Haupt-Autorin des Artikels
Dr. med. Chiara Grabmann
Ärztin / medizinische Fachautorin
Das hängt davon ab, ob das Hüftgelenk durch den Oberschenkelhalsbruch instabil wird oder nicht. Je steiler die Bruchzone ist, desto leichter rutscht das gebrochene Fragment ab und desto instabiler wird das Gelenk. Dann sind auch Stehen und Gehen unmöglich.
Bei leichteren, stabilen Frakturen kann es sein, dass Betroffene auf dem gebrochenen Bein zwar Schmerzen haben, das Gehen jedoch noch möglich ist.
ich hatte einen Oberschenkelhalsbruch und wollte über die Möglichkeiten und Konsequenzen mit den Ärzten sprechen, was sie aber trotz Zusage nicht taten. Die OP ging dann ganz schnell und es schien mir die einzige Möglichkeit. Jetzt habe ich ein künstliches Hüftgelenk und kann ganz viele Bewegungen nicht mehr machen, weil das Bein auskugeln kann und weil bei einem künstlichen Hüftgelenk das Band in der Mitte fehlt.
Gibt es eine Möglichkeit, ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen, das dieses Band hat, oder eine andere Möglichkeit, damit man wieder normal leben kann und nicht Angst haben muss, dass das Bein auskugelt, wenn man z.B das Knie bis zum Bauch zieht, oder nach außen rotiert?
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, man hätte den Bruch einfach heilen lassen und keine OP gemacht, z.B für einige Wochen einen Gips um dann danach wieder in die Bewegung zu kommen.
Wäre das möglich gewesen? Meine E-Mail jakobineengel@gmx.de liebe Grüße jakobine
ein zentrales Problem nach einer Totalendoprothese (TEP) der Hüfte ist tatsächlich das erhöhte Risiko einer Luxation (Auskugeln), vor allem bei bestimmten Bewegungen wie starker Beugung oder Außendrehung. Der Grund liegt – wie du richtig sagst – unter anderem im fehlenden Bandapparat und der veränderten Anatomie.
Optionen zur Verbesserung der Stabilität:
Duale Mobilitätsprothesen ("Dual-Mobility-Implantate")
Diese Art von Prothese hat zwei Gelenkflächen: eine kleinere Kugel in einer größeren Kunststoffschale. Sie bieten eine erhöhte Beweglichkeit bei gleichzeitig reduzierter Luxationsgefahr. Diese kommen besonders bei Patienten mit erhöhtem Risiko (z.B. Muskelschwäche, neurologischen Problemen oder vorheriger Luxation) zum Einsatz.
Constrained Liners
Das sind spezielle Einsätze in der Pfanne, die die Prothesenkugel fester "halten", um ein Auskugeln zu verhindern. Sie schränken die Beweglichkeit stärker ein, sind aber ein letzter Ausweg bei wiederholten Luxationen.
Wichtiger Hinweis:
Einmal eingesetzte TEPs lassen sich nicht beliebig einfach austauschen, und ein Wechsel bringt wiederum eigene Risiken mit sich. Wenn du mit deinem jetzigen Gelenk regelmäßig Probleme hast oder dich sehr eingeschränkt fühlst, solltest du eine Zweitmeinung bei einem spezialisierten Zentrum einholen. In Deutschland gibt es zertifizierte Endoprothetikzentren mit genau dieser Expertise.
Hätte man den Bruch ohne OP heilen lassen können?
Das kommt stark auf die Art des Oberschenkelhalsbruchs an:
Nicht-dislozierte Brüche (Bruchstücke stehen noch gut zueinander)
In bestimmten Fällen (v.a. bei jüngeren Patienten) kann eine konservative Behandlung versucht werden – z.B. mit strikter Bettruhe und späterer Mobilisation. Dies ist aber sehr selten, da das Risiko von Komplikationen (z.B. Durchblutungsstörung des Hüftkopfs) hoch ist.
Dislozierte Brüche (Bruchstücke sind verschoben)
Diese gelten fast immer als instabil. Ohne OP drohen Pseudarthrose (nicht heilender Bruch) oder Nekrose des Hüftkopfs (Absterben durch unterbrochene Durchblutung). In diesem Fall ist eine Operation fast immer notwendig.
Fazit zur OP-Wahl:
In den meisten Fällen eines dislozierten Bruchs – insbesondere ab etwa 65 Jahren – ist ein Hüftgelenksersatz die empfohlene Therapie, da die konservative Heilung zu unsicher wäre.
Viele Grüße, Dr. med. Jörg Zorn