Kann ich die Wechseljahresbeschwerden durch Ernährung vermeiden?

Zunächst einmal: Zu Beschwerden muss es in den Wechseljahren nicht automatisch kommen. Etwa ein Drittel aller befragten Frauen hierzulande gibt an, die Hormonumstellung unbeschwert zu erleben. Und andernorts, etwa in Südostasien, sind Symptome oder gar Leiden wegen der Wechseljahre nahezu unbekannt.

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Vorsicht vor Soja-Präparaten

Vieles spricht dafür, dass dies unter anderem an der überwiegend pflanzlichen Ernährung mit einem hohen Soja-Anteil liegt. Den in richtigen Sojasprossen (weniger in Mungbohnensprossen) reichlich enthaltenen Isoflavonen werden positive Wirkungen gegen Wechseljahresbeschwerden nachgesagt. Man bezeichnet sie deshalb auch als Phyto-Östrogene. Einen entscheidenden Effekt können sie aber nur ausüben, wenn sie als regelmäßiger Ernährungsbestandteil in ausreichender Menge zugeführt werden, und das ab der Pubertät.

Isoliert und in hoher Dosis wie in entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln kann der Schuss nicht nur vorbei (unbewiesene Wirksamkeit), sondern auch nach hinten losgehen (Gefahr der Schilddrüsenunterfunktion, vermutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko). Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb gegenwärtig von der Einnahme solcher Soja-haltigen Nahrungsergänzungsmittel ab.

Gesunde Ernährung beugt vor, reicht aber alleine nicht aus

Eine sojareiche Ernährung ist in gesundheitlicher Hinsicht sicher nicht falsch. Sie können sich aber auch über reichlich Getreide und Ballaststoffe aus Obst und Gemüse mit Phyto-Östrogenen versorgen. Achten Sie auf mehr Vollgetreide sowie Produkte daraus und greifen Sie auch öfters zu Hülsenfrüchten oder Leinsamen. Mit diesem Ernährungsansatz beugen Sie nicht nur Hitzewallungen und Schweißausbrüchen in den Wechseljahren ein Stück weit vor, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Allerdings ist die Ernährung nur einer von mehreren Gesundheitsfaktoren und das gilt auch für die Zeit vor, in und nach den Wechseljahren. Die Asiatinnen, bei denen in epidemiologischen Untersuchungen weniger hormonbedingte Leiden und Erkrankungen (u.a. Brustkrebs, Osteoporose) festgestellt wurden, ernähren sich nicht nur anders. Sie pflegen traditionell auch einen anderen Lebensstil und ein anderes Rollenverständnis. Ein isolierter Blick auf die Ernährung ist jedenfalls zu wenig.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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