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Aneurysma: Symptome und Behandlung

Wie entsteht ein Aneurysma? Was sind typische Anzeichen für die Gefäßerkrankung? Und welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in folgendem Beitrag.

Basiswissen

Was ist ein Aneurysma?

Ein Aneurysma ist eine Erweiterung oder Aussackung der Wand von Schlagadern, meistens einer Hirnschlagader oder der Hauptschlagader. Die Gefäßwandschwäche kann angeboren oder erworben sein.

Im Bereich der Wandausbuchtung vergrößert sich die Spannung, und die Stabilität des Gefäßes ist beeinträchtigt. Reißt ein Aneurysma, besteht Verblutungsgefahr. Besonders gefährlich sind Aneurysmen in den Blutgefäßen des Kopfbereiches. Sie können im Falle eines Aufbrechens zu einer schweren, lebensbedrohlichen Hirnblutung und/oder zu einem Schlaganfall führen.

Ein Aneurysma muss aber nicht in jedem Fall reißen. Häufig werden entdeckte Aneurysmen regelmäßig beobachtet und erst bei entsprechender Größe und Gefährlichkeit operiert. 

Wo tritt ein Aneurysma am häufigsten auf?

Ein Aneurysma kann prinzipiell in allen Hauptschlagadern des Körpers entstehen. Besonders häufig betroffen sind die Hauptschlagader im Bauch- und Brustbereich (Aorta), die Hirngefäße und die Arm- und Beinarterien (v.a. im Oberschenkel und im Kniebereich). Aber auch Aneurysmen der Herzwand können vorkommen.

Umterm Strich aber ist die Aorta der häufigste Entstehungsort für ein Aneurysma, und hier vor allem im Bauchbereich. Betroffen sind meist ältere Menschen über 65 Jahre. Männer entwickeln häufiger ein Aneurysma als Frauen.

Kann ein Aneurysma auch außerhalb der Aorta, Beckenarterien, Kniearterien und Hirnarterien entstehen?

Ja, allerdings ist das selten der Fall. Grundsätzlich kann sich an jeder Arterie des Körpers ein Aneurysma aufgrund einer Gefäßwandschwäche entwickeln.

Es gibt Aneurysmen der Arm-, Schlüsselbein- und Halsschlagader sowie Aneurysmen in den Arterien von Leber, Milz, Nieren und Darm. Das Risiko des Reißens (Ruptur) ist unterschiedlich hoch und wird ggf. durch eine Operation ausgeschaltet.

Verschiedene Arten an Aneurysmen

Aneurysma ist nicht gleich Aneurysma. Welche verschiedene Arten von Aneurysmen gibt es?

Aneurysmen werden grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt. Je nachdem, welcher Anteil der umgebenden Schlagaderwand beteiligt ist, unterscheidet man folgende Gefäßerweiterungen:

  • Aneurysma verum: Unter dem sogenannten Aneurysma Verum verstehen Mediziner ein "echtes" Aneurysma. Das bedeutet, die Aussackung betrifft die gesamte Gefäßwand.
  • Aneurysma spurium: Im Gegensatz dazu liegt beim Aneurysma spurium eine Verletzung des Blutgefäßes vor. Durch ein Leck in der Schlagader dringt das Blut aus dem Gefäß heraus und bildet einen Bluterguss, der einem echten Aneurysma sehr ähnlich sieht. Die Folge kann ein hoher Blutverlust sein, weshalb ein Aneurysma spurium dringend operiert werden muss.
  • Aneurysma dissecans: Beim Aneurysma dissecans ist die innerste Gefäßschicht beschädigt und das Blut wühlt sich durch die Läsion in die Schlagaderwand. Ein Durchbruch nach außen, bei dem auch die letzte Schicht durchbrochen wird, ist meist nur eine Frage der Zeit.
Was ist ein Aneurysma dissecans? Und was bedeutet Typ A oder Typ B?

Aneurysma dissecans bedeutet so viel wie spaltendes Aneurysma. Es handelt sich um eine Gefäßausbuchtung bzw. Spaltung innerhalb der Gefäßwand der Hauptschlagader. Etwa so, als würde in einem Rohr Wasser austreten, aber nicht nach draußen fließen, sondern sich einen Weg zwischen die zwei äußeren Blechschichten der Rohrwand bahnen. Es entsteht also quasi ein paralleler Hohlraum, deshalb der Ausdruck "spaltend".

Ursache des Aneurysma dissecans ist meist eine Gefäßwandschwäche. Die führt dazu, dass es nach einem Einriss der Gefäßinnenwand zur Blutung innerhalb der Gefäßwand kommt. Ein anderer Begriff für das Geschehen ist übrigens Aorten-Dissektion.

Verschiedene Typen, je nach Lokalisation

Es existieren verschiedene Einteilungen des Aneurysma dissecans in Typen. Diese berücksichtigen die Lage des Aneurysmas im Verlauf der Hauptschlagader (Aorta). Nach Stanford lässt sich der Typ A vom Typ B unterscheiden. Bei Typ A befindet sich das Aneurysma im Bereich der aufsteigenden Aorta und dem Aortenbogen. Bei Typ B ist die absteigende Aorta betroffen.

Eine weitere mögliche Einteilung nach deBakey unterscheidet drei Typen I, II und III. Die Namen Stanford und deBakey gehen dabei auf Ärzte zurück, die sich über die Einteilung Gedanken gemacht haben und denen es offenbar gelungen ist, mit diesem eher akademischen Fortschritt Einzug in die Lehrbücher zu finden.

Ursachen

Warum kommt es zur Bildung von Aneurysmen?

Hauptursache der Entstehung echter Aneurysmen ist eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). In selteneren Fällen können auch Entzündungen von Gefäßen, Verletzungen oder eine anlagebedingte Gefäßwandschwäche die Ursache sein.

Zur Entstehung der Arteriosklerose führen die bekannten Risikofaktoren:

Ablagerungen in den Gefäßen mit folgenden Entzündungsreaktionen führen zu Umbauprozessen im Bereich der Wandschichten des Gefäßes. Das Blutgefäß wird enger, starr und porös und ist nicht mehr so elastisch wie ein gesundes Gefäß.

Verletzungen betreffen eher die innere Wandschicht der Gefäße. Durch einen Riss in der inneren Gefäßwand wühlt sich das Blut weiter in das Gefäß vor und bildet Aussackungen (Aneurysmen) oder das Gefäß reißt vollständig (Gefäßruptur).

Eine Spezialform ist das Aneurysma dissecans. Das Aneurysma dissecans kommt gehäuft an der Hauptschlagader (Aorta) vor. Ursache sind häufig Bindegewebserkrankungen oder Erbfaktoren, die zu einer Schwächung der mittleren Gefäßschicht von Arterien führen.

Aneurysma: weitere Risikofaktoren

Ist mein Risiko erhöht, wenn bereits Familienangehörige ein Aneurysma der Hauptschlagader hatten?

Es ist möglich, dass Aneurysmen familiär gehäuft auftreten. Manchmal einfach deswegen, weil bestimmte Risikofaktoren im Lebensstil die gesamte Familie betreffen (Rauchen, wenig Bewegung, schlechte Ernährung). Manchmal aber auch, weil die Veranlagung für eine Bindegewebsschwäche vererbt wird.

Dies ist z.B. beim Marfan-Syndrom und verwandten Erkrankungen bekannt. Um ein erhöhtes Risiko festzustellen, ist deshalb die gesundheitliche Familiengeschichte (Familienanamnese) wegweisend. Sicheren Aufschluss über eine genetische Ursache gibt jedoch nur eine molekulargenetische Untersuchung. Dafür ist neben einer genetischen Beratung eine Blutabnahme erforderlich.

Geht ein Aneurysma häufiger mit weiteren Gefäß- und Herzproblemen einher?

Ja, häufig bestehen zusätzlich Veränderungen an anderen Gefäßen, z.B. eine Verengung der Herzkranzgefäße (koronare Verschlusskrankheit), aber auch der Gefäße der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit), des Halses oder des Gehirns.

Vergesellschaftet ist das Auftreten von Aneurysmen außerdem häufig mit Bluthochdruck, der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Diese Koinzidenz ist kein Zufall: Die Entstehung von Aneurysmen beruht meist auf Gefäßveränderungen im Rahmen einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Das Risiko für ein Aneurysma lässt sich somit reduzieren, in dem die Risikofaktoren der Arteriosklerose (Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Bewegungsmangel, etc.) bekämpft und ausgeschaltet werden.

Symptome

Wie bemerkt man ein Aneurysma der Aorta im Brustbereich?

Ein Aneurysma der Brustschlagader (Brustaorta) verursacht oftmals überhaupt keine Beschwerden und wird häufig zufällig im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt. Erst ab einer bestimmten Größe können Symptome auftreten, nämlich dann, wenn die Gefäßaussackung auf benachbarte Gewebe drückt.

Durch den Druck auf Speiseröhre, Lunge und Bronchien kann es zu Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit und Atemnot kommen. Schmerzen im Bereich der Brust können ebenfalls ein Hinweis auf ein Aneurysma sein.

Platzt das Aneurysma (Ruptur), kommt es zu stärksten Schmerzen. Aufgrund der Blutung kann es zu einem Kreislaufschock kommen. Der Riss eines Aneurysmas im Bereich der Aorta ist eine lebensbedrohliche Komplikation und verläuft ohne sofortige Behandlung meist tödlich.

Wie macht sich ein Aneurysma der Bauchschlagader bemerkbar?

Ein Aneurysma muss keine Beschwerden verursachen und kann lange Zeit unbemerkt bleiben. Häufig wird es zufällig im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt.

Mögliche Beschwerden bei entsprechender Größe eines Aneurysmas ergeben sich aus dem Druck und der Raumforderung der Gefäßaussackung. Es können pulsierende Schmerzen im Bereich des Bauches und Rückens mit möglicher Ausstrahlung in die Beine vorkommen. Auch Verdauungsbeschwerden und Übelkeit können auftreten. Möglicherweise ist eine Art Knoten tastbar.

Reißt das Aneurysma, kommt es zu einer starken lebensbedrohlichen Blutung. Die Folge sind stärkste Schmerzen im Bauchraum mit Ausstrahlung in den Rücken und die Beine. Hinzu kommen Übelkeit und Erbrechen sowie – bei großem Blutverlust – ein Kreislaufschock.

Welche Symptome verursacht ein Aneurysma der Beckenarterien?

Beckenarterien-Aneurysmen treten häufig gemeinsam mit Aneurysmen der Hauptschlagader des Bauchraumes (Bauchaorta) auf, kommen jedoch auch isoliert vor. Häufig bestehen gar keine Beschwerden, es sei denn, es kommt zu einem Riss des Aneurymas und zu einer Blutung.

Größere Aneurysmen können Beschwerden verursachen, wenn die Gefäßaussackung Druck auf das umliegende Gewebe ausübt. Schmerzen im Bereich des Unterbauches sind möglich, ebenso Stauungszeichen der Nieren, wenn das Aneurysma Druck auf den Harnleiter ausübt. Bei Druck auf umliegende Venen kann dies zu einer venösen Blutabflussstörung mit Venenstauung führen. Größere Aneurysmen sind möglicherweise auch von außen tastbar.

Reißt ein Beckenaneurysma (Ruptur), kommt es zu starken Schmerzen im Bereich des Unterbauches, Flankenschmerzen und Kreislaufschock.

Wie macht sich ein Aneurysma im Knie bemerkbar?

Ein Aneurysma der Kniearterie (Arteria poplitea) muss nicht unbedingt Beschwerden verursachen. Das Aneurysma ist jedoch nicht selten als pulsierender Knoten sicht- und tastbar.

Ein Aneurysma im Knie reißt glücklicherweise recht selten. Allerdings entstehen häufig Komplikationen, weil es zur Bildung größerer Blutgerinnsel kommt, die die Durchblutung stören. Die Folge ist eine Minderversorgung des Beines unterhalb des Aneurysmas. Die Symptome ähneln dann der Durchblutungsstörung wie bei der Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) – also mit Schmerzen beim Gehen oder anderer Belastung.

Unbehandelt ist diese Komplikation potentiell ein ernstes Problem. Bei zu starker Schädigung des Gewebes kann im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich werden.

Untersuchungen

Wie kann der Arzt ein Aneurysma feststellen?

Aneurysmen werden häufig zufällig entdeckt, meist bei Untersuchungen, die aufgrund einer anderen Ursache durchgeführt werden. Dies können Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Magnetresonanz- oder Computertomographie-Untersuchungen (MRT, CT) sein.

Auch wenn keine subjektiven Beschwerden vorhanden sind, können bei der körperlichen Untersuchung Auffälligkeiten bestehen, z.B. Strömungsgeräusche über dem Aneurysma oder ein unklarer Tastbefund. Für den Arzt sehr wichtig ist zudem die Erfassung von Risikofaktoren der Arteriosklerose (als häufigster Ursache eines Aneurysmas).

Bei Verdacht auf ein Aneurysma, etwa der Brust- oder Bauchaorta, ist zunächst eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll. Bildgebende Verfahren wie MRT und CT liefern ein genaueres Bild der Gefäße und helfen, die Größe eines Aneurysmas genau zu bestimmen. In einigen Fällen kann eine Röntgenkontrastuntersuchung der entsprechenden Gefäßabschnitte (Angiographie) hilfreich sein.

Bei Verdacht auf eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche (Marfan-Syndrom) ist es wichtig, die zugrundeliegende Erkrankung zu identifizieren. Dafür eignen sich genetische Untersuchungen beim Betroffenen, und bei positivem Befund auch bei dessen Familie.

Behandlung

Ist jedes Aneurysma bedrohlich und muss behandelt werden?

Nein, es gibt Aneurysmen, die sich nicht verändern und an Größe nicht zunehmen, so dass die Gefahr des Reißens gering ist. Viele Träger eines Aneurysmas wissen nichts davon und entwickeln keine Beschwerden oder Komplikationen.

Bei Entdeckung eines Aneurysmas, das noch nicht allzu groß ist, reicht deshalb meist die Beobachtung im Rahmen regelmäßiger Kontrolluntersuchungen.

Bei gefährlicher Größe und schneller Veränderung des Aneurysmas ist eine Operation notwendig, damit es nicht zu einer sogenannten Ruptur (Riss) kommt.

Wie wird ein Aneurysma behandelt?

Besteht eine nur geringe Gefahr, dass das Aneurysma platzt (Ruptur), und hat die Gefäßaussackung eine gewisse Größe noch nicht erreicht, kann man die weitere Entwicklung häufig unter regelmäßiger Beobachtung abwarten. Allerdings ist die Ausschaltung von Risikofaktoren der Arteriosklerose (z.B. Blutdrucksenkung) wichtig.

Ist die Gefahr einer Aneurysmenruptur hingegen hoch, wird in der Regel eine Operation empfohlen. Infrage kommt das Einlegen eines stützenden Stents (ein Implantat, das wie ein kleines Metallgitter das Blutgefäß offen hält und stabilisiert) oder eine sogenannte Gefäßprothese.

Ob dabei eine offene Operation durchgeführt werden muss oder eine sogenannte minimal-invasive Operation mithilfe der Schlüssellochtechnik möglich ist, ist von der Lage und Ausdehnung des Aneurysmas sowie von persönlichen Faktoren (Alter, zusätzliche Erkrankungen) abhängig.

Behandlung von Aortenaneurysmen

Wann muss ein Aneurysma der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) operiert werden?

Die Hauptschlagader (Aorta) entspringt dem linken Herzen. Sie besteht aus einem kurzen aufsteigenden Teil (dem Bogen) und einen langen in den Brust- und Bauchbereich führenden absteigenden Teil. Aneurysmen der Hauptschlagader (Aorta) können im gesamten Verlauf des Gefäßes auftreten.

Übersteigt die Größe eines Aneurysmas der Aorta im Brustbereich 6 cm und im Bauchbereich 5 cm, besteht ein relevantes Risiko, dass das Aneurysma irgendwann reißt (Ruptur). Da ein Platzen eines Aortenaneurysmas lebensbedrohlich ist, raten die Ärzte bei diesen Größen in der Regel zu einer Operation. Denn eine Blutung durch eine Ruptur kann meist nicht schnell genug gestoppt werden und führt in einem großen Teil der Fälle zum Tod.

Wie kann ein Aneurysma der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) operiert werden?

Grundsätzlich stehen für die Operation von Aneurysmen der Hauptschlagader (Aorta) zwei Techniken zu Verfügung.

In einer offenen Operation wird der betroffene Teil im Brust- oder Bauchbereich durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Dieses altbewährte Verfahren ist bei geübten Chirurgen risikoarm und hat gute Langzeitergebnisse. Allerdings beträgt die Erholungszeit nach einer offenen Operation einige Wochen, da durch die Öffnung von Brust- oder Bauchraum das Gewebe erst heilen muss.

Daneben ist eine sogenannte minimal-invasive Operation möglich, bei der mithilfe einer Gefäßstütze (Stent) eine Gefäßprothese eingebracht wird. Hierzu ist lediglich ein kleiner Schnitt an der Schlagader der Leiste nötig. Die Operation ist auch mit einer örtlichen Betäubung möglich.

Wie funktioniert die minimal-invasive Operation bei einem Aneurysma der Brusthauptschlagader (Aorta)?

Bei einem Aneurysma der Hauptschlagader (Aorta) der Brust kann die operative Beseitigung auch minimal-invasiv erfolgen. Über einen kleinen Schnitt, in der Regel in der Leiste, wird dabei eine gefäßstützende Prothese erst hochgeschoben und dann in das betroffene Areal eingesetzt.

Unter Röntgenkontrolle lässt sich die Lage vor Ort exakt darstellen, so dass man den Stent, der mit Prothesenmaterial abgedichtet ist, passgenau einsetzen kann. Dies ist sogar möglich, wenn das Aneurysma im Aortenbogen sitzt.

Warum muss ich bei einem Aneurysma Blutdrucktabletten einnehmen?

Ein hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor der Arteriosklerose und somit auch eines Aneurysmas. Ein hoher Druck schädigt die Gefäße kontinuierlich. Da die Gefäße bei Auftreten eines Aneurysmas ohnehin eine Vorschädigung aufweisen, ist man bemüht, Risikofaktoren der Arteriosklerose auszuschalten.

Jede Druckerhöhung im Blutkreislauf kann zudem akut zum lebensgefährlichen Platzen eines Aneurysmas (Ruptur) führen. Blutdruckmedikamente wie Betablocker helfen, den Blutdruck zu kontrollieren.

Becken- und Knie-Aneurysmen: Therapie

Wie wird ein Aneurysma der Beckenarterien operativ behandelt?

Aneurysmen der Beckenarterien treten häufig, aber nicht immer in Kombination mit Aneurysmen der Bauchschlagader (Bauchaorta) auf. Eine Behandlungsoption ist die Einlage von Gefäßstützen (Stents), die das Gefäß stabilisieren und offen halten.

Dies ist auch möglich, wenn sich das Aneurysma im Bereich der Aufzweigung in die innere und äußere Beckenarterie befindet. Der Stent hat dann die Form eines Y, weil er quasi die gesamte Weggabelung auskleidet.

In der Regel kann die Operation eines Beckenaneurysmas schonend minimal-invasiv durchgeführt werden, d.h. es ist nur ein kleiner Schnitt notwendig und es wird wenig Gewebe verletzt.

Muss ein Aneurysma der Kniekehle behandelt werden?

Ja, ab einer Größe von über 2 cm sollte ein Aneurysma im Knie operiert werden. Dabei geht es weniger um die Gefahr, dass das Gefäß reißt (Ruptur). Auch wäre eine Blutung nicht lebensbedrohlich. Jedoch können sich Blutpfropfen (Thromben) bilden, die das Gefäß verschließen können.

Möglich ist auch, dass ein solcher Thrombus fortgespült wird und an anderer Stelle zu arteriellen Verschlüssen führt (Embolie). Die Folge ist eine Durchblutungsstörung des Unterschenkels. Im schlimmsten Fall kann eine Embolie in diesem Bereich zum Absterben von Gewebe führen, so dass dieser Teil des Beines entfernt werden muss.

Wie wird ein Aneurysma der Kniekehle operativ behandelt?

Eine Operation eines Aneurysmas im Kniebereich ist ab einer Größe von 2 cm notwendig. So zumindest sehen es fast alle Experten auf diesem Gebiet.

Möglich ist das Einsetzen einer Gefäßstütze, eines sogenannten Stents, um die Arterie offen zu halten. Dabei besteht allerdings häufig das Problem, dass solche Stents bei der Bewegung des Knies abknicken und der Blutfluss gestört ist.

Eine weitere Möglichkeit ist, einen Abschnitt einer Beinvene zu entnehmen und diesen als Prothese in die Kniearterie einzusetzen. Ist das nicht möglich, kann auch eine Gefäßprothese aus Kunststoff eingesetzt werden.

Vorbeugung

Was kann man tun, damit man gar nicht erst ein Aneurysma bekommt?

Am wichtigsten ist, der Hauptursache, nämlich der Arteriosklerose, vorzubeugen. Risikofaktoren der Arteriosklerose sollten frühzeitig erkannt,  behandelt und ausgeschaltet werden.

Dauerhafte Veränderungen des Lebensstils z.B. mit Rauchverzicht, mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung, führen zu einer gesünderen Lebensweise, so dass es möglichst erst gar nicht zu einer ausgeprägten Arteriosklerose kommt.

Wichtig sind außerdem regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, um ein Aneurysma möglichst frühzeitig zu erkennen. Vorsorgeuntersuchungen helfen zudem, Risikofaktoren zu erkennen, damit sie effektiv behandelt werden können.

Spezielle Lokalitäten

Aneurysma im Gehirn: Meist wird es durch Zufall entdeckt

Wenn ein Aneurysma im Gehirn entdeckt wird, ist Fachkenntnis gefragt. Denn es gilt, zu entscheiden, ob, und wenn ja, wie behandelt werden sollte. Die Hauptgefahr besteht darin, dass die Gefäßaussackungen platzen und es zu massiven Einblutungen ins Gehirn kommt. Deshalb lohnt sich in jedem Fall die Beurteilung durch Spezialisten.

Bei manchen bestehen sie von Geburt an. Bei anderen entstehen sie im Laufe des Lebens, z.B. durch jahrelangen Bluthochdruck oder auch durch Rauchen. Die Rede ist von Aneurysmen. Das sind krankhafte Aussackungen von Blutgefäßen, die in allen größeren Arterien vorkommen können. In den Hirnschlagadern sind sie aber besonders gefährlich.

Das Tückische: Meist bemerkt man solch ein Aneurysma gar nicht. Oder erst sehr spät. Typische Anzeichen können dann immer wiederkehrende Kopfschmerzen sein, in selteneren Fällen auch Krampfanfälle oder sogar Lähmungen. Entdeckt werden sie am ehesten bei einer Untersuchung mit der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie. Beide Untersuchungsverfahren produzieren Schichtaufnahmen der aufgenommenen Körperregion.

Behandlungsoptionen gründlich abwägen

Die Behandlungsoptionen beim Hirn-Aneurysma sind eine Entfernung mittels Katheter oder Operation. Das können nur Spezialisten, wie Prof. Volker Seifert, Neurochirurg an der Universitätsklinik Frankfurt ausführte. Da diese Eingriffe aber selbst bei geschulten Experten noch gewisse Gefahren bergen, muss laut Seifert gründlich abgewogen werden, wie groß die Blutungsgefahr ist und ob invasiv behandelt werden sollte.

Bei der Operation wird das Aneurysma durch einen Clip verschlossen. Die Katheterbehandlung ist etwas weniger invasiv, technisch aber auch anspruchsvoll. Dabei wird ein Katheter über die Blutgefäße bis zum Aneurysma vorgeschoben und dieses dann mit Platinspiralen ausgefüllt.

Was ist ein Aneurysma des Herzens?

Vor allem im Gefolge eines Herzinfarktes und einer resultierenden Wandschwächung des Herzmuskels im betroffenen Gebiet kann eine Ausbuchtung der Herzwand entstehen. Man spricht von einem Aneurysma des Herzens.

Solche Ausstülpungen (meist an der linken Herzkammer) beeinträchtigen die Pumpfunktion des Herzens und reduzieren den Blutauswurf. Die Strömung des Blutes innerhalb der betroffenen Herzkammer ist gestört, so dass es leichter zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) kommt.

Ein Aneurysma des Herzens ist keine Bagatelle. Werden z.B. Blutklumpen (Thromben) in nachfolgende Gefäße verschleppt und bleiben dort hängen, entsteht eine Embolie. Möglich ist ein Verschluss bedeutender Gefäße wie z.B. der Arterien, die das Gehirn versorgen.

Reißt ein Aneurysma der Herzwand, entsteht eine Herztamponade. Dabei füllt sich der das Herz umschließende Herzbeutel mit Blut und übt Druck auf das Herz aus. Eine Herztamponade endet meist tödlich.

Wissenswertes

Was ist ein aorto-iliakales Aneurysma?

Das aorta-iliakale Aneurysma ist ein Aneurysma der Bauchschlagader. Es beginnt meist unterhalb des Abgangs der Nierenarterien und endet erst nach der Aufzweigung in die beiden Beckenarterien.

Die Beckenarterien sind also auch vom Aneurysma betroffen. Daher die Bezeichung "aorto-iliakal".

Muss solch ein Aneurysma operiert werden, ist dies in der Regel "minimal-invasiv", d.h. über einen kleinen Zugang in der Leiste möglich.

Was ist ein Morbus aneurysmaticus?

Ein Morbus aneurysmaticus hört sich lustig an, ist es aber nicht. Aneurysmen können prinzipiell in allen Arterien des Körpers auftreten. Vom Morbus aneurysmaticus spricht man, wenn gleich mehrere Arterien unterschiedlicher Körperregionen betroffen sind.

Am häufigsten beteiligt sind in einem solchen Fall die Hauptschlagader (Aorta), die Beckenarterien und Kniearterien, aber auch die Hirn- und Koronararterien (Herzkranzgefäße). Hinter dem Morbus aneurysmaticus stecken ursächlich meist Bindegewebserkrankungen.

Quellen:

  • 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, 04.05.2011
  • Müller M et al. Chirurgie für Studium und Praxis. 7. Auflage.

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Kommentare: Archiv

Aneurysma im Knie
17. Mai 2021 um 13:17 Uhr, Sarah Küm
Guten Tag, mein Opa wurde am 30.04. am Knie operiert, da er dort ein Aneurysma hatte. Es wurde ihm kein Stent gesetzt, sondern eine Beinvene wurde entnommen und an die Stelle des Aneurysmas gelegt. Nach der OP klagte er über starke Schmerzen, die bis jetzt anhalten. Er war letzte Woche Dienstag zur Kontrolle. Dort vermutete man eine Thrombose im Knie. Das hat sich jedoch nicht bestätigt. Jetzt muss er Mittwoch wieder hin, kann aber kaum bis gar nicht laufen, und hat trotz der Einnahme von Novamin sehr starke Schmerzen. Sein Bein ist voll mit Hämatomen und eine Schwellung im Bereich des Knies und Schenkels ist ebenfalls vorhanden. Was könnte das sein? Oder ist es normal, dass ein 83-Jähriger nach so einer OP so dolle Schmerzen hat? MFG S.Küm

Aneurysma an der Aorta
21. Februar 2020 um 10:13 Uhr, Friedhelm Schulte
Ich habe an der Aorta 2 Aneurysmen von 45 mm und 42 mm! Ich bin erst 45 Jahre jung! Man hat mir gesagt, ich muss die Rente beantragen! Mit diesem Gedanken möchte ich mich noch nicht anfreunden! Kann man, oder muss man es operieren lassen?

Aneurysma der Kniekehle / seit drei Jahren??
03. März 2019 um 20:10 Uhr, Heri Franz-Josef
Mein Alter 76 J. Frage: Gibt es einen Bypass, der nicht bricht? Ich arbeite immer noch als Automechaniker! Ich bitte um Ihre Meinung. Mit freundlichen Grüßen Heri Franz-Josef 3.03.19 /21:03 / Tel. 032 682 85 85

Aortenaneurysma
18. Februar 2019 um 09:21 Uhr, Kai de Vries
Hallo, habe direkt hinter der Aortenwurzel ein Aneurysma von 45 mm. Erschwerend hinzu kommt, dass ich nur 2 Taschen an den Herzklappen habe und die Aortenklappe nicht mehr richtig schließt. In meiner Familie gab es schon mehrere Fälle von Aneurysmen, die jedes Mal entfernt wurden. Ab wann sollte das bei mir geschehen?

Beckenarterie-Aneurysma
13. März 2017 um 11:24 Uhr, Othmar Iten
Ich hatte vor Jahren einen Bandscheibenvorfall, danach hatte ich Probleme mit dem Schließmuskel und Puborektalschlinge. Man hat gesagt Disharmonie des Rektums. Nach 7 Jahren Ruptur OP gut überstanden und die Disharmonie des Rektums war wie weggeblasen.

an Frau Walter
15. Juni 2016 um 09:49 Uhr, Dr. J. Zorn
Halölo Frau Walter, bitte zum Arzt gehen. Die gibt es auch in Hannover. Wir können von hier aus unmöglich beurteilen, was Sie haben. Alles Gute und viele Grüße J. Zorn

Aneurysma der Aorta ascendens.
15. Juni 2016 um 09:35 Uhr, Renate Walter l
Hallo, seit Januar 2016 weiß ich, dass ich ein Aneurysma der Aorta ascendens habe. Es war damals 48 mm. Soll erst im Juli zur Kontrolle. Jetzt habe ich seit heute morgen um 5 Uhr Schmerzen im linken Brustkorb. Was soll ich machen? Bin gerade in Urlaub in Hannover mit meinen Kindern. Bitte um Antwort.

Aneurysma in Kniekehle
23. Februar 2016 um 09:56 Uhr, Wolfgang Mammel
Unsagbare Schmerzen meiner Frau veranlassten mich, das Kreiskrankenhaus in Kirchheim/Teck aufzusuchen. Die Diagnose des Arztes in der dortigen Notaufnahme war: Muskelentzündung. Trotz meines Hinweises, dass das Bein unterhalb des Knies außerordentlich kalt war, hat man uns wieder nach Hause geschickt. Doch kamen mir als Ehemann Zweifel über die Richtigkeit der Diagnose und ich konsultierte einen weiteren Arzt. Dieser diagnostizierte einen Gefäßverschluss im Bein. Sofortige Überweisung in die Gefäßchirurgie rettete meiner Frau das Bein (Bypassoperation infolge eines Aneurysmas in der Kniekehle), jedoch waren bereits starke Schädigungen der Muskulatur und der Beinnerven die Folge.

Bauchschlagader
18. Februar 2016 um 19:11 Uhr, I.Tewes
Habe im Bauchbereich 3 cm, ist das gefährlich?

Brustaneurysma
14. September 2015 um 07:21 Uhr, Gunjevicverica
Ich habe die Erfahrung Brusthauptsschlagader erlebt. 2012 haben sie die Hauptschlagader operiert, bisher ging es mir noch gut, jetzt haben sie festgestellt, dass die Bauchgefäße wieder erweitert sind.

Aneurysma
24. April 2015 um 06:24 Uhr, walter
bei mir wurde am 10.4.2015 ein Bauchaortenaneurysma beim Bauchultraschall festgestellt. Durchmesser 5,5 cm. Muß am 20.5. in die Gefäßchirugie nach Graz. Dort wird mir Stentgraft eingesetzt. Hatte überhaupt keine Schmerzen oder Anzeichen. Wünsche dir gute Besserung. l.gr. walter

Aneurysma
28. Februar 2015 um 19:38 Uhr, Ilona
Ich bin am 7.2.15 ins Krankenhaus mit starken Schmerzen in Lungen, Bauch, Herz und Nierenbereich mit Blutdruck 190 eingeliefert worden. Nach dem CT wollten sie erst operieren und jetzt lebe ich seit 4 Wochen 50 zu 50 auf dieser Erde. Der Riss ist erst 1 cm und damit unrelevant zu einer op. Die op ist auch 50 zu 50, hat da jemand eine Erfahrung?

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