Was sollte jeder zum Thema Kondom noch wissen?

Kondome bestehen meistens aus Latex, das heißt aus vulkanisiertem Kautschuk. Bei einer – allerdings sehr seltenen – Latexallergie kann man auch auf Kondome aus Polyurethan zurückgreifen. Diese sind im Vergleich mit Latexkondomen etwas teurer, robuster (auch in Zusammenspiel mit ölhaltigen Gleitmitteln), ebenso sicher gegen Schwangerschaft, aber durch ihre Struktur auch durchlässiger für mögliche Geschlechtskrankheiten.

Letzteres gilt auch für sogenannte „Naturkondome“ aus Lammshaut. Diese sind in einigen Teilen der Welt ebenfalls erhältlich, aber hinsichtlich der internationalen Sicherheitsstandards nicht unbedingt empfehlenswert.

Latexkondome haben einen leichten, speziellen Gummigeruch, der gegebenenfalls gewöhnungsbedürftig ist. Durch die Wahl von Marken mit Bananen- oder Erdbeeraroma kann man diesen etwas mildern, allerdings meist nicht völlig neutralisieren.

Eine Größe für alle Größen

Vor dem Kondomkauf ist eine Größenabmessung des Penis nicht nötig. Denn während männliche Genitalien im „Normalzustand“ recht unterschiedlich groß sind, erreicht das erigierte Glied bei nahezu allen Männern einen fast ähnlichen Durchmesser, um den sich ein Kondom optimal anlegen lässt. Sollte das Präservativ trotzdem spannen oder aber sich zu locker anfühlen, lohnt oft schon der Wechsel zu einer anderen Marke. Es gibt auch Kondome in verschiedenen Größen, aber es ist ein Gerücht, dass Männer mit großem Penis unbedingt auch XL-Kondome brauchen. Im Zweifel und bei Bedarf kann man ja einfach mal verschiedene Größen durchprobieren (hierfür sollte man sich Zeit nehmen und am besten eine doppelte Sicherheit wählen, z.B. die unfruchtbaren Tage der Frau oder aber eine zusätzliche Verhütungsmethode. Im Regelfall gilt aber: One size fits all – eine Größe passt allen.

Sonne und Öl machen Latex durchlässig

Wenn Latexkondome zusammen mit Gleitmitteln oder Spermiziden angewendet werden, muss darauf geachtet werden, dass diese ausschließlich wasser- oder silikonbasiert und eben nicht ölhaltig sind wie etwa Bodylotion, Vaseline, Baby- oder Massageöl, etc. Letztgenannte Inhaltsstoffe können den Latex ebenso angreifen und porös machen wie einige lokal angewendete Arzneimittel (z.B. Creme gegen Pilzinfekte). Auch Hitze, trockene Luft sowie direkte Sonneneinstrahlung können das Kondom schädigen. Es ist empfehlenswert, Präservative eher in einer (klimatisierten) Drogerie zu kaufen als z.B. aus dem südwärts gelegenen Schaufenster eines Kiosks. Auch bei der Lagerung sollte man darauf achten, dass die Tütchen keinen extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind. Schon das längere Aufbewahren im überhitzten Handschuhfach des Autos kann das Material anfällig machen.

Finger weg von peppigen Kondomen aus Fernost

Mittlerweile gibt es Kondome in allen erdenklichen Farben, Formen, Texturen sowie Duft- und Geschmacksrichtungen. Wem also das beige-cremefarbene Standardmodell zu langweilig ist, hat die volle Auswahl. Ganz wichtig ist allerdings darauf zu achten, dass auch die „knalligen“ Präservative ein anerkanntes Gütesiegel haben und von einem namhaften Hersteller (z.B. Ritex, Durex, Billyboy, condomi, Fromms etc.) stammen. Insbesondere einige Importe aus dem fernöstlichen Ausland sind eher als lustige Gimmicks zu verstehen und weniger als verlässliches Verhütungsmittel.

Leicht befeuchtete Kondome empfehlenswert

Übrigens gibt es auch bei europäischen Qualitätskondomen unterschiedliche Latexstärken zur Auswahl. Hier kann man sich je nach Bedarf entscheiden (z.B. ultradünn für extra viel Gefühl oder extrastark bei Analverkehr). Es macht meist Sinn, zu bereits befeuchteten Kondome zu greifen, da Latex immer auch einwenig Flüssigkeit zieht und so auch die Vaginalschleimhaut ein wenig trockener sein kann als normal. Das ist meist für beide Partner angenehmer.

Ob die Verwendung von Präservativen im Vorfeld abgesprochen wird oder ob ein „Verhüterli“ spontan beim Sex gezückt wird – heutzutage sollte das Thema Kondom kein Tabu mehr sein. Die meisten Menschen gehen sehr entspannt mit dieser Fragestellung um – ob sie Kondome nun verwenden oder sich auch bewusst dagegen entschieden haben.

Autor: Dr. med. Monika Steiner/ Ärztin