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Vergrößerte Mandeln (Adenoide, Tonsillenhyperplasie)

Was ist der Unterschied zwischen vergrößerten Rachenmandeln, Adenoiden und Polypen? Müssen die vergrößerten Mandeln operiert werden? Fragen und Antworten dazu im folgenden Beitrag.

Begriffserklärung

Bei diesem Thema herrscht viel begriffliche Verwirrung. Deshalb kurz zur Erklärung: Es gibt Gaumenmandeln und Rachenmandeln. Die Gaumenmandeln (Tonsillen) sind die, die bei einer klassischen Mandelentzündung betroffen sind. Die Rachenmandeln sitzen tiefer. Beide können vergrößert sein. Was das bedeutet und was zu tun ist, erläutert dieser Beitrag.

Vergrößerte Rachenmandeln

Was bedeutet "vergrößerte Rachenmandeln"?

Vergrößerte Rachenmandeln werden im Volksmund oft Polypen genannt, haben mit den Polypen in der Nase aber nichts zu tun.  Im korrekten Medizinerdeutsch heißen sie Adenoide oder Rachenmandelhyperplasie. 

Meist keine Behandlung notwendig

Die Rachenmandeln sitzen am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen. Und zwar mittig an der Rachenhinterwand, hinter dem Gaumenzäpfchen und oberhalb des Gaumens. Sie gehören wie auch die als Tonsillen bezeichneten Gaumenmandeln zum lymphatischen Rachenring, der als erster Abwehrwall gegen Erreger aus Nahrung und Atemluft dient.

Vergrößerte Rachenmandeln, also Adenoide, sind im Alter von etwa 3-7 Jahren eine relativ normale Erscheinung und selten behandlungsbedürftig. Sie können aber im Einzelfall auch ernste Folgen haben, die von chronischen Mittelohrentzündungen über nächtliches Schnarchen bis zu einer gestörten Sprachentwicklung reichen. Darauf wird Sie der Kinderarzt aber im Fall des Falles auch hinweisen und eine Behandlung vorschlagen.

Ursachen

Was sind die Ursachen für vergrößerte Mandeln?

Sowohl die Rachen- als auch die Gaumenmandeln sind vor allem bei Kindern zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr häufig vergrößert. Der Grund liegt nach Ansicht der Experten in einem vermehrten Aufkommen von Infekten im Nasen-Rachen-Bereich in diesem Alter. Die sogenannten Adenoide sind dann also lediglich ein sichtbares Zeichen aktiver Abwehr- und Aufbauarbeit des lernenden Immunsystems. Bis zu einem gewissen Grad gelten die vergrößerten Mandeln deshalb als Normalbefund, ohne dass man sie behandeln muss.

Daneben werden noch weitere Faktoren ausgemacht, die eine Vergrößerung hervorrufen können. Eine erbliche Komponente wird vermutet. Mit dem Eintritt ins Schulalter und der Abnahme der typisch kindlichen Infektionskrankheiten verkleinern sich die vergrößerten Rachenmandeln normalerweise wieder.

Symptome

Was sind typische Beschwerden bei Adenoiden?

Die Adenoide (verdickte Rachenmandeln) verursachen bei Kindern folgende typische Beschwerden:

  • ständig behinderte Nasenatmung: Mundatmung
  • ständig offener Mund
  • nasale Sprache
  • nächtliches Schnarchen, in der Folge Unausgeschlafenheit
  • Schwerhörigkeit
  • meist gehäuftes Auftreten von Erkältungen und Ohrenentzündungen wegen fehlender Anfeuchtung und Filterung der Atemluft bei Mundatmung
  • chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut und/oder Nasennebenhöhlen
  • typischer Gesichtsausdruck mit geöffnetem Mund und vorstehendem Oberkiefer

Die Folgen können im Einzelfall so belastend werden, dass eine operative Entfernung der Adenoide erwogen werden muss. Allerdings nicht unbedingt bei Kindern mit häufigen Infektionen der oberen Atemwege. Bei ihnen stellte eine unlängst im Britischen Ärzteblatt (British Medical Journal) publizierte Studie keine Vorteile des Eingriffs gegenüber einer abwartenden Haltung fest. Dieses nichttherapeutische Vorgehen wird auch von anderen Experten befürwortet.

Wie geht der Polypentest?

Hat mein Kind vergrößerte Rachenmandeln (auch oft fälschlich Polypen genannt)? Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn ihr Kind häufiger schwer atmet oder auffällig oft Erkältungen hat. Sie können das mit einem einfachen Trick selber testen. Die Methode ist zugegebenermaßen wissenschaftlich nicht 100% sicher, aber dafür wunderbar einfach und allemal einen Versuch wert.

Die Aufgabe lautet, 3 Minuten lang einen Knopf zwischen den Lippen zu halten. Wenn Ihr Kind auf diese Weise genügend Luft bekommt, hat es keine (relevant) vergrößerten Rachenmandeln. Wenn alle bei dem Test mitmachen, kommt übrigens auch der Spaßfaktor nicht zu kurz.

