Welche Heilpflanzen helfen bei Wechseljahresbeschwerden?

Dass pflanzliche Wirkstoffe die Beschwerden während der Wechseljahre effektiv lindern können, ist weithin bekannt. Vor allem der Mönchspfeffer und die Traubensilberkerze haben es hier zu einiger Popularität gebracht und werden von vielen Ärzten als Alternative zu Hormontabletten empfohlen. Mittlerweile haben diese altbewährten Naturstoffe Gesellschaft bekommen.

In den letzten Jahren wurde eine ganze Reihe an Heilpflanzen "neu entdeckt", die ebenfalls einen sehr positiven Einfluss auf die Wechseljahre zu haben scheinen. Wirklich neu entdeckt wurden sie natürlich nicht, aber ihre gesundheitlichen Effekte sind erst jetzt durch aktuelle wissenschaftliche Studien bekannt geworden.

Empfiehlt meine Apotheke das richtige Mittel?

Man hat also mittlerweile eine richtig große Auswahl an angebotenen Naturstoffen, wenn es um die Wechseljahre geht, jede Apotheke und jeder Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt etwas anderes.

Um in diesem Dickicht den Überblick zu bewahren, möchten wir Ihnen einige Heilpflanzen und deren Wirkung vorstellen, von denen wir uns selbst haben überzeugen lassen. Auch wenn die Studienlage nach wie vor unbefriedigend ist und es noch viel zu erforschen gibt, haben sie in zahlreichen Untersuchungen bereits gut abgeschnitten und können somit durchaus eine mögliche Alternative oder Ergänzung zur Hormonersatztherapie sein. Gerade bei leichteren Beschwerden sind sie oft hilfreich.

Altes Wissen aus Klöstern: der Mönchspfeffer

Zunächst zu dem bekanntesten Vertreter unter den Heilpflanzen für Frauen: dem Mönchspfeffer. Seine fliederartigen Blüten sind von blauer, weißer oder violetter Farbe und verströmen von Juli bis August einen angenehmen Duft. Zu ihrem Namen kommt die Jahrtausende alte Heilpflanze durch ihre Verwendung in mittelalterlichen Klöstern, um den Mönchen und Nonnen das abstinente Leben zu erleichtern. Die Pflanze gilt nämlich als Lusttöter zur Bewahrung der Keuschheit.

Aber keine Sorge, gleichzeitig wird ihr eine genau entgegengesetzte Wirkung nachgesagt. So wurde sie gerade auch zur Steigerung von Libido und Fruchtbarkeit herangezogen. Wie das funktionieren kann? Das liegt an den komplexen Eingriffen ins hormonelle System. Der Mönchspfeffer beeinflusst den Prolaktinhaushalt. Prolaktin selbst ist vor allem für die Milchproduktion während der Stillzeit verantwortlich, interagiert aber auch mit zahlreichen weiteren Hormonen und Botenstoffen wie Östrogen und Dopamin.

Für die Wechseljahres- und andere Frauenbeschwerden ist letztlich die prolaktinsenkende Wirkung der Pflanze entscheidend. So hilft sie nachweislich bei Zyklusstörungen und Menstruationsbeschwerden, ebenso wie beim sogenannten prämenstruellen Syndrom (PMS), das mit Schmerzen und Krämpfen, Magen-Darm-Problemen und psychischen Symptomen einhergehen kann. In den Wechseljahren sorgt der Mönchspfeffer für einen Ausgleich von Östrogen- und Progesteronspiegel, die im Zuge der hormonellen Umstellung oft aus dem Gleichgewicht geraten. Dadurch bessern sich die typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.

