Welche Verhütungsmethode nennt man "Katholisches Roulette"?

Die Knaus-Ogino-Methode. Das ist eine etwas veraltete Form der natürlichen Empfängnisverhütung, bei der man nach einer recht komplizierten Formel die fruchtbaren Tage ausrechnet. Veraltet deshalb, weil man das heute mit der Temperaturmethode oder noch besser mit der symptothermalen Methode sehr viel sicherer berechnen kann.

Warum nun aber die umgangssprachliche Bezeichnung "Katholisches Roulette"? Zum einen wegen der hohen Unsicherheit der Methode. Sogar einer der beiden Mitbegründer, der Japaner Kyusaku Ogino, riet ausdrücklich davon ab, das Verfahren zur Empfängnisverhütung zu nutzen. Er hatte damit im Sinne gehabt, das Kinderkriegen zu erleichtern, weil man damit die fruchtbare Phase besser eingrenzen kann. Erst der Österreicher Herrmann Knaus münzte das in eine Verhütungsmethode um.

Papst Pius XII. erteilt offiziell "Erlaubnis"

Für die katholische Kirche hingegen war die Knaus-Ogino-Methode die erste Form der Verhütung, die sie offiziell akzeptierte. Vor allem deshalb, weil man damit nicht in den natürlichen weiblichen Zyklus eingreift. Die hohe Unsicherheit der Methode wird aus Sicht der Kirche aber auch kein Nachteil gewesen sein. Jedenfalls gab Papst Pius XII. dem Knaus-Ogino-Verfahren 1951 zwar nicht seinen Segen, erklärte die Methode aber zumindest für tolerierbar.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn