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Schielen: Ursachen und Behandlung

Wie entsteht Schielen? Wächst sich das bei Kindern von allein aus? Was kann man dagegen tun? Im folgenden Beitrag beantworten wir die Fragen dazu.

Definition

Was genau bedeutet eigentlich Schielen?

Unter Schielen versteht man die Fehlstellung eines Auges. Das betroffene Auge zeigt nicht in die Richtung, in die es zeigen soll. Und diese Erkrankung ist gar nicht so selten. 5 bis 7% der Bevölkerung sind davon betroffen.

Meist geht die Störung von den Augenmuskeln aus, die auf der Seite des schielenden Auges nicht kräftig genug in die jeweilige Richtung ziehen können.

Je nach Richtung der Abweichung werden verschiedene Schielformen benannt:

  • Einwärtsschielen: Abweichung des Auges nach innen, häufigste Form
  • Auswärtsschielen: Abweichung des Auges nach außen
  • Höhenschielen: Das schielende Auge steht höher oder tiefer als das fixierte Auge. Häufig kombiniert mit Einwärts- oder Auswärtsschielen.

Früh- und Warnzeichen des Schielens können sein:

  • Zukneifen eines Auges
  • Schiefhalten des Kopfes
  • Kind gibt an, Doppelbilder zu sehen

Schielen ist nur ein harmloser Schönheitsfehler – oder etwa nicht?

Nein, Schielen sollte nicht nur zwecks der Eitelkeit beseitigt werden, sondern auch der Gesundheit wegen. Denn bei zu langer Nicht-Behandlung kann es sonst zu anhaltenden Sehstörungen führen. Ein zu spät oder gar nicht erkanntes Schielen im Kindesalter hat häufig weitreichende Folgen.

Ursachen

Wodurch wird Schielen verursacht?

Es gibt verschiedene Ursachen für das Schielen. In den meisten Fällen von frühkindlichem Schielen ist die Ursache unbekannt und die Augen selbst sind nicht krankhaft verändert.

Häufig begleitet das Schielen einen anderen, eventuell nicht korrigierten Sehfehler (z.B. Weitsichtigkeit). Dann spricht man vom Begleitschielen, das vor allem dann auftritt, wenn ein Auge einen stärkeren Sehfehler hat als das andere. Das Kind benützt das bessere Auge zum Sehen. Der Versuch, die Sehschwäche des einen mit dem (besseren) anderen Auge auszugleichen, führt zu einer Störung des Gleichgewichts der Augenmuskeln. Dadurch kann es zu einer Abweichung von der Normal- zur Schielstellung kommen.

Eine andere Form ist das Lähmungsschielen, bei dem es aufgrund von Lähmungen der Augenmuskeln zur eingeschränkten Augenbeweglichkeit auf einer oder beiden Seiten kommt. Das ist aber vergleichsweise selten.

Wird Schielen vererbt?

Auch die erbliche Veranlagung kann eine Rolle spielen. Kinder von Eltern, die selber ein Problem mit Schielen hatten oder haben, haben ein erhöhtes Risiko für diese Sehstörung.

Frühgeborene und Kinder mit Entwicklungsrückstand sollten vor dem 2. Lebensjahr augenärztlich untersucht werden, da sie häufig zum Schielen neigen.

Untersuchung

Was untersucht der Augenarzt beim schielenden Kind?

Nicht immer ist das Schielen so ausgeprägt, dass die Diagnose eindeutig gestellt werden kann. Besteht aber der Verdacht auf die Sehstörung, führt der Arzt einige Tests durch, um der Sache näher auf den Grund zu gehen.

Hierzu zählen:

  • Hornhautreflex-Test: Das Kind schaut in eine Lampe, die der Arzt hält. Ein Anhalt für Schielen liegt vor, wenn der Lichtreflex z.B. auf dem einen Auge mittig liegt, auf dem anderen aber weiter seitlich.
  • Abdecktest: Der Arzt hält abwechselnd erst das eine, dann das andere Auge zu und beobachtet, ob sich die Blickrichtung der Augen verändert.

Behandlung

Wie wird Schielen behandelt?