Hopfen: nicht nur zum Bierbrauen geeignet

Vielleicht fragen Sie sich, wie Ihnen Hopfenblüten bei Ihren Beschwerden helfen sollen – wird der Hopfen doch gemeinhin eher mit dem schaumigen Kulturgetränk der Deutschen in Verbindung gebracht. Aber die Kletterpflanze, die sich so charakteristisch an ihren meterhohen Rankgestellen empor hangelt, hat nicht nur Biertrinkern etwas zu bieten. Die Blüten des Echten Hopfen (Humulus lupulus), die sich nach drei bis vier Wochen in die zapfenartigen sogenannten Dolden umwandeln, enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, die schon im frühen Mittelalter bekannt waren. Auch die Mystikerin und Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen wusste um die Wirkung der Staude.

Da ist etwa das antibakterielle Potential, das in den Bitterstoffen der Dolden steckt und beim Bierbrauen wichtig für die Konservierung ist. Die Bitterstoffe regen aber auch den Magen an und können bei Verdauungsbeschwerden helfen. Auch zum Einschlafen und als Beruhigungsmittel findet der Hopfen Verwendung und ist als solches in der Kombination mit Baldrian vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte anerkannt.

All das könnte Ihnen bereits Erleichterung verschaffen. Interessant bei Wechseljahresbeschwerden sind die Hopfenblüten aber vor allem wegen ihren östrogenen Wirkung. Sie ist auf einen bestimmten Inhaltsstoff der Dolden, das Hopein, zurückzuführen, das zu den sekundären Pflanzenstoffen zählt. Es wirkt als Agonist am Östrogenrezeptor. Das heißt, es besetzt die Bindungsstellen für Östrogene an den Zellen und verstärkt dort die Wirkung des Hormons. So kann der Östrogenmangel ein Stück weit ausgeglichen werden.

Traubensilberkerze: Eine Wurzel voller Wirkstoffe

Nun zu einem weiteren populären Vertreter: Die amerikanische bzw. schwarze oder auch wilde Schlangenwurzel gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist in Nordamerika beheimatet. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Traubensilberkerze, da sie gestielte, traubenähnliche Blüten ausbildet, die sich um einen 10-60 cm langen Blütenstand herum winden, der kerzenförmig in die Höhe ragt.

Die guten und therapeutisch relevanten Inhaltsstoffe verbergen sich jedoch in der unscheinbaren Wurzel der Pflanze. Sie enthält Triterpenglykoside, die ähnliche Wirkungen wie Östrogene entfalten. Auch sie wirken indirekt über die Hormonankerstellen (Rezeptoren) an den Zellen und beeinflussen darüber den Östrogenspiegel. Damit gehören sie zur Gruppe der sogenannten Selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM), die z.B. auch bei Brustkrebs und Osteoporose Anwendung finden.

Der Effekt tritt erst nach zwei bis vier Wochen ein und setzt eine regelmäßige Einnahme voraus. Dann kann der Extrakt aus der schwarzen Schlangenwurzel eine deutliche Linderung der Wechseljahresbeschwerden mit sich bringen.

Leinsamen: kleine Samen, große Wirkung

Leinsamen schmecken nicht nur gut in Brot oder Müsli und sorgen für eine reibungslose Verdauung und einen wohlgeformten Stuhl; auch in den Wechseljahren können sie betroffenen Frauen wertvolle Dienste leisten. Das liegt an bestimmten Pflanzenstoffen, den sogenannten Lignanen, die in den kleinen glänzenden Samen enthalten sind. Lignane stecken auch in Hülsenfrüchten, Getreide, Beeren und Obst. Für die Pflanzen dienen diese Verbindungen der Abwehr von Erregern und Schadstoffen. Für den Menschen sind sie deshalb von Bedeutung, weil sie wiederum u.a. östrogenartige Wirkungen haben. Damit zählen auch sie zu den Phytohormonen, die den Hormonhaushalt ausgleichen können.

Leinsamen und ihr wertvolles Öl sind aber nicht nur in den Wechseljahren eine gute Wahl. Die Saat des Flachses enthält große Mengen an ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die gut fürs Herz und die Gefäße sind und allgemein antientzündlich wirken. Und da mit Leinsamen einfach alles viel "runder läuft", sind sie aus ernährungsphysiologischer Sicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Aronia: eine Beere für eine starke Abwehr

Das gilt genauso für die nächste Pflanze, die wie Ihnen vorstellen möchten: die kleine, aber feine Aroniabeere, die an mittelgroßen Sträuchern heranwächst und mit ihrem angenehmen süß-säuerlichen Geschmack in der Küche vielfältig einsetzbar ist. Wer die dunkelrot-violetten Früchte regelmäßig zu sich nimmt, sorgt gleich mehrfach gut für sich und seinen Körper. Denn so klein sie auch sind, stecken die Beeren doch voller wertvoller Inhaltsstoffe. Da wären zum einen die vielen sekundären Pflanzenstoffe wie die Flavonoide. Sie schützen den Körper vor Sauerstoffradikalen, beugen damit Entzündungen und zahlreichen Folgeerkrankungen vor und stärken darüber hinaus das Abwehrsystem. Daneben finden aber auch noch allerlei lebensnotwendige Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente Platz in den kleinen runden Früchten.

Das alles macht die gesundheitsfördernde, ausgleichende und belebende Wirkung aus, die vor allem auch Frauen in der hormonellen Umstellungszeit der Wechseljahre zugute kommt.

Piperin, ein idealer Kombinationspartner

Essen Sie gerne scharf? Dann greifen Sie vielleicht hin und wieder zum Pfeffer. Verantwortlich für die Schärfe ist das Piperin, das darin enthalten ist. Das Alkaloid, eine stickstoffhaltige natürliche Verbindung, sorgt aber nicht nur für einen gepfefferten Geschmack, sondern wirkt ähnlich wie die Aroniabeere auch Entzündungen und oxidativem Stress entgegen. Außerdem sorgt es vermutlich dafür, dass andere Substanzen besser vom Körper aufgenommen werden und wirken können. Daher ist Piperin gerade in der Kombination mit anderen wertvollen Inhaltsstoffen sinnvoll, damit deren Wirkung erst richtig zur Geltung kommt.

Wichtig für Herz und Nerven: Taurin

Bleibt zuletzt eine Substanz, die vom Körper selbst hergestellt wird und im normalen Stoffwechsel anfällt: Taurin. Die organische Säure findet sich vor allem in unseren Muskelzellen und ist dort wichtig für den Elektrolytfluss an den Zellmembranen. So unterstützt sie die Herzfunktion und sorgt dafür, dass die Blutpumpe in unserem Brustkorb in regelmäßigen Schlägen ihren Dienst ausübt. Taurin ist aber auch fürs Nervensystem wichtig und spielt außerdem eine entscheidende Rolle bei der Fettverdauung. Sein Job als Radikalfänger und Entzündungsregulator prädestiniert ihn schließlich wiederum als allgemeinen Muntermacher.

Eine spezielle Heilpflanze oder alle zusammen

All die genannten pflanzlichen bzw. natürlich vorkommenden Substanzen greifen entweder direkt in den weiblichen Hormonhaushalt ein und gleichen damit die unangenehmen Schwankungen und Veränderungen in den Wechseljahren aus; oder sie stärken den Körper insgesamt und tragen dadurch zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und möglichst frischen Zutaten decken Sie schon vieles davon ab.

Manchmal kann es aber auch eine Erleichterung sein, das, was man braucht, zusätzlich und ganz gezielt einzunehmen. Im Prinzip können wir Ihnen jeden der genannten Naturstoffe empfehlen, ob nun aus der Apotheke oder einem seriösen Internet-Shop. Ein "Rundum-sorglos-Paket", in dem sie gleich mehrere dieser Heilpflanzen zu sich nehmen, wird auch von einigen Herstellern angeboten und ist aus unserer Sicht eine gute Wahl. Ein empfehlenswertes Produkt finden Sie zum Beispiel hier.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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