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Probiotika: Wirkung und Nebenwirkungen

Was bewirken Probiotika beim Reizdarmsyndrom und Magen-Darm-Infekt? Bei welchen anderen Krankheiten helfen die Bakterienstämme? Und was gilt es beim Kauf der probiotischen Präparate zu beachten? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Einführung

Probiotika: Helfen Bakterien beim rumorenden Darm?

Bei Darminfektionen mit dem Rotavirus und auch beim sogenannten Reizdarm-Syndrom kann die Behandlung auch in der Gabe von Bakterien bestehen. Die Rede ist von Probiotika. Das sind Medikamente, die aus harmlosen Bakterienstämmen zusammengesetzt sind und die die Darmsymptome häufig sehr effektiv lindern.

Wie die Bakterien exakt wirken, ist noch ungeklärt

Die Idee, im Darm mit Hilfe von Bakterien für Ordnung zu sorgen, ist alles andere als neu. Erste Versuche sind schon vom Anfang des letzten Jahrhunderts bekannt. Allerdings hat sich die Ausgangsthese, warum das funktionieren soll, mittlerweile als falsch erwiesen, wie Prof. Paul Enck von der Universitätsklinik Tübingen berichtet. Man hatte nämlich lange Zeit geglaubt, die therapeutisch verabreichten Bakterien würden die krankmachenden verdrängen. Aber das ist überholt.

Wobei freilich auch noch nicht geklärt ist, wie der Wirkmechanismus denn nun aussieht. Nach derzeitiger Lehrmeinung ist es am ehesten so, dass die Probiotika das Immunsystem im Darm aktivieren und ihn damit stärker gegen andere Widersacher machen.

Auch bei Kindern gute Ergebnisse

Probiotika sind laut Enck in folgenden Fällen eine gute Alternative:

  • Durchfall nach Antibiotikabehandlung
  • Reise-Durchfall
  • Darminfektionen mit Rotaviren
  • typische Krankenhaus-Darminfektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile
  • Reizdarm-Syndrom

Insbesondere bei Kindern mit Reizdarm-Syndrom scheinen die Bakterien-Cocktails gut zu funktionieren. In einer Studie an mehr als 200 Kindern mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden (was so viel heißt wie: es rumort im Darm, aber so richtig findet sich keine Ursache) haben sich die probiotischen Präparate als gut wirksam und verträglich erwiesen, so Enck.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Präbiotika und Probiotika?

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen, die den Darm aktiv aufbauen, während Präbiotika unverdaubare Substanzen sind, die die Darmflora indirekt unterstützen.

Nicht alle Bakterien sind schlecht

Die meisten Menschen werden erst einmal die Nase rümpfen, wenn von Bakterien die Rede ist. Im Allgemeinen haben diese Mikroorganismen keinen guten Ruf, weil sie verschiedene Krankheiten auslösen können.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn es um den Darm geht. Er lebt durch große Mengen an Bakterien erst auf – allerdings sollten es die "richtigen" sein. Bei Gesunden liegt der Anteil förderlicher Bakterien bei rund 90%. Eine intakte Darmflora (also alle Darm-Mikroorganismen zusammen) ist von enormer Bedeutung für die Gesundheit, unter anderem für das körpereigene Abwehrsystem. Fördern oder aufbauen lässt sie sich, indem gezielt bestimmte Mikroorganismen gegeben werden. Und da sind wir bei den Pro- und Präbiotika.

Probiotika bringen den Darm wieder in Balance

Nur ein einziger Buchstabe ist anders, dennoch unterscheiden sich Prä- und Probiotika in wesentlichen Punkten. Probiotika sind lebensfähige Mikroorganismen, die sich positiv auf den Darm auswirken sollen. Das geschieht, indem sie in die Darmflora aufgenommen werden.

Zu den Probiotika gehören verschiedene Bakterien-Gruppen wie Enterokokken, Bifidobakterien und Laktobazillen (Milchsäurebakterien), aber auch Hefepilze. Lebensmittel wie Käse, Joghurt und Sauerkraut enthalten probiotische Bakterien. Meistens sind aber für einen gesundheitsfördernden Effekt größere Mengen nötig, wie sie sich in speziellen Tabletten, Kapseln oder Flüssigkeiten finden.

