Werden pflanzliche Arzneimittel genauso geprüft wie synthetische Medikamente?

In der Regel nicht. Traditionelle Pflanzenheilmittel fallen meist nicht unter die Zulassungspflicht und können von den Herstellern auch ohne wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis angeboten werden. Das ist aber auch gut begründet, denn pflanzliche Arzneimittel haben erstens meist deutlich weniger Nebenwirkungen als synthetische Medikamente (aber Vorsicht: Das gilt nicht für alle!). Außerdem werden sie gesetzlich nicht als neu entwickelte Wirkstoffe angesehen, die man zur Sicherheit intensiv überprüfen muss, sondern als jahrhundertelang bekannte Naturheilmittel der Volksmedizin.

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Offiziell gelten sie aus überlieferter Erfahrung als hilfreich in bestimmten Anwendungsgebieten. Statt einer definierten Angabe zum Einsatzgebiet steht bei ihnen in der Packungsbeilage ein Zusatz wie „Traditionell angewendet zur Stärkung von ...“ oder „Zur Vorbeugung gegen ...“ oder ähnlich.

Ausnahme: rationale Phytotherapeutika

Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel: Einige pflanzliche Arzneimittel werden als sogenannte rationale Phytotherapeutika eingestuft und müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, wie man das von den chemisch-synthetischen Medikamenten her kennt. Folglich liegen für diese Pflanzenheilmittel dann auch wissenschaftliche Daten zu ihrer Wirksamkeit und Anwendung vor. Meist sind die aber nicht so umfangreich wie das Datenmaterial der verschreibungspflichtigen Pharmazeutika, in deren Entwicklung (abe rauch Vermarktung) wesentlich mehr Geld gesteckt wird.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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