Ist die Fehlstellung der Augen erstmal diagnostiziert, stellt sich die Frage, wie man diese nun behandelt. Die Therapie besteht aus folgenden Grundpfeilern:

Das Schielen beim Kind lässt sich meist auch ohne einen operativen Eingriff gut beseitigen. Die erste Maßnahme ist in der Regel eine Abklebetherapie, bei Sehschwäche auch die Verordnung einer Brille.

Brille unterstützt Sehkraft

Da Schielen häufig von einer Fehlsichtigkeit wie Kurz- oder Weitsichtigkeit begleitet wird, ist der erste Schritt eine Brillenversorgung. Manchmal lässt sich dadurch sogar die Augenfehlstellung korrigieren.

"Piraten-Behandlung" ist erste Wahl

Das Prinzip des Abklebens beruht darauf, das bessere Auge mit einem Pflaster vom Sehen auszuschließen, so dass das sehschwache Auge dafür herangezogen wird und ebenfalls eine gute Seh- und Lesefähigkeit entwickelt.

Der Erfolg dieser "Piraten-Behandlung" hängt maßgeblich vom Engagement der Eltern ab. Wird ein schielendes Kind rechtzeitig behandelt, hat es die Chance, auf beiden Augen zu einem guten Sehvermögen zu gelangen. Deshalb ist auch ein früher Besuch beim Arzt so wichtig. Auch wenn das Schielen Ihres Kindes nur wenig auffällig ist, sollten Sie in jedem Fall mit ihm zum Augenarzt, damit eine fachärztliche Abklärung erfolgt und keine relevanten Maßnahmen versäumt werden.

Wie lange wird das Auge zugeklebt?

Üblicherweise wird das gute Auge Stunden bis mehrere Tage lang bedeckt. Als Faustregel gilt, das Alter des Kindes in Jahren entspricht der Anzahl der Tage, die man das Auge verkleben kann. Danach ist aber eine Pause von etwa einem Tag ohne jegliches Pflaster angesagt. Sonst riskiert man, dass das gesunde Auge zu sehr geschwächt wird. 

OP muss nicht immer sein

Bei bestimmten Schielformen kann im Anschluss an eine solche Vorbehandlung eine Operation zur Geradestellung der Augen sinnvoll sein. Etwa bei der Hälfte der schielenden Kinder wird eine OP empfohlen. Oft wird der kleine Eingriff im Vorschulalter durchgeführt.

Es handelt sich um einen ungefährlichen Eingriff in Vollnarkose, bei dem die Augenmuskelstellung korrigiert wird. Komplikationen sind hierbei selten. Auch für das Sehvermögen ist der Eingriff sehr risikoarm.

In welchem Alter sollte man das Schielen behandeln?

So früh wie möglich. Denn Schielen ist kein Schönheitsfehler, jedenfalls nicht nur. Wenn man mit der Korrektur zu lange wartet, besteht die Gefahr einer bleibenden Sehschwäche.

Zur Erklärung: Bei einem Kind, das schielt, wird der Sehbeitrag des schielenden Auges im Gehirn unterdrückt. Das geschieht automatisch, um einen eindeutigen Informationsgehalt der virsuellen Eindrücke zu wahren, der ja durch das schielende Auge gefährdet ist. Da sich auf diese Weise aber die Informationsverarbeitung im Gehirn nicht richtig entwickeln kann, wird das schielende Auge lebenslang schwachsichtig. Um das zu verhindern, ist eine frühzeitige Behandlung des kindlichen Schielens notwendig,

Im Zusammenhang mit dem Schielen gelten die ersten sechs Lebensjahre als sensitive Phase, in der die Verarbeitung der beidäugigen Impressionen im Gehirn noch nicht ausgereift ist. Je früher Sie Ihr schielendes Kind behandeln lassen, desto besser – möglichst schon im 1. Lebensjahr.

Quellen:

  • Grehn F, Augenheilkunde. Springer Verlag. (2006)
  • Bundesverband für ambulantes operieren e.V. Augenmuskel-Operation (Schieloperation). www.operieren.de (aufgerufen am 21.12.2020)

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