Ist die Temperaturmethode sicher genug?

Entgegen teilweise veralteten Behauptungen, dass unregelmäßige Schlafzeiten, spätabendlicher Alkoholkonsum, Stress oder Reisen die Temperaturentwicklung leicht durcheinanderbringen, zeigen neuere Untersuchungen, dass der störende Einfluss hier meist eher gering ist und die Zykluskurven sogar bei Schichtarbeiterinnen weitgehend robust sind.

Solange nur ein paar Stunden Nachtruhe direkt vor der Messung liegen, sollen die Werte laut aktueller Studien stabil genug sein, um diese Methode sicher anwenden zu können. Um Besonderheiten wie Krankheit und Co entsprechend einordnen zu können, sollte man diese immer auch mit in die Kurve eintragen. Das gilt ganz speziell bei fiebrigen Infekten. In dem Fall sollte der dann offenbar anders begründete Temperaturanstieg sogar Anlass sein, in dem Monat sicherheitshalber zusätzlich mit Kondom o.a. zu verhüten.

Verhüten im Einklang mit dem Körper

Die Temperaturmethode hat diverse Vorteile, die sie für Anwenderinnen attraktiv macht: Zum einen birgt sie keinerlei Nebenwirkungen aufgrund von Hormoneinnahme oder Fremdkörpern, wie sie bei anderen Verhütungsmethoden möglich sind. Sie ist auch dauerhaft sehr preiswert – bis auf das Thermometer eigentlich sogar kostenfrei – und kann selbstbestimmt ohne ärztliche Hilfe angewendet werden. Viele Frauen empfinden es auch als wichtig und schön, den Rhythmus des eigenen Körpers so gut zu kennen.

Es kann sogar für die Partnerschaft durchaus bereichernd sein, die Sexualität und die Lust in den verschiedenen Zyklusphasen bewusst zu erleben und gemeinsam die Verantwortung für die eigene Fruchtbarkeit zu übernehmen. Meist fördert das sogar die Vertrautheit und die Intimität zwischen Mann und Frau. Auf der anderen Seite fordert es beiden Partnern auch ein wenig Disziplin und Mitarbeit ab – sei es beim regelmäßigen Messen, sei es bei der Einhaltung von zeitlicher Abstinenz oder dem kurzzeitigen Verwenden anderer Methoden wie dem Kondom.

Viele Frauenärzte sind bei der Temperaturmethode skeptisch – ganz zu Unrecht!

Bei richtiger und regelmäßiger Anwendung ist die Methode ausgesprochen sicher. Der Pearl-Index liegt nach wissenschaftlichen Untersuchungen bei 1-3, wobei letzterer Wert schon die erweiterte Methode mit den frühen Zyklustagen einschließt, die in Einzelfällen natürlich das Risiko eines ungewohnt kurzen Zyklus birgt, der die Sicherheit entsprechend heruntersetzt. Die traditionelle Variante, bei der nach 3 Tagen erhöhter Temperatur lediglich bis zum Ende des Zyklus ungeschützter Verkehr stattfindet, hat sogar einen Pearl-Index von knapp 1.

Insbesondere bei Kombination der Temperaturmethode mit der Beobachtung anderer Körperzeichen wie dem Zervixschleim (Gebärmutterschleim) ist die sogenannte „natürliche Familienplanung“ nahezu ebenso sicher wie die Pille und wird völlig zu Unrecht von vielen Ärzten als „unsicher“ abgetan! Lassen Sie sich bei entsprechendem Wunsch Ihrerseits also keinesfalls vorschnell von dieser Verhütungsmöglichkeit abbringen. Wichtig ist aber, zusammen mit dem Partner ganz hinter der Methode zu stehen und genügend motiviert zu sein, regelmäßig und aktiv an der Empfängnisregelung mitzuwirken.

Nicht empfohlen wird diese Methode allerdings für Frauen mit sehr unregelmäßig langen Zyklen, für ganz junge Mädchen mit noch nicht gänzlich eingespieltem Menstruations-Rhythmus sowie für stillende Mütter.

Autor: Dr. med. Monika Steiner/ Ärztin