Was macht die symptothermale Methode als natürliche Verhütungsmaßnahme so sicher?

Die symptothermale Methode kombiniert mehrere Praktiken aus der natürlichen Familienplanung und dient durch bestmögliche Eingrenzung der fruchtbaren Zeit der Empfängnisverhütung (und bei Kinderwunsch übrigens umgekehrt auch der Empfängnisoptimierung). Durch die Bestimmung gleich mehrerer, im Laufe des weiblichen Zyklus wechselnder Körperzeichen, gilt die Methode bei richtiger Anwendung als nahezu ebenso sicher wie z.B. die Pille.

Wichtig ist, dass in den fruchtbaren Tagen beide Partner bereit sind, auf Sex zu verzichten oder aber andere Verhütungsmethoden wie z.B. das Kondom, Lea Contraceptivum o.a. verwendet werden.

Die auffallend hohe Sicherheit – gerade auch im Kontrast zum niedrigen Pearl-Index anderer natürlicher Methoden – resultiert eben aus der gesamthaften Analyse einzelner Körperzeichen, also Temperatur, Zervixschleim und Zervixbefund. Während jeder dieser einzelnen Anhaltspunkte durch Unregelmäßigkeiten der Lebensführung, Scheideninfektionen etc. fehleranfällig sein kann, ist die kombinierte Betrachtung aller drei Aspekte gleichzeitig sehr robust und verlässlich. Aber natürlich nur, wenn sie sorgfältig und regelmäßig praktiziert wird.

Es gibt im Internet kostenfrei herunterladbare Kurvenblätter z.B. der Maltester, die genau diese differenzierte Beobachtung und Dokumentierung des Zyklus ermöglichen. Die Adresse lautet www.nfp-online.de (NFP steht für „Natürliche Familienplanung“, wie diese Methode manchmal auch abgekürzt genannt wird. Dort dann unter dem Begriff „sensiplan“). Mittlerweile gibt es hierzu auch diverse Programme und Apps für PC und Handy.

Zusätzliche Info durch Tasten der Zervix

Alles Wesentliche zur Temperatur- und zur Zervixschleimmethode (auch Billingsmethode genannt) kann man in den entsprechenden Artikeln dieser Rubrik nachlesen. Hinzu kommt bei der symptothermalen Methode zusätzlich noch die Beurteilung des Gebärmutterhalses (also der Zervix) selbst: Hierbei wird täglich die Lage und Konsistenz der Zervix kurz mit dem Mittelfinger über die Scheide ertastet. Während der unfruchtbaren Tage an Anfang und am Ende des Monatszyklus liegt sie tiefer in der Vagina, ist sehr leicht zu erreichen und fühlt sich eher derb an. Rund um den Eisprung ist der Gebärmutterhals hingegen höher gelegen, weiter und weicher. Auch für dieses Körperzeichen gibt es in den Formblättern eine eigene Spalte.

Schaut man sich – am besten nach mehreren Zyklen Erfahrung – die Kurven an, wird man in den allermeisten Fällen in der Monatsmitte eine Steigung der Temperaturkurve und die entsprechenden zyklusabhängigenVeränderungen der Zervix erkennen. Die Ermittlung der „sicheren Zeit“ nach dem Eisprung funktioniert folgendermaßen: Sie können mindestens bis zum Zyklusende ungeschützten Verkehr haben, wenn a) die Temperatur seit 3 Tage erhöht ist (Details siehe Temperaturmethode), b) die Zervix 3 Tage tief gelegen und derb ist und c) die maximale Feuchtigkeit 4 Tage her ist (Details hier, siehe Billings-Methode). Theoretisch kann man auch eine der beiden Zervix-Untersuchungen weglassen. Mit beiden zusammen hat man aber ein noch klareres und somit im Zweifel noch sicheres Bild.

Methode ist auch bei unregelmäßigem Zyklus geeignet

Diese Methode eignet sich auch für Frauen mit mal kurzen und mal längeren Zyklen, da sie ausschließlich die vorhandenen Veränderungen des Körpers aufnimmt und nicht – wie etwa die Kalendermethode – eine größtmögliche Konstanz und Regelmäßigkeit der Zyklen vorraussetzt. Um die Tage vor dem Eisprung möglichst sicher ermitteln zu können und damit die Zeit ohne Abstinenz bzw. notwendiger sonstiger Verhütung noch zu erweitern, bedarf es etwas mehr Erfahrung. Aber auch hier kann man nach Festhalten mehrerer Zyklen meist schon ziemlich sicher eine Tendenz feststellen, welche Tage in der Regel noch nicht „fruchtbar“ sind. In jedem Fall ist die symptothermale Praktik umso sicherer, je mehr die Frau und ihr Partner motiviert sind, gemeinsame Verantwortung für die Verhütung zu übernehmen. Auch steigt die Sicherheit auch mit der Zeit der Anwendung. Im Laufe der Monate und Jahre werden Sie mit ihrem Körper und dieser Methode immer vertrauter. Die meisten Frauen, die sich für diese Art der natürlichen Familienplanung entschieden haben, empfinden diese nach kurzer Zeit nicht nur als unkompliziert, sondern auch als bereichernd. Bei der symptothermalen Methode vereint sich bei regelmäßiger und sorgfältiger Anwendung größtmögliche Sicherheit mit dem verständlichen Wunsch nach einer Verhütung im Einklang mit dem Körper.

Autor: Dr. med. Monika Steiner