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Verkürztes Zungenbändchen: mögliche Folgen und Behandlung

Was bedeutet die Diagnose verkürztes Zungenbändchen bei meinem Baby? Muss das behandelt werden? Was passiert, wenn man nichts macht? Im folgenden Beitrag beantworten wir die Fragen dazu.

Grundlagen

Was sind Lippenbändchen und Zungenbändchen?

Zunächst zum Lippenbändchen: Der Mensch ist mit einem oberen und einem unteren Lippenbändchen ausgestattet, die jeweils von der Mitte der Lippe zur Mitte der Zahnreihe (Zahnfortsatz) verlaufen. Man kann dieses mit Mundschleimhaut überzogene Band bei sich selbst meist gut erkennen, wenn man vor dem Spiegel die Unterlippe etwas herunterzieht, so dass man den Spalt zwischen Lippe und Zahnreihe sieht.

Von einem „hoch“ ansetzenden Lippenbändchen spricht man, wenn das Lippenbändchen auf der Höhe der Zähne in den Zahnfortsatz einstrahlt. Das kann dazu führen, dass sich eine Lücke zwischen den beiden Schneidezähnen bildet, das sogenannte Diastema. In solchen Fällen kann das Lippenbändchen chirurgisch versetzt werden, damit sich die Zahnlücke schließen kann.

Was ist das Zungenbändchen?

Das Zungenbändchen (Frenulum linguale) ist eine mit Schleimhaut überzogene muskuläre Falte, die an der Unterseite der Zunge nach hinten zum Mundboden verläuft und beide miteinander verbindet. Bei normaler Länge reicht es nach vorne bis zur Zungenspitze. Auch dieses Zungenbändchen kann man bei sich selbst unter der Zunge erkennen.

Dem üblichen biologischen Variantenreichtum ist es geschuldet, dass das Zungenbändchen außer normal auch hoch oder tief ansetzen sowie besonders lang, kurz oder in seltenen Fällen auch zu kurz sein kann.

Symptome

Woran erkenne ich ein zu kurzes Zungenbändchen bei meinem Baby?

Etwa 5% aller Säuglinge haben ein zu kurzes Zungenbändchen. Erkennbar ist die (starke) Verkürzung daran, dass die Zunge vorne eingekerbt bzw. herzförmig in der Mitte eingezogen erscheint. Das erkennt man insbesondere dann, wenn sie herausgestreckt wird.

Dadurch kann es mitunter zu Still- bzw. Saugstörungen sowie späteren Sprachproblemen kommen. Deshalb ist eine rasche Korrektur sinnvoll.

Was ist eine Ankyloglossie?

Als Ankyloglossie wird die Verwachsung der Zunge mit dem Mundhöhlenboden bezeichnet. Dabei ist das zumeist verkürzte Zungenbändchen weit zur Zungenspitze hin fixiert. Die Ankyloglossie ist in den meisten Fällen angeboren. In seltenen Fällen kann sie auch später als Folge von Vernarbungsprozessen nach einer Verletzung auftreten. Der Fachliteratur zufolge sind 1-5 % aller Neugeborenen davon betroffen.

Ob es dadurch tatsächlich zu auffälligen Anzeichen und Problemen kommt, hängt vom Grad der Verwachsung ab. In leichten Fällen findet sich zwischen Zunge und Mundboden lediglich eine dünne Schleimhautmembran, im ausgeprägten Zustand heften sich beide flächig aneinander an. Das kann, neben der verkürzten und verdickten Erscheinung des Zungenbändchens durch eine eingedellte, stumpfe, zweigeteilte (herzförmige) Zungenspitze bemerkbar machen. Schädliche Folgen können in Einzelfällen Stillpobleme und Sprechstörungen sein.

Mögliche Folgen und Behandlung

Verkürztes Zungenbändchen oder Lippenbändchen: Was bedeutet das fürs Stillen und die Sprachentwicklung?

Ein verkürztes Zungenbändchen kann mitunter zu Stillschwierigkeiten führen. Das muss nicht sein, kann aber. Denn für das Saugen an der mütterlichen Brust ist die Zungenbeweglichkeit bei Ihrem Säugling von großer Bedeutung. Seine Zunge umfasst die Brustwarze samt Warzenhof und drückt dabei durch eine wellenförmige Bewegung die Milch aus Ihrer Brust. Voraussetzung dafür ist, dass die kindliche Zunge ausreichend weit nach vorne kommen und über die untere Zahnleiste oder die Unterlippe hinaus ausgestreckt werden kann.

Folgende Stillprobleme können die Folge eines verkürzten Zungenbändchens sein:

  • Das Anlegen gestaltet sich schwierig, da die Brust nur schwer vom Säugling erfasst werden kann.
  • Der Säugling lässt die Brust immer wieder los.
  • Das Stillen verursacht Schmerzen und Anspannung bei der Mutter.
  • Die Brustwarzen werden wund und heilen nicht.
  • Durch geringe Entleerung der Brust kommt es häufiger zu Milchstaus und Brustentzündungen.
  • Die mangelhafte Milchaufnahme lässt das Kind schlecht gedeihen.
  • Unzufriedenheit und Unruhe beim Kind tragen auch zur Verunsicherung der Mutter bei.

Mit einer Ultraschallanalyse der Zungenbewegungen lassen sich bereits bei jungen Säuglingen Hinweise dafür ermitteln, ob ein operatives Lösen der verkürzten Bändchen anzuraten ist. Schon allein aufgrund der großen Bedeutung, die eine problemlose Stillsituation für die weitere Mutter-Kind-Beziehung hat, handelt es sich hierbei nicht um eine medizinische Bagatelle. Mit dem Ultraschall kann auch später noch das Zungenbewegungsmuster beim Saugen, Trinken, Schlucken und Sprechen völlig gefahrlos untersucht werden. Wird die Anomalie als Problemverursacher erkannt, sollte die operative Korrektur normalerweise so schnell wie möglich erfolgen.

Sprachstörungen nur in Ausnahmefällen

Nur in Ausnahmefällen kann es bei verkürztem Zungenbändchen oder Lippenbändchen auch zu weitergehenden Störungen kommen. Das kann am ehesten passieren, wenn die Verkürzung sehr ausgeprägt ist und eine empfohlene operative Korrektur nicht vorgenommen wurde.

Folgende Probleme sind dann möglich:

  • Probleme mit der Einführung von fester Kost, da der Speisebrei aufgrund der eingeschränkten Zungenbeweglichkeit nicht so gut im Mund hin und her bewegt werden kann;
  • Schmatzen, ungünstige Zungenbewegungen beim Essen und Sprechen;
  • Artikulationsstörungen durch Behinderung der Bildung von Lauten, die mit Hilfe der Zungenspitze entstehen (z.B. d, t, n, l, s, ks, ts, Zungenspitzen-r, englisches th);
  • offener Biss durch Hinderung der Schneidezähne, in voller Länge aus dem Kiefer zu wachsen;
  • Veränderungen des Zahnbogens, Zahnfehlstellungen (v.a. der Schneidezähne), Schwierigkeiten beim Anpassen von Zahnprothesen oder kieferorthopädischen Apparaten;

Aber solche gravierenderen Störungen sind wie gesagt Einzelfälle. Die Mehrheit der relativ häufigen angeborenen Bandverkürzungen (bei ca. 5% aller Säuglinge) wirkt sich zum Glück nicht schädlich aus.

Verkürztes Zungenbändchen: Lieber Logopädie oder Operation?

Ob ein verkürztes Zungenbändchen operativ durchtrennt werden sollte, ist in der medizinischen Fachwelt umstritten. Ausreichende wissenschaftliche Beweise fehlen bislang, weder pro Operation noch dagegen. Tatsache ist, dass diese recht häufige Anomalie meist harmlos ist, in Einzelfällen aber auch – zumindest unbehandelt – spätere Sprachstörungen verursachen kann.

Letztlich hängt die Entscheidung also vor allem davon ab, wie ausgeprägt der Befund ist. Lassen Sie sich hierzu gründlich von Ihrem betreuenden Arzt beraten. Wenn operiert werden soll, ist es ratsam, damit nicht allzu lange zu warten. Der Eingriff ist auch im jungen Säuglingsalter durchführbar.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die OP?

Ein kleiner Eingriff beseitigt das Problem. Die operative Durchtrennung erfolgt am besten in den ersten Tagen nach der Geburt noch im Krankenhaus. Dabei wird das in diesem Alter hauchdünne Bändchen mit einem kleinen Schnitt durchtrennt, der weder eine nennenswerte Blutung noch andere relevante Probleme verursachen sollte. Eine Narkose ist dazu auch nicht erforderlich, ein lokales Betäubungsspray reicht aus.

Auch im Alter von 3 Monaten ist der Eingriff auf diese Weise noch gut machbar, mit zunehmendem Alter wird das Zungenbändchen aber dicker und die Anforderungen hinsichtlich des chirurgischen Vorgehens steigen (wenngleich immer noch recht überschaubar). Nicht wenige Eltern sind allerdings irritiert von der Erfahrung, von verschiedenen Ärzten ganz unterschiedliche Empfehlungen zu bekommen, die von „nichts machen“ bis „OP unter Vollnarkose“ reichen.

Gibt es verschiedene OP-Varianten?

Ja, bei dem operativen Vorgehen gibt es zwei Varianten. Zum einen die einfache Durchtrennung des Bändchens. Weil das Zungenbändchen medizinisch Frenulum linguae heißt, nennt man diesen Eingriff Frenotomie oder Frenulotomie. Es handelt sich dabei um eine kleinen Eingriff, der in örtlicher Betäubung vorgenommen werden kann.

Etwas aufwändiger ist die sogenannte Frenuloplastik, die heute von den Ärzten oft bevorzugt wird, um den Spielraum für die Zungenbeweglichkeit zu erhöhen. Spezialisten für diesen Eingriff sind Fachärzte für Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie oder auch für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Was man auch noch wissen sollte: Wenn diese anatomische Anomalie zu spät erkannt bzw. behandelt wird und sich bereits Sprachstörungen entwickelt haben (was allerdings selten vorkommt), dann ist vor deren erfolgreicher logopädischer Behandlung eine vorherige operative Korrektur meist zwingend notwendig. Die Antwort auf die „oder“-Frage ist dann ein „sowohl als auch“.

Quellen:

  • Viergutz G, Hetzer G. Zahnärztlich-chirurgische Maßnahmen bei Kindern. Zahnmedizin up2date. Thieme Verlag. 2013; 5: 466-467. www.thieme.de.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).

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