Wechseljahre: Definition, Symptome, Behandlung

Übersicht

Ab Mitte vierzig geht es los

Die Wechseljahre (Klimakterium) der Frau sind eine 10 bis 15 Jahre andauernde Phase, die den Übergang von der vollen Geschlechtsreife hin zum Alter (Senium) markiert. Sie beginnen meist um das 45. bis 55. Lebensjahr und erstrecken sich teilweise bis in das 70. Lebensjahr hinein. Die Wechseljahre stellen keine Krankheit im eigentlichen Sinne dar, da sie Teil des normalen Alterungsprozesses einer Frau sind. Dennoch können sie Beschwerden verursachen, die mitunter einer Behandlung bedürfen.

Diese Symptome sind auf die die hormonellen Umstellungen zurückzuführen, die während der Wechseljahre durchlaufen werden. Insbesondere kommt es zu einem stetig abfallenden Östrogenspiegel, der anfänglich vor allem für Zyklusunregelmäßigkeiten sorgt und später so weit abfällt, dass die Regel ganz ausbleibt. Die letzte Regel wird in der Retrospektive Menopause genannt und stellt einen wichtigen Meilenstein des Klimakteriums dar.

Hitzewallungen und schlechte Laune

Der Mangel an Östrogenen kann jedoch noch viele weitere Symptome verursachen. Typisch sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche sowie Kreislaufbeschwerden wie Schwindel oder Herzrasen. Aber auch Reizbarkeit bis hin zur depressiven Verstimmung kann Folge der hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre sein.

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Dabei leiden allerdings nicht alle Frauen gleichermaßen unter Wechseljahresbeschwerden. Während ein Drittel keinerlei Symptome zeigt, kommt es bei einem Drittel zu leichten Beschwerden, die nicht behandlungsbedürftig sind, und beim letzten Drittel zu so starken Beschwerden, dass eine ärztliche Behandlung notwendig ist.

Therapeutisch kommen bei sehr starken Beschwerden Hormonpräparate zum Einsatz. Diese enthalten in erster Linie Östrogene und/oder Gestagene wie das Progesteron und dienen dazu, den natürlichen Hormonabfall des Körpers abzufangen, sodass eine bessere Adaptation an die veränderten Hormonspiegel erfolgen kann. Die Hormonersatztherapie (HET) ist jedoch nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen und sollte nur nach individueller Abwägung für maximal drei bis fünf Jahre eingesetzt werden.

Alternativ zur HET können bei leichten bis mittelschweren Wechseljahresbeschwerden pflanzliche Arzneimittel sowie eine Änderung des Lebensstils bereits lindernd auf vorherrschende Symptome wirken und dabei helfen, die mit dem Klimakterium verbundenen Probleme und Ängste besser zu bewältigen.

Definition

Prozess über 10 bis 15 Jahre

Die Wechseljahre (Klimakterium) sind keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern eine Phase der Hormonumstellung, die im Leben jeder Frau zu irgendeinem Zeitpunkt eintritt. Der Begriff Klimakterium umfasst dabei die gesamte Zeitspanne vom Ende der vollen Geschlechtsreife bis zum Beginn des Alters (Senium) und beginnt in der Regel bereits einige Jahre, bevor die letzte Regelblutung, die auch Menopause genannt wird, eintritt.

Insgesamt umfassen die Wechseljahre damit einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren, die sich etwa im Zeitraum zwischen dem 45. und dem 70. Lebensjahr abspielen. Das Klimakterium verläuft in verschiedenen Phasen, die alle in einem zeitlichen Zusammenhang zur Menopause stehen und sich teilweise überlappen oder ineinander übergehen.

