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Schiefhals und KISS-Syndrom: Ursachen und Behandlung

Und ist das KISS-Syndrom? Was ist ein Schiefhals und wie erkennt man ihn? Und wie wird er behandelt? Im folgenden Beitrag beantworten wir die Fragen dazu.

Grundlagen

Was ist ein Schiefhals?

Beim Schiefhals (Tortikollis) handelt es sich um eine Symptombeschreibung, nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild. Viele verschiedene Gründe können den schiefen Hals in unterschiedlichen Lebensaltern bedingen.

Bei Neugeborenen ist der gar nicht so seltene angeborene Schiefhals die häufigste Ursache. Er tritt meistens in den ersten 6-8 Lebenswochen auf und wird auf eine einseitige Verkürzung (Kontraktur) des seitlichen Halsmuskels zurückgeführt. In der Fachsprache heißt das Torticollis muscularis congenitus. Dabei ist der Kopf zur betroffenen (oft rechten) Seite hin gekippt, während das Baby ihn bevorzugt auf die gesunde Seite dreht. Auffällig oft besteht auch eine Fehlstellung der Hüfte.

Was ist das KISS-Syndrom?

Beim KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung) handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern um eine Steuerungsstörung. Durch Fehlstellung der noch zarten Kopfgelenke kommt es zu Zwangshaltungen.

Folgende Merkmale stehen im Vordergrund:

  • Schiefhals
  • Durchbiegung der Wirbelsäule
  • Gesichtsasymmetrie
  • asymmetrische Benutzung der Extremitäten (Arme und Beine)

Der Schiefhals ist manchmal nicht äußerlich, sondern erst durch die genauere Untersuchung erkennbar. Das Phänomen ist mit einer Häufigkeit von etwa 8% nicht selten und scheint, ebenso wie der angeborene Schiefhals, durch Druck auf den Kopf des Babys beim Geburtsprozess zu entstehen.

Zu den postulierten Ursachen zählen:

  • lange und erschwerte Geburten, Saugglocken- oder Zangenbenutzung
  • Kaiserschnitt (notfallmäßig und geplant)
  • enge Lage im Mutterleib
  • Steißlage, Beckenendlage
  • Mehrlingsgeburten
  • Übertragungen
  • Kristellerscher Handgriff (eine selten durchgeführte Maßnahme der Geburtshelfer, wenn das Kind nur schwer durch den Geburtskanal kommt)
  • sehr schnelle Geburt
  • Geburtsgewicht über 4.000 g
  • familiäre Veranlagung

Experten schätzen, dass jeder 10. Betroffene einer Therapie bedarf, wozu es aber nur in einem Zehntel der Fälle kommt.

Ursachen

Wie entsteht der Schiefhals?

Die Ursache ist letztlich unbekannt, ungünstige äußere Faktoren wie Enge und Schieflage in der Gebärmutter sowie Verletzungen des Muskels bei langer bzw. schwerer Geburt (auch bei Kaiserschnitt) werden vermutet. Ein weiteres Erklärungsmodell sieht Funktionsstörungen der Kopfgelenke (KISS-Syndrom) als häufigste Ursache des Schiefhalses.

Wie kommt es bei älteren Kindern zu einem Schiefhals?

Neben dem angeborenen, muskulären Schiefhals kann dieser Zustand auch später erworben werben, am häufigsten durch Muskelverspannungen. Dann kann das Kind beispielsweise nach dem Erwachen morgens den Hals plötzlich nur noch unter Schmerzen bewegen.

Mögliche andere Erkrankungen, die zu einer Fehlhaltung des Kopfes führen, sind:

  • Fehlhaltung ohne körperliche Ursache
  • akuter Schiefhals (z.B. aufgrund von Muskelverspannung und Blockaden)
  • knöcherne Fehlbildungen (z.B. Klippel-Feil-Syndrom: Verschmelzung von Halswirbelkörpern)
  • Entzündungsprozesse im Bereich von Rachen, Ohr oder Hals
  • okulärer Schiefhals: Auch eine Augenmuskellähmung kann die Ursache sein. Denn sie veranlasst das Kind zur Kopfschiefhaltung, um Doppelbilder zu vermeiden.
  • Torticollis spasmodicus: Spasmen der Halsmuskeln führen zu einer Schiefhaltung.
  • Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr
  • Fehlstellung der Wirbelgelenke (z.B. nach Unfall)

Diagnose

Wie wird ein angeborener Schiefhals diagnostiziert?

Die diagnostische Abklärung eines angeborenen Schiefhalses fußt auf folgenden Maßnahmen:

  • ärztliche Untersuchung: typische Fehl-Stellung des Kopfes mit eingeschränkter Beweglichkeit der Halswirbelsäule, meist keine vollständige passive Korrektur möglich, ggf. KISS-Syndrom;
  • Diagnosegespräch mit den Eltern;
  • in ca. 15% der Fälle einseitige Schwellung im unteren Teil des seitlichen Halsmuskels ab ca. 2. Lebenswoche;
  • tastbare Verhärtung und messbare Verkürzung des betreffenden Muskels
  • Röntgen: Ausschluss anderer (erworbener) Schiefhalsursachen
  • Berücksichtigung der Ergebnisse der Hörtests

Symptome

Mein Baby dreht den Kopf immer wieder zur gleichen Seite: Was kann das sein?

Wenn Ihr Baby den Kopf beim Schlafen immer zur selben Seite dreht und auch im Wachzustand eine Seite bevorzugt, kann das zwar auch völlig harmlos sein. Es könnte aber auch ein sogenannter Schiefhals vorliegen.

Stellen Sie Ihr Baby dem Kinderarzt vor, um den Verdacht abklären zu lassen und eventuell erforderliche Maßnahmen zu besprechen. Denn bei einer dauerhaften Fehlhaltung kann es zu erheblichen Folgeschäden kommen.

Der Arzt sollte mit diesem Phänomen (und dem möglicherweise zugrundeliegenden KISS-Syndrom) vertraut sein, um nicht vorschnell ohne gezielte Untersuchung zum Abwarten zu raten, „weil sich das von selbst auswächst“.

Prognose

Was passiert, wenn der Schiefhals nicht therapiert wird?

Durch die Fehlhaltung kann es, wenn er nicht korrigiert wird, zu dauerhaften Schäden an der Halswirbelsäule und an den Gesichtsknochen kommen, bis hin zum Gelenkverschleiß (Arthrose) an den Wirbelgelenken und Gesichtsasymmetrien. Darum ist es wichtig, mit der Behandlung früh zu beginnen. Denn dann ist die Ausschicht auf eine Besserung am besten.

Behandlung

Wie wird ein angeborener Schiefhals behandelt?

In den meisten Fällen genügen beim angeborenen Schiefhals krankengymnastische Maßnahmen. Eine Operation ist nur sehr selten notwendig. Wichtig ist es, früh mit der Behandlung zu beginnen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • physikalische Therapie und Krankengymnastik über mind. 3-6 Monate
  • Muskeldehnübungen auch durch die Eltern
  • eine Halskrause kann die Kopfhaltung unterstützen

Positionieren Sie Ihren Säugling mit Schiefhals grundsätzlich in Rücken- oder Seitenlage, aber nicht auf dem Bauch. Legen Sie ihn bewusst auf die nicht betroffene Seite und bieten Sie ihm aus dieser Richtung interessante, akustische oder visuelle Reize an. Die Seite der Fehlhaltung sollte dagegen möglichst uninteressant für Ihr Baby sein (z.B. weiße Wand).

Eine frühzeitige krankengymnastische Behandlung mit Dehnen, speziellen Lagerungen und Übungen wird dringend empfohlen. Besteht ein sogenanntes KISS-Syndrom, kommt auch eine manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule in Frage. In über 80% der Fälle kommt es zur Rückbildung der Fehlhaltung.

Wann muss operiert werden?

Nur in seltenen Fällen, wenn die krankengymnastischen Maßnahmen nicht ausreichen oder die Schiefhaltung zunimmt, ist ein operatives Vorgehen nach dem 1. Lebensjahr erforderlich. Dazu wird der Ansatz des verkürzten seitlichen Halsmuskels am Brustbein gelöst.

In Spätfällen erfolgt die Sehnen-Durchtrennung an beiden Muskelenden (biterminale Tenotomie bzw. Myotomie). Anschließend wird der Kopf in die richtige Stellung gebracht und mittels Korrekturschiene, Halskrause oder Diadem-Gipsverband über mehrere Wochen fixiert.

Komplikation: Nervenverletzung

Dringend aufpassen muss der Chirurg dabei, dass es durch die Operation nicht zu Nervenschädigungen kommt. Besonders gefährdet ist der Gesichtsnerv (Nervus facialis), ferner auch der Plexus brachialis bei Überkorrektur.

Auch nach diesem Eingriff, der üblicherweise zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr erfolgt, sind Dehnbehandlungen und wiederholte Kontrollen erforderlich, um auszuschließen, dass es zu einer erneuten Fehlstellung kommt.

Quellen:

  • Krämer K-L. Muskulärer Schiefhals. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO) (2003). www.AWMF.de.

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