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Denosumab (Prolia, Xgeva): Wirkung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Denosumab (Prolia, Xgeva)? Wann wird es eingesetzt, und wie wird es eingenommen? Welche Nebenwirkungen sind möglich? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zum Antikörper Denosumab.

Wirkung

Wie schützt Denosumab (Prolia) die Knochen?

Denosumab ist ein Medikament, das zur Behandlung oder Vorbeugung von Knochenschäden bei Osteoporose oder auch Tumorerkrankungen wie Brustkrebs eingesetzt werden. Es wirkt dem Knochenabbau entgegen, indem es sich an ein kleines Protein (Eiweiß) heftet.

Geben und Nehmen

Unsere Knochen werden beständig erneuert und in Schuss gehalten. Um sie optimal zu pflegen und für ihre schweren Aufgaben zu rüsten, existiert ein ausgetüfteltes System aus Zellen, die den Knochen abbauen (Osteoklasten) und solchen, die ihn wieder aufbauen (Osteoblasten).

Für ein ausgewogenes Gleichgewicht sorgen bestimmte Eiweißstoffe (Proteine), die von den Zellen gebildet werden und entweder den Abbau oder den Aufbau fördern. Das Protein, das sich dabei auf die Seite der zerstörerischen Osteoklasten schlägt, trägt den komplizierten Namen Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B Ligand, kurz RANK-Ligand, noch kürzer RANKL.

Ein Antikörper zum Knochenschutz

Genau hier setzt Denosumab an, das im Handel als Prolia® oder Xgeva® erhältlich ist. Es ist ein Antikörper, also auch wiederum ein Protein, das RANKL hemmt. Antikörper gehören eigentlich zum Immunsystem und spielen eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Abwehr. Die Medizin hat sie irgendwann für sich entdeckt und nutzbar gemacht. So lassen sich bestimmte Prozesse sehr gezielt und elegant steuern. Indem Denosumab RANKL also abschirmt, wird der Knochenabbau letztlich aufgehalten.

Beim Brustkrebs kann das aus verschiedenen Gründen wichtig sein. Zum einen schadet der Tumor selbst den Knochen und kann sich nach einiger Zeit sogar darin ansiedeln. Man spricht dann von Knochenmetastasen. Zum anderen setzt auch die Krebstherapie den Knochen zu. Daher kann es sinnvoll sein, sowohl vorbeugend als auch therapeutisch eine sogenannte knochengerichtete Behandlung zu beginnen.

Vorbeugend bei entsprechendem Risiko

Da Medikamente wie Denosumab und auch Bisphosphonate, die den Knochen ebenfalls stabilisieren, jedoch nicht ganz unkritisch sind und auch Nebenwirkungen hervorrufen können, ist die Behandlung gut abzuwägen.

Rein präventiv sollte sie nur dann erfolgen, wenn bestimmte Risiken bestehen. Dazu gehört z.B. ein höheres Lebensalter, ein niedriges Gewicht (BMI) oder eine familiäre Veranlagung zu Osteoporose. Bei Frauen mit dieser Risikokonstellation sollte zunächst die Knochendichte gemessen werden, die Aufschluss darüber gibt, wie stabil die Knochensubstanz ist. Je nach Ergebnis kann dann eine medikamentöse Therapie erwogen werden.

In Studien zeigt Denosumab dabei gute Erfolge und schnitt sogar teilweise etwas besser ab als Bisphosphonate. So kann es nicht nur den Verlust an Knochendichte effektiv aufhalten, sondern verhindert auch Knochenbrüche.

Allerdings schneiden sie bisher, was das Vermeiden von Knochenmetastasen anbelangt, schlechter ab. Noch konnte Denosumab die Absiedelung von Tumorzellen im Knochen nicht aufhalten. Ebenso wenig verlängerte sich dadurch bisher das Gesamtüberleben. Die Bisphosphonate sind hier derzeit noch überlegen. Allerdings laufen die Studien weiterhin und sind noch nicht abschließend zu beurteilen.

