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Erenumab (Aimovig): Wirkung und Nebenwirkungen

Erenumab (Aimovig®) ist ein Medikament aus der Gruppe der Antikörper, das Mediziner bei schwerer Migräne verschreiben, wenn ursprüngliche Mittel nicht helfen. Es wird alle vier Wochen als Spritze unter die Haut gesetzt und scheint kaum Nebenwirkungen zu haben. Noch ist es relativ neu auf dem Markt (Stand 2019).

Was für ein Migräne-Medikament ist Erenumab (Aimovig®)?

Erenumab (Aimovig®) ist ein Antikörper. Hier handelt es sich um Eiweißmoleküle, die so aufgebaut sind, dass sie hochspezifisch nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an körpereigene Eiweißmoleküle andocken können und darüber in Krankheitsabläufe eingreifen.

Ärzte wählen dieses noch neue Mittel (Stand 2019), wenn Betroffene trotz verschiedenster Arzneistoffe weiterhin unter zahlreichen Kopfschmerzattacken leiden.

Neu und einzigartig an Aimovig® ist, dass es speziell für die Migräne entwickelt wurde und direkt in den Entstehungsprozess der Kopfschmerzen eingreift. Alle bisherigen Arzneien hingegen wirken zwar bei Migräne, wurden aber ursprünglich nicht speziell hierfür konzipiert.

Antikörper gegen Migräne

Bei der Entstehung von Migräne spielt das sogenannte CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) die Hauptrolle. Dieser Eiweißstoff verändert über spezielle Andockstellen die Gefäßspannung und kann so zu Kopfschmerzen führen. Bei Menschen mit Migräne sind seine Werte im akuten Anfall und bei chronischer Erkrankung auch dauerhaft erhöht. Bei den Betroffenen ist somit zu viel CGRP im Umlauf. Forscher konnten zeigen, dass die Werte bei akuten Schmerzen ansteigen und nach der Attacke wieder abfallen.

Jahrelang haben Experten daran gearbeitet, einen Stoff zu entwickeln, der das CGRP oder seine Andockstelle blockiert, um so Migräneausbrüche unterdrücken zu können. Einer dieser neuen Stoffe ist Erenumab. Als Konkurrent zu CGRP blockiert er die Stelle (den Rezeptor), an den das Eiweiß normalerweise andockt.

Von seiner Struktur her ist Erenumab ein künstlich hergestellter Antikörper. Solche gentechnisch gewonnenen Eiweiße funktionieren ähnlich wie unsere körpereigenen Abwehrstoffe und können damit gezielt in die Kommunikation und Signalweitergabe zwischen den Zellen eingreifen.

Neuling für schwere Fälle

Erenumab ist der erste dieser Wirkstoffe, der auf dem Markt zugelassen wurde. Seit dem 1.11.2018 ist er in Deutschland käuflich. Mediziner können das neue Medikament nun einsetzen (Stand März 2019), wenn Betroffene mit Migräne mehr als 4 Attacken pro Monat haben, obwohl sie fast alle (konkret vier bis fünf ) gängigen Arzneistoffe wie Betablocker, Amitriptylin oder auch Botox probiert haben, die in solchen Fällen sonst prophylaktisch helfen.

Aimovig® ist derzeit also für schwer Betroffene eine Art "Reservemedikament" und noch recht kostspielig. Verschiedene andere, ähnliche Mittel werden in den kommenden Monaten und Jahren aber folgen, die Entwicklung ist hier in vollem Gange.

Migräne: Welche Nebenwirkungen hat Erenumab (Aimovig®)?

Erenumab (Aimovig®) ist seit Ende 2018 neu auf dem Markt, bisher wurden nur wenige Nebenwirkungen beschrieben. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • Verdauungsbeschwerden (Obstipation)
  • Reaktionen an der Einstichstelle
  • Juckreiz
  • Muskelkrämpfe

Die oben genannten Probleme können bei 1 bis 10 von 100 Personen auftreten.