Menopause und was um sie herum passiert

Die Menopause tritt durchschnittlich im Alter von 50 bis 51 Jahren ein und ist die letzte vom Körper hervorgebrachte Regelblutung. Die Streuung um den Altersdurchschnitt von 50 Jahren ist jedoch individuell sehr verschieden und zeigt teilweise große Abweichungen. So kommen manche Frauen bereits um das 45. Lebensjahr in die Menopause, andere wiederum erst nach ihrem 55. Geburtstag.

Die Prämenopause beschreibt die Phase vor der letzten Regelblutung. Sie dauert durchschnittlich zwei bis sieben Jahre an und ist bereits von ersten hormonellen Umstellungen gekennzeichnet. So sinkt beispielsweise der Östrogenspiegel im Blut langsam ab, was zu unregelmäßig einsetzenden Periodenblutungen führt, während der Einsprung immer seltener stattfindet.

Die Perimenopause ist die Zeitspanne von zwei Jahren vor und etwa zwei Jahren nach der Menopause. In dieser Zeit stellen die Eierstöcke ihre Funktion vollständig ein, der Eisprung wird immer seltener und bleibt schließlich ganz aus. Mit dem Ausbleiben des Eisprunges wird auch der Menstruationszyklus immer unregelmäßiger, bis die Periode schlussendlich gänzlich aussetzt. Die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen fallen ab, während männliche Hormone, die in geringen Mengen auch immer im weiblichen Körper produziert werden, weiterhin auf ihrem bisherigen Niveau bleiben.

Die Postmenopause ist die letzte Phase der Wechseljahre. Sie beginnt etwa zwei Jahre nach der letzten Regelblutung und dauert bis zum Eintritt ins Senium mit etwa 65 bis 70 Jahren an. In dieser Zeit kommt die Produktion von Gestagenen und Östrogenen ganz zum Erliegen, die hormonelle Umstellung des Körpers von Geschlechtsreife auf das Alter ist damit beendet und der Körper an die neue Situation adaptiert. Wechseljahresbeschwerden sind in dieser Phase nicht mehr zu erwarten.

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Ursachen

Die Wechseljahre sind eine natürliche hormonelle Umstellung, die sich um das 45. Lebensjahr herum im weiblichen Körper vollzieht. Ursache für diese Umstellung ist eine nachlassende Funktion der Eierstöcke, in denen nach und nach immer weniger Eizellen heranreifen, bis es schlussendlich zu einem letzten Eisprung, gefolgt von einer letzten Menstruation (Menopause) kommt.

Schicksal der Eizellen

Die paarig angelegten Eierstöcke der Frau enthalten bereits nach der Geburt viele Millionen Follikel (unreife Eizellen), die sich bis zur Pubertät auf etwa 200.000 Stück reduzieren. Ab der Pubertät beginnen dann monatlich mehrere Follikel heranzureifen, nur einer erreicht dabei jedoch das Stadium der reifen Eizelle, die mit dem Eisprung die Eierstöcke verlässt und über die Eileiter weiter zur Gebärmutter transportiert wird.

Kommt es zur Befruchtung dieser Eizelle durch eine Spermienzelle, kann eine Schwangerschaft entstehen. In allen anderen Fällen stirbt die gesprungene Eizelle ab, und kommt es zur Regelblutung – der Zyklus beginnt von neuem.

Auch alle anderen, die den Reifeprozess innerhalb eines Zyklus nicht beendet haben, gehen zugrunde. So reduziert sich die Zahl an Follikeln Monat für Monat, bis mit durchschnittlich 45 – 50 Jahren kein Follikel mehr vorhanden ist.

Hormonelles Wechselspiel

Heranreifende und reife Follikel sind für die Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen verantwortlich. Da sich die Zahl der Follikel in den Eierstöcken kontinuierlich reduziert, nimmt auch die Östrogenbildung immer weiter ab.

Der Körper ist auf diesen hormonellen Zustand zunächst nicht eingerichtet und sendet daher verstärkt Signale zur Produktion des follikelstimulierenden Hormons (FSH) an das Gehirn. FSH ist zusammen mit weiteren Hormonen (den sogenannten Gonadotropinen) ab der Pubertät  für die Steuerung einer regelmäßigen Follikelreifung und damit auch für die Hormonspiegel von Östrogenen und Progesteron verantwortlich. Ein Abfall von Östrogen führt folglich zu einem reaktiven Anstieg von FSH, das den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen versucht.

Während der Wechseljahre findet eine hormonelle Umstellung statt, die zum einen also zu einem deutlichen Abfall der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron führt und zum anderen einen Anstieg von Gonadotropinen, insbesondere dem FSH, nach sich zieht. Dieses hormonelle Ungleichgewicht kann vorübergehend zu den typischen Wechseljahresbeschwerden führen.

Funktion der weiblichen Geschlechtshormone

Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron werden ab der Pubertät verstärkt gebildet und besitzen eine Vielzahl an Funktionen im weiblichen Körper. Ihr Zusammenwirken ist teilweise sehr komplex.

Die wichtigsten Aufgaben der Geschlechtshormone sind dabei:

  • Ausbildung und Wachstum der weiblichen Brust in der Pubertät
  • Herausbildung der Schambehaarung
  • Ausbildung des weiblichen Stimmklanges
  • Aufbau eines regelmäßigen Menstruationszyklus sowie Wachstum von Gebärmutterschleimhaut und Gebärmuttermuskulatur
  • zyklische Veränderungen am Gebärmutterhals wie beispielsweise die Öffnung des Muttermundes kurz vor dem Einsprung sowie die Regulation von Konsistenz und Menge des Zervixschleimes
  • Vorbereitung und Erhaltung einer Schwangerschaft
  • Erhöhung der Knochenstabilität durch eine Steigerung der Anzahl von knochenbildenden Zellen

Alles in allem dienen Östrogen und Progesteron dazu, aus einem Mädchen eine geschlechtsreife Frau werden zu lassen. Fallen die Hormonspiegel mit den Wechseljahren nach und nach ab, verändert sich folglich auch der Körper wieder. Diese Veränderungen werden von vielen Frauen als sehr einschneidend empfunden, sodass in einzelnen Fällen eine hormonelle Unterstützung durch Medikamente zur besseren Adaptierung an die Wechseljahre eingesetzt werden muss.

Lesen Sie dazu auch:
Grundlagen zu Wechseljahresfragen

Symptome

Wie auch in Pubertät und Schwangerschaft reagiert nicht jede Frau auf dieselbe Art und Weise auf die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre. Während ein Drittel aller Frauen die Wechseljahre gänzlich ohne Beschwerden bestreitet, kommt es bei einem Drittel zu leichten, nicht behandlungsbedürftigen Symptomen und bei dem letzten Drittel zu so starken Beschwerden, dass eine hormonelle Behandlung notwendig wird. Nicht immer ist es daher leicht, auftretende Veränderungen des Körpers und der seelischen Stimmungslage den Wechseljahren zuzuordnen.

Langsames Auslaufen der Periode

Ein erstes Anzeichen, das Frauen beim Eintritt in die Prämenopause, etwa sieben Jahre vor der letzten Regelblutung, häufig bei sich bemerken, ist die Veränderung der Zykluslänge. Zu Beginn der Wechseljahre ist die Regel häufig zunächst verkürzt. Später werden die Abstände zwischen den einzelnen Blutungen immer länger, die Blutung selbst stärker. Auch Zwischenblutungen, die als Schmierblutungen imponieren können, treten häufiger auf. Irgendwann bleibt die Periode gänzlich aus.

Durch den Mangel an Hormonen und insbesondere durch den absinkenden Spiegel an Östrogenen kommt es zu individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Beschwerden und Veränderungen.

Dazu zählen unter anderem:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die oftmals nur wenige Minuten andauern, aber in sehr hoher Frequenz am Tag und auch in der Nacht auftreten können. Dabei breitet sich eine Hitzewelle von Kopf und Gesicht über den Oberkörper aus, führt zu einem Schweißausbruch und endet meist in einem leichten Frösteln. Mit etwa 5 bis 7 von 10 Frauen treten diese Wechseljahresbeschwerden am häufigsten auf.
  • Stimmungsschwankungen, die durch leichte äußere Reize getriggert werden und in schweren Fällen in einer Depression münden können. Vielfach treten auch grundlose Nervosität sowie eine nicht kontrollierbare Reizbarkeit auf.
  • Ein- und Durchschlafstörungen, die nicht durch äußere Ereignisse wie Stress oder Krankheit verursacht sind. Am Morgen nach einer durchwachten Nacht kommt es oftmals bereits wenige Stunden nach dem Aufstehen zu großer Müdigkeit, die mit Konzentrationsminderung und Antriebsarmut einhergeht.
  • abnehmende Leistungsfähigkeit, die bis zu Erschöpfungszuständen reichen kann und oftmals in engem Zusammenhang mit den Schlafstörungen gebracht werden kann
  • Schwindel, Kreislaufprobleme und Herzrasen
  • Verminderte Produktion an Scheidenflüssigkeit, die zu einer Trockenheit der Scheide auch bei sexueller Erregung führt. Dies kann weitere Probleme nach sich ziehen wie etwa Penetrationsprobleme und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie gehäuft auftretende Harnwegsinfektionen. Weiterhin führt die hormonelle Umstellung oftmals zusätzlich zu einem Nachlassen der Libido sowie zu schmerzhaften Spannungsgefühlen in der Brust.
  • Osteoporose. Durch den absinkenden Spiegel an Östrogenen kommt es zu einer Verminderung der Knochensubstanz und damit zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche. Insbesondere die Wirbelsäule kann in späteren Stadien durch die postmenopausale Osteoporose beschädigt werden.

Viele Frauen empfinden die Phase der Wechseljahre zusätzlich als eine Art Ära der Neuorientierung. Unzufriedenheiten aus dem "alten Leben" werden stärker wahrgenommen und bearbeitet. Während manche Frauen diese Phase jedoch wie eine Art Aufbruchstimmung erleben, die viele Kräfte und Energien freisetzt, fühlen sich andere überfordert und ausgelaugt. Nehmen Sie Hilfe in Anspruch, wenn Sie sich mit Ihrem Körper und der neuen Lebenssituation nicht wohl fühlen.

Näheres zum Thema erfahren Sie hier:
Häufige Fragen zu Beschwerden in den Wechseljahren

Diagnose

Vertrauen Sie darauf, dass Sie selbst spüren werden, wann die Wechseljahre einsetzen. Eine ärztliche Abklärung der Beschwerden ist nicht in jedem Fall notwendig. Sollten Sie sich trotz körperlicher und seelischer Veränderungen wohl in Ihrem Körper fühlen, müssen Sie die Diagnose "Klimakterium" nicht zwangsläufig durch einen Gynäkologen bestätigen lassen.

Mit gezielten Fragen zur richtigen Diagnose

Für Ihren behandelnden Frauenarzt ist es ein Leichtes festzustellen, ob die Wechseljahre bereits eingesetzt haben. Oftmals reichen die Zusammenschau aus Ihrem Alter, einem ausführlichen Gespräch, in dem Sie Ihre Beschwerden genau erläutern, sowie einer gynäkologischen Untersuchung aus, um eine Diagnose zu stellen. Besonderes Augenmerk legt Ihr behandelnder Arzt dabei auf folgende Punkte:

  • Sind Sie 45 Jahre oder älter?
  • Leiden Sie unter Zyklusstörungen?
  • Leiden Sie unter weiteren Beschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, verminderter Libido?
  • Zeigen sich in der gynäkologischen Untersuchung typische Veränderung an Scheide, Gebärmutter oder an den Brüsten?

Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung (Menopause) wird auch durch einen Arzt erst rückblickend bestimmt, wenn seit der letzten Regel ein Jahr ohne weitere Blutung vergangen ist.

Im Zweifelsfall hilft eine Blutuntersuchung

Falls die Zusammenschau der erhobenen Befunde kein eindeutiges Ergebnis liefert, kann zusätzliche eine Untersuchung des Blutes auf die Konzentration bestimmter weiblicher Hormone hilfreich sein. Typischerweise nimmt die Konzentration von Östrogen bzw. seinen Vorstufen Estradiol und Estron ab, während FSH erhöht ist.

Eine ausführliche Übersicht über Veränderungen der Hormonspiegel, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Estron
< 40 pg/ml
Estradiol
5-20 pg/ml
follikelstimulierendes Hormon (FSH)
> 50 mlE/ml
luteinisierendes Hormon (LH)
20 – 100 mlE/ml
Progesteron
< 1 ng/mll
Testosteron
< 0,8 ng/ml

Einheiten: pg = Pikogramm (ein Billionstel eines Gramms); ng =  Nanogramm (ein Milliardstel eines Gramms); ml = Mililiter; IE = Internationale Einheiten, auch IU abgekürzt.

Hier finden Sie mehr dazu:
Wechseljahre: Diagnostik, Untersuchungen, Tests

Behandlung

Nicht immer verursachen die Wechseljahre (Klimakterium) starke, behandlungsbedürftige Beschwerden. Nur etwa ein Drittel aller Frauen muss ärztliche Hilfe im Sinne einer Hormonersatztherapie (HET) in Anspruch nehmen. Ein Drittel leidet unter leichten Beschwerden, die durch pflanzliche Mittel und eine Änderung des Lebensstils oftmals gut in den Griff bekommen werden. Und das letzte Dritte verspürt nur kaum merkliche Veränderungen, die nicht behandlungsbedürftig sind.

1. Hormonersatztherapie (HET)

Ermessenssache

Die HET kommt nur in sehr schweren Fällen von Klimakteriumsbeschwerden und nur nach ärztlicher Verordnung zum Einsatz, da sie nicht frei von Risiken ist. Etwa 30% aller Frauen müssen eine HET in Anspruch nehmen, da die Wechseljahresbeschwerden so stark sind, dass es zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität kommt.

Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre Beschwerden mit gängigen Hausmitteln sowie einer Lifestyleänderung nicht in den Griff bekommen, wenden Sie sich an Ihren Gynäkologen, um sich Vor- und Nachteile der HET genau erläutern zu lassen.

Da ein veränderter Hormonhaushalt verantwortlich für die Wechseljahresbeschwerden ist, werden in Rahmen der HET künstliche Hormone eingesetzt, die den starken Abfall, insbesondere des Östrogenspiegels abfangen sollen. Die HET dient aber nicht dazu, hormonelle Verhältnisse zu schaffen, wie sie vor dem Einsetzen des Klimakteriums bestanden haben, sondern soll die Beschwerden lindern, bis sich der Körper an die veränderten Hormonspiegel gewöhnt hat.

Ziel der HET ist es unter anderem also, quälende Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Depression zu lindern und das Risiko für Osteoporose zu senken.

Zur Therapie stehen viele verschiedene Präparate zur Auswahl. Am häufigsten zum Einsatz kommen dabei:

  • reine Östrogenpräparate
  • reine Gestagenpräparate
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate

Welches der genannten Präparate für Sie am besten geeignet ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Neben Ihrem Alter spielt die Stärke der Beschwerden sowie die aktuelle Phase der Wechseljahre eine entscheidende Rolle. Aber auch körperliche Erkrankungen und Risikofaktoren werden in die Entscheidung für oder gegen ein Präparat bzw. eine Therapie an sich mit einbezogen. So muss Ihr behandelnder Arzt beispielsweise berücksichtigen, ob Sie Ihre Gebärmutter noch haben oder ob diese im Rahmen einer sogenannten Hysterektomie entfernt wurde.

Eine einmal begonnene HET wird in der Regel über 3 bis 5 Jahre fortgeführt, dann über mehrere Monate schrittweise reduziert und schließlich ganz abgesetzt.

Pro...

Vorteile der HET sind eine gute Beeinflussbarkeit vegetativer Beschwerden wie etwa Hitzewallungen, Schwindel oder Herzrasen. Auch Stimmungsschwankungen und Depressionen lassen sich mit Hilfe der Hormonersatztherapie besser in den Griff bekommen. Weiterhin wirken die künstlichen Hormone auch dem Trockenwerden der Scheide und damit verbundenen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr entgehen, unter denen besonders sexuell aktive Frauen leiden.

In Studien konnte zusätzlich festgestellt werden, dass eine langfristige HET das Risiko für die Entstehung bestimmter Krankheiten senkt. Dazu zählen unter anderem:

  • Osteoporose
  • Diabetes mellitus Typ II
  • Darmkrebs

...und Kontra

Die HET hat jedoch nicht nur Vorteile. Durch die veränderten Hormonspiegel entstehen auch Risiken und Nebenwirkungen, die bei der Entscheidung für eine Therapie nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Nebenwirkungen, die unter einer HET auftreten können, sind vor allem:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Heißhunger und Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen insbesondere in den Beinen (Ödeme)
  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräneanfällen
  • Spannungsgefühl in den Brüsten

Besonders östrogenreiche Präparate können darüber hinaus zu einer erhöhten Gerinnungsneigung des Blutes führen, was neben Thrombosen auch Schlaganfälle und Herzinfarkte zur Folge haben kann. Besonders wenn Sie älter als 60 Jahre sind, sollten Sie sich über diese Risiken gut informieren. Weiterhin haben einzelne Präparate ein leicht erhöhtes Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs.

Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt um eine genaue Aufklärung bezüglich des für Sie ausgesuchten Präparates und wägen Sie Für und Wider einer HET für sich nochmals in Ruhe ab. Berichten Sie dabei auch von vorbestehenden Erkrankungen, die möglicherweise gegen eine Hormonersatztherapie sprechen.

Zu den Kontraindikationen einer HET zählen im Einzelnen:

  • Brust- oder Gebärmutterkrebs in der Vorgeschichte
  • Thrombosen oder Embolien in der Anamnese
  • ausgeprägter Bluthochdruck
  • Lebererkrankungen, die mit Leberwertveränderungen einhergehen
  • Autoimmunerkrankungen wie der Lupus erythematodes
  • Meningeome des Gehirns oder des Rückenmarks

Aufgrund der vielen Aspekte, die für oder gegen eine HET sprechen, bestehen keine allgemeinen Empfehlungen, wann und mit welchem Präparat klimakterische Beschwerden behandelt werden sollten. Jede Therapieentscheidung ist individuell abzuwägen und sollte im Verlauf immer wieder neu hinterfragt werden.

2. Pflanzliche Arzneimittel

Pflanzliche Arzneimittel werden im Rahmen der Phytotherapie zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Wechseljahresbeschwerden als alleinige Therapieform eingesetzt, können bei sehr starken Beschwerden aber auch ergänzend zu einer Hormonersatztherapie verabreicht werden.

Vielfältige Hilfe aus der Natur

Mönchspfeffer (Agnus castus) und Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) sind die wohl am häufigsten eingesetzten pflanzlichen Arzneimittel. Sie werden auch Phytohormone bezeichnet, da sie eine dem Östrogen ähnliche Wirkung auf den menschlichen Körper haben und hierüber zu einer Linderung von Wechseljahresbeschwerden führen können.

Um gezielt einzelne Symptome des Klimakteriums zu behandeln, eignen sich weiterhin folgende Phytopharmaka:

  • Bei Unruhezuständen können Hopfen, Melisse oder Passionsblume lindernde Wirkung zeigen.
  • Baldrian besitzt eine schlafanstoßende und entspannende Wirkung und hilft bei Ein- und Durchschlafstörungen.
  • Johanniskraut kann sich bei leichten depressiven Verstimmungen als wirksam erweisen.

Beachten Sie bei der Einnahme von Phytopharmaka jedoch, dass es sich hierbei im weitesten Sinne auch um Medikamente handelt, die Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Präparaten haben können. Besprechen Sie aus diesem Grund auch eine Selbstmedikation mit pflanzlichen Arzneimitteln im Vorhinein mit Ihrem behandelnden Arzt.

3. Was Sie selbst tun können

Viele Frauen stellen sich bereits lange vor dem Einsetzen der Wechseljahre die Frage, ob und was sie selbst tun können, um die hormonelle Umstellung besser zu verkraften und der bevorstehenden Zeit ohne Ängste entgegenzutreten. Besonders bei leichten, aber auch bei mittelschweren bis schweren Beschwerden können Ihnen folgende Maßnahmen eine Hilfestellung bieten, besser auf die hormonellen Veränderungen eingestellt zu sein:

  • Streben Sie ein Normalgewicht (Body-Maß-Index (BMI) von maximal 25) an. Übergewicht steht im Zusammenhang mit stärker ausgeprägten klimakterischen Beschwerden wie beispielsweise Schweißausbrüchen und Hitzewallungen.
  • Lernen Sie, sich bewusst zu entspannen. Besonders Autogenes Training sowie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können dabei helfen, Schlafstörungen zu überwinden. Auch Hitzewallungen treten im entspannten Zustand seltener und nur leichter ausgeprägt auf als unter Anspannung und Stress.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig an der frischen Luft. Eine gute körperliche Fitness scheint auf viele Beschwerden, die während des Klimakteriums auftreten können, positive Auswirkungen zu haben. So beugt regelmäßiger Sport beispielsweise depressiven Phasen vor, mindert Hitzewallungen und reguliert die Kreislauffunktion.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, und essen Sie viel frisches Obst und Gemüse. Eine sojareiche Ernährung soll zur Regulation der hormonellen Umstellung beitragen. Calcium- und Vitamin-D-reiche Lebensmittel beugen einer Osteoporose vor und helfen überdies dabei, den Hormonhaushalt zu regulieren.

Lesen Sie dazu auch:
Häufige Fragen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden

Verlauf

Wie auch die Pubertät sind die Wechseljahre eine natürliche Phase der älter werdenden Frau. Der Verlauf des Klimakteriums lässt sich dabei jedoch nur sehr schwer vorhersagen. Bei jeder Frau verläuft der Übergang von der vollen Geschlechtsreife zum Senium unterschiedlich. Beginn, Dauer sowie das Ausmaß auftretender Wechseljahresbeschwerden sind individuell verschieden.

Im Durchschnitt dauert die Zeit von Beginn der Prämenopause über die Menopause bis hin zur abgeschlossenen Postmenopause etwa 10 bis 15 Jahre und beginnt zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. In den allermeisten Fällen sind die Wechseljahre also spätestens mit dem 70. Lebensjahr abgeschlossen.

Gut zu wissen:
Wechseljahre im Alltag

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

Prof. Dr. B. Kleine-Gunk: Entspannt durch die Wechseljahre, G|U Verlag, 2017-12-17.

T. Weyerstahl: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme Verlag, 2013.

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Hormontherapie (HT) in der Peri- und Postmenopause, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062k-2009-abgelaufen.pdf, zuletzt aufgerufen am 23.01.2018.

K. Kraft: Cimicifuga, Johanniskraut und andere Phytotherapeutika im Klimakterium. Gynäkologische Endokrinologie, Band 6, 2008.

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