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Cluster-Kopfschmerzen

Was sind Cluster-Kopfschmerzen? Gibt es bestimmte Auslöser, die ich vermeiden sollte? Welche Medikamente kann ich einnehmen? Im folgenden Beitrag finden Sie Fragen und Antworten zum Cluster-Kopfschmerz.

Was versteht man unter Cluster-Kopfschmerzen?

Heftige Schmerzattacken

Cluster-Kopfschmerzen sind eine besondere, eher seltene Kopfschmerzform, die von der Migräne und Spannungskopfschmerzen zu unterscheiden ist. Charakteristisch ist ein plötzlich einsetzender, zum Teil sehr heftiger Kopfschmerz, der immer nur eine Kopfseite und hier meist die Schläfenregion und den Bereich rund um das Auge betrifft. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Der Name "Cluster" (englisch = Bündel) wurde vergeben, weil diese Schmerzen "gebündelt" (wie eine Kopfschmerzattacke) über einen abgegrenzten Zeitraum auftreten.

Welche Ursache haben Cluster-Kopfschmerzen?

Das ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt eine ganze Reihe an Hypothesen, aber keine davon ist bewiesen.

Die meisten Experten vermuten als Ursache eine Störung des Hirnstoffwechsels, in deren Folge es dann zu entzündlichen Veränderungen in den Blutgefäßen kommt.  Warum diese Störungen dann aber mal zu Kopfschmerzattacken führen und mal nicht, ist leider weitgehend unklar.

Durch welche Einflussfaktoren kann eine Cluster-Kopfschmerzattacke ausgelöst werden?

Für den Cluster-Kopfschmerz wurden in Untersuchungen und Umfragen sogenannte Triggerfaktoren ermittelt. Dies sind Einflussfaktoren, die bei den Betreffenden eine Attacke auslösen können. Diese sind individuell zwar sehr unterschiedlich, es gibt aber eindeutige Häufungen von bestimmten Faktoren.

Spitzenreiter Alkohol

Der häufigste auslösende Faktor ist Alkoholgenuss. Jeder zweite Patient mit Cluster-Kopfschmerzen reagiert empfindlich auf Alkohol.

Weitere Faktoren, geordnet nach Häufigkeit (nach Untersuchungen der CSG, Cluster-Kopfschmerz-Selbsthilfegruppe):

  • Alkohol (50%)
  • Flackerlicht (33%)
  • grelles Licht (24%)
  • Lebensmittelzusatzstoffe (22%)
  • bestimmte Gerüche (individuell unterschiedlich, welche das sind) (20%)
  • bestimmte Käsesorten (individuell unterschiedlich, welche das sind) (17%)
  • laute Geräusche, Lärm, laute Musik (16%)
  • Tomaten und Nahrungsmittel, die Tomaten enthalten (13%)
  • Zitrusfrüchte (5%)

Wie häufig treten die Attacken bei Cluster-Kopfschmerzen in der Regel auf?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Bei vielen Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen treten die Anfälle nur alle paar Tage auf, aber es gibt auch Fälle mit fünf bis acht Attacken täglich. Allerdings gibt es auch fast immer ganze Perioden ohne Kopfschmerzattacken, also "Cluster-freie" Phasen.

Typischerweise nachts

Die Attacken können zwar prinzipiell jederzeit auftreten, am häufigsten kommen die Anfälle aber nachts vor. Manchmal dauern die Anfälle nur eine viertel Stunde. Die Attacken können aber auch bis zu drei Stunden anhalten. In jedem Fall ist der Zeitraum meist abgegrenzt, Dauerschmerzen sprechen eindeutig gegen einen Cluster-Kopfschmerz.

Mit welche Begleitsymptomen gegen Cluster-Kopfschmerzen einher?

Es gibt bei Cluster-Kopfschmerzen eine ganze Reihe an typischen Begleitsymptomen, die einzeln oder kombiniert auftreten können (bei Einigen aber auch ganz ausbleiben).

Dazu gehören:

  • Rötung der Augen
  • Augentränen
  • verengte Pupillen
  • hängendes Augenlid
  • Rötung des Gesichts
  • starkes Schwitzen im Gesicht
  • verstopfte Nase
  • z.T. aber auch Naselaufen

Wie werden Cluster-Kopfschmerzen behandelt?

Akut: Sauerstoff

Bei einem akuten Anfall von Cluster-Kopfschmerzen sind die herkömmlichen Kopfschmerztabletten wirkungslos. Hilfreich für eine schnelle Schmerzlinderung ist dagegen eine Sauerstoffbeatmung über eine sogenannte Hochkonzentrationsmaske.

Das hört sich zwar etwas abenteuerlich an, wirkt aber gut (Schmerzlinderung meist innerhalb von 15 Minuten) und ist nebenwirkungsfrei. Allerdings muss es tatsächlich diese spezielle Maske sein, da der Sauerstoff nur hilft, wenn er hochkonzentriert und ohne Schlupfwinkel eingeatmet wird.

Als Medikamente kommen Triptane (Sumatriptan als Spritze oder Nasenspray, Zolmitriptan als Tablette oder Nasenspray) in Betracht. Auch ein Lidocain-Nasenspray kann die Attacken manchmal beenden.

Vorbeugung: Auslöser vermeiden, ggf. Medikamente

Ähnlich wie bei der Migräne ist das beste freilich, es kommt gar nicht erst zu den Kopfschmerz-Attacken. Hierfür ist es wichtig, die Auslöser zu identifizieren (Alkohol?, grelles Licht?) und konsequent auszuschalten. Als vorbeugende Medikamente werden vom Arzt manchmal die Wirkstoffe Verapamil, Methysergid, Prednisolon oder Lithiumcarbonat verschrieben.

Wie wirkt Verapamil gegen Cluster-Kopfschmerzen?

Das Medikament Verapamil wird vor allem im Zusammenhang mit Herzerkrankungen verschrieben. Er ist aber auch für die Behandlung und Vorbeugung von Clusterkopfschmerzen geeignet. Allerdings muss man 1-3 Wochen Geduld haben, bis Verapamil seine Wirkung entfaltet.

Der Wirkmechanismus von Verapamil beruht auf einer Beeinflussung der sogenannten Kalziumkanäle, die sowohl bei der Herzerregung als auch bei der Regulierung der Blutgefäße eine Rolle spielen. Vorteilhaft ist vor allem die gute Verträglichkeit, auch in der Dauertherapie. Hinzu kommt die Möglichkeit zur Kombination mit einer Akuttherapie wie Sauerstoff oder Sumatriptan.

Dosierung nicht zu niedrig

Schmerztherapeuten haben Verapamil schon lange im „off-label“-Gebrauch für diese sehr unangenehmen und leidvollen Kopfschmerzen eingesetzt. Mittlerweile liegt auch eine offizielle Zulassung vor, allerdings nach Expertenansicht in einem zu niedrigen Dosisbereich. Denn für eine erfolgreiche Therapie bzw. Unterdrückung von Clusterkopfschmerz-Attacken sind mitunter Dosierungen bis  480 mg/Tag und darüber hinaus erforderlich. In diesem Fall wird eine regelmäßige EKG-Überwachung empfohlen, um unerwünschte Herz-Kreislauf-Reaktionen unter Kontrolle zu halten.

Es empfiehlt sich, die Therapieeinstellung in einem spezialisierten Zentrum vornehmen zu lassen, ggf. unter stationären Bedingungen, also mit Übernachtung.

Was ist eine ONS (okzipitale Nervenstimulation)?

Wer unter sogenannten Cluster-Kopfschmerzen oder Migräne leidet, den drangsalieren manchmal mehrmals täglich schwerste Schmerzattacken. Bei manchen dieser Patienten helfen noch nicht einmal Medikamente. Jetzt haben Ärzte eine Methode entwickelt, die Linderung verspricht: die okzipitale Nervenstimulation (ONS), die elektrische Reize verwendet.

Dazu werden im Nackenbereich zwei Elektroden eingepflanzt. Treten die Kopfschmerzen auf, gibt ein ebenfalls implantierter Generator – der sitzt im Fettgewebe oberhalb des Schlüsselbeines, unterhalb der Rippen oder in der Gefäßregion – Stromimpulse ab. Diese elektrischen Reize wirken auf den Hinterhauptsehnerv (Okzipitalnerv). Bei 72% der behandelten Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen führte das zu einer Verminderung der Schmerzhäufigkeit und Schmerzintensität um mehr als 50%. Und 40% der Patienten mit Migräne spürten beim Einsatz der Methode eine deutliche Besserung. Allerdings: Die Erfahrungen zeigen, dass es zwischen vier und sechs Wochen dauern kann, bis der Therapieeffekt einsetzt.

Wie genau die ONS wirkt, können die Ärzte noch nicht erklären. Sie vermuten, dass die elektrischen Impulse die Schmerzweiterleitung im Hirn unterbinden. Mittlerweile wird die Methode auch für andere neurologische Krankheitsbilder – beispielsweise bei Epilepsie – getestet.

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Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. Online unter http://dgschmerzmedizin.de/praxisleitlinien/kopfschmerz.html (Zugriff am 20.05.2019).
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. S1-Leitlinie: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. Stand 14.05.2015. URL: https://www.awmf.org (Zugriff am 20.05.2019).
  • Current Opinion in Neurology: June 2012, Volume 25, Issue 3.

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