Warum wird der Coitus interruptus von der katholischen Kirche verurteilt?

Der Coitus interruptus ist die Beendigung des Geschlechtsverkehrs vor dem Orgasmus des Mannes, also das Rausziehen des Penis vor der Ejakulation. Man könnte nun verständnisvoll dazu nicken, dass das der katholischen Kirche nicht gefällt, schließlich wird damit das Kinderkriegen unterbunden. Aber die wahren Gründe für die Verurteilung dieses unterbrochenen Aktes sind ganz andere und zeigen, wie skurril sich manche katholische Lehren herleiten.

Dass nämlich der Coitus interruptus verboten ist, liegt an Onan. Onan ist eine Gestalt in der Bibel, und er vollzog den Coitus interruptus. In der Geschichte der Genesis (Kapitel 38) sollte er die Frau seines toten Bruders heiraten und schwängern, damit sie (Tamar) Kinder bekommt, an die alles weitervererbt werden kann. Onan hielt sich nicht an dieses Gebot. Er zog kurz vor dem Orgasmus seinen Penis aus der Scheide Tamars heraus, weil er "wusste, dass der Samen nicht sein eigen sein sollte". Er ließ das Ejakulat stattdessen auf den Boden fallen "und verderbte es". Das war nicht gut für ihn, denn "der Herr" tötete ihn daraufhin. Soweit zur Gerechtigkeit Gottes.

Da Onan ganz offensichtlich noch einen Samenerguss hatte, nachdem er den Geschlechtsakt unterbrochen hatte (den er ja dann "verderben" ließ), wurde ihm das in späterer Bibel-Interpretation als Selbstbefriedigung ausgelegt. Und deshalb heißt die heute Onanie.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn