Natürliche Verhütung: Worin waren Herr Knaus und Herr Ogino uneins?

Der Japaner Kyusaku Ogino und der Österreicher Herrmann Knaus haben Anfang des letzten Jahrhunderts (um 1923) auf ganz merkwürdige Weise Medizingeschichte geschrieben. Sie gaben einer natürlichen Methode der Empfängnisverhütung ihren Namen, obwohl sie völlig unterschiedlicher Meinung waren.

Und das kam so: Kyusaku Ogino entwickelte die sogenannte Rhythmusmethode. Nicht, um damit besser verhüten zu können, sondern um damit das Kinderkriegen zu erleichtern. Vereinfacht gesagt beobachtet man dabei sechs Monate lang die Zykluslänge und errechnet dann anhand einer Formel die fruchtbaren Tage. Der gute Herr Klaus griff diese Methode auf und kehrte sie ins Gegenteil um. Für ihn ging es darum, anhand dieser Berechnungen auf natürliche Weise verhüten zu können.

Japanische Erfindung, österreichische Umkehrung

So entstand die Knaus-Ogino-Methode, obwohl der japanische Frauenarzt sich zuvor ausdrücklich dagegen ausgesprochen hatte, dieses Verfahren zur Empfängnisverhütung zu nutzen. Nicht so sehr aus ethischen Gründen, sondern weil das Verfahren ihm dafür zu unzuverlässig schien. Und tatsächlich gilt die Kalendermethode nach Ogino und Kraus heute als veraltet - weil zu unsicher.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man auch ausversehen berühmt werden kann.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn