach nur schlecht erzogen“.

Solch heftige Reaktionen können auch durch bestimmte Reize in ihrer Umwelt ausgelöst werden. Da Kinder mit Autismus Probleme in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken haben, sind manche von ihnen gegenüber bestimmten Reizen wie Berührungen, Licht oder Geräuschen überempfindlich. Zu viele Sinneseindrücke können sie schnell überfordern. Es kommt zur Reizüberflutung und damit zu einer inneren Anspannung, die sich in Wutausbrüchen entladen kann. Oft versuchen Autisten diese Anspannung auch durch repetitives Verhalten wie Summen oder Schaukeln abzubauen.

Aufgrund ihrer Symptome können Autisten auch Depressionen, Phobien, Schlaf- und Essstörungen bekommen. Auch aggressives Verhalten gegen sich selbst und Andere ist möglich.

All diese Symptome kommen aber nicht bei jedem Autisten vor und auch der Schweregrad der Symptome variiert zwischen den Betroffenen. Denn es gibt nicht den Autisten. Deshalb wird heutzutage auch eher von einer Autismus-Spektrum-Störung gesprochen.

In welchem Alter tritt Autismus auf? 

Frühkindlicher Autismus beginnt bereits in den ersten drei Lebensjahren. In einigen Fällen bemerken die Eltern schon Ende des ersten Lebensjahres, dass etwas nicht stimmt. Häufiger wird diese Form des Autismus etwas später, im Kleinkindalter entdeckt.

Was man dabei bedenken muss: Autismus tritt nicht schlagartig in Erscheinung, die Auffälligkeiten der Kinder werden oft erst nach einer längeren Anlaufphase als solche bemerkt bzw. als ernste Störungen wahrgenommen. Somit ist der Diagnose-Zeitpunkt nahezu nie identisch mit dem Entstehungs-Zeitpunkt.

Fehlender Blickkontakt, verzögerte Sprachentwicklung

Zu den ersten Anzeichen gehört häufig ein verringerter Augenkontakt zu anderen Menschen. Die autistischen Kinder folgen auch nicht den Blicken anderer Menschen und zeigen nicht auf Gegenstände, um die Aufmerksamkeit Anderer darauf zu lenken.

Weitere Anzeichen für frühkindlichen Autismus: Die Kinder lernen nicht richtig zu sprechen. Oft spielen sie lieber allein als mit anderen.

Asperger-Syndrom beginnt später

Es gibt aber auch noch andere Autismus-Varianten, die später beginnen: vor allem das Asperger-Syndrom.

Die ersten Symptome des Asperger-Syndroms treten erst ab dem vierten Lebensjahr auf, manchmal sogar erst im Schulalter. Die betroffenen Kinder werden meist durch ihr sonderliches Verhalten in zwischenmenschlichen Interaktionen auffällig. Unter anderem haben sie Probleme, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, da sie Gestik und Mimik nicht richtig interpretieren können. Oft erscheinen sie desinteressiert und unaufmerksam.

Zugleich finden sich unter den Kindern mit Asperger-Syndrom auch nicht selten Kinder mit einer hohen Intelligenz oder einer sogenannten Inselbegabung.

Sind Autisten wirklich hochintelligent?

Es gibt Autisten, die eine sogenannte Inselbegabung haben. Sie können zum Beispiel komplexe Rechenaufgaben extrem schnell lösen, sprechen über 50 Sprachen oder haben ein außergewöhnliches Erinnerungsvermögen. Dieses Phänomen nennt man Savant-Syndrom, die Betroffenen werden im Fachjargon Savants genannt.

Das Savant-Syndrom gibt es auch unabhängig vom Autismus. Man darf also bei einer solchen Fähigkeit nicht voreilig falsche Schlüsse ziehen. Ungefähr die Hälfte dieser extrem Hochbegabten sind Autisten.

Insgesamt ist die Hyper-Begabung eher selten

Allerdings ist es nicht so, dass jeder Autist eine solche herausragende Sonderbegabung hat. Obwohl viele Savants autistisch sind, sind nicht alle Autisten Savants. Im Gegenteil: Schätzungen zufolge haben etwa 10% aller Autisten eine solche Hyper-Intelligenz.

Insofern sind die zahlreichen Spielfilme, in denen hochbegabte Kinder mit Autismus eine Hauptrolle spielen, etwas irreführend. Aber für einen Film ist ein Kind, das sich 1.000 Passwörter merken kann, natürlich viel spannender als ein Kind, das vor allem Probleme mit der Kommunikation hat.

Sind IQ-Test bei Autisten überhaupt aussagekräftig?

Menschen mit frühkindlichem Autismus haben sogar oft eine verminderte Intelligenz. Zumindest in den üblichen IQ-Tests. Die können aber auch ein falsches Abbild der Realität liefern. Denn beim klassischen Intelligenztest ist man auf Sprache angewiesen. Und das ist genau das, was diese Gruppe von Autisten oft gar nicht oder nur schlecht beherrscht. Bei nichtsprachlichen Intelligenztests schneiden sie besser ab. Ihre Intelligenz wird also möglicherweise unterschätzt.

Haben Autisten keine Gefühle?

Manche Autisten mögen auf andere Menschen gefühlskalt wirken. Doch auch sie haben Gefühle. Das Problem von Kindern und auch Erwachsenen mit Autismus ist, dass sie diese Gefühle nicht oder nur sehr eingeschränkt zeigen können. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, das, was im Inneren bei Ihnen passiert, nach außen zu transportieren.

Viele Autisten wirken aus diesem Grund auf Andere oft sehr unbeteiligt und emotional gleichgültig. Sie können Gefühle nicht in Gestik, Mimik sowie ihrer Stimmlage transportieren. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen mit Autismus keine Gefühle haben. Sie können sie nur nicht auf die gängige Art und Weise mitteilen.

Auch Gefühle der Mitmenschen werden schlechter erkannt

Das Problem besteht auch andersherum, also wenn es um das Erkennen von Gefühlen geht. Da es vielen Autisten schwer fällt, Gestik und Mimik anderer Menschen korrekt zu interpretieren, erkennen sie Emotionen im Gesicht anderer oft nicht so gut. Nonverbale Signale, wie hängende Schultern oder heruntergezogene Mundwinkel, verstehen sie dann nicht. Deshalb haben manche Betroffene Schwierigkeiten sich in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Ihnen fehlt das Einfühlungsvermögen.

Deshalb lernen manche Autisten im Rahmen der Therapie anhand von Bildern, was zum Beispiel ein ängstliches oder wütendes Gesicht ist. So wie andere Kinder anhand von Bildern lernen, was ein Löwe oder Elefant ist. Haben sie das gelernt, zeigen sie durchaus Empathie, also Mitgefühl.

Behandlung

Ist Autismus heilbar?

Autismus ist nicht heilbar. Zum einen ist noch nicht eindeutig geklärt, was die Ursache ist, wie also Autismus überhaupt entsteht. Zum anderen ist die Erkrankung viel zu komplex und variantenreich, als dass ein Medikament oder eine therapeutische Methode alle Symptome beseitigen könnte. Nicht zuletzt wegen dieser Vielfältigkeit spricht man heute auch von Autismus-Spektrum-Störung.

Wirklich eine Krankheit oder nur ein "Anders sein"?

Viele Kritiker sehen Autismus übrigens auch gar nicht als Krankheit. Sie interpretieren Autismus als eine andere Art und Weise zu leben. Denn fest steht: Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr und reagieren auch anders darauf als „normale Menschen“. Für manche Betroffene ist der Autismus und die damit einhergehende andere Form der Wahrnehmung und des Denkens Teil ihrer Persönlichkeit. Da er ein Teil von ihnen ist, wünschen sie sich auch keine Heilung. Vielmehr wünschen sie sich mehr Akzeptanz durch ihre Mitmenschen.

Trotzdem werden viele Menschen mit Autismus medizinisch behandelt. Das Ziel der Therapie ist dann, ihnen das Leben in ihrem sozialen Umfeld zu erleichtern. Vor allem die Verhaltenstherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Dabei werden beispielsweise sprachliche und kommunikative Fähigkeiten trainiert. Meist werden die Eltern in diese Behandlung einbezogen.

Vorsicht bei Medikamenten

Um aggressives, selbst-verletzendes und stereotypes Verhalten zu reduzieren, werden mitunter bei autistischen Kindern auch relativ starke Medikamente eingesetzt. Dazu zählen Antidepressiva, Neuroleptika und Beruhigungsmittel. Hier ist allerdings große Vorsicht angebracht. Denn die körperlichen und psychischen Nebenwirkungen dieser Medikamente sind teilweise beträchtlich und die Medikamente können damit mitunter mehr Schaden als Nutzen anrichten. Hinzu kommt, dass die Betroffenen negative Auswirkungen der Pharmaka oft nicht adäquat zum Ausdruck bringen können, man also erheblich nachteilige Effekte möglicherweise gar nicht bemerkt.

Hier ist also Augenmaß gefragt. Weder eine strikte Ablehnung jedes Medikaments noch die unkritische Anwendung ist empfehlenswert.

Wissenswertes

Was ist Stimming?

Autistische Kinder zeigen häufig selbststimulierendes Verhalten, das so genannte Stimming (Kurzform für den englischen Begriff „self-stimulating behavior“). Es gehört zu den sogenannten  stereotypen Verhaltensweisen. Das können motorische Handlungen sein, wie Händeflattern, Springen oder Hin- und Her-Schaukeln, aber auch Lautäußerungen, wie beispielsweise Summen, Grunzen oder lautes Zählen.

Für Autisten: Schutz vor Reizüberflutung

Da Autisten ihre Umwelt anders wahrnehmen, können sie von Reizen regelrecht überflutet werden. Das Stimming hilft ihnen diese Reize zu reduzieren oder zu überlagern und kann sie vor einer Reizüberflutung bewahren. Bei Reizunterforderung kann es auch stimulieren. Stimming dient den Betroffenen somit zur Reizregulierung. Für Autisten ist das selbststimulierende Verhalten wichtig, um im Alltag zu funktionieren, da es sie beruhigen und inneren Druck abbauen kann.

Für ihre Mitmenschen: oft schwierig

Manche dieser Verhaltensweisen können aber für die Umwelt sehr anstrengend sein oder, insbesondere wenn sie von Erwachsenen ausgeübt werden, merkwürdig wirken. Mitunter werden Betroffene für geistig behindert gehalten und verspottet.

Unter Stimming fallen auch selbstverletzende Verhaltensweisen, wie gegen den Kopf schlagen oder Haare ausreißen. Deshalb wird in manchen Fällen versucht, gesellschaftlich nicht akzeptierte oder ungesunde Verhaltensweisen abzutrainieren.

Was ist ein atypischer Autist?

Atypische Autisten passen nicht in das typische Bild des frühkindlichen Autismus. Entweder beginnt ihr autistisches Verhalten erst nach dem dritten Lebensjahr – also später, als es für den frühkindlichen Autismus charakteristisch ist. Oder sie zeigen nicht alle typischen Symptome des frühkindlichen Autismus. Oder sogar beides.

Insgesamt gibt es aber auch nicht den Autisten. Vielmehr gibt es zahlreiche verschiedene Formen von Autismus. Und selbst zwei Autisten mit derselben Autismus-Form zeigen nicht unbedingt beide die gleichen Symptome in der gleichen Stärke. Der Übergang scheint eher fließend zu sein, weshalb man heutzutage auch eher von der Autismus-Spektrum-Störung spricht.

Passt in keine Schublade

Von einem atypischen Autismus spricht man jedenfalls immer dann, wenn das betreffende Kind zwar eine Autismus-ähnliche Störung aufweist, aber nicht alle Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus erfüllt. Die häufigsten Abweichungen betreffen dabei den Erkrankungsbeginn (z.B. später als üblich) oder die Ausprägung der Symptome. Die Bezeichnung "Atypischer Autismus" bedeutet aber nicht, dass der Autismus deshalb weniger stark ausgeprägt sein muss.