Weniger Schmerzen und bessere Lebensqualität

Wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, gilt es vor allem, Komplikationen wie Schmerzen und Brüche zu vermeiden. Hier können sowohl Bisphosphonate als auch Denosumab stabilisierend und lindernd wirken. Was den Schutz vor Knochenschäden anbelangt, ist Denosumab wieder leicht überlegen. Auf Schmerz und Lebensqualität wirken sich beide Substanzgruppen gleichermaßen positiv aus.

Voraussetzung: gesunde Zähne

Ganz ohne Nebenwirkungen kommt leider auch Denosumab nicht aus. Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden, allen voran Durchfall, außerdem Luftnot und Schmerzen im Bewegungsapparat. Auch der Mineralhaushalt kann aus dem Gleichgewicht geraten.

Gefürchtet ist weiterhin eine sogenannte Kiefernekrose, also ein Absterben des Kieferknochens. Paradoxerweise sind die Medikamente, die den Knochen eigentlich schützen, speziell für den Kiefer nämlich gefährlich. Daher sollten Sie vor einer anstehenden Behandlung unbedingt einen Zahnarzt aufsuchen und mögliche Schädigungen an Zähnen oder Zahnfleisch beheben lassen. Während der Therapie ist es sehr wichtig, auf eine gründliche Mundhygiene zu achten.

Denosumab: Was bedeutet monoklonaler Antikörper?

Denosumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper. Doch was bedeutet das?

Hier nochmal genauere Informationen dazu:

  • Antikörper sind Eiweißmoleküle, die das Immunsystem als Antwort auf eine fremde Substanz (etwa Krankheitserreger) herstellt, um diese unschädlich machen können.
  • Monoklonale Antikörper sind hochspezialisierte und zielgerichtet wirkende Antikörper, die mit Hilfe biotechnologischer Verfahren synthetisch hergestellt werden. Das besondere an ihnen ist, dass sie in der Lage sind, natürliche Abwehrprozesse des Körpers gegen eine Krankheit zu aktivieren.
  • Der ständige Auf- und Abbau von Knochen beruht auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener spezieller Knochenzellen, deren Aktivitäten fein aufeinander abgestimmt sind. Die Koordination dieser Auf- und Abbauprozesse erfordert eine ausgeklügelte Kommunikation innerhalb der Knochenzelle.
  • Wissenschaftler fanden nun heraus, dass ein bestimmtes Eiweiß, der so genannte „Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B Ligand“ (RANKL), Signale überträgt zwischen den Osteoblasten (Zellen, die verantwortlich sind für Knochenaufbau) und den Osteoklasten (Zellen, die verantwortlich sind für den Knochenabbau). RANKL wandelt die Vorläuferzellen von Osteoklasten in aktive Osteoklasten (Zellen die Knochensubstanz abbauen) um. RANKL steigert also die Aktivität der für den Knochenabbau verantwortlichen Zellen.
  • Der Wirkstoff Denosumab hemmt spezifisch den RANKL.

Ist Denosumab (Prolia) speziell für Frauen in den Wechseljahren geeignet?

Ja, zumindest, was den Zulassungsstatus angeht. Zwar erhalten auch Männer Denosumab, wenn es infolge einer Hormontherapie zur Behandlung von Prostatakrebs zu Osteoporose kommt. Haupteinsatzbereich des Wirkstoffs ist jedoch die Behandlung von Osteoporose bei Frauen nach der Menopause (Stopp der Regelblutung), die ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche aufweisen. Das Medikament ist seit Mai 2010 in Europa speziell für diese beiden Einsatzbereiche zugelassen.

Besser als Plazebo

In den Zulassungsstudien wurden 7.868 Frauen mit postmenopausaler Osteoporose untersucht. Die Teilnehmerinnen erhielten alle eine Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D. Ein Teil der Frauen erhielt zusätzlich 60 mg Denosumab als subkutan applizierte Injektion alle sechs Monate, die anderen ein wirkstoffloses Scheinmedikament (Plazebo).