Präbiotika dienen den Probiotika als Nahrung

Präbiotika dagegen haben zwar Einfluss darauf, wie sich die Darmflora entwickelt. Sie bewirken, dass sich bestimmte Mikroorganismen vermehren oder dass sie aktiver werden. Außerdem sind sie ein willkommenes Futter für Bakterienarten, wie sie in Probiotika vorkommen, und stärken sie dadurch. Aber die Präbiotika selbst werden nicht verdaut. In der Regel handelt es sich dabei um Kohlenhydrate wie Fructooligosaccharide, Inulin und Lactulose.

Fructooligosaccharide sind unverdauliche Mehrfachzucker, die zum Beispiel in Bananen, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch vorkommen. Inulin ist eine Kombination von Mehrfachzuckern. Es ist in vielen Pflanzenarten enthalten. Lactulose wiederum entsteht beim Erhitzen und Lagern von Milch. Diese Zuckerart ist nicht zu verwechseln mit Lactose.

Prä- und Probiotika auch als Kombi-Präparate

Abgesehen davon gibt es noch die sogenannten Synbiotika. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Prä- und Probiotika. Auf dem Markt sind verschiedene Präparate, die explizit diese Mischung beinhalten.

Tipps

Worauf sollte ich beim Kauf probiotischer Arzneimittel achten?

Der Markt ist voll von Produkten, die eine bessere Darmgesundheit versprechen. Es ist nicht so leicht, da den Überblick zu behalten.

Da sind zum einen Lebensmittel wie Joghurts, die damit beworben werden, dass sie Probiotika enthalten. Zum anderen werden Kapseln, Tabletten und Flüssigkeiten angeboten, die über hochdosierte Probiotika verfügen.

Richtlinie der Vereinten Nationen zu Probiotika

Umso hilfreicher ist es zu wissen, dass die Welternährungsorganisation (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Richtlinie zu Probiotika in Lebensmitteln herausgegeben haben. Beschrieben sind darin Kriterien, die die Sicherheit und Wirksamkeit von Probiotika betreffen.

Demnach sollten Probiotika resistent gegenüber Magensäure, Gallensäuren und dem Saft der Bauchspeicheldrüse sein. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Probiotika nur in einer ausreichenden Dosis wirksam sind. Darüber hinaus müssen sie bei der Lagerung und der Einnahme stabil bleiben. Abgesehen davon ist es von Bedeutung, welche Bakterienstämme in den jeweiligen Präparaten enthalten sind. Eine Wirksamkeit wird beispielsweise bestimmten Stämmen von Enterokokken, Bifidobakterien und Laktobazillen (Milchsäurebakterien) nachgesagt.

Wichtig: Produktangaben genau prüfen

So viel zur Theorie. Was können Sie nun ganz konkret tun, um qualitativ hochwertige und sichere Probiotika zu bekommen? Schauen Sie sich am besten die Verpackung bzw. den Beipackzettel oder die Beschreibung des Produktes an. Sie sollten nachvollziehen können, welche Bakterien genau drin stecken – also tatsächlich Gattung, Art und Stamm (z.B. Enterococcus faecalis oder Escherichia coli Stamm Nissle 1917). Die übergeordnete Gruppe, also beispielsweise "Enterokokken" allgemein, reicht nicht aus!

Es sollte ein Haltbarkeitsdatum angegeben sein; außerdem, in welcher Menge und wie Sie das Mittel einnehmen sollen. Auch Hinweise dazu, wie das Produkt zu lagern ist, sind wichtig. Einige Mittel müssen beispielsweise, sobald sie angebrochen sind, unbedingt im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Und, ganz wichtig: Sehen Sie nach, ob der Hersteller auffindbar ist. Geben Sie dazu beispielsweise den Namen in eine Internet-Suchmaschine ein.

Angeführte Studien nicht immer relevant

Es kommt immer mal wieder vor, dass Hersteller zwar Studien anführen, die sich aber letztlich auf Bakterienstämme beziehen, die in dem angebotenen Produkt gar nicht enthalten sind. Insofern ist es durchaus sinnvoll, bei der Auswahl sorgfältig vorzugehen und sich ein wenig damit zu beschäftigen. Sollten Sie unsicher sein, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker darüber, oder fragen Sie in einer Apotheke nach.

Quellen:

  • Probiotika. Pharm Unserer Zeit. 2012 Mar;41(2):101. German. doi: 10.1002/pauz.201290019. PMID: 24523074.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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