Verstopfung und Hautrötung

Erenumab (Aimovig®) ist seit dem 1.11.2018 auf dem Markt. Fast alles, was Forscher und Ärzte bisher (Stand 03/2019) über das Medikament wissen, basiert auf Studien. Die Erfahrung im klinischen Alltag selbst ist noch gering. Erst der tägliche Umgang mit dem neuen Wirkstoff wird weiter zeigen, wie gut Menschen mit Migräne Erenumab vertragen.

Verdauungsprobleme und Darmträgheit (Verstopfungen) sind dabei sicherlich ein Problem, das häufiger unter Aimovig® auftreten kann. 1-10% der Studienteilnehmer beschrieben Veränderungen und Beeinträchtigung im Darmtrakt. Auch Reaktionen an der Einstichstelle mit Schmerzen, Rötung und Juckreiz traten ähnlich häufig auf, führten allerdings nie dazu, dass betroffene Personen das Mittel absetzen mussten.

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Wahrscheinlich kein Effekt aufs Immunsystem

Therapien mit Antikörpern, zu denen Erenumab zählt, greifen ganz spezifisch in einen Krankheitsprozess ein. Dies birgt immer auch die Gefahr, dass solche Baustoffe unerwünschte Effekte im Immunsystem selbst auslösen können. Erenumab scheint hier bisher jedoch sicher zu sein. Forscher und Mediziner schätzen es als unbedenklich ein.

Vorsicht bei Herzkrankheit

Da Erenumab über das sogenannte CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), einen Eiweißbotenstoff, in die Gefäßspannung aller Körperadern eingreift, sind theoretisch auch negative Effekte und Nebenwirkungen im Herzkreislaufsystem denkbar. Bei Menschen mit einer Herzkrankheit setzen Ärzte Erenumab daher zunächst noch vorsichtig ein.

Migräne: Wie nehme ich Erenumab (Aimovig®) ein?

Erenumab (Aimovig®) ist als Fertigpen erhältlich. Alle 28 Tage bekommen Sie eine Spritze vom Arzt. Nach entsprechender Anleitung können Sie sich das Medikament ggf. auch selbst injizieren.

Monatlicher Stich unter die Haut

Erenumab (Aimovig®) ist seit Ende 2018 auf dem Markt. Es handelt sich um einen Antikörper, der bei Menschen mit schwerer Migräne Kopfschmerzattacken prophylaktisch unterdrücken soll.

Das Mittel selbst ist als Fertigspritze erhältlich. Sie muss im Kühlschrank gelagert und vor Licht geschützt werden. Mediziner spritzen das Medikament alle 28 Tage in das Fettgewebe unter der Haut von Bauch, Oberschenkel oder Oberarm.

Theoretisch können Betroffene auch erlernen, sich die Spritze selbst zu setzen. Dies erfolgt immer in Absprache mit Ihrem Arzt. Der Pen wird senkrecht auf die Haut gedrückt und benötigt circa 15 Sekunden, um den gesamten Wirkstoff abzugeben.

Vergleichsweise schnelle Wirkung

Die Standarddosis beträgt 70 mg alle 4 Wochen. Eine Wirkung soll schon nach einer bis wenigen Wochen einsetzen. Andernfalls wird die Dosis eventuell bei der dritten Spritze einmalig auf 140 mg erhöht, dies entspricht aktuell zwei Einzelpens.

Hilft das Mittel nach drei Monaten noch immer nicht, setzen die Ärzte es in der Regel wieder ab.

Quellen:

  • Symposium (Novartis) 9.3.2918 Herausforderungen und Lösungsansätze in der Migränebehandlung. Schmerz- und Palliativtag der DGS Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. 7.-9.März 2019 / Frankfurt.
  • Peter J. Goadsby, M.D., Ph.D. et al., A Controlled Trial of Erenumab for Episodic Migraine, N Engl J Med 2017; 377:2123-2132.

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