Im Verlauf der drei Behandlungsjahre bekamen unter den tausenden Frauen mit Denosumab 2,3% eine Wirbelfraktur. In der Vergleichsgruppe, die Plazebo erhalten hatte, kam es jedoch deutlich häufiger – nämlich bei 7,2% der Frauen – zu einem Bruch in einem Wirbelkörper. Statistisch gab es in der Denosumab-Gruppe im Vergleich zur Plazebo-Gruppe also 68% weniger vertebrale Frakturen.

Außerdem kam es zu 40% weniger Hüftfrakturen (1,2% versus 0,7%). Jährliche Zwischenanalysen ergaben, dass der Vorteil der Denosumab-Behandlung vom ersten bis zum dritten Jahr erhalten blieb.

Studie: Denosumab versus Alendronat

In einer weiteren Studie mit 1.189 Frauen nach der Menopause und mit Osteoporose wurde die Sechsmonatsspritze ein Jahr lang im Vergleich mit einer wöchendlich einzunehmenden Tablette mit dem Bisphosphonat Alendronat 70 mg getestet.

Das Resultat: Man fand einen statistisch signifikant stärkeren Zuwachs an Knochendichte unter Denosumab. Diese Überlegenheit zeigte sich an allen fünf Stellen des Skeletts, an der man die Dichte untersucht hatte – nämlich an der Hüfte, dem Oberschenkelhals, am Rollhügel des Obeschenkels (Trochanter), der Lendenwirbelsäule und am Unterarmknochen. (Anm. der Redaktion: das sind natürlich sehr weiche Kriterien, ein Unterschied in tatsächlichen Beschwerden konnte hier offenbar nicht nachgewiesen werden.)

Anwendung

Osteoporose-Prophylaxe: Auf welche Weise und wie oft sind Gaben von Denosumab (Prolia) nötig?

Denosumab wird unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die Injektion ist nur alle sechs Monate erforderlich.

Die vom Hersteller empfohlene Dosis beträgt 60 mg. In dieser Dosierung gibt es die Injektionslösung in einer Fertigspritze. Lagern sollte man die Spritzen mit der Injektionslösung im Kühlschrank (bei Temperaturen von 2-8 Grad Celsius).

Die Injektion kann erfolgen an der Außenseite eines Oberschenkels, in der Bauchregion, oder an der Außenseite der Oberarme. Sie sollten ergänzend Kalzium und Vitamin D zu sich nehmen, während Sie mit Prolia® behandelt werden.

Noch ein Extra-Tipp:
Was bringen Mikronährstoffe bei Osteoporose?
Unsere Empfehlungen dazu finden Sie hier.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

Kommentare  

# Absetzen von ProliaHanni 14.03.2021 06:28
Ich erhielt vor einigen Monaten die 4. Proliaspritze.
Wegen unerträglicher Nebenwirkungen lasse ich mir keine weitere mehr geben.
Vor allem Ärzte warnen vor schlimmen Reboundeffekten bei sofortigem Absetzen. Sie sagen, ihnen sei bisher niemand bekannt geworden, der ein sofortiges Absetzen ohne schlimme Rückfälle wie mehrfache Wirbelbrüche und dergleichen überstanden habe.
Gibt es überhaupt Patientinnen und Patienten, die nach sofortigem Absetzen wenig oder keine Beschwerden bekommen haben?
Bitte melden Sie sich, damit ich mit mehr Hoffnung mein Vorhaben durchführen kann.
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Kommentare Archiv:


Denosumab auch für Männer zugelassen
Montag, den 23. Juli 2018 um 16:49 Uhr, Dr. M
Denosumab ist seit einiger Zeit (2016?) auch zur Behandlung von Osteoporose bei Männern zugelassen. Bereits zuvor gab es eine Zulassung zur Osteoporose-Vorbeugung im Rahmen einer Antihormontherapie bei Prostatakrebs. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Männer und Frauen sich bzgl. des Medikaments unterschiedlich verhalten. Dass die Zulassung zunächst verstärkt die Frauen betraf, ist der Häufigkeit der Osteoporose bei Frauen (etwa 5:1) geschuldet. Außerdem der Situation, dass die Zulassungsbehörden bei Osteoporose geschlechtsgetrennte Studien fordern (was bei Diabetes- oder Blutdruckmedikamenten nie der Fall ist).
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