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Epilepsie: Gibt es alternative Behandlungsmethoden?

Vermeintliche Experten halten zahlreiche Tipps zur Behandlung von Epilepsie mit alternativen Methoden bereit. Doch ob diese – als natürlich und frei von Nebenwirkungen gepriesenen – Therapien tatsächlich gegen jegliche Art von Krampfanfällen helfen und damit herkömmlichen Medikamenten überlegen sind, ist zumindest aus wissenschaftlicher Sicht fraglich.

Antiepileptika gegen Anfälle

Epilepsie wird in der Regel mit sogenannten Antiepileptika oder Antikonvulsiva behandelt, krampfunterdrückenden Arzneien. Diese Medikamente können Epilepsie zwar nicht heilen, doch das Risiko epileptischer Anfälle immens senken.

Kortison gegen Krämpfe

Gleiches gilt für spezielle Hormonbehandlungen, welche die Produktion von Kortison in den Nebennieren ankurbeln und damit epileptischen Anfällen in manchen Fällen vorbeugen.

Nebenwirkungen unvermeidbar

Beide Behandlungsansätze sind allerdings auch für eine Reihe von mehr oder minder schweren Nebenwirkungen verantwortlich. So beispielsweise Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Hormonbehandlungen mit Kortison-Komponente bergen aus medizinischer Sicht zudem die Gefahr, dass eine latente Epilepsie ausgelöst wird. Aus diesem Grund brechen viele Menschen mit Epilepsie oftmals die Behandlung mit konventionellen Mitteln ab und schauen sich nach Alternativen um.

Verbesserung dank Placebo-Effekt

Zu den alternativen Therapieformen – also Behandlungen, die auf den Einsatz jeglicher Medikamente oder auch operative Eingriffe verzichten – zählen u.a.:

  • Akupressur und Akupunktur unter dem Dach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM);
  • Bachblütentherapie;
  • Diät;
  • Homöopathie;
  • Hypnose;
  • Kinesiologie;
  • Massage;
  • Osteopathie;
  • Phytotherapie;
  • Progressive Muskelentspannung (PME);
  • Reiki;
  • Yoga.

Allerdings lässt sich für viele dieser Verfahren wissenschaftlich keine positive Wirkung nachweisen. Die meisten alternativen Behandlungsmethoden führen ausschließlich zu einem sogenannten Placebo-Effekt. Man empfindet nach der Therapie eine medizinisch nicht nachweisbare subjektive Verbesserung seines Befindens.

Vorsicht bei Homöopathie

In manchen Fällen ist jedoch auch Vorsicht geboten: Epilepsie-Patienten sollten auf keinen Fall – neben ihren üblichen Medikamenten – homöopathische Substanzen einnehmen, da es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann. Vom Absetzen der Medikamente zur Epilepsiebehandlung ist ebenfalls abzuraten, da dies zu einer Verschlechterung der Anfallssituation mit erheblichen Risiken führen kann.

Nebenwirkungen erträglich machen

Fakt ist: Alternative Therapieformen können keinesfalls die medikamentöse antiepileptische Behandlung ersetzen. Sie können jedoch die Behandlung mit Medikamenten und Hormonen als komplementäre (begleitende) Therapie ergänzen, indem sie im günstigsten Fall einen positiven Einfluss auf die Anfallssituation haben oder die Nebenwirkungen der Antiepileptika mildern.

Düfte und Hypnose

So werden beispielsweise mit der Aromatherapie, einer Behandlung mit pflanzlichen Duftstoffen, und Hypnose – insbesondere bei Kindern, die auf keine konventionelle Therapie reagieren – positive Ergebnisse erzielt, wobei sich die Erfolgsquote hier nicht eindeutig beziffern lässt. Auch mit Progressiver Muskelentspannung und Yoga lassen sich Stress abbauen und die Anfallshäufigkeit senken.

Hohe Dosis Vitamin D

Beachtliche Behandlungsergebnisse lassen sich angeblich ebenfalls mit hohen Vitamin-D-Dosierungen – wichtig für den Aufbau und den Erhalt der Knochendichte – erreichen. US-amerikanische Studien aus dem Jahr 2012 belegen, dass Vitamin D die Anfallshäufigkeit bei an Epilepsie erkrankten Menschen senken kann und nicht nur dazu eingesetzt werden sollte, typische Mangelerscheinungen bei Epileptikern in medikamentöser Behandlung auszugleichen.

