Welchen Sinn haben die Wechseljahre eigentlich?

Die Wechseljahre leiden bei uns unter einem chronisch schlechten Image. Man verbindet sie instinktiv mit Altwerden und Niedergang. Aber das ist Unsinn. Medizinisch betrachtet handelt es sich einfach um das Ende der fortpflanzungsfähigen Lebensperiode. Dabei sind die Wechseljahre ein ganz natürlicher Vorgang, der nichts mit Krankheit zu tun hat, sondern durch eine Hormonumstellung verhindert, dass noch Babys entstehen.

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Aus Sicht der Natur ist das sinnvoll, denn ab einem gewissen Alter ist es für die Familie (oder die Sippe oder den Stamm) besser, man widmet sich den Kindern und Enkeln als dass man sich durch weitere Geburten in Lebensgefahr bringt. Das mag aus heutiger, moderner Sicht merkwürdig klingen, aber biologisch betrachtet ist das alles nur richtig so.

Manche Beschwerden nehmen ab statt zu

Im übrigen haben die Wechseljahre ja auch einige Vorteile: Für viele Frauen bedeutet das Ende der Periode auch das Ende monatlich wiederkehrender Schmerzen und Stimmungsschwankungen, die sie jahrzehntelang erdulden mussten. Auch das prämenstruelle Syndrom (PMS) oder die Endometriose sind dann häufig passé oder nicht mehr so relevant, ebenso wie das gutartige, aber dennoch beängstigende Wachstum von Knoten in der Gebärmutterschleimhaut (Myome).

Ob und wie stark es zu typischen Wechseljahresbeschwerden kommt, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab. Auf jeden Fall aber auch von Ihrer inneren Einstellung. Und die sollte sich von manchen Publikationen zum Thema oder auch Werbebotschaften ("Ogottogott, die Wechseljahre") nicht beeindrucken lassen.

Raum für neue Lebensschwerpunkte

Mit dem Ende der reproduktiven Phase verschieben sich körperlich, geistig und seelisch die Schwerpunkte. Das kann sehr befreiend und sinnstiftend sein, wenn Sie sich bewusst und mit Lebensfreude darauf einlassen. Das kann man bzw. frau auch als Vorteil gegenüber den anderen Säugetieren betrachten, bei denen – abgesehen von Grind- und Schwertwal – bislang keine Menopause beobachtet wurde.

Neben erfüllenden beruflichen und privaten Aktivitäten stehen dann nicht mehr die eigenen Kinder im Vordergrund, die es zu kriegen und großzuziehen gilt. Sondern irgendwann die in der Regel deutlich entspanntere, unterstützende Fürsorge für deren Kinder. Die Großmutter-Hypothese ist zwar nur einer von mehreren Erklärungsversuchen für das evolutionsbiologische Geheimnis der Wechseljahre. Aber einer, auf den wir uns als Gesellschaft vielleicht wieder mehr besinnen sollten.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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