Quellen:

  • S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend-und Erwachsenenalter (2016). Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. www.awmf.org.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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Kommentare: Archiv

Asperger-Syndrom
19. April 2019 um 11:10 Uhr, Anonymus
Hallo, ersteinmal: Ich bin Asperger-Autist und habe die Diagnose inoffiziell bekommen. Ich denke, dass "Nicht-Savants" eine besondere Begabung haben und jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise hochbegabt ist. Wer sind wir Menschen, um mit irgendwelchen Tests, die von einem Menschen erschaffen worden sind, zu bestimmen, wer intelligent ist und wer nicht! Es gibt nun mal Menschen, die eine Lernbehinderung haben. Aber nur, weil sie langsamer lernen, heißt das noch lange nicht, dass sie weniger intelligent sind!! Mich regen Menschen auf, die sich aufgrund ihres kognitiv-intellektuellen Geistes und Wissenstandes gehobener als andere Menschen fühlen. Wir sind alle Menschen und dazu verdammt, dem Tod ins Auge zu blicken! Also, warum Menschen nach Bildungsstand bewerten? Warum kann man Menschen nicht einfach danach bewerten, welche Begabung sie sonst haben? Was für den einen Menschen intelligent erscheinen mag, erscheint für einen anderen wieder inhaltslos und uninteressant. Wenn ihr versteht, was ich meine?

Ist Autismus heilbar?
25. Januar 2019 um 19:42 Uhr, Eckart Manuel Mutzeck
Ich habe die Diagnose Autismus des Asperger-Typs. Da ich nichts anderes kenne, sehe ich es auch nicht als Einschränkung. Aber Asperger ist bei mir als dauerhafte Behinderung anerkannt. Ich bekomme Rente und arbeite in einer Werkstatt für behinderte Menschen. In der sozialen Kompetenz habe ich massive Probleme. Ich habe starke Ängste vor Kindern und Jugendlichen, fühle mich ständig bedroht. Ich bin der Meinung, dass ich von Fremden kaum anerkannt und somit benachteiligt bin. Ich lebe allein. Mein Spezialinteresse ist alles um das Thema Eisenbahn (außer Modellbahnen). Hinzu kommt eine Depression, die medikamentös behandelt wird. Ich war kürzlich 6 Wochen in der Tagesklinik. Die Behandlung war erfolgreich. Danach kam ich aber wieder zurück in meine alten Strukturen mit den bekannten Problemen. Zeitweise habe ich diese als ganz schlimm empfunden. Genauso, wie einige Nebenwirkungen des Antidepressivums "Paroxetin", 20 mg. Eine grundlegende Veränderung ist von mir gar nicht gewünscht. Ich wünsche mir lediglich mehr Verständnis und Rücksichtnahme. Einzig die Depression lasse ich behandeln, und wegen der Nebenwirkungen (vor allem Ejakulationsstörungen) bleibe ich mit meiner Ärztin im Kontakt. Ich hoffe, das geht bald wieder vorüber. Ich habe mich in letzter Zeit ganz gut entwickelt, natürlich mit Rückschlägen, und viel über meine "Einschränkung" gelernt. Jetzt weiß ich zum Beispiel, warum ich große Probleme mit Lärm, Kindern und Jugendlichen, vollen Straßenbahnen und Menschenansammlungen habe. Aber ich lebe eigenständig, führe meinen Haushalt allein und bekomme nur in einigen Dingen Unterstützung. Nachdem es mir in den letzten Tagen sehr schlecht ging, wird es nun langsam wieder besser.

Autist, IQ 68, akadem. Abschluss
26. Dezember 2017 um 23:44 Uhr, Daniela, BaWü
Hallo, ich möchte zu Ihrem Artikel über Autismus nur kurz etwas bemerken: Machen Sie den Angehörigen und den Leuten mit derartigen Diagnosen einfach Mut. Das ist wichtig! Kurz zu mir: Ich habe die Asperger Diagnose, bin Ende 30 und habe bei einer psychologischen Testuntersuchung im Rahmen einer Reha, durchgeführt vom Psychologen, einen IQ von 68 erreicht. Bei größter Anstrengung! Ich war darüber sehr traurig und fühlte mich hilflos. Da ich allerdings zwei abgeschlossene Studiengänge (Diplom und M. Sc.) habe, gehe ich – nach eigenen Erfahrungen - davon aus, dass IQ-Tests nichts mit beruflichen Zielerreichungen zu tun haben. Man muss einfach mutig bleiben und versuchen, sich ein Selbstbewusstsein aufzubauen. Man ist halt anders. Viele Grüße und Ihnen sowie den betroffenen Personen alles Gute. Nie den Mut aufgeben! Daniela
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