Enzymtherapie

Ähnliches gilt für die Enzymtherapie, in deren Rahmen Injektionen mit Immunglobulinen, Antikörpern in Protein- bzw. Eiweißform, verabreicht werden. Die Wissenschaft ist sich auch hier noch nicht darüber im Klaren, aus welchem Grund Immunglobuline – wie sie gewöhnlich bei einer erhöhten Infektanfälligkeit zum Einsatz kommen – auch gegen Krampfanfälle helfen.

Selbstdisziplin zur Selbstkontrolle

Eine weitere alternative Behandlungsmethode erfordert sehr viel Selbstdisziplin: Durch ständige Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle soll man in die Lage versetzt werden, krampfanfallsauslösende Situationen und Bedingungen – wie beispielsweise Stress auf der Arbeit oder in den heimischen vier Wänden – zu erkennen und diesen frühzeitig u.a. durch Entspannungstechniken entgegenzuwirken.

Biofeedback – kontinuierliche Rückmeldung

Mit Hilfe des Biofeedbacks auf Basis von EEG-Signalen (Elektroenzephalogramm) können Epileptiker ihre Körperfunktionen kontrollieren und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen. Gemessen werden u.a. Atemmuster, Blutdruck, Gehirnströme, Puls und Körpertemperatur. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, PME und Yoga können dann den Krampfanfall möglicherweise verhindern oder mildern. Atemübungen und Joggen eignen sich ebenfalls dazu, das Stressniveau zu senken und somit Anfällen entgegenzuwirken.

Neurostimulation senkt Anfallsfrequenz

Keine alternative Behandlungsmethode im wahrsten Sinne des Wortes, aber eine weitere Alternative, die Anfallsfrequenz zu senken, ist die elektrische Stimulation des Vagusnervs mit niedriger Stromstärke. Dazu wird ein kleines Gerät an der Brustwand implantiert. Neben der Vagus-Nerv-Stimulation helfen in manchen Fällen auch

  • die Transkutane-Vagus-Stimulation über die Ohrmuschel,
  • die tiefe Hirnstimulation mit einem sogenannten Hirnschrittmacher
  • und die Transkranielle Magnetstimulation,

wobei wissenschaftliche Belege über die tatsächliche Effektivität der letztgenannten Methode noch ausstehen. Allerdings bleiben auch hier Nebenwirkungen – z.B. örtliche Schmerzen, Missempfindungen, Veränderungen der Stimmlage, Luftnot, Übelkeit und Durchfälle – nicht aus.

Operative Eingriffe – frei von Chemie

Wenn keine Medikamente mehr wirken, kann eine Operation, die ebenfalls nicht unter dem Dach der alternativen Behandlungsmethoden subsummiert wird, helfen. Bei einer fokalen bzw. partiellen Epilepsie wird nach genauer Lokalisierung und funktioneller Überprüfung Gewebe entfernt und damit künftigen Krampfanfällen vorgebeugt.

"Zukunftsmusik" Implantate – Steigerung der Lebensqualität

Große Hoffnungen setzt man nun auf ein neues Verfahren, nämlich mittels EEG-Gehirnimplantaten Anfälle "vorherzusagen". Epilepsiekranke können sich in eine Komfortzone zurückziehen und den Krampfanfall in aller Ruhe abwarten.

Darüber hinaus gibt es einige einfache Maßnahmen zur Vorbeugung, die man in problemlos in den Alltag integrieren und in Eigenregie durchführen kann. Dazu zählen ausreichend Schlaf, Sport sowie die Reduzierung von Alkohol und Nikotin.

Autorin: 

Kommentare: Archiv

Homöopathie
Mittwoch, den 31. Januar 2018 um 17:11 Uhr, Uwe Heyeres
Gefährliche Wechselwirkungen mit homöopathischen Medikamenten? Wer mit einem freien Geist nach Möglichkeiten und Grenzen einer Homöopathiebehandlung bei Epilepsie sucht, der wird ziemlich einfach auf hunderte von positven Behandlungsberichten stoßen. Aude sapere.
 
Homöopathie
Mittwoch, den 22. März 2017 um 21:13 Uhr, Johannes Müller, Königsberg
Gefährliche Wechselwirkungen mit homöopathischen Medikamenten? Solche zeichnen sich doch dadurch aus, dass ihr Wirkstoff bis zur völligen Abwesenheit verdünnt ist. Oder soll der Absatz hier als Behauptung verstanden werden, es ließe sich eine stoffliche Wirkung homöopathischer Medikamente nachweisen?
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