Warum können Adenoide manchmal zu chronischen Mittelohrentzündungen führen?

Das hat mit den anatomischen Verhältnissen zu tun: Unmittelbar neben den Rachenmandeln liegt der Eingang zum Mittelohr, die Mündung der Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Problematisch wird es, wenn die vergrößerten Rachenmandeln diese Öffnung verlegen und dadurch zu einer Belüftungsstörung dieser sogenannten Tuben führen.

Es entwickelt sich dann ein Unterdruck, der Sekretabfluss aus dem Mittelohr wird gehemmt und die Flüssigkeit sammelt sich hinter dem Trommelfell an. Medizinisch spricht man dann vom Tuben-Mittelohr-Katarrh mit Paukenerguss. Die Folge: Ihr Kind hat Ohrenschmerzen und hört schlecht. Wegen der dauerhaften Mandelvergrößerung chronifiziert auch der Erguss und der von ihm ausgelöste entzündliche, abwehrschwächende Prozess. Dadurch gelingt es Bakterien leichter, ins Mittelohr einzudringen und dort immer wieder eine Mittelohrentzündung (Otitis media) auszulösen.

Behandlung

Was kann man gegen vergrößerte Rachenmandeln tun?

Wenn bei Ihrem Kind vergrößerte Rachenmandeln festgestellt wurden, sind Maßnahmen zu empfehlen, die seine Abwehrkräfte stärken, z.B.:

  • Spielen an der frischen Luft! Das ist die beste Form der Abhärtung.
  • Wechselduschen: stärken die Abwehrkräfte und regen den Blutkreislauf an.
  • Ansteigende Fußbäder: erwärmen den Körper, fördern die Durchblutung der Nasen- und Rachenschleimhaut und unterstützen damit ebenfalls die Erregerabwehr.
  • Inhalationen und Kopfdampfbäder: verbessern die Durchatmung, beruhigen und lindern Beschwerden. Mit heißem Salzwasser (2 Teelöffel Salz auf 1 Liter Wasser) oder Kamillelösung (1-2 Esslöffel Kamillenblüten auf 1 Liter heißes Wasser).

Wann müssen die Adenoide raus?

Ob und wie Ihr Kind wegen Polypen auch ärztlich behandelt werden muss, hängt weniger von der Größe der Rachenmandeln ab als vielmehr von den Beschwerden, die dadurch tatsächlich verursacht werden. Sind diese nicht (mehr) tolerabel und haben einfachere Behandlungsmaßnahmen (z.B. Antibiotika bei bakterieller Entzündung) keinen Erfolg gebracht, ist die operative Entfernung zu erwägen. Ihr Kind sollte zum Operationstermin allerdings nicht erkältet oder in anderer Form akut erkrankt sein. Wird eine Operation aber nur wegen wiederholter Atemwegsinfekte angeraten, ist das nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von höchst fraglichem Wert.

Sollte man Adenoide möglichst früh entfernen?

Nein. Jedenfalls nicht vor dem 3. Geburtstag. Denn wenn man vergrößerte Rachenmandeln (oft auch Polypen genannt) früher entfernt, können sie wieder nachwachsen. Das passiert nach dem 3. Lebensjahr nicht mehr. Im übrigen ist eine operative Entfernung der Adenoide aber ohnehin nur in Ausnahmefällen notwendig.

Zu den primären Behandlungsmaßnahmen gegen Adenoide zählen unter anderem die Stärkung der Abwehrkraft und bei Bedarf auch Antibiotika gegen Infekte. Die operative Entfernung der vergrößerten Rachenmandeln wird erst dann unumgänglich, wenn die Beschwerden – etwa ständige Mittelohrentzündungen, Schwerhörigkeit oder Sprachprobleme – länger anhalten und diese einfacheren Behandlungsmaßnahmen nicht anschlagen. Liegt ein Erguss im Mittelohr vor, reicht es möglicherweise aber zunächst aus, diesen abzusaugen, und mit der Operation noch abzuwarten.

Ab einem Alter von 6-7 Jahren bilden sich die Adenoide von selbst wieder zurück.

Operative Entfernung: Braucht man die Rachenmandeln nicht für die Abwehr?

Nein. Wenn Ihr Kind unter vergrößerten Rachenmandeln leidet – also tatsächliche und ernstzunehmende Beschwerden hat – sollte eine Behandlung durch den HNO-Arzt erfolgen. Bei ausbleibender Besserung und entsprechender ärztlicher Empfehlung können Sie die Entfernung der vergrößerten Rachenmandeln guten Gewissens vornehmen lassen.

Denn im Vergleich mit den Gaumenmandeln, die meistens gemeint sind, wenn von „den“ Mandeln bzw. im medizinischen Sprachgebrauch von den „Tonsillen“ die Rede ist, spielen die Rachenmandeln für den immunologischen Schutz der Kinder nur eine unbedeutende Rolle. Selbst im Kleinkindalter gibt es keine Hinweise auf negative Folgen der Entfernung für die kindliche Abwehrkraft. Stattdessen erkranken die operierten Kinder anschließend nur noch selten an Mittelohr- oder Atemwegsinfekten, da die krankmachende Ursache beseitigt wurde.

Vergrößerte Gaumenmandeln (Tonsillenhyperplasie)

Sind vergrößerte Mandeln (Tonsillenhyperplasie) bei Kleinkindern eine Krankheit? 

Nein, in den meisten Fällen verursachen vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln keine Probleme, sondern gelten bei Kleinkindern und auch noch bei Heranwachsenden bis zu einem gewissen Grad als normal.

Ursachen

Warum sind die Gaumenmandeln vergößert?

Vergrößerte Gaumenmandeln (medizinisch: Tonsillenhyperplasie) sind ein Anzeichen für die häufige Auseinandersetzung mit Erregern. Vor allem Kleinkinder sind davon betroffen, da ihr Immunsystem noch lernen muss, Viren und Bakterien abzuwehren.

Symptome

Welche Beschwerden verursachen vergrößerte Gaumenmandeln?

In den meisten Fällen verursachen vergrößerte Gaumenmandeln keine Symptome. Kleinere Probleme wie eine nasale Aussprache oder geringgradige Veränderungen der Zahnstellung sind tolerabel. Treten allerdings schwerwiegendere Folgen in Erscheinung wie etwa chronische Ohrinfektionen, wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen oder eine belastende Schlafapnoe (Atemprobleme während des Schlafens), ist eine ärztliche Behandlung angeraten.

Im Überblick über die seltenen schwerwiegenderen Folgen:

  • chronische Mittelohrinfekte, Hörminderung
  • wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen
  • wiederkehrendes Nasenbluten
  • "Schlafapnoe-Syndrom": Schnarchen und kurze Atemunterbrechungen, Schlafstörungen mit häufigem nächtlichem Erwachen, Schläfrigkeit tagsüber
  • Gewichtsverlust bis hin zu Gedeihstörungen.

Behandlung

Muss eine Mandelvergrößerung behandelt werden?

Nur wenn die vergrößerten Gaumenmandeln Beschwerden machen, sollten sie behandelt werden. Sind sie entzündet, z.B. aufgrund einer bakteriellen Infektion, kommen Antibiotika zum Einsatz. Sofern dieses konservative Vorgehen aber keinen Erfolg zeigt, kommt die operative Entfernung oder Verkleinerung der Mandeln bzw. Polypen in Frage.

Vergrößerte Mandeln: entfernen oder nur verkleinern?

Die Zeiten ändern sich und damit auch die medizinischen Erkenntnisse, Einschätzungen und Verfahren. Bei vergrößerten Mandeln kam früher grundsätzlich nur eine komplette Entfernung derselben in Frage. Dem Nutzwert dieser lymphatischen Organe wurde dabei eine eher vernachlässigbare Bedeutung zugemessen.

Heute wird der immunologische Beitrag der Mandeln höher eingestuft – und somit neigt man bei Problemen durch Vergrößerung eher zur Teilentfernung der Mandeln. Neue technologische Entwicklungen wie die Laser-Tonsillotomie unterstützen dieses Umdenken.

Zu den postulierten Vorteilen der Teil- gegenüber der Totalentfernung zählen:

  • Erhalt von wertvollem immunologischem Gewebe
  • sanftere Methode mit deutlich geringerem Nachblutungsrisiko und Schmerzmittelverbrauch
  • ambulanter Eingriff statt Krankenhausaufenthalt

Allerdings ist die Teilentfernung nicht in jedem Fall die bessere Wahl bzw. möglich. Um einschätzen zu können, ob Ihr Kind von einer Mandel-Verkleinerung profitieren wird, sollten Sie mit ihm zunächst einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Dieser klärt ab, ob eventuell spezielle Nebenerkrankungen oder andere Faktoren dem gewünschten Eingriff entgegenstehen.

Die Operation selbst findet im Unterschied zur klassischen Mandelentfernung ambulant, aber ebenfalls unter Vollnarkose statt. Mit umfassenden Nachuntersuchungen wird im Anschluss der Heilprozess kontrolliert.

Quellen:

  • Wilhelm T, G H, K B, et al. S1-leitlinie „Adenoide vegetation/rachenmandelhyperplasie“. HNO. 2012;60:746-752. Accessed Dec 17, 2020. doi: 10.1007/s00106-012-2555-5. www.researchgate.net.
  • Jacob R. Tonsillenhyperplasie. In: Strutz J, Mann WJ, eds. Praxis der HNO-heilkunde, kopf- und halschirurgie. 3., unveränderte Auflage ed. Georg Thieme Verlag; 2017. www.eref.thieme.de. 10.1055/b-005-143318.

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